Wenn man beide Werte zusammen zieht (siehe vorige Seite, Anm. Bernd Robben), kann man statistisch davon ausgehen, daß unsere jetzige Bevölkerung ca. 80% seiner Vorfahren (vor 1850) in dieser Gruppe finden wird.
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Dagegen ist leider in den uns erhalten gebliebenen Kirchenbüchern die Gruppe der Heuerleute vielfach sehr unvollständig dokumentiert worden; es gibt z.B. von einer Geburt Daten, aber keinen vollständigen Namen, oft nicht einmal den Hinweis auf einen Elternteil. Lediglich die Bezeichnung eines Nebengebäudes, daß einem Bauern gehörte.
Beispiel: 1.5.1709 „En een kint uijt Pöstis Schüüre van ‚t Hanken e“
Beispiel: 3.9.1752 „Berend van Brink Schot kint Harm“
Dies gilt auch in vielen Fällen für andere Bereiche der kirchlichen Eintragungen.
Alle relevanten verwertbaren Daten habe ich gesammelt. geordnet und zu überschaubaren, stimmigen Familienverbänden verbunden.
Ergebnis für das 3. Beispiel:
Kind : Harm Harmensen geb. 3.9.1752
Vater : Berent Harmensen, Brink Huurman r 67 Heirat
Mutter: Aale Lampen etwa 1745
Das Beispiel Nr. 1 war nicht verwertbar.
Dieser zweiten, berichtigten und vervollständigten Ausgabe habe ich alte Handschriften aus den Jahren 1486 und 1634/35 beigefügt. die Namen von Bauern enthalten, die dem Fürsten zu Bentheim eigenhörig waren; Zins und Abgabepflichtig – im weitesten Sinne – auch Heuerleute.
Mein Dank dafür gilt Prinz Oskar, Fürst zu Bentheim und Burgsteinfurt. der einer Veröffentlichung zugestimmt hat.
Sowie Herrn Dr. Voort, Bentheim, für die Übersetzung derselben.
Ebenso Karten aus dem Jahr 1895 der Kirchspiele Nordhorns.
Die Namen der Hofstellen wurden von Herrn Gerhard Plasger ermittelt und deren Koordinaten festgelegt.
Es wird sicher einige Heuerfamilien gegeben haben. die so mit der Hofstelle verknüpft waren, daß über Jahrhunderte auch Heuerhäuser vom Vater auf den Sohn übergegangen sind; wie ich es bei dem Heuermann Balders auf dem Hofe Lödden selbst recherchiert habe.
Ich wünsche Ihnen viel Erfolg bei der genealogischen Suche.
Danken möchte ich an dieser Stelle Herrn Theodor Davina für alle geleisteten Vorarbeiten und Hilfen, Herrn Gerhard Plasger für Übersetzungen und Korrekturen und Jörg für Gestaltung der Karten, Covers und Einiges mehr.
Es soll hier kurz die umfangreiche Dokumentation von Werner Lieske vorgestellt werden.
Er hat im Kirchspiel Nordhorn in der Zeit von 1692 bis 1850 735 Heuerlingsfamilien dokumentiert.
Dazu gehören 2100 Personen!
In seiner Einleitung schreibt er:
Das genealogische Forschen ist eine Suche nach den Anfingen; der Wunsch, immer tiefer in die Vergangenheit vorzudringen, hinter den Vorhang zu schauen, den Jahrhunderte gewoben haben.
Den Vorfahren einen Namen zu geben, damit sie uns deutlicher werden. Sie aus der Anonymität herauszuholen, ihr Leben in Grenzen transparenter zu machen und zwischen den Zeilen von ihren Freuden. Sorgen, und Nöten zu erfahren – ihrem Leben nachzuspüren.
Das hier vorliegende Buch befasst sich mit Heuerleuten, einer Bevölkerungsschicht, die in ihrer Zeit den untersten sozialen Rang einnahm; keinen Grund und Boden ihr Eigen nannte; nicht einmal ein Haus besaß; und doch machte sie den Großteil der Landbevölkerung aus, wie wir den Statistiken aus den Jahren 1812 und 1809 entnehmen können:
Vor etwas mehr als einem Jahr begannen die ersten Recherchen dazu. Mittlerweile sind über 70 „Objekte“ im Programm.
Im nächsten Jahr etwa um diese Zeit soll das Buch in den Druck gehen, damit es zum Weihnachtsgeschäft in den Buchhandlungen zeitgerecht angeboten werden kann. In den letzten 12 Monaten wurden insgesamt 35 Hausbesitzer besucht, es wurden Fotos gemacht und Gespräche geführt. Dazu liegen die bearbeiteten Bilder schon im Vorlayout vor und ein entsprechender Begleittext ist formuliert.
In den nächsten zwölf Monaten werden auch die übrigen ehemaligen Heuerhäuser besucht. Dabei geht es auch über das Verbreitungsgebiet des Heuerlingswesens in Nordwestdeutschland hinaus. So ist ein Landarbeiterhaus in den Niederlanden nahe der Grenze ins Programm aufgenommen worden, auch ein solches Doppelhaus in der Nähe von Emden wird ebenfalls vorgestellt werden.
Die Fotos (Bockholt) zeigen das Haus zu Beginn der Umbauphase und heute…
Das ehemalige Doppelheuerhaus von Frau Rohde gehörte früher zum großen Hof zu Oeveste in Rieste.
Dazu gibt es eine interessante Geschichte, die ein ganzes Buch füllt.
In der Einleitung dazu heißt es:
Warum ist Johann Heinrich zur Oeveste, geboren am 19. Oktober 1801, im März 1834 von Rieste im Kirchspiel Bramsche »nach Amerika gegangen«?
H. zur Oeveste war der älteste Sohn eines eigenbehörigen Großbauern, d.h. eines Colonen, der in einem Rechte und Pflichten umfassenden Abhängigkeitsverhältnis zur Grundherrschaft des Johanniter-Klosters Kommende Lage in Rieste stand. 121 Höfe gehörten dazu, 76 davon im Kirchspiel Bramsche. Die Familie hatte Naturalien zu liefern, Hand- und Spanndienste zu leisten und Geld zu zahlen. Colonen waren Erbpächter ihrer Höfe. (Dobelmann 55-74; B. Holtmann 50111; St. Martin, Bramsche: Lange).
Das war ein beschwerliches, aber weitgehend abgesichertes Leben für die Familie Kessen zur Oeveste. Sie wird erstmals um 1350 im Abgabenverzeichnis der Kommende Lage erwähnt. Sie hatte am 1. März 1834 die Ablösung, d.h. den Erwerb des vollen Eigentums, beantragt, wenige Tage, bevor J. H. zur Oeveste »nach Amerika gegangen« ist.
Im Münsterland stehen heute noch prächtige Eichen – so in den Baumbergen bei Gerleve.
Der insbesondere schon im 18. Jahrhundert aufblühende Schiffbau in Papenburg brauchte Mengen an gutem Holz dafür.
Insbesondere in der Winterszeit konnten beim Flößen etliche Heuerleute aus dem Münsterland dringend benötigte Nebeneinkünfte erzielen.
Im Raume Lingen wird von älteren Emsnachbarn erzählt, dass der Familienname Greve, der dort gehäuft auftritt, etwas mit spontaner Zuneigung zu jungen Emsländerinnen zu tun habe.
Dort sind also einige Flößer offenbar „gestrandet“.
Wollten die Heuerleute einen kleinen Schuppen anbauen, dann bekamen sie in aller Regel dafür vom Bauern nur die Erlaubnis, ein Provisorium zu errichten, das nach Abzug oder Kündigung durch die Heuerleute schnell wieder zu beseitigen sein sollte.
Bestehende Eichenbäume durften deshalb dafür nicht gefällt werden, diese wurden dann umbaut…