Wie gibt es ein Auskommen?

Ist es möglich zu machen, dass der Heuermann aus der Ackerwirtschaft

sein Auskommen gewinne?

Aus:

EPSON MFP image
EPSON MFP image

 

Damit der Heuermann aus der Ackerwirtschaft sein Auskommen finden könne, ist es notwendig

  1. dass er eine ausreichende Fläche guten Ackerlandes zur Benutzung habe,
  2. dass die Pachtverhältnisse in billiger Weise geordnet sind,
  3. dass er genügende Kenntnisse von einer vernünftigen Bewirtschaftung, Ein- und Umsicht, Fleiß und Sorgfalt besitze, um alle gebotenen Vorteile nach dem heutigen Stande der Ackerwirtschaft auszubeuten und endlich
  4. dass er Gelegenheit findet, seine Erzeugnisse gut zu verwerten.

Bevor wir diese unerlässlich scheinenden Bedingungen im Einzelnen besprechen, wollen wir uns zuvor die Erfahrungen zu Nutze machen, welche in dem benachbarten Münster- und im Emslande unter ähnlichen Verhältnissen gemacht sind. Auch hier waren die Arbeiterwanderungen unter den Heuerleuten allgemein, auch hier wurden dieselben veranlasst durch die Notwendigkeit, zur Bestreitung aller Lebensbedürfnisse einen Nebenverdienst neben den Ergebnissen ihrer Ackerwirtschaft zu haben. Seitdem dieses Bedürfnis in der Heimat befriedigt werden konnte, hat das Hollandsgehen allmählich, und jetzt längst vollständig aufgehört. Und wodurch ist das denn bewirkt worden? Nach der Auseinandersetzung eines genauen Sachkenners hat hier das Hollandsgehen dadurch sein Ziel gefunden, dass durch die vorgenommene Teilung der Marken, Heiden und Brüche Gelegenheit geboten wurde, den Acker der Heuerleute zu vergrößern, sodann, dass hierdurch sowohl, wie durch Gemeindewege- und Eisenbahnbauten, durch sonstige übernommene Akkordarbeiten, durch die immer steigende Ausnutzung der Bergwerke, durch Anlegung von Fabriken aller Art, von Baumwollspinnereien, Seidenwebereien u. dgl. So viele Arbeitskräfte angezogen wurden, dass es für Niemand mehr notwendig war, in der Fremde Arbeit zu suchen.

Im Emslande wirkten teilweise andere Ursachen, vor allem war es hier wohl die Entstehung zahlreicher Kolonien, wodurch Gelegenheit geboten wurde, bei rechtem Fleiße ein Grundeigentum zu erwerben, welches die bescheidenen Bedürfnisse unter Gottes Segen sicher befriedigte, wenn der Fleiß von gesunder Einsicht unterstützt wurde. In einem Zeitraume von weniger, als einem halben Jahrhundert (etwa von 1788 – 1830) wurden im Meppenschen nicht weniger als 26 Kolonien angelegt, wovon einige, wie Neurhede, Twist, Lindloh, Rütenbrock, Neuarenberg gegenwärtig schon gut bevölkerte und im Ganzen selbst wohlhabende Gemeinden bilden. Die Ausnutzung des Moores, insbesondere durch Buchweizenbau, welche in immer größerem Maßstabe stattfand, kam gleichfalls auch den kleineren Leuten nicht wenig zu Gute. Endlich ist das gute Einvernehmen, welches im Emslande sowohl wie auf dem Hümmling zwischen den Hofbesitzern und ihren Heuerleuten bestand, beiden zum Vorteil gewesen, indem jene dadurch zuverlässige Arbeiter, diese wohlwollende Hausherrn fanden, welche sich eine Freude daraus machten, die Wohlfahrt ihrer Untergebenen zu begründen.

Es fragt sich demnach, ob durch Ähnliches nicht gleichfalls im Osnabrück`schen, Lingen`schen und Bentheim`schen den Heuerleuten in einer Weise aufzuhelfen wäre, dass auch hier dem verderblichen Hollandsgehen dadurch ein Ziel gesetzt würde. Wir glauben, dass nach der oben mitgeteilten übersichtlichen Darstellung über die Bodenverhältnisse in den betreffenden Landesteilen als zweifellos annehmen zu dürfen. Zwar will man eben mit Rücksicht auf die Bodenverhältnisse des größten Teils der in Frage kommenden Landgebiete mancherlei Zweifel erheben. Man behauptet, dass der Sandboden hier in Beziehung auf Ertragsfähigkeit und Wohnlichkeit, auch auf zweckmäßige und gedeihliche Beschäftigung der Bevölkerung zu schlecht ausgestattet sei, als dass für die Bewohner günstige Erfolge zu erwarten ständen, was für Einrichtungen man auch treffen werde. Wir begegnen diesem Einwurfe schon hier vorläufig mit Aufzählung der guten Eigenschaften, welche ein unbefangener Gewährsmann [1]) dem flachen Sandboden des norddeutschen Tieflandes beilegt. Er sagt:

„1. Diese Gegenden bieten im Allgemeinen mehr kulturfähigen Boden, als das südliche und südwestliche Gebirgsland;

  1. sie gewähren dem Fleiß und Kapital der Bewohner einen größeren Spielraum;
  2. es lässt sich dort selbst willkürlicher über die Bodenbenutzung je nach dem Bedürfnisse bestimmen;
  3. sie sind in Bezug auf Kommunikationsmittel vor dem Gebirgsland unendlich begünstigt;
  4. die Kultur im Flachlande hat noch lange nicht den Höhepunkt erreicht, den sie wahrscheinlich erreichen wird, wenigstens erreichen kann.“

Demnach sind wir der festen Überzeugung, dass zuvor der Versuch gemacht werden müsse, alle Vorteile des Bodens gehörig auszunutzen, bevor man unsere Frage verneint. Dann freilich müssen alle dabei interessierten Teile fest und freudig ineinander greifen und unter Umständen muss auch der Einzelne bereit sein, einen besonderen Vorteil dem Ganzen zum Opfer zu bringen.

Wir wollen im Folgenden näher hierauf eingehen und unsere unmaßgebliche Meinung darüber aussprechen, was insbesondere die Colonen, die Gemeinden und der Staat für die Aufbesserung der Verhältnisse der Heuerleute tun könnten, und schließlich, was zu dem Ende den Heuerleuten selbst zu tun obliegt.

  1. Ein wichtiger Teil der Lösung unserer Aufgabe ist zuerst in die Hand der Colonen gelegt.

Zunächst und vor allem sollen sie es sich angelegen sein lassen, dass das schöne, christlich-patriarchische Verhältnis, welches ehedem auf den Bauernhöfen unseres Vaterlandes bestand, sich aber in neuerer Zeit zu allseitigem Nachteile mehr und mehr zu lösen begann, wieder hergestellt werde. Es ist besonders Sache der Colonen, dem zersetzenden Einflusse der Neuzeit durch die Allgewalt der christlichen Liebe entgegenzuwirken und durch Wohlergehen ihrer Untergebenen zu verhindern, dass allmählich ein bloßes Rechtsverhältnis geltend werde, dem das christliche Wesen fremd ist.

Diese Teilnahme aber können die Colonen betätigen dadurch, dass sie bereit sind, ihren Heuerleuten, soweit es ohne eigenen augenscheinlichen Nachteil geschehen kann, die Mittel zu geben, ihre Ackerwirtschaft mit wirklichem Vorteil betreiben zu können. Dazu gehört vor allem eine ausreichende Fläche guten Bodens. Man rechnet gegenwärtig für den Heuermann einen Acker von 10 – 15 Scheffelsaat. Das ist nicht genug, denn er muss aus seiner Wirtschaft bares Geld machen können und zu dem Ende namentlich auch seinen Viehstand vergrößern. Darum halten wir einen Acker von 25 – 30 Scheffelsaat für unerlässlich notwendig und sind der Überzeugung, dass namentlich auch Wiesen- oder zur Kultur von Futterkräutern geeignetes Land sich darunter befinden müsse, damit der Heuermann zur Unterhaltung eines gehörigen Viehstandes in Stand gesetzt werde. Selbstredend ist das Verhältnis je nach Beschaffenheit des Bodens, wie z. B. im Amte Grönenberg, ein weit geringeres Maß ausreichen, wir glauben aber das angegebene als das richtige Mittel festhalten zu sollen.

Mancher Colon möchte entgegnen: Das ist mir nicht möglich, ich kann das Land für meine eigene Wirtschaft nicht entbehren; ich würde zu viel verlieren müssen, sollte ich jedem meiner Heuerleute so viel Land geben; allenfalls kann ich noch Markengründe entbehren u. dgl.

Freilich wird es einzelne Fälle geben, wo man diese Einreden gelten lassen muss, aber das ist auch von vorne herein festzuhalten, dass ohne alles und jedes Opfer das Ziel nicht erreicht werden wird. Wenn die Colonen nur geneigt sind, so weit es notwendig sein wird, den eigenen Ackerbau etwas einzuschränken, die Zahl der Heuerleute entsprechend zu verringern, unbebaut liegendes Land zu kultivieren und dafür von dem kultivierten Lande einen entsprechenden Teil den Heuerleuten zu überlassen, da wird schon vielen von diesen geholfen werden können.

Was dann insbesondere die Zahl der Heuerleute angeht, so ist es Tatsache, dass manche Höfe, freilich nur mit Rücksicht auf den eigenen Vorteil, zu viele Heuerleute angenommen haben, als dass sie jedem einzelnen das benötigte Land überweisen könnten. Das mag gehen, wo durch anderweitige Pacht u. B. von Domänen- oder Klostergründen der Ausfall ersetzt werden kann, sonst ist das ein Fehler, welcher wieder gut zu machen ist.

Die Kultur der Markengründe ist von den Colonen selbst zu besorgen, einmal um den ihren Heuerleuten überlassenen Acker allmählich zu ersetzen, zugleich aber auch, um den Heuerleuten Gelegenheit zum Tagelohn zu geben. Es wäre ebenso rücksichtslos, wie zweckwidrig, wollte man die unkultivierten Markengründe den Heuerleuten in Pacht geben, um sie von ihnen kultivieren zu lassen und dann desto höhere Pacht von ihnen zu ziehen. Damit würde deren Lage in den wenigsten Fällen verbessert werden. Dagegen aber wäre es bei den Teilungen wohl ins Auge zu fassen und zu berücksichtigen, dass die Heuerleute in den Markengründen früher Streu, Weide, Brennmaterial und dergleichen fanden, damit sie dafür einen entsprechenden Ersatz erhalten. Wenn es nicht richtig oder ausführbar erscheinen mag, den Heuerleuten kleinere Abteilungen als Eigentum zuzuweisen, so dürfte es doch zu empfehlen sein, zu ihrem Vorteil eine geeignete Fläche unbebaut liegen zu lassen, den Neu- und Anbauern aber einen entsprechenden Anteil zu geben, sei es ach, wie es an einzelnen Orten geschehen ist, gegen einen an die Gemeindekasse zu zahlenden billigen Canon. Der Gemeinde wird dadurch ein mehrfacher, nicht zu unterschätzender Vorteil zugewendet. Unter allen Umständen sollte aber die Kultivierung der Marken nirgends mehr aufgeschoben werden, allein schon aus dem angeführten Grunde, um damit die Lage der Heuerleute zu verbessern, indem man ihnen Land und Arbeit verschafft.

Im Osnabrückischen sind die Marken freilich meistens geteilt, aber in vielen Orten noch nicht kultiviert. Mögen die Colonen schon aus Rücksicht auf ihre Heuerleute bald ernstlich damit beginnen!

Es ist der Erfahrung entsprechend, dass durch die Teilung der Marken der Wohlstand der Gemeinde gehoben wird. In den Berichten der landwirtschaftlichen Vereine werden manche Gemeinden angeführt, welche seit der Teilung merklich empor geblüht sind, Gemeinden, welche dahin gelangt sind, ihre Schulden zu bezahlen, den Viehstand zu vergrößern, neue Wohnungen zu erbauen, tausende von Talern zu gemeinnützigen Zwecken aufzubringen und ihre Bevölkerung um die Hälfte zu vermehren.

Mit der Markenteilung sollte zugleich eine neue und zweckmäßige Verkoppelung durchgeführt werden. Teilung der Marken und Verkoppelungen haben sich als die wahren Grundlagen landwirtschaftlicher Verbesserungen bewährt.

Aber mit dem Lande selbst ist es noch nicht genug, es muss den Heuerleuten auch gestattet sein, dasselbe recht auszunutzen. Dazu bedarf es entsprechender Pachtbedingungen. Die Pachtzeit unter andern muss hinreichend lang sein, dass der Pächter Verbesserungen des Bodens und der wirtschaftlichen Einrichtungen vornehmen könne mit der Aussicht, selbst Nutzen davon zu ziehen, und was die so genannten „Handdienste“ betrifft, so dürften dieselben entweder ganz aufzuheben, oder mindestens doch auf ein billiges, genau bestimmtes Maß festzusetzen sein. Wenn immer wieder Klagen über ungemessene, rücksichtslose Forderungen, welche manche Colonen an ihre Heuerleutestellen, laut werden, wenn der Heuermann Unwillen darüber empfindet, dass er zur Zeit der Arbeitsnot zuerst für seinen Colonen eintreten muss und erst, nachdem diesem geholfen ist, an seine eigenen notwendigen Arbeiten gehen kann, wenn es ihn empört, so oft zu einer Zeit, wo die Arbeiten sich drängen, der Colon von ihm Dienste verlangt, die eben so gut auch später geschehen könnten, so kann man ihm nicht Unrecht geben, sondern sieht sich zu dem Urteile bestimmt, dass hier ein wunder Fleck sei, dessen Heilung versucht werden müsse. Solche Rücksichtslosigkeit – und doch wird so oft darüber geklagt – erzeugt Unzufriedenheit, Missmut und Bitterkeit, zerstört die gute Harmonie, welche bestehen sollte, nimmt jedes Interesse an den Erfolgen des Gutsherrn hinweg und lähmt die Freudigkeit am Wirken und Schaffen. Das sind Verhältnisse, welche notwendig geändert werden müssen. Bezüglich der Handdienste scheint es uns am besten, dieselben möglichst genau nach Zahl und Zeit festzustellen, für dieselben einen guten Tagelohn zu bestimmen, und dagegen die Pachten entsprechend zu erhöhen.

Endlich können die Colonen ihren Heuerleuten sehr nützlich werden und ihr Fortkommen fördern, wenn sie ihnen Arbeit verschaffen und dieselbe gut bezahlen. Die wenigsten Heuerleute sind im Besitze eines so bedeutenden Ackers, dass ihnen nicht Zeit genug erübrigte, um im Tagelohn für Andere zu arbeiten, die meisten aber haben einen solchen Nebenerwerb notwendig, um eine hinreichende Summe baren Geldes in die Hände zu bekommen. Es handelt sich also zunächst und vor allem darum, dass es an Arbeit nicht fehle. In erster Linie mögen dafür eben die Colonen sorgen. An Gelegenheit dazu fehlt es selten, denn was lässt sich auf den meisten Colonaten durch Einführung einer vernünftigen Bewirtschaftung durch Verbesserung der Ländereien und Wiesen, durch Ausroden nachteiliger Waldhecken, durch Kultivierung der Markengründe, durch Entwässerungen und dergleichen noch tun!

Wenn man aber mit solchen Arbeiten die Heuerleute beschäftigt, so ist nicht bloß diesen geholfen, sondern auch die Arbeitgeber werden selbst ihren guten Vorteil daraus ziehen. Das wird ihnen bald einleuchten, wenn sie nur den Versuch machen wollen.

Oder sollte es den Colonen nicht einleuchten, dass der direkte Vorteil, welchen solche Verbesserungen im Laufe der Zeit bringen, die dafür verwendeten Ausgaben doppelt aufwiegen werden? Sollten sie nicht begreifen, dass der Verfall ihrer Heuerleute ihnen selbst einen unersetzlichen Nachteil bringt, wie deren Wohlstand zugleich den ihrigen erhöht? Dass sie der Heuerleute bedürfen, vorzüglich um gute und verhältnismäßig billige Arbeiter zur Hand zu haben, mit welchen sie die Kultivierung ihrer Äcker bewerkstelligen können, und dass sie guter Heuerleute bedürfen, die selbst sich eines gewissen Wohlstands erfreuen, um sich in aller Beziehung auf sie verlassen zu können?

Damit zerfällt auch die gehörte Einrede, dass die Zahl der Heuerleute nicht wohl verringert werden könne, weil die Colonen der Arbeitshilfe nicht entbehren und den Pachtzins nicht aufgeben können. Nur auf gute Heuerleute kann der Colon in allen Fällen mit Sicherheit bauen, unaufhörliche Quäler, welche sich kaum durchschleppen, sind leicht eine Last des Gutsherrn, solche aber, welche um Arbeit zu suchen, ins Ausland ziehen, fehlen mit ihrer Arbeitshilfe oft gerade in derjenigen Zeit des Jahres, wo die Arbeit am meisten drängt.

Sodann muss auch 2. die Gemeinde helfen. Der Pfarrer, der Lehrer, die Vorsteher, alle Gemeindebeamten, jedes Gemeindeglied, welches sich eines gewissen Vertrauens und Ansehens in der Gemeinde erfreut, soll in seiner Weise durch Belehrung, Anweisung, Ermahnung und Warnung, durch Unterstützung und Zurechtweisung die Erreichung des Zieles fördern. Haben doch auch Alle, denen das Wohl der Gemeinde am Herzen liegt, ein großes Interesse daran, alle ihre Glieder tunlichst gesund zu bewahren, alle faulen Glieder aus der Gemeinde fernzuhalten. Ist es doch vollkommen wahr, dass alle Glieder leiden, wenn eines krank ist! Dazu aber ist diese Krankheit eine ansteckende, welche sich leicht weiter verbreitet und noch andere, oft schwerere Krankheiten nach sich zieht.

Das der Pfarrer als geistlicher Vater der Gemeinde auch das materielle Wohl des Einzelnen im Auge behalten und nach Kräften fördern muss, ist anerkannt. Ebenso zweifellos ist es aber, dass der Geistlichkeit eine wichtige Aufgabe bei der Lösung der gegenwärtig Alles beherrschenden sozialen Fragen zufällt, ihre desfallsige Tätigkeit beweiset aber zur Genüge, wie richtig dieselbe erkannt und wie entschieden sie angegriffen wird. Die Frage über Hebung des ländlichen Arbeiterstandes, ich meine des Standes der Heuerleute, steht den übrigen sozialen Fragen an Wichtigkeit sicher nicht nach, deshalb muss und wird ohne Zweifel die Pfarrgeistlichkeit zur glücklichen Lösung derselben gern das Ihrige beitragen. Sie kann das durch Rat, Belehrung, Ermunterung, insbesondere aber auch dadurch, dass sie den wohlhabenderen und glücklicher gestellten Gemeindegliedern ans Herz legt, was Recht, Billigkeit und das Gesetz der Nächstenliebe von ihnen fordern.

Die Lehrer werden vielfach Gelegenheit finden, die Bemühungen der Geistlichkeit zu unterstützen. Auch der Gemeindevorstand muss nach demselben Ziele hinstreben, denn eine Gemeinde wird nur dann gut geleitet und in allen ihren Interessen gefördert werden, wenn geistliche und weltliche Vorsteher Hand in Hand gehen und nach denselben Grundsätzen an dem Ausbau des Gemeindewohls arbeiten. Was würde es z. B. dem Pfarrer nutzen, gegen zügellose Tänzereien, gegen nächtliches Umherschwärmen, gegen Saufereien und Trinkgelage zu predigen, wenn gegen Alles dieses der Vorsteher gern ein Auge zudrücken und selbst widerwillig dem Gesetze Geltung verschaffen wollte?

Nun aber wird jeder vernünftige Mensch anerkennen, dass nichts mehr das materielle, wie dass geistige Wohl einer Gemeinde zu Grunde richte und namentlich den Arbeiterstand verderbe, als solche böse Gewohnheiten. Darum auch hat der Pfarrer alle Ursache, mit ganzer Kraft und mit seinem ganzen Einflusse gegen das Hollandsgehen aufzutreten, weil dadurch grade die genannten Exesse und bösen Angewöhnungen vielfach befördert werden. Eine verständige, ruhige Erörterung aller den Gegenstand betreffenden Fragen, sei es in Privatunterhaltungen, sei es in öffentlichen Vorträgen oder in populärer Schrift wird sicher nicht ohne Frucht bleiben, vielmehr zum Nachdenken über diesen Gegenstand veranlassen und die Erkenntnis darüber aufklären.

Die Gemeindevorsteher aber sollen die Bestrebungen des Pfarrers in Allem unterstützen; ihre Stellung bietet ihnen vielfache Gelegenheit dazu. Insbesondere würde es ihnen obliegen, auf Verbesserung von Wegen, auf Wasseranlagen und ähnliche in ihrem Verwaltungsbereich liegende Gegenstände die Aufmerksamkeit zu richten, einmal wieder, um den Arbeitern Verdienst zu geben, zugleich aber auch, um die Arbeitskräfte in der Gemeinde zu deren Nutzen zu verwenden.

Insbesondere weisen wir noch auf einige praktische Mittel hin, womit das Wohl namentlich des Arbeiterstandes wesentlich gefördert werden kann.

Zuerst nennen wir die landwirtschaftlichen Vereine, deren Aufgabe es ja eben ist, neuere Erfindungen und Erfahrungen zur allgemeinen Kenntnis zu bringen, praktische Versuche zu unterstützen, durch Belehrung, durch Erleichterung vorzunehmender Verbesserungen, Beschaffung neu erfundener zweckdienlicher Werkzeuge, neuerer Frucht- und Tierarten und dergleichen die Landwirtschaft zu heben und das Wohl der Landleute zu fördern. Es verdient ohne Zweifel die allgemeine Anerkennung, dass unsere Regierung sich der landwirtschaftlichen Vereine sehr annimmt und ihre Bestrebungen mit allen ihr zu Gebote stehenden Mittel unterstützt. Wenn dieselben dadurch in die Lage gebracht sind, vielseitigen Nutzen stiften zu können, so ist es nun Sache der Landwirte, sich diese Gelegenheit zu Nutze zu machen, um ihre Kenntnisse, den Gesichtskreis ihrer Erfahrungen zu erweitern und von den gebotenen Vorteilen Gebrauch zu machen. Vielerorts versäumen auch die Landleute diese Gelegenheit nicht, anderswo ist die Beteiligung noch viel zu geringe, namentlich sind es eben die so genannten kleinen Leute, denen die Ergebnisse der Bestrebungen viel mehr vermittelt werden müssten. Gewiss würde es zu dem Ende zweckdienlicher sein, wenn jede einzelne Gemeinde wieder ihren Zweigverein hätte, welcher mit dem Vereine des Amtsbezirks und durch diesen mit dem Provinzialvereine u. s. w. in Verbindung stände. Jedenfalls aber werden Verwaltungsbeamte, Vorsteher, Geistliche oft und wiederholt auf den Nutzen der landwirtschaftlichen Vereine aufmerksam machen und zur Verwertung ihrer Ergebnisse Colone wie Heuerleute ermuntern müssen.

Neben den landwirtschaftlichen Vereinen sind die Ackerbauschulen zu nennen, worin jungen Landwirten die Gelegenheit geboten wird, sich in allen ihrem Berufe nützlichen Kenntnissen auszubilden. Dass sich die Zahl der Ackerbauschulen immer mehr vergrößert, beweiset am besten, dass sie einem wirklichen Bedürfnis entsprechen.

Sodann nennen wir die Sparkassen. Sparsamkeit ist die Mutter des Reichtums. Wer weiterkommen will, muss in Kleinem, muss in Allem sparen. Der tägliche Tropfen höhlt selbst den Marmor, der tägliche Groschen bringt allmählich einen Haufen von Talern. Damit er aber auch den Groschen nur täglich erübrige, muss Mancher im Kleinsten auf Ersparung bedacht sein. Die Sparkassen, wie sie gegenwärtig überall eingerichtet sind, unterstützen und fördern das Streben, voran zu kommen, in ausgezeichneter Weise. Unvermerkt und ohne jede Beschwerde sammelt man durch kleine Einlagen und Zinsen allmählich eine runde Summe, welche zur Zeit von unschätzbarem Werte werden kann.

Werden schon die jungen Leute, sobald sie anfangen zu verdienen, veranlasst, von Zeit zu Zeit regelmäßig Einlagen zu machen, die Zinsen aber zum Kapital umschreiben zu lassen, so erwerben sie allmählich ein kleines Vermögen, dessen großen Wert sie erst dann vollständig erkennen, wenn sie selbständig zu werden beabsichtigen. Ebenso tun Eltern gut, für ihre Kinder regelmäßige Einlagen zu machen. Pfarrgeistliche aber und Gemeindevorsteher solcher Gemeinden, welche noch keine Sparkassen besitzen, sollten mit deren Einrichtung nicht zögern, denn alle diejenigen, welche in ihren Gemeinden solche eingerichtet und ihre Untergebenen zur Beteiligung veranlasst haben, wissen über die erzielten Vorteile viel Gutes zu berichten.

Endlich dürfen wir auch die Näh- und Strickschulen nicht unerwähnt lassen. Jede Hausfrau weiß, wie viele Vorteile aus dem Nähen und Stricken gewonnen werden. Mag der Gewinn im Einzelnen auch nur gering und unbedeutend erscheinen, auf die Länge der Zeit erlangt derselbe doch eine große Ausdehnung. Dieser direkte Gewinn ist jedoch nicht der einzige Vorteil, welcher aus dem Nähen und Stricken gewonnen wird, sondern der größere Gewinn liegt in der Angewöhnung, jeden Augenblick gut auszunutzen, nie ohne Arbeit sein zu können, in vollkommener Untätigkeit sich unbehaglich zu fühlen; er besteht in der Fertigkeit, welche dadurch gefördert wird, jedes Ding vollständig auszunutzen und alles auf`s Sparsamste einzurichten; lieber der eigenen Tatkraft und Tätigkeit, als fremder Hilfe zu vertrauen. Darum sorgen umsichtige Pfarrer und Lehrer für Näh- und Strickunterricht in den Pfarrschulen und werden für ihre Bemühungen durch schöne Erfolge belohnt. Der Menschenfreund aber empfindet eine wohlbegründete Freude, so oft er in einer Gemeinde z. B. die das Vieh hütenden Kinder mit dem Katechismus oder dem Strick-strumpf in der Hand antrifft; denn er weiß es, dass da, wo die Jugend zu einer wohlgeordneten Tätigkeit angeleitet wird, Sittsamkeit und Wohlstand herrschen und die Grundlagen wahren Glücks gelegt sind.

  1. Auch der Regierung und den Verwaltungsbehörden ist ferner bei Lösung der Aufgabe, die Lage der Heuerleute aufzubessern und dadurch dem verderblichen Hollandsgehen Einhalt zu tun, ein wichtiger und wesentlicher Teil zugewiesen.

Da jeder Untertan, wie er verhältnismäßig die Lasten des Staates zu tragen, so auch auf den Schutz und die Hilfe des Staates den gerechtesten Anspruch zu machen hat, so ist demnach der Staat auch gehalten, den Stand der Heuerleute nach der einen Seite gegen Unterdrückung und Übervorteilung aller Art, nicht bloß durch Gesetze, sondern tatsächlich zu schützen und sicher zu stellen, nach der andern sogar sich desselben besonders anzunehmen und ihn durch Vorteile, welche er ihm zuwendet, zu heben, zu ermutigen, zu fördern. Insbesondere wird die Staatsverwaltung dahin zu wirken haben, dass das Verhältnis zwischen Colonen und ihren Heuerleuten tunlichst genau festgestellt und solche Bedingungen als unstatthaft bezeichnet werden, welche die Erfahrung als dem Wohlergehen der Heuerleute feindlich bewährt hat. Wir rechnen dahin Be-stimmungen über die Zahl der Heuerleute, über Handdienste u. dgl.; sodann würde es förderlich sein, wenn z. B. bei Verpachtung der Kloster- und Domanialgüter die Verwaltungsbeamten so viel tunlich eben die Heuerleute berücksichtigen, und wenn namentlich auch die Erwerbung eines kleinen Grundbesitzes behuf Ausbaues und Gründung einer Familie strebsamen Leuten erleichtert würde. Auch die Gemeinden sollten der Aufnahme neuer Glieder nicht so viele und oft unbegründete Hindernisse entgegenstellen. Gerade in der Mischung von Besitzungen verschiedener Größe und Güte besteht das richtige Verhältnis in einer Gemeinde, und je größer die Zahl derjenigen, welche, wenn auch nur mit einem kleinen Besitze, an der Blüte der Gemeinde beteiligt sind, desto sicherer und fester ist das Fundament, auf welchem das Gemeindewesen ruht.

Aber noch in anderer Weise kann die Regierung unsern Heuerleuten zu Hilfe kommen. Was leichte Verkehrswege wert sind und wie sehr sie auf alle Lebensverhältnisse einwirken, das haben wir gerade in Osnabrück seit Anlegung der Eisenbahnen erfahren. Manche unsrer ländlichen Produkte sind bis auf den doppelten und dreifachen Preis gestiegen. Will die Regierung unseren Landleuten, insbesondere auch unseren Heuerleuten und namentlich in jenen Gegenden, woher noch unsere Hollandsgänger kommen, aufhelfen, so muss sie für bessere Verkehrswege sorgen, Chausseen, Kanäle u. dgl. anlegen, damit unsere Heuerleute nicht nur dabei Arbeit finden, sondern dass sie auch ihre Produkte besser verwerten können und damit sie bei der Kultur nicht auf solche Produkte beschränkt seien, welche den Transport erlauben.

Früher lebten manche Gemeinden, welche an das Münsterland, Holland, Ostfriesland grenzen, in völliger Abgeschiedenheit. Ist seitdem auch Einiges geschehen, so bleibt doch noch mehr zu tun übrig. Wenn wir nur den nördlichen Teil unserer Landdrostei ins Auge fassen, wo das Bedürfnis je länger, desto entschiedener sich herausstellt, so werden aus den beteiligten Gegenden seit Jahre, insbesondere aber seit dem Hungerjahre 1869, wo die Not der Bewohner die äußersten Anstrengungen zu ihrer Rettung selbst in weiterer Ferne notwendig machte, die Rufe nach Chausseen und Kanälen immer lauter.

Eine Verkehrsstraße längs des ganzen linken Emsufers bis Ostfriesland, eine andere Straße von Ibbenbüren über Hopsten, Schapen, Freren, Lengerich parallel der holländischen Grenze in den Hümmling und nach Papenburg, von Haselünne über Werlte, Lorup, Esterwegen u. s. w., verbunden mit der Entwässerung der großen Moore des Hümmling, endlich eine Kunststraße von Meppen über Haren und Rütenbrock nach Holland, ein solches System von Kunststraßen, verbunden mit dem gewünschten Kanalsystem, welches die nordwestlichen Länder unsrer Landdrostei mit den großen holländischen Kanälen in den Provinzen Overyssel und Drenthe in Verbindung setzen, würde allerdings für die Erhaltung und Vergrößerung des Handelsverkehrs, für die Hebung der Landwirtschaft und des ganzen Volkswohls von größter Bedeutung sein. Dadurch würde den Moorkolonien ihre Erhaltung gesichert, die Moore, welche jetzt nur zum geringen Teile verwertet werden, würden dadurch in bevölkerte und wohlhabende Gegenden umgeschaffen werden, unsere Massenprodukte, als die Bruchsteine von den Bentheimer und Gildehäuser Höhen, aus dem Teutoburger Walde und dem Wesergebirge, Kalk, Steinkohlen u. dgl. würden auf dem billigten Wege nach Holland kommen, während die durch Holland vermittelten Waren leichter in unsere Hände gelangten. Wie günstig müssten solche weitgreifenden Unternehmungen auf den Arbeiterstand der ganzen Provinz einwirken![2])

Liegt es auch im höchsten Interesse der Regierung, den Stand der Heuerleute zu heben, sein Wohlergehen fest zu begründen, seine Blüte zu befördern, seine Kraft dem Staate möglichst nutzbringend zu machen! Je mehr sich der Wohlstand dieses zahlreichen Standes hebt, desto mehr wird seine Steuerkraft erhöht, desto mehr kann er durch Erhöhung seiner physischen Kräfte als Arbeiter, als Soldat dem Staate leisten, desto sicherer kann dieser sich zur Zeit der Not auf ihn stützen, weil die Interessen gemeinsame geworden sind und sich von einander nicht mehr trennen lassen, desto schöner wird die Tugend der Vaterlandsliebe in seinem Herzen emporblühen und herrliche Früchte bringen, sobald die Lage des Vaterlandes jeden guten Bürger auffordert, freudige Opfer auf seinem Altare niederzulegen.

Wie aber, wenn sich dieser Stand überall vernachlässigt, gedrückt, unberücksichtigt sieht, wenn er vorzugsweise nur die Staatslasten kennen lernt, aber nur wenig von seinen Bestrebungen, das Wohl der Staatsbürger zu begründen, wahrnimmt, so wenig, dass er sogar um seine Lebensbedürfnisse zu gewinnen, sich zur Auswanderung und zu den angestrengtesten Arbeiten im Auslande unter den augenscheinlichsten Gefahren gezwungen sieht? Da ist es wohl natürlich, wenn auf solchem Boden die schöne Blume der Vaterlandsliebe nicht erblühen will.

Man entgegnet: Eine Aufbesserung der Lage der Heuerleute ist vielfach gleichbedeutend mit Verminderung der Bevölkerung, und eine solche kann doch der Staat in seinem eigenen Interesse nicht befördern.

Wir antworten: In einzelnen Fällen höchstens wird eine wirkliche Abnahme der Bevölkerung statthaben. Es kann sein, dass einzelne Bauerngüter an Zahl der Heuerleute  verlieren, andere werden dagegen vielleicht gewinnen, diejenigen namentlich, auf welchen viel Markengrund in Kultur genommen wird. Übrigens entbehrt die Einrede in sich auch jeder Bedeutung. Denn wie nur gute Bürger dem Gemeindewesen nutzen, so kann auch nur an guten, leistungsfähigen Bürgern dem Staate gelegen sein. Möge die Gemeindeverwaltung in Verbindung mit der Staatsregierung nur darauf bedacht sein, ihren Einfluss geltend zu machen und alle ihr zu Gebote stehenden Quellen zu eröffnen, und mögen zugleich auch die Colonen das Ihrige tun, dann wird vielen Arbeiterfamilien leicht mit Land und Arbeitsgelegenheit geholfen und eine Verminderung der Population wird nicht zu fürchten sein.

Zudem, was ist es denn genau genommen, was die Entvölkerung befördert, was Tausende eben aus unsern Gegenden veranlasst, jenseits des Ozeans ein neues Vaterland zu suchen, wenn nicht der berechtigte Wunsch, sich und ihren Kindern ausreichenden Unterhalt zu erwerben und die Zukunft möglichst zu sichern? Darum eben ist die Zahl der auswandernden Heuerleute, sowie der Knechte und Mägde so groß, weil sie dort mit Sicherheit fast eine Verbesserung ihrer materiellen Lage erwarten und ohne ängstliche Besorgnis für das Schicksal ihrer Kinder in die Zukunft sehen dürfen. Sobald das Vaterland diesen eine leidlich gute Lage zu bieten im Stande ist, werden viele sich schwerlich zur Auswanderung entschließen. Darauf würde also von Seiten der Regierungs- und Gemeindebeamten wie der Colonen die Aufmerksamkeit zu richten sein, in aller Weise der materiellen Lage der untern Schichten der ländlichen Bevölkerung aufzuhelfen, dann wird die Bevölkerung eher zu-, als abnehmen und die Leistungsfähigkeit gegenüber der Gemeinde, wie dem Staate wird in demselben Maße wachsen, wie der Wohlstand allgemeiner wird; dann wird die Zahl guter Heuerleute, welche jetzt in manchen Gegenden in so bedenklicher Weise abnimmt, sich wieder mehren. Ist es doch eine durch Zahlen zu beweisende, wohl zu beachtende Tatsache, dass seit vielen Jahren die Zahl der nach der neuen Welt Auswandernden grade in jenen Distrikten, welche auch die meisten Hollandsgänger lieferten, am größten war. Wird es demnach verkehrt sein, zu schließen, dass die Ursachen für beide Erscheinungen dieselben seien? Nimmt man diese Ursachen hinweg, so wird auch die Wirkung wohl ausbleiben.

Im Laufe der letzten beiden Decennien lässt sich die jährliche Zahl der Auswanderer aus dem Fürstentum Osnabrück zu ppr. 70 auf je 10.000 Einwohner veranschlagen. Es gibt Gemeinden, wovon der siebente, ja der sechste Teil ihrer Glieder im Laufe der Zeit über das Meer gezogen ist, so dass der Abgang an Arbeitskräften allmählich schon empfindlich wahrgenommen wird und noch tiefer gefühlt werden würde, wenn nicht die Zahl der Mehrgeburten den Ausfall immer wieder deckte. Will man diese Leute, die zum Teile zu den besten und strebsamsten Bürgern gehören, dem Staate und der Gemeinde erhalten, so muss eben auf Änderung und Besserung ihrer Verhältnisse Bedacht genommen werden. Mit der Gewohnheit des Hollandsgehens würde auch wohl die Lust, nach Amerika auszuwandern, abnehmen, da für Beides dieselben Ursachen bestehen.

  1. Der wichtigste Anteil an der Lösung unsrer Aufgabe verbleibt jedoch schließlich den Heuerleuten selbst.

Nachdem ihnen nämlich in der nun besprochenen Weise von allen Seiten ein Feld zu fruchtbringender Tätigkeit vorbereitet ist, liegt es nun an ihnen, dasselbe mit Fleiß und Eintracht zu bearbeiten, und es möglichst auszunutzen. Fleiß, Ein- und Umsicht, ja die gehören dazu, damit die Heuerleute dennoch ihre Lage wirklich verbessern und unter Gottes Beistand selbst zu einem gewissen Wohlstande gelangen können. Nur so kann das Ziel, zu dessen Erreichung alle mitwirken sollen, auch wirklich erreicht werden. Die Landwirtschaft hat in den letzten Jahrzehnten ganz außerordentliche Fortschritte gemacht, durch deren umsichtige Verwertung es möglich gemacht wird, dem Boden einen weit höheren Ertrag abzugewinnen, als seither erzielt wurde. Wird der praktische Landwirt auch nur allmählich dahin kommen, den Nutzen, welchen die Landwirtschaft aus den auf dem Gebiete der Naturwissenschaften und der Mechanik außerordentlich geförderten Kenntnissen zieht, sich zu eigen zu machen, und, werden namentlich die Heuerleute stets erst in zweiter Linie davon Nutzen ziehen, so ist es doch notwendig, so weit es nicht schon geschehen, den altgewohnten Pfad da zu verlassen, wo das Neue bereits durch die Erfahrung bewährt gefunden worden ist. Es ist eine drängende Notwendigkeit auch für den kleinen Landwirt, sich alle Vorteile zu Nutze zu machen und die Mittel dazu, als landwirtschaftliche Vereine, Ackerbauschulen, Kenntnisnahme von den betreffenden Schriften etc. wohl ins Auge zu fassen. Aber noch mehr!

Der Landmann hat immer zu tun; wer die ihm gebotene Zeit nicht benutzt, kann es zu nichts bringen, wie günstig auch die Verhältnisse seien, in welche er gesetzt wird. Nur durch schwere Arbeit, durch rastlose, umsichtige Tätigkeit kann der Heuerling sich ein sorgenloses Dasein verschaffen. Sicher wird er es an verdoppelter Anstrengung nicht fehlen lassen, sobald er auf seinem eigenen Acker arbeiten kann.

Die Arbeit das Landmannes erfordert körperliche Kraft; er muss sich dieselbe durch beständige Übung, durch sorgfältige Pflege, gesunde Kost, Reinlichkeit und Ordnung im Hause, reine frische Luft etc. erwerben und erhalten. In vielen dieser Punkte lassen es unsre Landleute noch sehr fehlen und stehen darin gegen ihre Standesgenossen in anderen Gegenden bedeutend zurück. Möchte darin bald eine bessere Erkenntnis Platz greifen!

Die Arbeit des Landmannes erfordert Sachkenntnis und Umsicht, damit alle und jede Vorteile der Wirtschaft gehörig ausgenutzt werden. Der Heuermann namentlich, da er einen kleineren Acker zu besorgen hat, darf sich keinen der gebotenen Vorteile entgehen lassen, weil seine kleinere Wirtschaft ihm die sorgsamste Überlegung und Anwendung gestattet. Dazu ist es notwendig, die Ergebnisse wissenschaftlicher Forschungen und praktischer Erfahrungen, welche früher ganz unbekannt waren, sorgfältig in Anwendung zu bringen. Was z. B. über die Vermischung verschiedener Bodenarten, um dadurch eine wesentliche Verbesserung des Bodens zu erwirken, über Düngung. Düngerbereitung und Vermehrung, Über Verbesserung des Bodens durch Mergelung oder Kalkung, über die Vorteile des Riolens und der tiefern Bearbeitung des Ackers, über die Ruhe, welche von Zeit zu Zeit dem Acker gegönnt werden soll [3]) über den richtig angewandten Fruchtwechsel, Futterbau und Stallfütterung u. dgl., unter den kundigen Landwirten längst feststeht, muss von den Heuerleuten um so sorgfältiger in Anwendung gebracht werden.

Mit Ausnahme von Alt-Picardie beschränken z. B. die Moorkolonisten im Bentheim`schen die Düngung meistens auf eigene Äcker, welche dem Hause zunächst liegen und bauen sonst nur Buchweizen im gebrannten Moor. Misswachs im Buchweizen bringt die Kolonisten in Georgsdorf, Adorf, Neuringe regelmäßig in die traurigste Lage, weil ihnen die Gelegenheit zum Erwerb von Lebensmitteln durchaus abgeht. Für den Absatz ihres reichen Torfschatzes sind die Marktplätze zu weit oder mindestens zu schwer zu erreichen. Und doch sind die Moore durchaus kulturfähig, wenn nur die richtigen Grundlagen nicht fehlen, und doch besitzen die Moore in dem kostbaren Torf einen reichen Schatz, dessen Hebung und Nutzbarmachung unter allen Umständen versucht werden muss. Dass die Moore kulturfähig sind, hat die Erfahrung der letzten Jahre wieder in ein klares Licht gestellt. Man hat den Versuch gemacht, z. B. die Äcker, worauf Klee und Hülsenfrüchte gebaut wurden, mit Kalk, diejenigen, welche man mit Rüben und Kartoffeln bepflanzte, mit Kali zu düngen, auch, wo Dünger fehlte, Knochenmehl verwendet und ist durch die Erfolge überrascht worden; der Kuhkohl hat auf Äckern, welche mit schwefelsaurem Kali-Magnesia gedüngt waren, einen doppelt höheren Ertrag gebracht, als bei gewöhnlicher Düngung. – Das sind Erfahrungen, welche auch in andern Gegenden den Landleuten die Augen öffnen sollten. Unter allen Umständen aber muss ihr Streben darauf gerichtet sein, von Allem, was ihnen nutzen kann, sich Kenntnis zu verschaffen, und sie dürfen daher kein ihnen gebotenes Mittel verabsäumen, sich dieselben anzueignen.

Dennoch fehlt es an dieser Kenntnis leider vielfach, wenigstens findet sie viel zu wenig Anwendung. Dass z. B. von der Bodenart die Fruchtgattung abhängig ist, weiß jeder Ackerwirt, dass aber durch Bearbeitung und Vermischung der Boden vielfach verbessert und tragfähiger gemacht werden kann, welche Mischung zu wählen sei und warum, welche Düngungsart im gegebenen Falle zu wählen sei, wie der Dünger vermehrt, auch künstlich bereitet werden könne, überhaupt, was der Dünger dem Lande wert und wie sorgfältig der demnach zu hüten sei, das scheinen viele Landleute nicht zu wissen; denn wenn sie es wüssten, würden wohl manche Vernachlässigungen und Unordentlichkeiten in dieser Beziehung weniger vorkommen. [4])

Der Heuermann muss in die Lage gebracht werden, seinen Viehstand vergrößern zu können, und eben darum muss er mehr Land haben, wie er es dazu gebraucht; die Viehzucht steht mit dem erfolgreichen Betriebe der Ackerwirtschaft im genauesten Zusammenhange. Nicht nur wird durch Vergrößerung des Viehbestandes die Düngermasse vermehrt, sondern außerdem wird ihm dadurch eine Menge größerer oder geringerer Vorteile gesichert. Kann er mehrere Kühe halten, so geht ihm die Milch im ganzen Jahre nie aus, er erhält reichlichere und gesündere Nahrung, Gelegenheit, Milch, Butter, Käse, zu Zeiten ein fettes Kalb oder selbst eine fette Kuh oder ein fettes Schwein zu verkaufen, und endlich gewinnt er dadurch ein Gespann, womit er seine Arbeiten auf dem Acker billiger und zur rechten Zeit verrichten kann.

Es dürfte hier der Ort sein, eine Tatsache mitzuteilen, welche die Bedeutung des Gesagten in ein noch helleres Licht stellen wird. Es ist bereits erwähnt, dass die Beschaffenheit des Bodens und besondere Verhältnisse in den südlichen Ämtern des Fürstentums Osnabrück den Flachsanbau und die Leinenindustrie vormals sehr begünstigten und förderten, dass dieselben aber bei den veränderten Verhältnissen seit Jahren zum großen Teile aufgegeben seien. Das Bedürfnis drängte, etwas Anderes an die Stelle treten zu lassen, was größeren Ertrag versprach. Durch einsichtsvolle Landwirte veranlasst, haben, zuerst einzeln, auch die Heuerleute sich auf Butterbereitung und Viehmästen verlegt und den günstigsten Erfolg gehabt. Nach dem Berichte eines anerkannt tüchtigen Landwirts, der früher längere Zeit Ständemitglied war, hat ein Heuermann im Amte Grönenberg von einer Kuh in einem Jahre 27 Thlr. bar an Butter gewonnen, ein anderer von zwei Kühen 28 Thlr. Jetzt ist die Bereitung von Butter und Fettwaren hier allgemein und so bedeutend, dass davon, wenn wir recht verstanden haben, im Jahre 1868 allein aus dem Amte Grönenberg für 52.000 Thlr. ausgeführt sind. Natürlich hat die Bewirtschaftung des Ackers dadurch eine vollständige Änderung erfahren müssen, man sieht aber, was erreicht werden kann, wenn die Ackerleute bestrebt sind, die gebotenen Vorteile richtig auszunutzen. Es ist schon gesagt, dass in diesen Teilen des Fürstentums das Hollandsgehen vollständig aufgehört hat.

Auch im Meppenschen nimmt die Bereitung von Butter und die Mästung von Schweinen immer mehr zu. Beide gelangen durch Vermittler auf den großen Markt und so weiter nach Westfalen und Rheinland, nach Hannover und dem Lippeschen, selbst nach England.

Während diese erfreulichen Beispiele zur Nachfolge aufmuntern sollen, ist es Sache der Regierung, der Amts- und Bezirksvorsteher, so wie auch der landwirtschaftlichen Vereine, durch Vermittlung guter, geeigneter Viehrassen, edler Zuchttiere etc. diese Angelegenheit tunlichst zu fördern.

Zur vollständigen Ausnutzung solcher Vorteile muss der Heuermann in die Lage gebracht werden, Stallfütterung, mindestens die halbe Stallfütterung, einführen zu können; denn diese gewährt nicht bloß den Vorteil des unschätzbaren Düngers, sondern, da die Fütterung eine regelmäßigere ist, so wird auch das Vieh kräftiger, liefert einen höheren Ertrag an Milch, es kann also mehr Butter und Käse bereitet und mehr und besseres Vieh gemästet werden. Die Stallfütterung aber bedingt entweder Wiesenkultur oder vermehrten Anbau von Futterkräutern, so dass also dem Heuermann Wiesen verschafft werden müssen oder Land, das sich zum Anbau von Futterkräutern, Runkelrüben und dergleichen eignet.

Auf die Anlegung und Kultur der Wiesen und zum Ersatze den Anbau von Futterkräutern ist bislang noch viel zu wenig Aufmerksamkeit und Fleiß verwendet worden. Das Fürstentum Osna-brück besitzt einen ansehnlichen Reichtum an Wasser; zahlreiche Bäche und kleine Flüsse ermöglichen eine ausgedehnte Wiesenkultur. Vieles ist darin bereits verbessert worden, noch viel mehr kann geschehen, um diese Vorteile vollständig auszunutzen. Die Lüneburger Heide kann unseren Landwirten in dieser Beziehung als nachahmungswürdiges Muster dienen. Hier wird jeder Tropfen Wasser nach seinem Werte geschätzt und ausgenutzt. „Von der Quelle an, sagt Prof. Dr. Kutzen [5]), lässt man dem Wasser nicht Ruhe; immer und immer wieder fängt man es, um in dem Tale der kleinen Heidbäche und Flüsschen aber- und abermals seine Dienste zu gewinnen. In der Lüneburger Heide wird auch die kleinste Quelle zu künstlicher Berieselung benutzt und nicht selten eine Summe von mehr als 100 Talern zur Anlage eines Morgens Wiesen verwandt. Haben sich doch sogar große Genossenschaften dort zur Anlage von Bewässerungen gebildet.“ Gleiche Sorgfalt würde sich auch bei uns lohnen.

Freilich ist vielleicht das Anlagekapital nicht klein, aber es bringt reiche Zinsen und soll namentlich auch dem Heuermann zu Nutze kommen, welchem solche Anlagen Gelegenheit zum Verdienst und zugleich zur Befriedigung seiner Bedürfnisse bieten. Mögen Einzelne und ganze Gemeinden diesen Punkt wohl ins Auge fassen! Die Regierung beweiset sich überall geneigt, solche Unternehmungen nach Kräften zu unterstützen.

Die Ein- und Umsicht, welche der Heuermann in seiner Wirtschaft mitbringen soll, muss ihn bald überzeugen, dass eine kleine Wirtschaft anders zu führen ist, als eine große, und dass in derselben die Aufmerksamkeit viel mehr auf Erzielung vieler kleiner Vorteile gerichtet sein kann und soll. Es ist eben so bezeichnend, wie richtig, wenn ein einsichtsvoller Landwirt behauptet, dass sich „der Ackerbau der Heuerleute möglichst der Gartenkultur nähern, dass sie mehr die einträglicheren Früchte bauen müssen, welche vorzüglich eine sorgfältigere Behandlung nötig machen und bei welchen der Spaten besser angewendet werde, als der Pflug.“ Nicht bloß auf die sorgfältigere Behandlung und Verarbeitung des Ackers nach allen Richtungen hin findet dieses seine Anwendung, sondern in vorzüglicher Weise auch auf die Art der zu bauenden Früchte. Es ist jedes Heuermanns Sache, zu untersuchen, welche Frucht er auf seinem Acker gegenwärtig mit dem größten Vorteil anbauen kann, d. h. welche ihm nach Verhältnis den meisten Gewinn bringt. Wir machen hierbei auf Einzelnes noch speziell aufmerksam.

Im Osnabrückschen war der Flachsanbau früher sehr ausgedehnt, wie das westfälische Leinen berühmt. Wenngleich nun das Spinnen und Weben, welches vordem allgemein war, durch die Maschinen, wie schon erwähnt, unterdes längst verdrängt worden ist, so darf doch der Flachsbau da, wo sich das Land dazu eignet, nicht vernachlässigt werden, weil es auch jetzt noch Kosten und Fleiß des Landmanns sehr gut belohnt. Mit den Verbesserungen, welche der Flachsbau auch bei uns allmählich annimmt, wird derselbe um so lohnender werden, je gesuchter der Flachs durch Anlegung mancher großartigen Maschinen-Flachsspinnereien wird.

Auch der Hanfanbau könnte in manchen Gemeinden, deren Boden sich dafür eignet, lohnend werden, nicht minder der Hopfenbau; mehr aber noch dürfte auf Tabaksbau, der bei uns fast noch ganz unbekannt ist, die Aufmerksamkeit zu lenken sein, da derselbe nach den anderswo gemachten Erfahrungen einen recht guten Ertrag verspricht.[6]) Gemüse- und Obstbau sind um so mehr zu empfehlen, je einträglicher dieselben bei umsichtiger Behandlung sind. Was namentlich den Obstbau betrifft, so ist es anerkannt, von wie großem Nutzen das Obst in der Wirtschaft und Küche ist, und bald als angenehmes Gemüse, frisch oder getrocknet, bald als Obstkraut und Obstwein dient, bald als einträglicher Handelsartikel auf den Markt gebracht wird. Mit Recht wird darum der Obstbau von unsrer Regierung nach Kräften gefördert, sowohl durch Anlegung von Baumschulen, in welchen gute Obstsorten auf kräftigen Stämmen gezogen werden, als auch durch Bepflanzung aller öffentlichen Wege mit Obstbäumen, deren Früchte im Herbste versteigert werden. Der aufmerksame Landmann kann da lernen, wie der Obstbaum richtig zu behandeln ist, aber auch wie er jedes sonst oft verlorene Fleckchen Landes dadurch sich nutzbringend machen kann.

Ferner weisen wir auf die Bedeutung der Bienenzucht hin. Man hat den Ertrag der Bienenzucht im Königreiche Preußen auf mehr als 2 Millionen Taler, und den, welcher im Fürstentum Osna-brück durch die Bienenzucht leicht zu erzielen ist, auf 300.000 Taler angeschlagen. An einzelnen Stellen unseres Landdrosteibezirks, z. B. auf dem Hümmling und den größten Teile des Herzogtums Arenberg-Meppen wird viel für Bienenzucht getan und mit gutem Erfolge.[7]) Seit einem Jahrzehnt fängt man auch bei uns an, derselben mehr Aufmerksamkeit zuzuwenden, nachdem die „Wanderversammlungen der hannoverschen Bienenwirte“ die große Bedeutung der Bienenzucht für die Ackerwirtschaft nachgewiesen haben.

Wenn ferner die Schafzucht dem Heuermann meistens nur in sehr beschränktem Maße zu Gute kommt, so kann dagegen die Haltung und Förderung der Ziegen nicht genug empfohlen werden, auch die Gänsezucht namentlich in den mit Grünland versehenen Moorgegenden leicht mit großem Vorteil betrieben werden, wenngleich nicht zu verkennen, dass die Durchführung der Markenteilung derselben sehr nachteilig geworden ist. Dagegen wäre die Hühnerzucht noch viel mehr ins Auge zu fassen. Eier, Hühner, Küken, Kapaunen sind so gesuchte Nahrungsmittel, dass die Hühnerzucht, da sie außerdem so wenig Aufwand an Kosten und Mühe beansprucht, immerhin als sehr lohnend sich herausstellen wird.

In verschiedenen Amtsbezirken an der Weser und Elbe bildet die Hühnerzucht eine wichtige Erwerbsquelle für die kleineren Leute, welche die Märkte zu Bremen und Hamburg mit Hühnern, Küken und Eiern versehen, und es sollen Fälle vorkommen, wo eine Heuerfamilie in einem Winter weit über 100 Thlr. aus verkauften Küken zieht. – Aus dem Amte Neuenhaus ist der Betreib mit Eiern nach Holland ziemlich bedeutend [8]), in den meisten anderen Gegenden unseres Bezirks sollte dagegen der Hühnerzucht viel mehr Aufmerksamkeit zugewendet werden, da dieselbe ohne wesentliche Kosten und große Mühe bei der erleichterten Verbindung mit Bremen, Hannover, Holland und selbst England einen guten Erfolg verspricht.

Im Vorbeigehen erwähnen wir noch der besonderen Vorteile, welche sich manche Heuerlingsfamilie nebenher etwa durch Einsammeln von Fichten- oder Tannenäpfeln, von Bick-, Erd-, Krons- und Wachholderbeeren, durch Anpflanzung von Cichorien u. dgl. verschaffen kann. In manchen Orten ist der daraus gezogene Gewinn nicht unbedeutend.

 

 

[1] Pfeil in seinem „Archiv für Landeskunde im Königreiche Preußen“ Bd. I.

[2] Eben während wir dieses schreiben, sind französische Gefangene herangezogen, um beim Kanalbau in der Nähe von Lingen und Papenburg beschäftigt zu werden. Hoffen wir, dass die Arbeit nicht bloß angefangen, sondern auch vollendet werde! Die Arbeitskräfte fehlen uns auch ohne die Franzosen nicht.

[3] Schon Cäsar berichtet: „Die Ubier bereiteten ihr Land künstlich zu, indem sie es drei Fuß tief aufgruben;“ und: „Auch ist es nicht erlaubt, länger als ein Jahr denselben Acker zu bestellen;“ und Tacitus: „Sie (die deutschen) verändern jährlich die Bestellung der Felder, ein Teil des Ackerlandes aber bleibt übrig.“

[4] Abscheulich ist es, wie mit dem kostbaren Dünger manchmal umgegangen wird. Überall auf den Dorfschaften und den Höfen kann man sehen, wie Jauche fortläuft und die Düngungskraft durch Sonne und Luft dem Dünger entzogen wird. Wann soll das besser beachtet werden?

[5] „Das deutsche Land etc.“ 2. Ausgabe. Bd. II. S. 367. Die angeführte Stelle ist aus W. Peters` Preisschrift: Die Heid-

flächen Norddeutschlands wörtlich abgeschrieben.

[6] Nach amtlichen Mitteilungen von 1864 waren im Königreich Hannover 2430 Morgen Landes mit Tabak bepflanzt. Im Durchschnitt wurde der Ertrag pr. Morgen auf 8 Ctr. a 10 Taler berechnet – sicher ein befriedigendes Resultat! Versuche eines Sachkenners in Osnabrück fielen vollkommen zufriedenstellend aus.

[7] Im Jahre 1867 wurden in Stadt und Amt Lingen 3696, im Amt Freren 2103, Bentheim 1775, Neuenhaus 4788, im Amte Aschendorf 3797, Haselünne 1765, Hümmling 5020, Meppen 4950 Bienenstöcke gezählt.

[8] Nach einem offiziellen Berichte wurden i. J. 1867 für ppr. 20.000 Thlr. Hühnereier über Holland nach England ausgeführt.

EPSON MFP image
EPSON MFP image