Weiteres Beispiel: Heuerleute werden Neubauern

In diesem Buch werden mehrere Beispiele dafür vorgestellt, dass es Heuerleuten gelingt, Eigentum an Grund und Boden zu erwerben.

Hof Wessing

Die Eheleute Hermann Bernard Többen (*1766 t 1841) und Anna Maria geb. Schulte, (* 1773 – 1818) bewohnten das Heuerhaus des Colons Meerlüken, Haus Nr. 9 (heute Hof Niemann, Sandhasenstraße).

Deren Tochter Margaretha Aleid vermählte sich. 22 Jahre alt, am 17. 11. 1822 mit Johann Albert Wessing, 28 Jahre alt. Seine Eltern waren Johann Bernard Wessing und Anna Gesina geb. Kühlenborg. Sie wohnten in der Heuer des Colon Otten in Laxten. In dieser Ehe wurden drei Kinder geboren.

Kurze Zeit später erwarb die Familie Wessing-Többen die im Brögber-Felde gele­gene Neubauerei vom Excolon Meerlüken. Nach Zahlung von 700 Gulden wur­den sie am 29.01.1824 Besitzer.

Die Genenerationsfolge wurde fortgesetzt durch die Heirat des Sohnes Johann Ber­nard Wessing am 08.01.1861 mit Maria Gesina Lüttel (*07.11.1829), Tochter des Heuermanns Theodor Hermann Lüttel und seiner Ehefrau Margaretha geb. Keuter aus Brögbem.

Nach der Markenteilung 1858/61 zählten zu der Neubauerei Wessing folgende Flächen: Am kleinen Kamp, am Hauskampe, an Heuermann Hilbers seinen Grün­den, im Ochsenbruch und im Linger-Felde. Die Flächengröße betrug insgesamt 10,4 Hektar und erhöhte sich bis 1880 auf 12,5 Hektar. Dafür hatte Wessing 1872 jährlich 2 Rt und 64 Deut an Steuern zu zahlen.

Zusätzliche finanzielle Belastungen im alltäglichen Leben wie Landerwerb oder die Ausstattung abgehender Kinder, waren nur durch Nebenerwerb, der haupt­sächlich im Winter ausgeübt wurde, auszugleichen. So standen im Hause Wessing in der Mitte des vorherigen Jahrhunderts zwei Webstühle mit Zubehör und fünf Webkämme. Durch die Arbeit der Familie an diesen Geräten wurde eine zusätz­liche Einkommensquelle erschlossen, die Bargeld brachte und zum Wohlstand beitrug. Aus einem Übergabevertrag aus dieser Zeit geht hervor, was die Töchter als Mitgift in die Ehe bekamen: Eine Kuh, ein aufgemachtes Bett, Hausgeräthe, zwei irdene Schüsseln, vier Teller, vier zinnerne Löffel, zwei hölzerne Stühle, Spin­del und Haspel.

Tochter Maria Adelheid Carolina Wessing (*13.05.1862) übernahm den Hof und ehelichte am 16. 09. 1879 den Zimmermann [siehe Inschrift am Heimathaus] Johann Hermann Bruns (* 23. 01. 1851). Er stammte aus Klosterholte. Aus die­ser Ehe stammten drei Kinder. Am 02. 03. 1893 starb die Mutter Carolina Wessing im Alter von dreißig Jahren. Kurz vorher waren ihr 15 Monate alter Sohn und die Großmutter Gesina Wessing, 62 Jahre alt, gestorben.

Der Witwer Johann Hermann Bruns, genannt Wessing, ging am 27.06.1893 die zweite Ehe mit Maria Anna geb. Droste aus Biene ein. Es wurden vier Kinder geboren, die den Namen Bruns erhielten, später aber auch Wessing schrieben.

Bernhard Joseph Wessing heiratete 1914 Maria Helena Moss, die Tochter des Neubauern Albert Moss und seiner Ehefrau Anna Helena geb. Heidemann.

Die älteste Tochter Maria heiratete den Schmiedemeister Josef Marcus. Das Ehe­paar eröffnete an der Duisenburger Straße eine Schmiedewerkstatt mit Laden.

Rosa Bunge, Max Weinert (Herausgeber) Brögbern, Bauerschaft – Dorf – Ortsteil, Bröbern 1998, Seite 165- 167

Foto: Heimatverein Brögbern