Bericht über den Tagesablauf bei Hofbesitzern

Joseph von Hazzi

wurde 1735 als Sohn eines Maurermeisters in Bayern geboren. Nach dem Besuch des Gymnasiums bildete er sich in Anschluss an das Studium der Rechtswissenschaften insbesondere im Bereich der Land- und Forstwirtschaft weiter.

Wegen seiner fortschrittlichen Ideen erwarb er sich zunehmend Anerkennung. Mehrere Veröffentlichungen bewirkten, dass er in der napoleonischen Zeit und danach auch über Bayern hinaus bekannt wurde. Seine kritischen Aufzeichnungen finden sich auch in der heutigen Fachliteratur wieder:

Trinkerei des Bauern

„Die gewöhnliche Tagesordnung eines hiesigen Bauern besteht darin, beim Erwa­chen in die Frühmesse und dann ins Wirtshaus zu gehen, wo Fleisch gegessen und Brandwein ge­trunken wird; hierauf wird bis zur Mittagszeit in den Feldern nachgesehen; nach Tisch geht er wie­der ins Wirthshaus, wo er bis Abends 9 Uhr bleibt und sehr hoch manchmal um die großen Thaler spielt.

Trunkenheit ist aus dieser Ursache nicht selten, sowie auch Ausschweifungen in der Liebe …

man ist unfreundlich gegen Fremde … grüßt ihn nicht.”

Für die Masse der Kleinbauern kam aber ein solch aufwendiger Lebensstil nicht in Frage, „so daß man nicht leicht die Leerhäusler oder Tagwerker von den Kleinbauern unterschei­den kann”.

In dieser Veröffentlichung von Klaus Mohr (München 1992) findet sich obiges Zitat auf Seite 40:

Ein Besuch beim Nebenerwerbslandwirt Franz Dufter in Burghausen im Landkreis Altötting im Jahre 2016 ergab, dass auch in den ersten drei Jahrzehnten nach dem Zweiten Weltkrieg etliche Landwirte der Region mit größeren Anwesen diese täglichen recht intensiven Wirtshausbesuche  “pflegten”.

Dieses bäuerliche Verhalten war nicht auf Bayern beschränkt.

Weitere Themenschwerpunkte dieses Fachgespräches mit Herrn Dufter:

  • Entwicklungsbericht über die Landwirtschaft in Bayern seit dem Ende des 19. Jahrhunderts
  • Erfahrungen zum Übergang vom Vollerwerbs- zum Nebenerwerbslandwirt
  • Generationsprobleme in der Landwirtschaft
  • Denkhaltungen bei vielen Landwirten
  • Verhältnis der Bauern zu den Dienstboten

 

Foto oben:Wikipedia, übrige Bilder:Archiv Robben