Aufbruch (nach Pastor Meier)

“Tagelang war die Reise schon vorbereitet worden.

Was war da nicht alles in dem großen Reisesack verstaut, der meistens das Durchschnittsgewicht von 50 Pfund hatte. Leibwäsche, Arbeitsanzug und eine gehörige Portion Lebensmittel, denn ein großer Teil der Hollandgänger, die Torfarbeiter alle, musste sich selbst beköstigen und nahm sich für die ersten sechs Wochen (5 bis 6 Tage dauerte die Hinreise) fast alles mit. (…)

Anfangs musste der schwere weißgraue Leinensack getragen werden. Vater, Mutter, die Braut begleiteten den Mann bis an die Gemeindegrenze, so dass bei einem solch traurigen Ausgang, wo es oft viele Tränen gab, oftmals das halbe Dorf auf den Beinen war.

An der Gemeindegrenze blieben dann die Angehörigen zurück.

Nach und nach schlossen sich dann ebenfalls wandernde Arbeitskameraden aus Nachbarbezirken an. Einer ging mit der Harmonika (plattdeutsch: Handörgel) oder einer „Schalmei“, einem der Klarinette ähnelnden Instrument, vorauf, während die anderen zum Zeitvertreib dazu sangen.

Die Sense war auseinander genommen und wurde erst an Ort und Stelle auf einen Stiel, den man für wenig Geld bekommen konnte, gesteckt. Oder man erwarb sich in einer der zahlreichen „Sensenschmieden“, die an dem altbekannten Reiseweg lagen, eine solche. Denn die Hollandgänger schlugen Jahr für Jahr die gleichen Reisewege, die schon die Großväter gegangen waren, ein. Es gab Sensenschmieden, die ausschließlich nur für die Hollandgänger arbeiteten.