Walfang – ein gefährlicher Beruf
Am 15. Oktober 1759 ist begraben Geert Jakobs, der in Grönland auf dem
Schiff von Weiayrt Melchers Bott nach einer langwierigen Krankheit, nachdem ihm beide Füße abgenommen wurden, am 13. Juni gestorben ist.***
Am 11. März 1760 stirbt auf dem Schiff Renske Feyken, Frau des Com-
mandeurs Roelof Gerrits Meyer, 20. März hier begraben (Grabstein auf dem
Alten Friedhof).***
Am 13. März 1760 ist hier begraben Jakob Feyken, der auf seinem Schiff
am 29. November 1759 in Amsterdam gestorben ist.
***
Am 20. September 1760 ist Geert Roelefs zwischen Enkhuizen und Harlingen über Bord geschlagen und ertrunken.
***
Am 23. August 1761 ist bei Hamburg auf dem Grönlandschiff des Commandeurs Jakob Jansen Lübben gestorben Meuwes Olpherts, am 4. Sept. hier begraben.
Teerling, Hans: Aus Borkums Vergangenheit. Geschichtliche, kulturgeschichtliche und volkskundliche Betrachtungen. Berichte und Bilder zur Walfängerzeit, Borkum 1980.
Die Seefahrtschule in Mühlen
Walfang
Der harpunierte Wal tauchte sofort in die Tiefe, sirrend folgte die Leine. Alle im Boot halfen, die auslaufende Leine klar zu halten. Mit einem nassen Lappen benetzte der Leinenschießer den Bootsrand oder die Rolle, über welche die Leine ablief. Kräftig wurde
weiter gerudert, weil die Leine nicht plötzlich steif werden durfte. Sie würde dann reißen. Lief die erste Leine aus, wurde eine zweite oder gar dritte angeknotet. Wurde die Leine schlaff, war das ein Zeichen, daß der Wal wieder auftauchte. Jetzt wurde gestoppt, und man begann zu streichen, d.h. rückwärts zu rudern. Es ging darum das Tier zu ermüden. Die Jäger wußten das Erfahrung, wo die Beute wieder auftauchen würde. Das Wasser färbte sich dort dunkel, und der Wal durchbrach schnaufend und nach Luft schnappend die Wasseroberfläche. Darauf warteten schon die Männer in den anderen Schaluppen. Es ging darum, durch weitere Harpunen den Wal sicher festzumachen. Das Tier versuchte, sich durch mehrmaliges Tauchen seiner Verfolger zu entziehen. Aber langsam ermatteten seine Kräfte; es mußte immer länger an der Oberfläche bleiben, um sich zu erholen. Im geeigneten Augenblick waren die Jäger zur Stelle. Mit Wurf- und Stoßlanzen rückte man dem Wal zu Leibe, der bald Blut mit Wasser vermischt durch die Blaslöcher blies. Die gewaltige Schwanzflosse schlug das Wasser zu blutigem Schaum; der Todeskampf begann, die „Doodslagen“ setzten ein. Das Meer fing an zu dünen, und die Schaluppen dümpelten, daß der Harpunier sich setzen mußte.
Foto: Wikimedia commons
Teerling, Hans: Aus Borkums Vergangenheit. Geschichtliche, kulturgeschichtliche und volkskundliche Betrachtungen. Berichte und Bilder zur Walfängerzeit, Borkum 1980.
Ein Gedicht von A. von Chamisso
Dieses Gedicht aus dem Jahre 1836 von Adalbert von Chamisso könnte auch Die alte Heuerlingsfrau überschrieben sein.
Die alte Waschfrau
Du siehst geschäftig bei dem Linnen
Die Alte dort in weißem Haar,
Die rüstigste der Wäscherinnen
Im sechsundsiebenzigsten Jahr.
So hat sie stets mit sauerm Schweiß
Ihr Brot in Ehr‘ und Zucht gegessen,
Und ausgefüllt mit treuem Fleiß
Den Kreis, den Gott ihr zugemessen.Sie hat in ihren jungen Tagen
Geliebt, gehofft und sich vermählt;
Sie hat des Weibes Loos getragen,
Die Sorgen haben nicht gefehlt;
Sie hat den kranken Mann gepflegt;
Sie hat drei Kinder ihm geboren;
Sie hat ihn in das Grab gelegt,
Und Glaub‘ und Hoffnung nicht verloren.Da galt’s die Kinder zu ernähren;
Sie griff es an mit heiterm Muth,
Sie zog sie auf in Zucht und Ehren,
Der Fleiß, die Ordnung sind ihr Gut.
Zu suchen ihren Unterhalt
Entließ sie segnend ihre Lieben,
So stand sie nun allein und alt,
Ihr war ihr heit’rer Muth geblieben.Sie hat gespart und hat gesonnen
Und Flachs gekauft und Nachts gewacht,
Den Flachs zu feinem Garn gesponnen
Das Garn dem Weber hingebracht;
Der hat’s gewebt zu Leinewand;
Die Scheere brauchte sie, die Nadel,
Und nähte sich mit eig’ner Hand
Ihr Sterbehemde sonder Tadel.Ihr Hemd, ihr Sterbehemd, sie schätzt es,
Verwahrt’s im Schrein am Ehrenplatz;
Es ist ihr Erstes und ihr Letztes,
Ihr Kleinod, ihr ersparter Schatz.
Sie legt es an, des Herren Wort
Am Sonntag früh sich einzuprägen,
Dann legt sie’s wohlgefällig fort,
Bis sie darin zur Ruh‘ sie legen.Und ich, an meinem Abend, wollte,
Ich hätte, diesem Weibe gleich,
Erfüllt, was ich erfüllen sollte
In meinen Grenzen und Bereich;
Ich wollt‘, ich hätte so gewußt
Am Kelch des Lebens mich zu laben,
Und könnt‘ am Ende gleiche Lust
An meinem Sterbehemde haben.Foto: Wikimedia commons
aus: http://www.gedichte.eu/kl/chamisso/gedichte/die-alte-waschfrau.php am 22. 09. 2016
Dokumentation des Heuerlingswesens im HV Dreierwalde
Hier ist eine einmalige Dokumentation auf mehreren Ebenen gelungen
Eine Arbeitsgruppe Heuerlingswesen des Heimatvereins Dreierwalde hat in monatelanger gemeinsamer Forschungsarbeit diese Sozialisationsform in ihrem Dorf untersucht.
Dabei sind beeindruckende Ergebnisse herausgekommen.
Da ist eine Wandmalerei, die von Bernd Löchte sehr anschaulich mit leicht nachvollziehbaren Symbolen gestaltet wurde. Sofort erkennt man die Standorte der einzelnen Höfe und die Lage der Heuerhäuser dazu.
Der Arbeitskreis Heuerlingswesen in Dreierwalde:
von links: Gerhard Möller, Bernd Löchte, Bernd Terbeck und Josef Hermes
Im Mittelpunkt: Der Buchordner, in dem die Forschungsergebnisse zum Heuerlingswesens in Dreierwalde abgeheftet sind.
Fotos: Archiv Robben
Studien von Gerard Steenhuis (NL)
21. September 2016
Als eine ganz besondere Fallstudie zur Situation der besitzlosen Landbevölkerung gestalten sich offenbar die Recherchen um etliche Nachfolger der emsländischen Moorkolonisten von 1788, die ab 1866 ins benachbarte Holland abwanderten.
Der niederländische
Autor Gerard Steenhuis
hat sich in zwei Buchveröffentlichungen damit eingehend beschäftigt. Nachfolgend sollen auf dieser Website -erstmalig auf deutsch – Teile seiner Studien in Korporation eingestellt werden. Dafür hat er eigens ein kurzes Vorwort formuliert, das in die damaligen historischen Umstände einführt.
Foto: Archiv Robben
Eine Kurzbetrachtung zur Entstehung und Entwicklung u. a. von Barger Compascuum
von Gerard Steenhuis
Die Niederlanden hatten im 19. Jahrhundert weder Holz noch Kohle. Durch die industrielle Revolution brauchten sie aber Energie für die Fabriken, die Ziegeleien, aber auch zum Heizen der Häuser und für die Hauswirtschaft vor allem in den großen Städten der Westniederlande insgesamt. Der Teil des Bourtanger Moores im Osten von Emmen bis zur Grenze wurde zuletzt abgetorft.
Vier Unternehmer aus der Provinz Drenthe kauften das Gebiet Compascuum. Ein ‚Plan van aanpak‘ wurde aufgestellt, um zunächst das Gebiet zu entwässern. Es wurden Hauptkanäle, Stichkanäle und Wieken ‚Sietwieken‘ geplant. Die rührigen Geschäftsleute wollten Torf produzieren, diesen dann vermarkten und das entstehende Ackerland nutzen oder weiter verkaufen.
Andere Moorgebiete in den Niederlanden wurden aufgekauft von Amsterdamer Unternehmern (Nieuw Amsterdam) oder Geldgebern aus Dordrecht (Nieuw Dordrecht). Also: Nicht der Staat baute hier die Infrastruktur einer Fehnkolonie mit Kanälen und Wieken auf, es waren reiche Kaufleute und private Unternehmer, die Geld verdienen wollten.
In den ersten Jahren wurde weiter nur Buchweizen angebaut und Schaf- und Bienenzucht betrieben, darauf verstanden sich die deutschen Siedler besser, die ab 1866 aus den benachbarten emsländischen Moorsiedlungen verstärkt nach Barger Compascuum gezogen waren.
Compascuum ist erst ab 1910 abgetorft worden. In den anderen Gebieten wie Schoonebeek, Nieuw Amsterdam, Erica, Stadskanaal, Musselkanaal und Ter Apel wurde schon eher mit dem Abbau begonnen.
Das ganze Gebiet wurde systematisch abgegraben – nicht nur stellenweise. Alles war gut vorbereitet auf Papier in Konstruktionsbüros, alles war genau ausgemessen, berechnet und beschrieben. Es war bestens organisiert in sog. Waterschappen.
Die eingerichteten Plaatzen wurden später weiter verhandelt. Einige ansässige Bauern, aber auch viele Groninger Landwirte erwarben diese Plaatzen. Nach der Abtorfung entstanden große „Veenkoloniale boerderijen“.
Mit dem Beginn des Torfanbaus konnte ein reger Handel mit den Städten entstehen. Mit Schiffen auf den Fehnkanälen wurde der Torf dorthin transportiert. Auf der Rückfahrt wurden Fäkalien von dort entsorgt, die dann aber ein hervorragender Dünger auf den frisch angelegten Äckern bildeten. Diese Felder waren nun hervorragend geeignet zum Anbau von Kartoffeln, Zuckerrüben und Getreide.
Damit konnte gutes Geld verdient werden.
Unter den deutschen Siedler auf holländischem Gebiet waren einige Unternehmer, die an diesem Boom teilnahmen. Viele blieben in der Regel Kleinbauern, wurden Torfarbeiter und gingen in die entstehenden Fabriken arbeiten. Einige zogen weg zu den Minen in Limburg, in die Textilindustrie in Twente oder zu Philips in Eindhoven.
„Pickmäijers“ – ein Gedicht von Carl van der Linde
Im Jahre 1861wurde Carl van der Linde in Veldhausen geboren. Nach dem Schulbesuch absolvierte er eine Buchdrucker- und Schriftsetzerlehre im benachbarten Neuenhaus. Es folgten Wanderjahre durch Deutschland und Südeuropa. 1884 fand er eine Anstellung bei einer Zeitung in Hamburg. Nebenbei veröffentlichte er satirische Gedichte Zeitschriften.
1911 kehrte er in die Grafschaft zurück, wo er bis zu seinem Tode (1930) blieb.
Er veröffentlichte zahlreiche denkwürdige Gedichte und Geschichten in plattdeutscher Sprache.
Pickmäijers
In Holland, wo´t de groten Moaten giff,
De Buur völl Kohne up de Wäide driff,
Dor gaff´t in frog´re Tied nich Lö genog,
Dat Größ te mäijen, wenn et dicht en hoch,
De Hollanders betaalden grote Summen
En löten Mäijers sick ut Dütschland kummen.
To de Tied was hier de Verdeenst men knapp,
En vake was gin dröäge Broat in´t Schapp;
Dorüm ok, kwamp de Sommertied heran,
Günk geern noa Holland ieder steew´ge Mann,
Uem met de blanken nederlandschen Güllen
Den lögen Tück sick düchtig wer to füllen.
In grote Koppeln löpen´s hen te Foot,
Den linnen Büül up Siet, van Stroah den lichten Hoot,
Dat kläine Piepien kregel in den Beck,
De Swaa up´d Rügge, günk de grote Treck. —
En kwammen´s an, begünnt dor foort dat Mäijen,
Froh günk´t all loß, fönk an de Hahn te kräijen.
De Sünne schiende heet ehr wall up´t Liew,
De starke Sweet mök ehr de Bütte stiew. —
Dorüm was altied heel grot dat Pleseer,
Kwamm´n se gesund en sunder Fiebers wer.
Geld in´n Tück, vörby was all dat Quällen,
By Frau´en Kind günk nu et an´t Vertellen.
– – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – –
Wat heff´t sick andert in de lange Tied!
De dütschen Mäijers lopt nich mehr soa wiet,
De groten Moaten seht de Swaa nich mehr,
En Dagwark mäiht wot nu in een Kateer, —
Maschinen hebbt de Welt heel ümmekrempelt,
En Menschen ok sind to Maschinen stempelt.
Carl van der Linde
Quelle: Der Grafschafter. 6. Jg., Nr. 1 vom Mai 1926.
Die Borkumer stellten die Kapitäne… 1
… und die niederländischen Reeder die Schiffe!
Die norddeutschen Heuerleute bildeten die Besatzung!
In diesem Buch sind die Hintergründe erläutert:
Warum waren so viele Heuerleute (vor allem aus dem Oldenburger Münsterland)
als Walfänger unterwegs?
„https://www.ndr.de/geschichte/chronologie/Als-die-Norddeutschen-auf-Walfang-gingen,walfangimnorden101.html
Die Jagd auf den Wal war äußerst lohnend.
Schon in einem Jahr konnte ein Schiff die Kosten für seinen Bau und seine Ausrüstung wieder einfahren.
Kein Wunder, daß ein Wettlauf aller europäischen Nationen in die Fanggebiete einsetzte. Die arktischen Gewässer wurden zu den „Goldminen des Nordens“.
In dieser Zeit konnte man die Wale in Menge und Überfluss in den Baien (Buchten) Jan Mayens und Spitzbergens erbeuten, sie an das Land bugsieren, um sie dort abzuspecken und die Baden herauszuschlagen.
Die „Baienfischerei“ war eine Zeit, daß „man nicht allein an den Fisch hinrudern konnte, sondern auch, wenn er geschossen war, vielmals die anderen Fische wegscheuen oder mit dem Riemen auf den Leib schlagen und aus dem Wege jagen mußte, damit man dem festgemachtem Fisch beikommen konnte.
Es war sodann nichts seltsames, dass an einem Ort viele Fische, weil sie einfältig waren, gefangen wurden“.
Teerling, Hans: Aus Borkums Vergangenheit. Geschichtliche, kulturgeschichtliche und volkskundliche Betrachtungen. Berichte und Bilder zur Walfängerzeit, Borkum 1980.










