Einsetzende Flurbereinigungen gaben den Heuerleuten keinen “Platz” mehr

In diesem Buch wird auf den Seiten 145 bis 149 über die Flurbereinigung in Schwagstorf ab 1951 berichtet.

Und so geht Flurbereinigung:

Während viele Heuerleute vor der Flurbereinigung eher mit kleinen  – für die Bauern unrentablen – Flächen abgespeist wurden, fielen mit der “Verkopplung” diese weg. Es gab nur noch größere Nutzflächen, die die Landwirte nun für sich allein beanspruchten…

 

Die Flurbereinigung—Teilnehmer fühlten sich benachteiligt

Von Wilhelm Jürgens

Im Jahre 1951 bereitete das Nieders. Kulturamt in Osnabrück eine Flurbereinigung in Schwagstorf vor.

In der ersten Anhörung waren einige dafür, doch viele dagegen. Man befürchtete, bei der Neuverteilung schlechteren Boden zu bekommen. Auch sah man die Notwendigkeit einer Flächenzusammenlegung nicht ein, denn um z. B. eine Fläche von 2 Scheffelsaat mit einem Gespann zu pflügen, benötigte man einen ganzen Tag. Außer einer Mähmaschine waren größtenteils größere Ackergeräte noch nicht vorhanden. Der Mist mußte mit der Forke aufgeladen und gestreut werden.

Besonders bei den größeren Betrieben setzte sich aber bald die Einsicht durch; daß eine Zusammenlegung ihre Vorteile hatte.

Nun ging es um die Größe des Flurbereinigungsgebietes. Einige der größten Betriebe fürchteten die Kosten und gaben nur Randgebiete in das Verfahren. Es mußte die Grenze des Gebietes genau festgelegt werden. Grenzsteine wurden gesetzt.

Innerhalb des Gebietes wurden nun Bodenproben entnommen, um die Güte jeder Parzelle festzustellen und zu kartieren. Dafür wurden vereidigte „Bodenschmecker” eingesetzt. Dem Fachmann wurde ein „Hauer” zugeteilt. Dieser mußte mit einem Holzhammer den Bohrer (Bodenentnahme) 50 bis 60 cm tief in den Boden schlagen.

 

Nach dem Herausziehen des Bohrers konnte man die Struktur des Bodens deutlich erkennen: Dicke der Humusschicht, Sand- oder Lehmuntergrund, Ortstein und vieles mehr. Auch wurde die Art der Gräser geprüft (Schachtelhalm ist Gift für die Milchkühe). Schließlich wurden die Ergebnisse der Begutachtung in einer Kane festgehalten. Das dauerte Wochen. Für das ganze Gebiet mußten die Bodenpunkte ermittelt werden.

Anschließend wurden vom Nieders. Kulturamt für jeden Flurbereinigungsteilnehmer die Bodenpunkte errechnet.

Jetzt hatte Bauer X nicht mehr 20 ha Besitz, sondern eine bestimmte Punktzahl. Diese war die Grundlage für die spätere neue Zuteilung.

Nun konnte man an die eigentliche Arbeit gehen: Straßen und Wege wurden neu eingemessen, Wasserläufe begradigt und ausgebaut. Acker- und Grünlandflächen sowie Wald wurden kartiert. Die Karte sah wie ein großer Fleckenteppich aus.

Der Felsener Esch, das Driehauser Feld, der Venner Esch, der Knoll und das Horster Feld waren die größten Flecken in diesem Teppich. Nun konnten die neuen Wege geplant werden. Sie sollten möglichst gradlinig und parallel zu Straßen oder Gräben verlaufen. So ist z. B. der alte Driehauser Feldweg total verschwunden.

Nach Beendigung dieser Arbeiten konnte bei einer Anhörung jeder Ei-gentümer seine Wünsche äußern. Verständlicherweise konnten nicht alle Wünsche in Erfüllung gehen. Für die Flurbereinigungsbehörde begann nun die schwierigste Phase des Verfahrens: die neuen Flächen für jeden Besitzer mußten festgelegt werden.

Im Jahre 1957 waren die neuen Zuteilungspläne fertiggestellt. Von Raupen wurden die neuen Feldwege ausgeschoben. Für die neuen Parzellen mußten viele tausend Grenzsteine gesetzt werden. Als dann im Herbst 1957 bei dem Zuteilungstermin die neuen Flächen in Augenschein genommen werden konnten, war die Enttäuschung groß. Einige waren so empört, daß z. B. der Felsener Esch neu verteilt werden mußte.

Inzwischen sind 30 Jahre vergangen. Viele können sich an die alten Flächen nicht mehr erinnern.