Unvollständige Geschichtsschreibung – zunehmend besser zu belegen

Nach dem Erscheinen des Buches:

Wenn der Bauer pfeift, müssen die Heuerleute kommen! 

erhielten wir als Autoren – insbesondere aus den Lehrerkreisen – die Hinweise, die man zusammenfassend so formulieren kann:

Sie beschreiben hier fundamentale Kernelemente des 19. Jahrhunderts, die weder im Studium noch in der Lehrerfortbildung thematisiert worden sind!

oder noch krasser: Das 19. Jahrhundert muss in unseren Geschichtsbüchern entsprechend erweitert dargestellt werden!”

Ohne Zweifel ist die bis etwa in die Jahre um 1900 größte Bevölkerungsgruppe der besitzlosen Landbevölkerung völlig vernachlässigt worden. Diese Meinung bekunden vor allem jüngere Geschichtswissenschaftler/innen und Volkskundler/innen in persönlichen Begegnungen fast durchweg.

Dieser Beitrag von E. Beckermann (langjähriger engagierter Schulpraktiker auf mehreren Ebenen) gibt ein authentisches Beispiel dafür:

Aber auch in den Fachwissenschaften gibt es deutliche Aussagen dazu:

  • Prof. Dr. Sabine Doering-Manteuffel ist Inhaberin des Lehrstuhls für Europäische Ethnologie an der Universität Augsburg und seit 2011 deren Präsidentin.

Seit 2013 ist Frau Prof. Sabine Doering-Manteuffel Vorsitzende der Universität Bayern e.V. Für das Amtsjahr 2016 hatte sie zudem den Vorsitz des Lenkungsrats des Bayerischen Wissenschaftsforums BayWISS inne.

Aus:

http://www.unibayern.de/Aktuelles/Vorstand-der-Universitaet-Bayern-eV-fuer-weitere-2-Jahre-im-Amt-bestaetigt-1555/

Sabine Doering – Manteuffel schreibt in: Die Eifel, Geschichte einer Landschaft, Frankfurt 1995, Seite 225:

Die Volkskunde hat sich dem Forschungsgegenstand Region aus Scham vor ihrer eigenen Fachgeschichte, in der so viel von Stammeszugehörigkeit und Schollenbindung schwadroniert worden war, sowie aus berechtigter Furcht vor einem neuerlichen Bekenntnis zur „Heimat“ lange verweigert.

An anderer Stelle heißt es: Die Volkskunde hat hier allzu lange weggeschaut. Ihr Interesse am ländlichen Leben galt nach 1945 den Dörfern und Gemeinden, in der Nachkriegszeit zunächst den neuen Siedlungen, die durch Flüchtlinge entstanden waren. In den 70er Jahren dann dem innerdörflichen Konfliktmanagement, heute den Geschlechterbeziehungen – beliebt sind vor allem Lebensbilder von Außenseiterinnen in Geschichte und Gegenwart.

So kommt die renommierte Wissenschaftlerin zu der Erkenntnis, dass der Hang zum  Exotischen besonders stark und die Beschreibung der Mehrheit dieser Bevölkerungsgruppe offensichtlich zu profan gewesen sei.

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Weitere Stimmen aus den beteiligten Fachwissenschaften:

  • “Deutsche Agrargeschichte” von Prof. Dr. Alois Seidl – eindeutig lückenhaft

    Der Besuch in Niederbayern Anfang Dezember  2018 hat nach entsprechenden Vorrecherchen und den bisherigen Auswertungen auch für diese Region belegt, dass die spezielle Geschichte der besitzlosen Landbevölkerung bisher allenfalls bruchstückhaft aufgearbeitet ist.

    Schaut man sich das Standardwerk Deutsche Agrargeschichte von Prof. Dr. Alois Seidl aus dem Jahre 2013 an (2. Auflage Frankfurt 2014) kritisch an, dann finden sich die Inwohner  (regionale Fachbezeichnung für die Landlosen) lediglich  auf Seite 108.

     

    Kaum vorstellbar, dass in einem über 350 Seiten starken historischen Fachbuch zur ländlichen Bevölkerung und deren Lebens- und Wirtschaftsweise  allenfalls am äußersten Rande in minimalster Form  auftaucht.