Ansehen in Holland (Pastor Meier)

 In Holland selbst genossen unsere Hollandgänger nicht das Ansehen, das man ihnen wegen ihres grenzenlosen Fleißes und ihrer Redlichkeit, die selbst oft von Holländern gerühmt wurde, hätte entgegen bringen müssen.

Die Arbeit war unendlich schwer. Sie begann mit Sonnenaufgang und endete mit Sonnenuntergang. Der Hollandgänger wusste am Abend, wo er tagsüber gewesen war. Es wurde im Takt gemäht, dadurch wurden schwächliche Mäher von selbst unmöglich. Es wurde so lange gemäht, „bis Gras vor keinem hochkam“, das heißt, bis einem die Sinne täuschten.

 Die Behandlung und Unterkunftsmöglichkeiten, die unseren fleißigen Wanderarbeitern zu Teil wurden, standen in keinem Verhältnis zu ihrer schweren Arbeit. Der größte Teil übernachtete auf einem Heu, oder Strohlager, das man auf dem Heuboden der Scheune errichtet hatte. Zum Zudecken diente oft eine einzige große Decke (in der Art der Pferdedecken). Und wenn die Zahl der Schlaf suchenden sich vermehrte, so musste man sich buchstäblich nach der Decke strecken. In kühlen Nächten legte man noch Kartoffelsäcke über die „Gemeinschaftsdecke“. Völlig unzureichend und allen hygienischen Gesetzen hohnsprechend waren die Unterkunftsräume unserer Torfgräber, die in nassen Torfhütten, den schlimmsten Krankheitsherden, auf feuchtem Strohlager ruhten. In der Mitte schwelte ein Kienholz Feuer. Doch ist hier im Laufe der Jahre insofern eine Besserung eingetreten, als die Torfgräber schon am Ende des vorigen Jahrhunderts in festen „Buden“ wohnten.