Lübbert zur Borg: Waisen wurden versteigert

Nun war und ist Menslage durch Pastor Funke mit seinem herausragenden Buch über über das Heuerlingswesen und die Menslager Vereinbarungen zwischen Heuerleuten und Bauern ein prädestinierter Ort auch für Forschungen Richtung Nordamerika und die Hollandgängerei.

Die  Veröffentlichungen von Lübbert zur Borg in den Menslager Heften sind durchweg sauber recherchiert und zeugen von seinem historischen Wissen.

Er war durchaus selbstbewusst und zeigte das auch in der Bemerkung mir gegenübeDSC_0242r:

Sie haben Glück gehabt, bei diesem Thema auf mich gestoßen zu sein…!

Das äußerte sich dann darin, dass ich nach meinen Besuchen auf seinem schönen Artländer Hof die Tonbänderen voll hatte und mit Büchern und Kopien von Dokumenten bepackt die Heimreise antreten konnte.

Nicht alles davon konnte im Buch aufgenommen werden.

Hier ist nun Platz dafür!

Solche Geschichten erzählte er mir dann und legte eine Kopie der Abschrift des Dokumentes vor

 Heuerlingswaisen wurden versteigert

Damals brauchte niemand wegen Armut zu verhungern, aber dennoch kamen wohl menschliche Tragödien vor. So lebte um 1830 in Klein Mimmelage, in Riesters Heuerstelle. eine Familie Middendorf. Johann Hermann Middendorf wohnte dort allein mit vier Kindern, weil die Frau und Mutter schon früh verstorben war. Er selbst war außerdem sehr krank. Nach seinem Tode wurde offenbar, dass seine wenigen Möbel schon zu Lebzeiten verpfändet waren. In den Nachlassverhandlungen kam zusätzlich heraus, dass sein geringer Besitz zum Teil als verschleppt und als nicht vorhanden gemeldet wurde. Die vier Waisenkinder mussten nun von der Bauerschaft Klein Mimmelage versorgt werden. Dazu fand eine Bauerschaftversammlung statt, woran alle teilnehmen konnten. Wer nun das wenigste Geld von der Armenkasse der Bauerschaft verlangte, dem wurden die Kinder zugesprochen. Er musste dann nur noch den entsprechenden Vertrag unterschreiben.

Das ganze Geschehen lief wie auf einer Auktion ab, man kann sich das heute gar nicht mehr vorstellen. Die älteste Tochter Anna Adelheid war schon über 14 Jahre alt. Sie mußte eine Arbeitsstelle als Magd auf einem Bauernhof annehmen. Die dreizehnjährige Anna Maria kaum zur weiteren Erziehung bis zu ihrer Konfirmation zur Heuerlingsfamilie Heinrich Lürding in Gr. Nesslages. Die Zahlung an ihn betrug vier Reichstaler und 66 Grote für die Zeit von September 1829 bis Ostern 1830. Die damaligen Verhältnisse finden sich nun im damaligen Protokoll zur Ausaccordierung für die beiden kleinsten Kinder (vergleiche: Menslager Hefte Nummer zwei von Emma Burmester)

Unter dem heutigen Datum wurden die beiden jüngsten Kinder von Johann Hermann Middendorf

Namentlich

Johann Hemann, acht Jahre alt

Helena Margaretha, sechs Jahre alt

von dem Interessenten der Bauerschaft Kl. Mimmelage mindestfordernd ausaccordiert.

Foto: Archiv Robben