Eine ehemalige Heuerlingstochter berichtet: Maria Heskamp aus Emsbüren/Gleesen

Maria Heskamp (geb, Brinker)

ist im südlichen Emsland in einer Heuerlingsfamilie aufgewachsen.

Die Sozialisationsform des Heuerlingswesens verschwand in den Wirtschaftswunderjahren der Nachkriegszeit innerhalb weniger Jahre.

Es war nach dem 30jährigen Krieg in Nordwestdeutschland entstanden. Viele – wenig bis gar nichts erbende – vom elterlichen Hof abgehende Bauernkinder mussten als Heuerleute eine zumeist recht dürftige Daseinsweise erleben.

Heuerleute Brinker

 

Die nach dem 2. Weltkrieg aufkommende Erdgas- und Erdölerschließung bot Arbeitsplätze für Heuerleute

Im Emsland und der Grafschaft Bentheim hatten etliche Heuerleute eine besondere Chance, sich nach dem 2. Weltkrieg aus der Abhängigkeit der Bauern zu lösen.

Auch als Ungelernte fanden sie eine gut bezahlte Anstellung in der  stark expandierenden Öl- und Gasindustrie vor der Haustür.

Foto: Archiv Erdölmuseum Twist

Schon 1942 konnte im Emsland und in der Grafschaft Bentheim Öl gefördert werden. Zunächst wurde die Bohrung Lingen 2 fündig. Danach folgten die Förderstellen Georgsdorf/Osterwald (1944), Adorf (1948), Rühlermoor/Rühlertwist (1949) und Scheerhorn (1949).

So wurde in der Folgezeit diese Region zum größten Fördergebiet von Erdöl und Erdgas in Deutschland.

Darüber gibt das Erdöl – Erdgas – Museum in Twist ausführlich Auskunft.

Getreideernte – Dreschen – Mahlen – Brot backen

Eine wichtige Ernährungsgrundlage neben der Kartoffel war der Getreideanbau.

Sowohl die Bauern als auch die Heuerleute konnten sich damals bei normalen Witterungsverhältnissen aus eigenem Anbau ernähren.

Dabei kamen die Menschen  – für uns heute kaum noch vorstellbar – nur mit ihrer eignen und der Kraft der Pferde bei der Ernte aus.

Der nachfolgende Film beschreibt  die Situation um 1940. Beim Dreschen wird schon ein Lanz Schlepper eingesetzt.

Dreschmaschine – angetrieben durch einen Lanz-Traktor

 

Die Geschichte der Firma Epple & Buxbaum zeigt einen besonderen Fall von Aufstieg und Fall in der Mechanisierung der Landwirtschaft von 1850 an.

 

Text übernommen mit freundlicher Genehmigung von Klaus Dreyer, Seniorchef der Amazone-Werke 
http://www.landtechnik-historisch.de/historische-landmaschinen-von-a-bis-z/e/epple-and-buxbaum/

Engelbert Buxbaum gründete 1851 in Augsburg eine Bauschlosserei und legte damit den Grundstein für das Unternehmen Epple & Buxbaum. Ab 1859 begann er dort mit der Produktion von landwirtschaftlichen Maschinen. In den folgenden Jahren wuchs der Betrieb sehr schnell. So wurden 1873 ca. 3.300 landwirtschaftliche Maschinen mit ca. 150 Mitarbeitern gefertigt.

Währenddessen gründeten die Brüder Karl und Magnus Epple 1862 in Sonthofen eine Maschinenfabrik für Göpel, Häcksler und Dreschmaschinen. Im Jahre 1865 ging Karl Epple nach Augsburg, um dort eine eigene Firma zu gründen und Produkte seines Bruders Magnus zu verkaufen. Im Jahre 1882 wandelte Karl Epple seine Firma in eine AG um.

Da alle drei Unternehmen ähnliche Produkte fertigten, gründete Karl Epple 1882 das Unternehmen die Vereinigte Fabriken landwirtschaftlicher Maschinen vormals Epple & Buxbaum und übernahm die ehemalige Konkurrenz: die Firma seines Bruders in Sonthofen und die Firma Buxbaum aus Augsburg. Es kamen Filialen in Wels, Breslau und Nürnberg hinzu. Die Produktpalette erstreckte sich von Göpeln über Häckselschneidemaschinen, Schrotmühlen, Trieuren, Dreschmaschinen (hand- und dampfgetriebene) bis zu Lokomobilen.

Ende des 19. Jahrhunderts gehörte der Betrieb Epple & Buxbaum zu den größten Landmaschinenherstellern Deutschlands und vertrieb seine Produkte nicht nur in den europäischen Staaten wie Deutschland, Österreich-Ungarn, Rumänien, Frankreich, Schweiz, Italien und den Niederlanden sondern auch nach Russland, Kleinasien, Südafrika und Brasilien. 1920 erreichte das Unternehmen seinen Höhepunkt mit über 1.200 Beschäftigten, für die auch auf sozialer Ebene gesorgt wurde: Unterstützungsfonds für Hinterbliebenenrente und Pensionen sowie eine Betriebskrankenkasse und Arbeiterwohnheime wurden eingerichtet.

Mit großem Aufwand wurde 1922 eine neue Spezialfabrik für Dreschmaschinen eingeweiht. Mit dieser zum falschen Zeitpunkt getätigten Investition geriet das Unternehmen in die Krise der großen Inflation und musste Ende 1923 Konkurs anmelden. Mehrfache Versuche zur Sanierung blieben erfolglos. So übernahmen 1931 die Heinrich Lanz AG und die Fella-Werke Teile der Fabrikation. 1939 erfolgte die endgültige Löschung aus dem Handelsregister. Heute erinnern nur noch denkmalgeschützte Hallen am Standort Wels, in denen sich andere Firmen niedergelassen haben, an die erfolgreichen Jahre von Epple & Buxbaum.

Im Emsland wird im Jahre 2022 ein Pilotprojekt “Grüner Stahl” aufgelegt!

Bei den VDI Nachrichten handelt es sich um eine Wochenzeitung, die über Entwicklungen in Technik und Technologie mit ihren Bedeutungen in Wirtschaft und Gesellschaft berichtet. Das Gründungsjahr ist 1921.

Wasserstoff: Pilotprojekt für grünen Stahl startet 2022 im Emsland

Der Energiekonzern RWE, das Projekt- und Planungsbüro LSF, der Stahlspezialist Benteler Steel/Tube und das Aachener Start-up CO2Grab wollen gemeinsam Technologien „zur CO2-freien Stahlproduktion“ entwickeln und testen. Heute wurde bekannt, dass das Konsortium 2022 im Rahmen eines Demonstrationsprojekts eine Wasserstoff-Direktreduktionsanlage auf dem Geländes des RWE-Gaskraftwerks im niedersächsischen Lingen bauen will.

Gaskraftwerk Emsland des Energiekonzerns RWE in Lingen. Auf diesem Gelände soll im kommenden Jahr das Demonstrationsprojekt einer grünen Wasserstoff-Direktreduktionsanlage in Betrieb gehen. In der Nachbarschaft liegt das ebenfalls zu RWE gehörende Kernkraftwerk Emsland, das planmäßig nach dem Atomgesetz seine Betriebsgenehmigung zum Jahresende 2022 verliert.

Heute gab Niedersachsen Umwelt- und Energieminister Olaf Lies dem Aachener Start-up CO2Grab eine Förderzusage des Landes über 3 Mio. €. Das erst im letzten Jahr gegründete Unternehmen fokussiert auf die Dekarbonisierung energieintensiver Industrien wie Zement, Stahl und Chemie. Konkret werde das Geld in ein „Demonstrationsprojekt einer grünen Wasserstoff-Direktreduktionsanlage auf dem RWE-Kraftwerksgelände in Lingen“ fließen, so die Meldung von RWE.

Grüner Wasserstoff, der mit Ökostrom erzeugt worden ist, gilt inzwischen als Königsweg der Stahlbranche auf dem Weg der Dekarbonisierung. Doch wie gelingt es, mit dem Energieträger der Zukunft klimaneutralen Stahl kostengünstig zu produzieren? Diese Frage will das Konsortium aus dem Energiekonzern RWE, dem Projekt- und Planungsbüro LSF, dem Stahlspezialist Benteler Steel/Tube und dem Aachener Start-up CO2Grab unter anderem mit Hilfe des Demonstrators in Lingen beantworten.

Das, wofür man vor einigen Jahren vermutlich noch belächelt worden wäre, wird Wirklichkeit: die Defossilisierung der Stahlindustrie in Deutschland. Sie sei zentral, damit die Energiewende in Deutschland gelingt, erklärte Lies. Mit Know-how, Willen und Überzeugung bringe man die einst als „unvereinbar geltenden Ziele“ zusammen: Klimaschutz und Energiewende mit der notwendigen Zukunftsfähigkeit für unseren Industriestandort und den damit verbundenen guten Arbeitsplätzen.

 

Dr. med. Martin Oevermann: Meine Vorfahren waren Heuerleute

Die Vorfahren des Mediziners aus Lingen/Ems stammten aus dem Oldenburger Münsterland. Der Vater durfte im Gegensatz zu seinen neun Geschwistern – die sich durchweg als Mägde bzw. Knechte verdingen mussten – eine berufliche Ausbildung machen: Er wurde Schneider und baute sich eine Existenz in Lingen auf.

Dr. Oevermann berichtet über seine Kindheit und Jugend in eher bescheidenen Verhältnissen.

Ein Lied und ein Film über die Holzschuhe von Herbert Warnking (HV Lohne)

Sowohl die plattdeutsche Sprache, die Holzschuhe als Schuhwerk für die “kleinen” Leute und auch das Holzschuhmacherwesen war im Heuerlingswesen angesiedelt.

Eine Videokombination von Herbert Warnking – Leiter Stadtmedienarchiv Heimatverein Lohne

Teil 1: Hölskenlied – vorgetragen von der kleinen Singschar aus Hamberg

Teil 2: Von Hölsken und Hölskenmoker – ein Film von Josef Dödtmann

Sowohl die plattdeutsche Sprache, die Holzschuhe als Schuhwerk für die “kleinen” Leute und auch das Holzschuhmacherwesen war im Heuerlingswesen angesiedelt.

 

Hier eine Videodarstellung der ursprünglichen Holzschuhherstellung per Hand und Spezialwerkzeug in den Niederlanden:

“Der Dammer Mäßigkeitsverein von 1842” von Dr. Jürgen Kessel

 

Seit der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts  wandelten sich die Trinkgewohnheiten insbesondere  in der besitzlosen Bevölkerung (Heuerleute) zunehmend vom Bier hin zum hochprozentigen Schnaps innerhalb weniger Jahrzehnte. Mit der Nutzung von Kartoffeln in der Destillation sank der Schnapspreis enorm. So entstanden  Brennereien vor allem auch in Nordwestdeutschland, weil sich gerade hier günstige Bedingungen für den Kartoffelanbau boten.

Gegen den sich stark verbreitenden Alkoholismus bildeten sich Mäßigkeitsvereine. Das waren vor allem kirchliche Bewegungen.

Dr. Jürgen Kessel aus Damme hat sich intensiv mit dieser Thematik im Oldenburger Münsterland beschäftigt.

Im nachfolgenden Video-Interview informiert er dazu: