Fachaufsätze im kombinierten Fotoband

Diese Autorin und Autoren bereichern den Fotoband Heuerhäuser im Wandel“ mit nachfolgenden Fachaufsätzen:

 

Gut Schwegerhoff und die Heuerhäuser

von Herbert J. Graf von Bothmer

 

Leben und Alltag von Heuerlingsfrauen und -mädchen im 19. Jahrhundert

von Christiane Cantauw

 

Die Bauweise der Heuerhäuser

von Dr. Andreas Eiynck

 

Hinrichtung eines Heuerlings wegen Mordes

von Timo Friedhoff

 

Wer alte Baukultur bewahrt, zeigt Haltung!

von Johannes Hensen

 

Das Heuerhaus als Objekt des Denkmalschutzes und der Denkmalpflege

von Niels Juister

 

Die Wohnsituation im Heuerlingskotten

von Dr. Helmut Lensing

 

Ein Raunen ging durchs Land – Pressefahrt machte 1929 Wohnungs- und Verkehrsnot im Nordwesten publik

von Dr. Helmut Lensing

 

Baurecht und Bestandsschutz der Heuerhäuser im Außenbereich

von Dr. Bernd Schulte

 

Die Auswanderung

von Dr. Timothy Sodmann

 

Von „Ackerbürgern“ und „Heuerleuten“

von Dr. Christof Spannhoff

 

Vom Kotten zum Landhaus

von Dr. Christof Spannhoff

 

Hoppenplöcker, Straßenkötter und Einlieger

Hausbau und Wohnen der „kleinen Leute“ in Lippe

von Dr. Heinrich Stiewe

 

Nur im Glauben war Hoffnung

von Domkapitular Alfons Strodt

 

Heuerhäuser des 20. Jahrhunderts in Ossenbeck bei Damme

von Dr. Christian Westerhoff

 

Heuerhäuser werden von den Bauern mitunter zum Schaden der Heuerleute nicht gehörig unterhalten

Streitfälle um Heuerhäuser zwischen Bauern und Heuerlingen in den heutigen Landkreisen Vechta, Cloppenburg und Diepholz

von Ralf Weber

 

Es gab typische Heuerlingskrankheiten

von Dr.Heiner Wübbels (Mediziner)/ Dr. Helmut Lensing (Historiker)

 

„… geräucherte, schwarze und niedrige, ungesunde Locale“?

Wohnverhältnisse von Heuerlingen

im Ravensberger Land

von Dr. Lutz Volmer

Das Buch „Heuerhäuser im Wandel“ ist (fast) fertig!

 

14. August 2017

 

Ein Heuerlingsbuch, das muss doch reichen!

 

„Ja, so habe ich anfangs auch gedacht.

Mir war zwar im Vorfeld der ersten Veröffentlichung durchaus klar, dass ich damit ein bisheriges Tabuthema aufgreife würde. Dass dann allerdings eine Auflage nach der anderen sich so schnell verkaufen konnte, dass eine ganze Region durch das Thema noch so aufgewühlt werden konnte und sich die Anfragen nach Vorträgen dazu häuften, erstaunte Dr. Helmut Lensing und mich doch sehr…..“

So beginnt das Nachwort des neuen „Heuerlingsbuches“, das ab 16. Oktober auf den Markt kommt.

Insgesamt 96 Anwesen werden vorgestellt. Dazu haben wir das Verbreitungsgebiet in 5 Bereiche aufgeteilt, wie sie farblich auf der Karte dargestellt sind.

Wir waren aber auch in Ostfriesland, im Ammerland und in den Niederlanden.

Eine besondere Form der Hollandgängerei: als Seemann

Waren auch Heuerleute am Sklaventransfer von Afrika nach Amerika beteiligt?

Neben der VOC ( Ostindien – Compagnie) existierte die allerdings weniger bedeutende niederländische „Geoctroyeerde West-Indische Compagnie“, kurz „West-Indische Compagnie“ (WIC) genannt.

Für den westlichen Teil der Welt, also Westafrika und Amerika, hatte man am 3.6.1621 in Holland die WIC … errichtet, mit dem ausdrücklichen Ziel, dem Frieden mit dem Erzfeind Spanien entgegenzuwirken … In Westafrika wurden mehrere Stützpunkte gebaut bzw. erobert, namentlich in Angola, Senegal und Ghana …, wo es Auffanglager gab, um die von benachbarten Kriegern gefangen genommenen und verkauften Sklaven unterzubringen, bis das nächste Schiff sie auf engstem Raum (170 × 60 × 50 Zentimeter) zusammenpferchen und abliefern konnte … Schon Jahrhunderte lang war dieser Handelszweig eine ergiebige Tradition, wobei arabische und Ashanti-Händler [westafrikanisches Volk] vorherrschten. Sowohl in Nord- als auch in Westafrika wurde die Ladung eingenommen. Zahlungsmittel für die Holländer waren dort u. a. Textilien, Waffen und Genever. Etwa 10 % des gesamten Sklavenhandels nach Amerika (12 Millionen) und 5 % dieses Gesamthandels waren auf den 1600 WIC-Fahrten in den niederländischen Händen. Auffallend war, dass die wertvolle „Ware“, wie man damals die Sklaven nannte, an Bord der Schiffe eine gleich hohe Sterblichkeitsrate hatte wie die Schiffsbesatzungen (     Kaldenbach, VOC, S. 125, .

Folgender Bericht bezeugt, dass sich auch ein Mitglied einer Menslager Heuerlingsfamilie unter den Westindienfahrern befand:

Zu den Seeleuten Beckebrede gehört Johann Diederich, der am 12.08.1753 als Sohn des Johann Beckebrede und der Anna Elsabein von Hahlen in Menslage getauft wurde. Über sein Schicksal berichtet das Menslager Kirchenbuch: „23.12.1787 verleutet, Johann Diederich, P. Johann Beckebrede, M. Anna Elsabein von Hahlen, alt 28 Jahr 3 Monath 14 Tage, dieser ist vor verschiedene Jahren zu Schiffe nach West-Indien als Bötger gefahren, 1781 im Nov. mit der Brustkrankheit befallen, woran er zu Ende dieses Monath zu St. Thomas verstorben und daselbst nach Christlichem Gebrauch ehrlich zur Erde bestattet worden.“ Sankt Thomas [eine von Dänemark beherrschte Insel] liegt östlich von Puerto Rico und gehört zu den Kleinen Antillen. Die Nachricht von seinem Tode ist also erst nach sechs Jahren nach Menslage gelangt und vom Pastor der Kirchengemeinde im Gottesdienst angesagt worden (Beckebrede aus Unterlagen von Lübbert zur Borg.

Foto:Wikimedia commons

Vorlayout fertig: Neues Buch „Heuerhäuser im Wandel“

 

Eine besonders kritische Phase bei der Erstellung eines neuen Buches ist der Moment, in dem die Autoren mit ihrem selbst erstellten Layout sich bei den Fachleuten in der Druckerei vorstellen.

Foto: Archiv Robben. Es zeigt die Begutachtung der Farbwiedergabe an ausgewählten Fotos

So geschehen heute am 2 August 2017 bei der Druckerei Meinders & Elstermann in Belm bei Osnabrück mit dem erfreulichen Ergebnis: Es ist alles in Ordnung.

So kann nun das Buch in drei Wochen in Druck gehen und wie vorgesehen am 15. Oktober in Lingen vorgestellt werden.

Damit wird der kombinierte Fotoband Heuerhäuser im Wandel rechtzeitig zum diesjährigen Weihnachtsgeschäft dem Buchhandel in Nordwestdeutschland zur Verfügung stehen.

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Vor dem Druckhaus: der Fotograf und Layouter Martin Skibicki und der Maler Georg Strodt

Foto: Archiv Robben

Zum Tode von Constantin Freiherr Heereman von Zuydtwyck

In insgesamt vier persönlichen Begegnungen konnten in Gesprächen mit Constantin Freiherr Heereman insbesondere die wirtschaftlichen Verhältnisse der Heuerleute direkt beim Landadel in Nordwestdeutschland detailliert beschrieben werden. Dabei stellte sich recht deutlich heraus, dass diese Heuerlinge in der Mehrzahl bessere  Lebensbedingungen vorfanden  als die Heuerleute bei den vermietenden Bauern.

Foto: Archiv Surenburg

Der Baron war von der Aufarbeitung dieser Thematik sehr angetan. So nahm er spontan die Einladung zur Buchvorstellung in Emsbüren an, die gerade durch seine Beiträge zu einem ganz besonderen Ereignis wurde.

So soll ein Teilbeitrag über ihn aus dem Heuerbuch hier wiedergegeben werden aus Dankbarkeit für seine engagierte Zusammenarbeit auf Augenhöhe.

In einem Gespräch vom 4. November 2012 mit Constantin Freiherr Heereman von Zuydtwyck wurde deutlich, dass in Riesenbeck bis Anfang der 1960er Jahre das Heuerlingswesen in den landwirtschaftlichen Betriebsabläufen eine wichtige Rolle gespielt hat. In seiner Funktion als Ortslandwirt, damit als Vorsitzender des landwirtschaftlichen Ortsvereins in Riesenbeck, und ab 1967 zugleich als Vorsitzender des Landwirtschaftlichen Kreisvereins Tecklenburg, setzte sich der Baron stark für die Belange der abziehenden Heuerleute ein.

Constantin Heereman wurde 1968 zum Präsidenten des Westfälisch-Lippischen Landwirtschaftsverbandes gewählt. Schon ein Jahr später stieg er zum Präsidenten des Deutschen Bauernverbandes auf. In diesem Amt war er bis 1997 fast dreißig Jahre erfolgreich tätig. Er erwarb sich dabei hohes Ansehen als konsequenter Vertreter der deutschen Landwirte, und auch in den europäischen Partnerländern erhielt er Anerkennung und Wertschätzung für sein Wirken (Strotdrees, Präsident).

Da etliche Bauern in der Auflösungsphase des Heuerlingswesens ihren ehemaligen Pächtern am Ort keine passenden Baugrundstücke anbieten wollten, ergriff Heereman deutlich für die Heuerleute Partei. Er führte den unwilligen Landwirten immer wieder vor Augen, es müsse hier nicht nur aus christlich-zwischenmenschlichen Beweggründen ein Angebot kommen. Ebenso sei es aus ökonomischer Sicht wichtig, die ehemaligen Heuerlingsfamilien am Ort zu halten. Schließlich seien sie mit den Betriebsabläufen auf den Höfen bestens vertraut und könnten nun ihre neuen Erfahrungen in den angestrebten Handwerksberufen bei Bedarf für Aushilfen und sonstige Unterstützungen auf den Bauernhöfen einbringen. Deshalb sei ein Entgegenkommen mehr als sinnvoll.

Auf die Heuerhäuser angesprochen konstatierte Heereman, diese Gebäude seien – zumindest aus heutiger Sicht – vielfach allenfalls Behausungen gewesen. Aus der Rückschau müsse er schon feststellen, dass die Wohnsituation grenzwertig gewesen sei. Er habe die Heuerlingsfamilien der Surenburg insgesamt in sehr guter Erinnerung. Man müsse aber betonen, dass dort – wie im übrigen Leben auch – mit unterschiedlichem wirtschaftlichem Erfolg gearbeitet worden sei.

Nach diesen recht positiven Erfahrungen von Heuerleuten auf einem adeligen Gutsbetrieb lag es nahe, sich noch weitere herrschaftliche Anwesen unter diesem Aspekt anzuschauen.

  • Seite 37/38 in der 5. Auflage

Die Entstehung der Landarbeitersiedlung „Im Sande“ in der Bauerschaft Lohe

Nicht überall in Nordwestdeutschland gelang den Heuerleuten eine dermaßen gut begleitete Ablösung aus der bisherigen Abhängigkeit in die Eigenständigkeit.

Diese Informationen erhielt ich schriftlich und mündlich vom Landwirt Benno Hesemann bei einem Besuch auf seinem Hof in Lohe nördlich von Haselünne am 15. Juli 2013

Zum Ende der fünfziger Jahre des letzten Jahrhunderts sah man auch von staatlicher Seite, dass in die bisherige ländliche Sozialstruktur  Bewegung kam.

Es wurden Flurbereinigungen auf den Weg gebracht, die verbunden waren mit Aussiedlungen von Bauernhöfen aus den engen Ortslagen heraus in die Feldflur, wo die Landwirtschaft in ihrer Aufbruchstimmung auch bauliche Ausdehnungsmöglichkeiten hatte.

Gleichzeitig nahm man in den entsprechenden Amtsstuben auch zur Kenntnis, dass sich die unterbäuerlichen Schichten angesichts des zunehmenden Wirtschaftswachstums beruflich neu orientieren konnten oder mussten. So wurden auch dort zunehmend Siedlungsprogramme entworfen. Dies geschah auch im Rahmen des so genannten „Grünen Plan“.

Als Beispiel dafür soll hier die Gemeinde Lohe im mittleren Emsland dienen.

Parallel zur staatlichen Neusiedlungstätigkeit bezüglich Vollbauernstellen gab es im Emsland die Fortführung der Landarbeitersiedlung zur Seßhaftmachung der bäuerlichen Hilfskräfte. Ende der 50er Jahre wurde auf Initiative der emsländischen Bundestagsabgeordneten Dr. Josef Stecker und Clemens Hesemann von dem damaligen Bundeslandwirtschaftsminister Heinrich Lübke im Emsland eine Sondersiedlungsaktion für Heuerleute und Pächter angeordnet.

Aufgrund altüberkommener Agrarverfassung gab es hier in weiten Teilen auch nach dem 2. Weltkrieg noch eine große Anzahl von Heuerlingen und Pächtern landwirtschaftlicher Kleinstellen.

Sie waren in der Regel seit Generationen im Familienbesitz, und die Wohngebäude entsprachen meist nicht einmal mehr bescheidenen Ansprüchen.

 Zur Wohnraumsituation steht hierzu in der Maßnahmenbeschreibung des Grünen Planes von 1958 beschrieben:

Bei dem anhaltenden Mangel an ledigen Arbeitskräften wird es immer wichtiger,  Arbeitsplätze für Verheiratete zu schaffen.

Die Einstellung von Landarbeiterfamilien scheitert aber vielfach an der Wohnraumfrage.

Um den großen Bedarf an entsprechenden Wohnraum schneller decken zu können, hat der Deutsche Bundestag  am 27. Februar 1958 nach ausführlicher Debatte den dritten Grünen Bericht und die im Grünen Plan 1958 zusammengefassten Maßnahmen der Bundesregierung einstimmig gebilligt.

So wurden 25 Millionen DM bereitgestellt, die für die Gewährung von Zuschüssen zu zinsgünstigen Krediten für den Bau von Landarbeitereigenheimen zu verwenden waren.

 Damit sollte vor allem sichergestellt werden, dass junge Landarbeiter auch nach ihrer Verheiratung im landwirtschaftlichen Beruf bleiben konnten.

Verheiratete Bewerber dieser Herkunft konnten eine Kleinsiedlerstelle (Landarbeiterstelle) mit bis zu 1 Hektar Eigentum und einigen Hektar Pachtland erhalten, wenn sie sich verpflichteten, mindestens 10 Jahre bei  einem Bauern als Landarbeiter, Melker, Treckerfahrer oder ähnlich tätig zu sein.

In der Regel wurde dabei das Heuerlingsverhältnis bei demselben Bauern in ein Landarbeiterverhältnis umgewandelt.

Durch das Kulturamt Meppen wurden seinerzeit im Landkreis Meppen 800 Landarbeitersiedlungen und 73 Handwerkersiedlungen geschaffen.

(Quelle dieser Angaben ist das Buch von Alois Hilleke „150 Jahre Landeskulturbehörden im Emsland“ von 1987)

 Der Grüne Plan ermöglichte eigene vier Wände

So konnten nun durch den Förderrahmen  im Grünen Plan die Voraussetzungen zur Schaffung der so sehr benötigten und von Herzen gewünschten eigenen vier Wänden geschaffen werden.

Die zu besiedelnde Fläche wurde seinerzeit von den Landwirten Hesemann, Suhlmann und Mödden an die NLG abgetreten.

Bauer Schulte hat dann später den Boden auf der östlichen Seite als Bauland bereitgestellt!

Die Fläche lag an der früheren Landesstraße 54 der Verbindungsstraße zwischen Sögel und dem Bahnhof Schleper, es standen insgesamt 11 Baugrundstücke in einer Größe von 1597 bis 1813 qm zur Verfügung,

 Die Bezeichnung Im Sande hatte sicherlich auch mit der Qualität des Bodens zu tun, denn es ist und war doch sehr sandiger Boden, zum Zeitpunkt des Kaufes standen auf den Bauplätzen überwiegend Kiefern.

Fast zeitgleich fingen die Gründer der Siedlung Bernhard Temmen, Franz Cordes,   Markus Hemme und Heinrich Grünloh mit dem Bau ihrer Häuser an.

Neben der Verfahrensbegleitung durch das Siedlungsunternehmen NLG erfolgte die Baubetreuung und verantwortliche Durchführung der Baumaßnahmen durch die Heimstätte Lingen

 Die NLG (Niedersächsische Landgesellschaft) ist seit 90 Jahren ein gemeinnütziges Unternehmen für die Entwicklung der ländlichen Räume in Niedersachsen, Hamburg und Bremen. Vom Filialbüro in Meppen aus wurden damals unter der Leitung von Josef Henrichs die Planungen für Lohe erstellt und dann auch das  Gesamtprojekt passend begleitet.

 Die Häuser waren alle ziemlich baugleich und sehr einfach im Grundriss, großes planerisches Geschick eines Architekte, wie es in der heutigen Zeit üblich ist, war nicht gefragt.

Hier kam es auf die praktisch Nutzung des Gebäudes an, unser Haus des Typ 15, beinhaltete neben zwei Schweineställe, die wir auch noch sehr lange nutzten über den Stellplatz für zwei Kühe.

Aber nur in einem Fall wurden in den neuen Häusern noch Kühe gehalten.

Die Gesamtbaukosten waren mit 37.700 DM veranschlagt, in dem Preis waren alle Kosten vom Kauf bis zur Bezugsfertigkeit enthalten. Die Finanzierung erfolgte mit der Bereitstellung von 27.500,-DM aus Mitteln des Grünen Planes, diese Mittel wurden mit 0,5 % verzinst, eine Tilgung war mit 2% eingesetzt, hinzu kam ein jährlicher Verwaltungskostenbeitrag von 0,25%. Die Laufzeit des Darlehens war auf längstens 55 Jahre vorgesehen. Ebenso war die Inanspruchnahme der öffentlichen Mittel mit einem Wiederkaufsrecht für das Siedlungsunternehmen von 30 Jahren verbunden.

Aber der  durchweg dringende Wunsch auf die Schaffung von Eigentum, der schon die Vorfahren der Heuerleute im Menschen verachtenden Moor hatte siedeln lassen oder aber zur Auswanderung nach Nordamerika veranlasst hatte, konnte nun in der angestammten Heimat verwirklicht werden.

Immer wieder Plattdeutsch als Unterschichtssprache

Während auf manchen – größeren – Bauerhöfen mit den Kindern bewusst auch Hochdeutsch gesprochen wurde in Hinsicht auf den späteren Besuch einer höheren Schule, war in den Heuerhäusern nur Platt angesagt:

Nach der Einschulung gab es dann auf dem Schulhof, aber selbst im Klassenzim­mer ein wildes Durcheinander von Platt- und Hochdeutsch. Manche Mitschüler sprachen bei der Einschulung nur plattdeutsch. Nach einiger Zeit gab es dafür Schläge mit dem Stock. Als sich dieses beim kleinen Josef wiederholte, sagte er mit tränenerstickter Stimme zum Lehrer: „Wenn Du mi noch enmol haust, dann kummt min Opa!“ Und eines Tages stand Lühns Opa in der Pause auf dem Schul­hof und fragte: „Wat makt min Jungen verkeert, dat he wekke mit’n Rohrstock kricht?“ Lange brauchte der Schulmeister, um wieder „gutes Wetter“ zu machen. Vorerst war es mit den Schlägen für Plattdeutsch vorbei.

Dieser Text ist einem Aufsatz von Dr. Bernd Schulte entnommen aus dem Buch:

Theo Mönch-Tegeder/Bernd Robben
Wat, de kann Platt
Emsländer und Grafschafter über ihre Mundart
1998 in Verlag Mönch und Robben in Emsbüren erschienen
Seite 243

Der Heuerling kam nicht aus dem Krieg zurück

 

Leider fehlen noch authentische Zeugnisse davon, wie es nach dem Zweiten Weltkrieg zu einer zusätzlichen Belastungsprobe für die Heuerverhältnisse kommen musste:  Der Ehemann und „Ernährer“  war an der Front gefallen und fehlte nun – seiner Familie, aber auch dem Bauern als wichtige Arbeitskraft.

Wer dort etwas beisteuern kann, bitte unter brobben@t-online. de oder 0591 49389 melden….

Ammerländer Heuerhäuser

Nach den Studien von Jürgen Seraphim (Dissertation von 1946) gehörte das Ammerland im Norden nicht mehr zum Verbreitungsgebiet des Heuerlingswesens.

Der grüne Punkt soll die Lage von Bad Zwischenahn andeuten.

Ein Besuch im Museum in Bad Zwischenahn hat uns allerdings eines Besseren belehrt. Dort sind nach 1910 rund um einen Ammerländer Bauernhof auch drei Heuerhäuser wieder errichtet worden. Dem Heimatverein ist es dabei im Laufe der Jahrzehnte vorzüglich gelungen, diese Anwesen im Äußeren und vor allem im Inneren so zu gestalten, dass die Besucher durchweg feststellen können:

Ja, so haben die Menschen sicherlich früher darin gelebt und gewohnt.

Diese museale Leistung kann man leider nicht allen Freilichtmuseen Norddeutschlands zugestehen

Drei Heuergebäude sind dort zu besuchen. Zunächst trifft man auf einen Einraumkotten ohne Kammerfach.

 

Dann gibt es dort ein Heuerhaus, wie es im ganzen Verbreitungsgebiet als Grundtyp anzutreffen war.

Bad Zwischenahn hat aber auch ein Doppelheuerhaus anzubieten, das sich in seiner Größe und Raumgestaltung durchaus positiv gegenüber den Doppelkotten weiter südlich abhebt. Vielleicht gerade deshalb hat es auch eine besondere Bezeichnung, auf die wir sonst nirgendwo gestoßen sind: Dweersack.

 

 

http://www.bad-zwischenahn-touristik.de/erleben-entdecken/sehenswuerdigkeiten/museen/freilichtmuseum.html

http://www.ammerlaender-bauernhaus.de