Wo wurde Flachs angebaut?

 

Aus der Literatur bekannte traditionelle Anbaugebiete befanden sich in Westfalen (Tödden und C&A) im Raum Mettingen, Westerkappeln, Recke und in Schlesien, insbesondere bekannt durch den Weberaufstand – beschrieben von Gerhard Hauptmann.

Weitere Schwerpunkte fanden sich in der Ober-und Niederlausitz, Thüringen, Württemberg, in Bayern und in  Thüringen   Aber auch die Gegend im  Solling rund um Uslar eignete sich besonders für den Flachsanbau.

Entscheidend für den Anbauerfolg ist die Niederschlagsmenge in passender Verteilung über die Wachstumsperiode und eine Bodenqualität aus lehmigen Sanden bzw. sandigen Lehmen.

Dabei darf der Steinanteil nur gering sein, dickere Steine müssen abgesammelt werden. Zu stark verdichtete Böden eignen sich ebenfalls nicht.

Insgesamt kann nach den mittlerweile intensiver gesichteten Regionen festgestellt werden, dass nahezu überall Flachs angebaut wurde, wo es nur eben ging, um auf diese Weise nicht nur eine Selbstversorgung bei der Kleidung zu erreichen, sondern auch zusätzliche Einnahmen aus dem Leinenverkauf zu erzielen.

Zahlreiche Flurnamen und Wege bzw. Straßennamen deuten heute noch auf den Flachsanbau hin.

So wohne ich am Linnspiek.

https://www.lwl.org/westfaelische-geschichte/txt/wz-6197.pdf

 

 

 

Fotos:Bayerisches Landwirtschaftsmuseum Regen

 

So konnte offenbar ein Kotten vor einer amtlichen Abrissverfügung gerettet werden

Dieser Kotten sollte verschwinden – jetzt bleibt er erhalten….

 

 

 

 

 

 

 

Zur Vorgeschichte: Dieser obige Kotten sollte auf amtliche Verfügung abgerissen werden, weil das Besitzerehepaar Voß die Genehmigung erhalten hatte, direkt nebenan ein neues Fachwerkhaus zu errichten.

Darüber wurde in diesem Buch auf Seite 196/197 berichtet:

Im Münsterland spricht man von einem Kotten, wenn ein Heuerhaus gemeint ist. Ein solches Anwesen haben sich Kristin und Markus Voß vor acht Jahren in Horstmar gekauft, allerdings nicht mit dem Ziel, das weit über hundert Jahre alte Gebäude vollständig zu restaurieren, sondern um nebenan ein neues Fachwerkhaus zu errichten. Der Neubau besteht nicht aus Kalksandstein mit einer Fachwerkhülle als äußeres Schmuckwerk, sondern hier handelt es sich um tragendes massives Eichenfachwerk nach alter Bauart. Die Gefache des Neubaus wurden aufwändig mit Stampflehm gefüllt und die Innenwände sind mit Lehm verputzt – ökologisch und mit bestem Wohnklima. Doch gemäß den Vorgaben des zuständigen Bauamtes muss das Ehepaar Voß das alte Haus abreißen. Noch können bei der Betrachtung „Heuerhäuser im Wandel“ Alt und Neu auf einem Grundstück dokumentiert werden. Es stellt sich jedoch an dieser Stelle die Frage, ob nicht beide Gebäude nebeneinander als Zeugnis für Wohnkultur in früherer und heutiger Zeit dienen könnten.

So sieht der Neubau in der Endausbauphase aus:

 

Hier ist mittlerweile ein neuer Bescheid ergangen…

Ein Interview mit Markus Voß dazu folgt…

Bericht eines Bauernsohnes zum Bestellen von Heuerleuten

Nachfolgend berichtet ein gebürtiger Bauernsohn (Jahrgang 1940), der später studierte und Akademiker wurde. Er ist aufgewachsen in einer typischen Bauerschaft Nordwestdeutschlands.

Sein Name soll hier auf seinen eigenen Wunsch nicht veröffentlicht werden mit Rücksicht auf seine Verwandten, die heute auf dem Hof leben.

Schon als Zwölfjähriger bekam er von seinem Vater immer wieder den Auftrag, zu Fuß oder mit dem Fahrrad die (…) Heuerlingsfamilien zu den Hofdiensten zu bestellen.

Das geschah in der Regel am Abend vorher. Wenn jedoch das Wetter in der Ernte widrig war, konnte es auch geschehen, dass er sie direkt bestellen musste:

Diese Aufträge habe ich sehr ungerne gemacht. Natürlich merkte ich, wie meine Nachrichten bei den Heuerleuten aufgenommen wurden, ja aufgenommen werden mussten. Aber heute ist mir natürlich noch deutlicher klar, dass diese Forderungen an die Heuerleute völlig überzogen waren und sogar ihre Existenz gefährdeten. So bestand die Gefahr, dass sie bei schlechtem Wetter ihre Ernte nicht rechtzeitig bergen konnten, weil sie in der Zeit beim Bauern gebunden waren. Ich habe an den Reaktionen der Heuerleute auch schon als Junge gemerkt, wie erniedrigt und ausgenutzt sie sich fühlten. Diese Umgangsformen, die sich aus der Vergangenheit erhalten hatten und rundum üblich waren, waren wohl eine der Hauptursachen für das in aller Regel belastete Verhältnis zwischen den Bauern und ihren Heuerleuten. 

 

 

 

Eine neue Website entsteht

 Die besitzlose Landbevölkerung im deutschsprachigen Raum

Der Versuch einer Dokumentation des Heuerlingswesens in Nordwestdeutschland ist nicht abgeschlossen und wird hier weitergeführt.

Aber die Erfahrungen und neuen Erkenntnisse rund um die intensiven Recherchen zu dieser Sozialisationsform haben über den Tellerrand blicken lassen!

Zunehmend bestätigen Fachleute aus den beteiligten Wissenschaften , dass es sich bei diesen Themenbereichen ganz offensichtlich um Desiderata handelt.

Diese neue Website ist z. Zt. im Aufbau und wird etwa in 8 -10 Wochen online gehen. Sie ist vom Inhalt und damit vom Aufbau vorstrukturiert.

Durch zusätzliche Besuche in den einzelnen deutschsprachigen Regionen sollen sich noch weitere Unterthemen entwickeln.

In diesem Rahmen werden auch weitere Fachmuseen besichtigt und in diesem Kontext vorgestellt.

Die nächste Exkursion wird ab 7. April nach Schleswig – Holstein gehen…

Foto links:Archiv Bayrisches Landwirtschaftssmuseum Regen Foto rechts:Archiv Emsländischer Heimatbund

Zukünftig keine Vorträge mehr zum Heuerlingswesen vorgesehen

Nach 120 Referaten zur Thematik möchte ich keine weiteren Aufträge mehr annehmen.

Natürlich werden die vereinbarten Termine in diesem Jahr eingehalten.

Insgesamt schaue ich sehr dankbar auf die Erlebnisse und Erfahrungen bei diesen Begegnungen in Norddeutschland und den Niederlanden zurück.

Dabei bin ich etwa 3700 Interessierten persönlich begegnet und es ergaben sich daraus mit etlichen Besucherinnen und Besuchern auch direkte Gespräche.

So konnten mehrfach bisher noch nicht veröffentlichte Details und Fakten zu dieser Sozialisationsform in Erfahrung gebracht werden.

Besonders wird mir der Vortrag im Industriemuseum Lohne in Erinnerung bleiben.

Hier konnte Benno Dräger, der Vorsitzende des Heimatvereins, über 200 Gäste begrüßen.

Die Halle war so überfüllt, dass ein Teil der Zuhörer(innen) auf den Treppenstufen bis in den zweiten Stock sitzen mussten.

Fotos: Archiv HV Lohne

Eine umfangreichere Bestandsaufnahme ist zu einem späteren Zeitpunkt vorgesehen.

Kotten im Bereich Horstmar sollte (musste) abgerissen werden

Das besitzende Ehepaar dieses kleinen Heuerhauses im Münsterland hatte den Antrag gestellt,  auf dem eigenen Grundstück direkt nebenan ein größeres Fachwerkhaus errichten zu können.

Die Genehmigung dazu bedingte allerdings von Seiten der Behörde den Abriss des alten Kottens.

Alles kam anders – wohl durch das Buch Heuerhäuser im Wandel

Dazu in Kürze mehr….

Foto: Archiv Voss

“Die Glocke” berichtet über Heuerleute im Bielefelder Raum

Ein Heuer – Hintern gehört nicht auf die Kutsche

so zitiert Redakteur Marco Borgmann in einem Leitartikel der “Die Glocke am Wochenende” vom 23./24. Februar 2019 unter der Überschrift “Nichts als Arbeit” aus der Ausstellung im Bauernhaus – Museum Bielefeld zum Thema Heuerleute

Hier der Bericht (bitte anklicken):

Heuerlinge