“Auch nach 1950 befand sich die Landwirtschaft in Teilen zunächst noch im Mittelalter”

So beschreibt Prof. Dr. mult. Hermann Simon seine Erfahrungen. Er ist als einziges Kind auf einem kleinen Bauernhof in der Eifel aufgewachsen.

https://de.wikipedia.org/wiki/Hermann_Simon_(Manager)

Vom Bauernhof zum Global Business Hermann Simon, geboren 1947, weltweit gefragter Managementdenker, Entdecker der “Hidden Champions”, erfolgreicher Unternehmer und Pricing-Experte, entdeckte sein Interesse an Preisen schon als Kind: in der elterlichen Landwirtschaft und auf dem Schweinemarkt.

Seine Lebensgeschichte beginnt auf einem deutschen Bauernhof – und führt ihn in die Topliga des internationalen Managements.

In seiner Autobiografie erzählt Hermann Simon diesen außergewöhnlichen Weg vom Eifelkind zum Global Player, und wie es ihm gelang, innerhalb weniger Jahrzehnte mit seiner Firma Simon-Kucher & Partners zum Weltmarktführer für Preisberatung mit 37 Büros in 24 Ländern zu werden und ganz nebenbei die Bahncard zu erfinden.

Eine persönliche Lebensgeschichte und der beeindruckende Erfolgsbericht eines Wanderers zwischen den Welten.

Die Kurzrezension stammt aus:

https://books.google.de/books?id=WVVaDwAAQBAJ&hl=de&source=gbs_navlinks_s

In diesem Schaubild zeigt Simon sehr anschaulich, ab wann die Technisierung “so richtig” einsetzte.

Der Pfeil (von mir eingesetzt) soll andeuten, dass in dieser Zeit das Heuerlingswesen sich auflöste.

Foto: Archiv Robben

Knechte und Mägde in Westfalen und Österreich

 

Bis auf wenige regionale Eigenarten war das Los des Gesindes auf den größeren Höfen sehr ähnlich.

 

Als PDF in Internet verfügbar:

https://www.lwl.org/vokodownload/BilderNEU/422_001Sauermann_MU.pdf

Das Gesinde wurde dem Hof, auf dem es “wohnte”, zugeordnet und mußte daher einen Teil seiner Individualität aufgeben. Bezeichnend ist hierfür die Namengebung: ” Der eigene Hausname war ausgeschaltet, und der Name des Bauern oder des Hofes wurde vor dem Vornamen genannt, wenn die Kötter oder Nachbarn von uns sprachen. Ich z . B. war schon jahrelang aus Eversum fort und hieß dann, wenn ich mal dahin kam, immer noch’ Potthinken Ernst’ ( der Bauer hieß Potthink). Unseren richtigen Hausnamen kannte man nicht; man gehörte eben zum Hof und zu seiner Familie “ ( AwVk 1641, S. 2 Eversum, Gemeinde Olfen, Krs. Lüdinghausen).

Aber auch die Vornamen wurden in bestimmten Fällen verändert: “Nach unserm Willi bekamen wir einen Knecht, der mit Vornamen Kaspar hieß. In Lavesum war dieser Name aber sehr ungewöhnlich und uns in der Familie ungeläufig beim Rufen. Also wurde Kaspar umgetauft in Willi. Eine ähnliche Umtaufung nahm ein anderer Bauer mit seinem Knecht Josef vor, weil er selber einen Sohn mit Namen Josef hatte, und er nannte den Knecht kurzweg K arl. ” Der Berichterstatter schreibt dann weiter: “Die willkürliche Umbenennung der Vornamen war aber eher alles andere als ein schöner Brauch. Was würdest Du Grete z. B. im Innersten Deiner Persönlichkeit empfinden, wenn man auf einmal ‘Liesbeth’ zu Dir sagte und Du Dir das gefallen lassen müßtest?” ( AwVk 3391, S. 2 , Lavesum, Krs. Recklinghausen).

 

In Österreich

Das Gesinde unterstand der Autorität des Hausvaters. Alle auf dem Hof lebenden Personen waren dem Bauern untergeordnet. Das Gesinde mußte „einen Teil seiner Individualität aufgeben. Bezeichnend ist die Namengebung. Viele Knechte und Mägde wurden nach Dienstantritt nicht mehr mit ihrem eigenen Familiennamen genannt, sondern nur mehr mit dem Hofnamen. Hermann Brandt etwa berichtet, daß er nach seinem Dienstantritt auf dem Stockergut nur mehr „Stocker Hermann” hieß. Je länger die Dienstzeit auf einem Hof andauerte, desto stärker war der Grad der Identifikation mit der Bauernfamilie. Rechtlich war das Gesinde voll in den bäuerlichen Haushalt integriert, es war bis Ende des 19. Jahrhunderts wie alle anderen Hausangehörigen „der hausväterlichen Gewalt unterworfen und persönlich, rechtlich und ökonomisch vom Bauern abhängig”.” Der Bäuerin kam vor allem bei jüngeren Dienstboten eine wichtige Erziehungsaufgabe zu, die auch von älteren Dienstboten übernommen werden konnte. „Die Kontrolle des täglichen Lebens durch den bäuerlichen Patriarchen erstreckte sich nicht nur auf Arbeitsvorgänge, sondern auch auf aus heutiger Sicht private Lebensbereiche; so bestand durchwegs die Pflicht zum Kirchgang und zu gemeinsamen Gebeten; auch die spärliche Freizeit durfte nur im vorgegebenen Rahmen gestaltet werden. Mägde mußten um Erlaubnis bitten, wenn sie in ihrer freien Zeit weggehen wollten. In vielen Berichten hören wir von Sanktionen, die auf unbotmäßiges Verhalten (unerlaubtes Verlassen des Bauernhofes bei Nacht oder Teilnahme an öffentlichen Veranstaltungen) folgten.

Therese Weber (Hg.), Mägde, Lebenserinnerungen an die Dienstbotenzeit bei Bauern, Wien 1991, Seite 16/17
Fotos: Archiv Robben

 

“Als die Bauern ihre Schlepper selbst fahren mussten, kauften sie keinen Lanz – Bulldog mehr” (Dr. Bernard Krone)

Die „Studiengesellschaft für Emsländische (und Grafschafter) Regionalgeschichte e. V. veranstaltete in diesem Jahr ihre 29. Tagung „Emsländische Geschichte” am Samstag, dem 31. August 2019, beim Landwirtschaftsmaschinen-Museum Krone in Spelle.

Dazu gehörte auch eine engagierte Vorstellung des neuen Museums zur Erfolgsgeschichte der heutigen Krone Holding durch Walter Krone in Anwesenheit von Dr. Bernard Krone.

Dabei spielte auch die über 20 jährige erfolgreiche Zusammenarbeit mit der Firma Lanz in Mannheim eine Rolle.

Walter Krone erläuterte die Fehlentwicklung bei Lanz so: Die Beibehaltung des Einzylinder-Motors war die fatale Fehlentscheidung!

Hier sieht man den zehn Liter großen Hubraum eines 35 PS starken Lanz aus dem Jahre 1938. Diese Bauart der Motoren ließ sich kaum noch steigern, weil der Fahrer angesichts der zunehmenden Erschütterungen den Lenker nicht mehr halten konnte. (Dieses Foto entstand vor kurzem in Lingen/Bramsche)

So setzte man im Hause Krone zunehmend auf Hanomag Traktoren aus Hannover. Das war genau die Zeit, in der die allermeisten Heuerleute die Bauernhöfe auf immer verließen. Im südlichen Emsland fanden viele von ihnen bei Krone eine neue (Lebens-)Anstellung.

Als 1956 die Firma John Deere in Mannheim Lanz übernahm, entwickelte sich daraus eine gedeihliche Zusammenarbeit mit den rasant wachsenden Landmaschinenfabriken Krone, die bis heute sehr fruchtbar und umfangreich ist.

Ein Besuch in dieser wirklich gelungenen Museumsanlage in Spelle lohnt sich aus mehrfacher Hinsicht:

  • Zum einen gibt diese Einrichtung in den ersten Produktionshallen von Krone/Spelle  packende Einblicke in die Firmengeschichte dieses an der Emsland – Entwicklung maßgeblich beteiligten Familienunternehmens in der nun vierten Generation.
  • Auf der anderen Seite ist diese neue (private) Einrichtung eine enorme Bereicherung der regionalen Museumslandschaft und darüber hinaus. Allein von der Ausstellungsfläche ist sie doppelt so groß wie das Lanz-John Deere Museum in Mannheim.
  • In Spelle wird die Geschichte der Mechanisierung der Landwirtschaft, die unsere Lebensbedingungen entscheidend verbessert hat, “zum Anfassen” präsentiert. Hier waren Fachleute verschiedener Disziplinen sehr erfolgreich am Werk.

Besuch bei Dr. Bernard Krone

Fotos Archiv Robben

Das “Inhaus” in Niederbayern ist vergleichbar mit dem “Heuerhaus” im Nordwesten

Inhaus aus Auenzell, Landkreis Straubing-Bogen

Hier handelt es sich um ein Wohnstallhaus für 2 Kühe, 1-2 Kälber und 1 Schwein.

Der Begriff Inhaus ist im Bayerischen Wald die Bezeichnung für ein Gebäude, das als Austragshaus (Altenteilwohnung) oder Mietshaus für die bäuerliche Unterschichten (Landlose) genutzt wurde.

1780 errichtete sich Walburga Pätzl ein Austragshaus am Ortsrand von Auenzell.

1807 wurde es im Besitz von Familie Schambeck erstmals renoviert und diente seitdem als Inhaus.

1983 erwarb der Bezirk Oberpfalz das Haus für das Oberpfälzer Freilandmuseum, wo es 1985/86 wiedererrichtet wurde.

 

 

Dieses Inhaus zeigt in der Rekonstruktion und in der weitgehend originalen Einrichtung den Zustand von 1955-1962.

Das Scheunentor ist nach Baubefund rekonstruiert, das Aborthäuschen und der Gartenzaun sind nach archivalischen Belegen und Zeitzeugenberichten nachgestellt.

(Nach Hinweisschild im Museum)

aus:

 Ralf Heimrath (Hrg.) Oberpfälzer Freilichtmuseum Neusath – Perschen

        Ein Rundgang, Regensburg 1996

Hier findet sich folgende Beschreibung für diese Gebäudeart:

„Inhaus” (in älteren Schreibungen auch _Innhaus”, jedoch ohne Bezug zum Fluß Inn) ist im Bayerischen Wald der Begriff für ein Gebäude, das als Austragshaus oder Mietshaus für bäuerliche Unterschichten ohne eigenen Grundbesitz einer Hofstelle zugeordnet ist, aber dennoch eine selb­ständige Wirtschaftseinheit mit Wohnteil, Stall, Stadel und gelegentlich auch Backofen darstellt.

Die Bewohner eines Inhauses nannte man “Inleute” oder “In­wohner“.

Sie sind annähernd mit Unter­mietern vergleichbar und waren darüber hinaus im 19. Jahrhundert mit allen Famili­enmitgliedern von dem Bauern abhängig, zu dem das Inhaus gehörte.

Sie hatten für ihn Leistungen in Form von Arbeit und Geld zu erbringen. Der Bauer konnte nach Belieben die Inleute aufnehmen oder kün­digen.

Da ein Insasse nach acht Jahren Hei­matrecht in der Gemeinde erhielt, wurde von den Bauern meist darauf geachtet, dass das “Mietverhältnis” vor Ablauf dieser Frist aufgekündigt wurde.

Entsprechend der sozialen Stellung im ländlichen Gemeinwesen zeigt der Grund­riß des Inhauses nur wenig Raum für relativ viele Bewohner.

Man betritt das Gebäude traufseitig und gelangt in den Fletz.

Im Ge­gensatz zur nördlichen Oberpfalz wird hier die Breite des Hauses von zwei Raumen bestimmt. So reichen der Fletz und die sich gegenüberliegenden Gebäudeteile Stube und Stall nur wenig über die Hausmitte, dann schließen sich zwei Kammern und ein dazwischen liegendes „Stuberl an, das vielleicht zu Zeiten der Baugründung als Rußkuchl gedient hat.

In der Stube be­findet sich die Herdstelle. In diesem Raum spielt sich das häusliche Leben mit Ausnah­me des Schlafen ab, über die giebelseitige Kammer kann ein Kellerraum erschlossen werden. Durch den Fletz gelangt man auch in das schon genannte Stuberl und von dort in eine weitere Kammer.

Der Stall kann vom Fletz und durch einen eigenen Zugang von der Straßen­seite her betreten werden. Er bietet nur wenig Platz. Der Stadel besteht aus einer Durchfahrtstenne und einem “Viertel“ zur Einlagerung von Heu und Stroh.

Lebendige Agrargeschichte im Museum am Kiekeberg

 

So unterschiedlich die Freilichtmuseen in Deutschland allein von ihrer Flächenausstattung ausfallen, so verschieden gestalten sich auch deren Angebote an die Besucherinnen und Besucher.

Eine beeindruckende und das Publikum offensichtlich sehr ansprechende Art,  „geschichtliche Lebendigkeit“ in die historisch authentischen Gebäude zu bringen, gelingt im Freilichtmuseum am Kiekeberg südlich von Hamburg

https://www.kiekeberg-museum.de/

Nachfolgend soll eine engagierte Gruppe vorgestellt werden, die anschaulich agrarische Vergangenheit in die Gegenwart zu holen bemüht ist.

Zufällig traf ich sie nach ihrem Einsatz kurz vor dem Feierabend in dieser vertrauten Runde. Spontan waren sie bereit zu einem Kurzinterview…

Foto: Archiv Robben

Wenn keine Heuerleute mit ihren Sensen zur Verfügung standen

Der Maulesel – Mähdrescher war eine gewaltige Pionierleistung für die Ernährung der Menschheit

Nach der Besiedlung und “Kultivierung” weiter Flächen Nordamerikas durch europäische Einwanderer war insbesondere die Getreideernte eine gewaltige Herausforderung – diese Arbeit war durch reine manpower nicht mehr zu leisten.

Stationäre Dreschmaschinen aus England kannte man schon in der Neuen Welt.

Und so brachte man die bisherigen Dreschkästen durch entsprechende Umbauten auf den Feldern in Bewegung: mit etlichen treuen Mauleseln als Zugtiere!

 

 

Dieses Foto wurde freundlicherweise vom John Deere-Archiv in Mannheim zur Verfügung gestellt.

Bei einem Besuch dort in der früheren Lanz Metropole konnte in einem ausführlichen Videointerview

Hans-Christian Quick vom John Deere Forum & Archiv

einen umfangreichen Einblick geben in die jeweilige Geschichte von Lanz und John Deere, die 1956 sich zu einer weltweiten Firma  vereinigten – mit großem Erfolg für die Folgezeit bis heute.

Hier stellt Herr Quick im Firmenmuseum einen Lanz – Alldog vor, der gerade für kleine Landwirtschaften entwickelt worden war.

Weitere Berichte dazu folgen…

Foto: Archiv Robben

 

Der Anfang vom Ende des Heuerlingsdaseins der Familie Pieper

Wolfgang Pieper (Jahrgang 1947) wohnt in Billerbeck im Münsterland. Er ist in einem Heuerhaus aufgewachsen:

Hier berichtet ein Heuerlingssohn über ein weitreichendes Problem zum Ende des Heuerlingswesens ab 1955:
Viele Bauern haben den abziehenden Heuerleuten keinem Bauplatz überlassen

 

Facherkundungen in der Eifel: Ein Tötungsdelikt wird nach 30 Jahren aufgeklärt…

Anfang Juli 2019 war ich nach Vorrecherchen für mehrere Tage nun auch in der Eifel.

Der Schwerpunkt dieser Untersuchung zum Thema Die Lage der besitzlosen Landbevölkerung war zunächst auf den Ort Nohn beschränkt, wo ich mit den beiden Regionalautoren Markus Dockter (ehem. Schulleiter des Gymnasiums der Ursulinen bei Bonn) und Josef Müller (langjähriger Chefkoch beim 1. FC Köln) umfangreiche Video – Interviews zu Themen der landwirtschaftlichen Entwicklungsgeschichte der Region (vornehmlich Realteilung) führen konnte. Diese sollen hier in Kürze vorgestellt  werden.

Foto: Archiv Robben   links: Markus Dockter   rechts: Josef Müller

Am folgenden Tag bin ich dann einige Dörfer weiter nach Frauenkron gefahren.

Auf Geschehnisse dort war ich schon mehrfach gestoßen, die dann auch so bisher dokumentiert worden sind:

http://www.heuerleute.de/der-mordfall-lolita-brieger/

Mittlerweile bin ich dazu auf weitere umfangreiche Berichterstattungen gestoßen:

So soll hier noch zusätzlich ein mehrteiliger Bericht der Frankfurter Allgemeine vorgestellt werden:

https://www.faz.net/aktuell/gesellschaft/kriminalitaet/freispruch-aus-mangel-an-beweisen-lolitas-tod-bleibt-ungesuehnt-11781757.html

https://www.faz.net/aktuell/gesellschaft/kriminalitaet/mordanklage-nach-30-jahren-lolita-und-josef-11764849.html

https://www.faz.net/aktuell/gesellschaft/kriminalitaet/mordanklage-nach-30-jahren-lolita-und-josef-11764849-p2.html

https://www.faz.net/aktuell/gesellschaft/kriminalitaet/mordanklage-nach-30-jahren-lolita-und-josef-11764849-p3.html

https://www.faz.net/aktuell/gesellschaft/kriminalitaet/mordanklage-nach-30-jahren-lolita-und-josef-11764849-p4.html

https://www.faz.net/aktuell/gesellschaft/kriminalitaet/mordanklage-nach-30-jahren-lolita-und-josef-11764849-p5.html

https://www.faz.net/aktuell/gesellschaft/kriminalitaet/mordanklage-nach-30-jahren-lolita-und-josef-11764849-p6.html

Das nachfolgende Gespräch des  Markus Lanz  mit Rudi Cerne und dem damals ermittelnden Krimialbeamten über eine erfolgreiche Aktenzeichen XY – Sendung gibt zusätzlich wichtige Hinweise zur endgültigen Aufklärung des Tötungsfalles im bäuerlichen Milieu.

 

Wichtig: Keinesfalls soll diese spezielle Berichterstattung im Stil eines Boulevardblattes auffallen. Hier wird - nach meinen bisherigen Erkundungen - erstmals eine in ländlich - landwirtschaftlichen Gegenden anzutreffende Erscheinungsform in nahezu allen seriösen Medien umfangreich vorgestellt, während zeitlich weiter zurück angesiedelte ähnliche Fälle durch das sog. "Schweigemilieu" mehrfach gar nicht zur Anzeige gebracht worden sind.