Corona Epidemie – Vorläuferscheinungen in Nordwestdeutschland in früheren Jahrhunderten

In dieser umfangreichen Sammlung (Band 1) finden sich eine Reihe von Veröffentlichungen zu Seuchen früher.

Hier ein Beispiel:

Am heimatlichen Herd

Heimatblatt

Nachdruck der Zeitungsbeilagen von 1950 bis 1960

 bearbeitet von Martin Joseph MA

in: Heimat gestern und heute

Mitteilung des Kreisheimatbund Bersenbrück (KHBB) e.V.

Band 30 Bersenbrück 2009
Seite 119

Pest im Artland

Durch die Kreuzzüge und die Ausweitung der Handelsverbindungen geriet das Abendland bereits im frühen Mittelalter in mannigfaltige Beziehungen zu den asiatischen Staaten und Völkern. Aber so vorteilhaft die Anknüpfungen waren, soviel Reichtümer und Waren sie auch Europa brachten, so war mit ihnen doch ein Uebel verbunden, das die Ritter, Kaufleute und Matrosen mit sich in die Heimat schleppten, und dessen Furchtbarkeit alles bisher Dagewesene übertraf: der schwarze Tod oder die Pest.

Aus den Weiten Asiens war sie emporgestiegen. Die Völker Persiens, Mesopotamiens, Lybiens, Armeniens und Kleinasiens waren vor ihrem Hauch dahingesunken. Ihr Atem flog mit den Schiffen der Genueser und Venezianer über das Meer. Messina, Syrakus, Modena und Florenz  spürten ihren Würgegriff. Padua, Verona, Siene, Pisa wimmerten unter ihrem Tritt. Ihre Spuren beschmutzten den Schnee der Alpen. Steiermark, Kärnten und Bayern, Frankreich, Belgien und die Niederlande faulten unter ihrer Berührung. Tausende, Zehntausende sanken dahin, von ihrem Gifthauch getroffen. Die Erde hatte fast nicht Raum mehr für die Toten. Panischer Schrecken ergriff die Menschen. Dörfer und Städte standen leer, die Haustiere verwilderten, ungeschnitten verkam das Korn auf den Feldern.

Machtlos und hilflos standen die Menschen dem Wüten der Seuche gegenüber. Immer wieder brach die Krankheit erneut aus. Der Grund dazu lag darin, daß die ärztliche Kunst nur gering entwickelt war, und daß es in hygienischer Hinsicht überall mangelte. In den engen, schmutzigen Gassen der Städte und Dörfer, den überfüllten lichtarmen Häusern, den Abwässern und Senkgruben und namentlich den Friedhöfen innerhalb der Siedlungen fand die Seuche immer wieder den besten Nährboden.

Es war im Jahre 1348, als der schwarze Tod auch in das Artland übergriff und die Menschen in Angst und Entsetzen erstarren ließ. Auch hier forderte er zahlreiche Opfer. Viele Höfe standen leer, und ganze Landstriche waren wie ausgestorben. Äcker und Felder lagen wüst und verlassen.

Als es schließlich gelang, die Seuche einzudämmen, war ein Viertel der gesamten Bevölkerung Europas ihrem Würgegriff erlegen. Jahrzehnte und Jahrhunderte lang saß der Schrecken, den der „Brote Dot” verbreitet hatte, den Menschen in den Gliedern, fand in Bußprozessionen und in den Totentanzholzschnitten der zeitgenössischen Künstler beredten Ausdruck. Und immer wieder brachte sich die Pest mit erneuten Ausbrüchen bei den Menschen in Erinnerung. 1492 fiel sie abermals in das Artland ein und forderte ihre Tribute. Und kurze Zeit später, 1522, richtete sie nochmals ihr Schreckensregiment auf.

 

Interessante im Vergleiche mit heute lassen sich anstellen!

Die “Heuerleute ” haben es in “Geschichte und Geschehen” (Klett) geschafft – aber nur mit einem Foto

Die großen Schulbuchverlage in der Bundesrepublik Deutschland sind der Ernst Klett Verlag in Stuttgart, der Cornelsen Verlag in Berlin und die Westermann Verlagsgruppe in Braunschweig. Diese drei Konzerne teilen 90 % des Schulbuchmarkts unter sich auf.

https://de.wikipedia.org/wiki/Schulbuchverlag

] 

Vom Klett – Verlag kam die Anfrage, ob man dort in der überarbeiteten Auflage 2020 (s. o.) für das untere Titelfoto der Auflage 8 des Heuerlingsbuches die Abdruckgenehmigung erhalten könne.

Auf Seite 220 findet sich nun dieses historische Foto mit Titel: Unterbäuerliches Leben und Wohnen – Dorf im Saterland (Niedersachsen), Foto um 1920

Fazit: Auch in diesem in vielen Gymnasien Deutschlands verwendeten Geschichtsbuch setzt sich der Trend fort, der sich schon in der Geschichtschreibung im 19. Jahrhundert manifestiert hat:

Ländliche Bevölkerung von Historikern und Volkskundlern vernachlässigt

Dabei ist Vergangenheit all das, was früher einmal passiert ist.

Wer bestimmt nun, wie daraus Geschichte wird?

Sehr detailliert beschäftigt sich der Historiker Rudolf Vierhaus mit dieser Thematik in der Veröffentlichung, die in diesem Verbund erschienen ist:

Vergangenheit als Geschichte: Studien zum 19. und 20. Jahrhundert (Veröffentlichungen des Max-Planck-Instituts für Geschichte, Band 183

Auf Seite 19 zitiert er zunächst den englischen Historiker

  • Edgar Hallett Carr: Geschichte ist ein fortwährender Prozeß der Wechselwirkung zwischen dem Historiker und seinen Fakten, ein unendlicher Dialog zwischen Gegenwart und Vergangenheit,
  • danach den niederländischen Historiker Johan Huizinga: Geschichte ist die geistige Form, in der sich eine Kultur über ihre Vergangenheit Rechenschaft gibt.

Der Fachwissenschaftler Rudolf Vierhaus beschäftigt sich hier  neben der Analyse von Erklärungsansätzen und Modellen historischer Forschung  auch mit Untersuchungen der Ausprägungen politischer Kultur in Deutschland sowie der Bildungswelten insbesondere von Akademikern im 19. und 20. Jahrhundert.

Und genau hier scheint der Schlüssel zu der Vernachlässigung

  • der zahlenstarken Bevölkerungsgruppe der Landbewohner in den verschiedenen Ausprägungen
  • und der Rolle der Frauen

zu liegen.

Die in der Mehrheit aus der gehobenen Bildungsschicht stammenden Historiker und Volkskundler haben – stark überhöht- die “dummen Bauern” ganz offensichtlich nicht hinreichen berücksichtigt.

Diese aufschlussreichen Darstellungen zur historischen Rolle des Bauern bis ins 19, Jahrhundert hinein fanden sich im Niederbayerischen Landwirtschaftsmuseum Regen:

1.

2,

Im niedersächsischen “Landvolk” waren auch die Heuerleute vertreten

Wichard Wabner:

  • seit 2006 Geschäftsführer des Landwirtschaftlichen Kreisvereins Lingen
  • von 1998 bis 2006 Leiter der Landwirtschaftlichen Buchstelle Lingen
  • Rechtsanwalt
  • Fachanwalt für Steuerrecht
  • Referenten- und Dozententätigkeiten für die Bundesfinanzakademie in Brühl sowie für den Hauptverband der Landwirtschaftlichen Buchstellen und Sachverständigen in Berlin

 

Und selbstverständlich spricht er auch platt…

Wie sieht es mit dem Plattdeutschen in der Landwirtschaft aus?

Einem vernachlässigten Thema intensiver auf der Spur!

 

Der Aufbau des Inhalts strukturiert sich nach  und auch das Titelbild ist ein vorläufiger Eigenentwurf

Diese zusätzliche Website ist seit mehreren Monaten in Arbeit,  weil die Fülle der Recherche – Ergebnisse der letzten zwei Jahren in etlichen Regionen Deutschlands die bisherige Dokumentationsplattform thematisch deutlich überfrachtet.Dabei wird zunächst bewusst offline gearbeitet.

Allerdings kann der Titel: Lieber ein Kind verlieren als eine Kuh! aus heutiger Sicht auf den ersten Blick für den allgemeinen Sprachgebrauch “zu hart” sein. Es handelt sich dabei allerdings  um eine damals allgemeine realistische Lebenseinstellung.

Es war in den 60 er Jahren noch eine so betitelte Schulfunkserie des Nordwestdeutschen Rundfunks im Gebrauch – ohne Anstoß zu erregen. Als Junglehrer habe ich damals mehrfach bei den Eltern meiner Schülerinnen und Schüler nachgefragt, ob für sie dieser Titel anstößig sei. Da gab es keine Einwände – Fazit: Das war so!

Auch in anderen Teilen Deutschlands finden sich eindeutige Aussagen zu dieser – in unserer Zeit empfindlichen – Thematik:

Von oftmals geringer Wertschätzung auch der ehelichen Kinder zeugt (…) die aus dem Landgericht Mitterfels überlieferte Aussage „ … der Bauer sehe lieber sein Kind als sein Kalb zugrunde gehen”. Bei besonders elenden Verhältnissen würden „die Leute … nach Religionsgrundsätzen wünschen, daß die Kinder bald Engelein im Himmel werden” . (Aus: Platzer, Hans: Geschichte der ländlichen Arbeitsverhältnisse in Bayern. München 1904, Seite 190)

 Die Kindersterblichkeit war extrem hoch, besonders eindrucksvoll läßt sich dies an Einzelfällen zeigen. So berichtet v. Hazzi von einer Pfarrei im Rottal von „99 gebornen in Zeit von 3 Jahren … wovon wieder 69 starben” (aus Hazzi, J. v.: Statistische Aufschlüsse III/3 München 1818, Seite 1131, Landgericht Griesbach).

In:  Mohr, Klaus, Niederbayerisches Landwirtschaftsmuseum Regen, München, 1992, Seite 40

Foto: Archiv Robben

Rosemarie Sieß Vogt Rottenburg 3

Hier steht Frau Sieß Vogt vor ihrem Weinberg – genauer vor ihren 5 Reihen.

Im Hintergrund liegt Rottenburg.

…und hier ihre Wiese am Dorfrand (nur der gemähte Streifen): :

Rosemarie Sieß Vogt: Realteilung im Südwesten

Kleinlandwirtschaft im Raum Rottenburg am Neckar

In diesem Beitrag des SWR wird Rosmarie Siess Vogt auch mehrfach interviewt, z. B. ab 3.41

Auch der Archivar von John Deere Mannheim kommt hier zu Wort. Christian Quick  habe ich ebenfalls vor Ort interviewt. (z. B. ab 20.19 und auch ab 39.40 usw.)

Hinweise dazu folgen!

 

Heuerleute als Walfänger

Die niederländischen Reeder stellten die Schiffe!

Etliche Borkumer waren die Kapitäne!

Norddeutschen Heuerleute bildeten die Besatzung!

In diesem Buch sind die Hintergründe erläutert:

teerling

Warum waren so viele Heuerleute (vor allem aus dem Oldenburger Münsterland)

als Walfänger unterwegs?

 

“Die Jagd auf den Wal war äußerst lohnend.

Schon in einem Jahr konnte ein Schiff die Kosten für seinen Bau und seine Ausrüstung wieder einfahren.

Kein Wunder, daß ein Wettlauf aller europäischen Nationen in die Fanggebiete einsetzte. Die arktischen Gewässer wurden zu den „Goldminen des Nordens”.

In dieser Zeit konnte man die Wale in Menge und Überfluss in den Baien (Buchten) Jan Mayens und Spitzbergens erbeuten, sie an das Land bugsieren, um sie dort abzuspecken und die Baden herauszuschlagen.

Die „Baienfischerei” war eine Zeit, daß „man nicht allein an den Fisch hinrudern konnte, sondern auch, wenn er geschossen war, vielmals die anderen Fische wegscheuen oder mit dem Riemen auf den Leib schlagen und aus dem Wege jagen mußte, damit man dem festgemachtem Fisch beikommen konnte.

Es war sodann nichts seltsames, dass an einem Ort viele Fische, weil sie einfältig waren, gefangen wurden”.

https://www.ndr.de/geschichte/chronologie/Als-die-Norddeutschen-auf-Walfang-gingen,walfangimnorden101.html

https://www.ndr.de/fernsehen/sendungen/nordseereport/Nordseereport,sendung957556.html

Teerling, Hans: Aus Borkums Vergangenheit. Geschichtliche, kulturgeschichtliche und volkskundliche Betrachtungen. Berichte und Bilder zur Walfängerzeit, Borkum 1980.

Walfang – ein gefährlicher Beruf

Die Seefahrtschule in Mühlen

Walfang

Ländliche Bevölkerung von Historikern und Volkskundlern vernachlässigt

Überarbeitet am 17. 03. 2020 um 9 Uhr

Zu den Recherchen rund um das Thema Besitzlose Landbevölkerung im deutschen Sprachraum gehört auch die Suche nach entsprechender Literatur über diese Bevölkerungsgruppe.

Dabei musste ich feststellen, dass im Vergleich zu den Berichten und Untersuchungen über die damaligen abhängig Beschäftigten in der Industrie (Proletariat) insbesondere durch die beiden schreibgewaltigen Sozialkritiker Friedrich Engels und Karl Marx mit einer enormen Sekundärliteratur die gleichfalls fast durchweg armen ländlichen Unterschichten verhältnismäßig wenig Aufmerksamkeit in der Wissenschaft gefunden haben, obwohl sie bis 1892 zahlenmäßig stärker vertreten waren:

Dokument 1

Diese Übersicht aus dem Putzger zeigt deutlich, dass um 1800 die Landbevölkerung insgesamt (Besitzende und Nichtbesitzende) mit 62 Prozent in der Mehrheit war.

Dokument 2

Prof. Dr. Eleonora Kohler-Gehrig Hochschule für öffentliche Verwaltung und Finanzen Ludwigsburg
Die Geschichte der Frauen im Recht Stand: August 2007

Um 1750 lebten etwa 10% der europäischen Bevölkerung in Städten. Ende des 19. Jahrhunderts stieg
die Bevölkerung in den Städten sprunghaft an. Obwohl die Städte Arbeit und Verdienstmöglichkeiten
boten, blieben die Lebensbedingungen erbärmlich. Der Unmut der unteren Stände gegen die
steigenden Brotpreise führte 1847 zuerst zum Ulmer Hungerkrawall und später zum Stuttgarter
Brotkrawall.
Seite11
http://www.verwaltungmodern.de/wp-content/uploads/2011/11/skfrauengeschichte_1.pdf

Dokument 3

In Österreich war der Anteil noch höher:

Bis ins 19. Jahrhundert lebte die Mehrzahl der Bevölkerung auf dem Land. Noch 1850  waren es ca. 72 Prozent, die in der Land  und Forstwirtschaft tätig waren.

Roman Sandgruber, Die Agrarrevolution in Österreich, in: Hoffmann A. (Hg), Österreich Ungarn als Agrarstaat, Wien: 1978, Seite 242

Und so gibt es eine Reihe von deutlichen Aussagen aus den beteiligten Fachwissenschaften, die einen unzureichenden Forschungsstand (mehrfach bezeichnet als Desiderat) in dieser elementaren Thematik der deutschen Geschichte und Volkskunde konstatieren:

Dokument 4

Die ländlichen Unterschichten werden in der Geschichtswissenschaft vernachlässigt. Daran mag die schlechte Quellenlage schuld sein, aber auch der Umstand, dass es in der Gegenwart keine Gruppierung mehr gibt, die sich der Tradition der ländlichen Unterschichte verbunden fühlt

Michael Mitterauer, Lebensformen und Lebensverhältnisse ländlicher Unterschichten, in: Matis Herbert, (Hg.), Von der Glückseligkeit des Staates, Berlin 1981, Seite 315
Dokumente 5 - 9

Besonders in dieser Veröffentlichung wird dieser Mangel angesprochen:

Hermann Heidrich (Hg.): Knechte Mägde Landarbeiter    Arbeitskräfte in der Landwirtschaft in Süddeutschland. Bad Windheim 1997
darin: Hermann Heidrich: Knechte - Mägde - Landarbeiter   Zur Geschichte einer schweigenden Klasse, Seite 11
  • Der hier vorliegende Sammelband versteht sich als weiterer Baustein (…)  zur Geschichte der ländlichen Unterschichten. Von volkskundlicher und sozialhistorischer Seite wurden deren Desiderata immer wieder betont und benannt, aber noch immer sind Forderungen nach noch stärkerer Berücksichtigung der Erforschung der Geschichte des Dienstpersonals berechtigt. Zwar sind in den letzten Jahren eine Reihe von Untersuchungen speziell zu städtischen Dienstboten erschienen, doch ist der große weiße Fleck, der über den ländlichen Regionen Deutschlands mit seinen Massen von Gesinde, von Landarbeiterinnen und Landarbeitern, sich ausbreitet, nur durch einige dunkle Punkte ein wenig grau eingefärbt, jedenfalls was den Süden der Republik anbelangt.

 

  • Über die Arbeits – und Lebensbedingungen der ländlichen Unterschicht, der Mägde, Knechte und Landarbeiter, ist noch immer wenig bekannt. Dabei gab es Dienstboten früher in jedem Dorf, und Wanderarbeiter, Tagelöhner und auch der Einsatz von Kriegsgefangenen in der Landwirtschaft war überall verbreitet. (Text auf dem rückwärtigen Buchdeckel)
  • Die Geschichte, die Arbeits – und Lebensbedingungen der ländlichen Unterschichten, der Mägde, Knechte und Landarbeiter, ist in weiten Bereichen noch immer ein Desiderat der volkskundlichen und kulturwissenschaftlichen Forschung. (Vorwort zu Mägde Knechte Landarbeiter Bad Windsheim 1997, Seite 6)
  • Wenn wir durch unsere Freilichtmuseen gehen, so finden wir dabei nur wenige Hinweise auf Knechte, Mägde und Landarbeiter, ja im großen und ganzen bleibt dieser inzwischen größtenteils bereits nur noch eine historische Episode bildende Bevölkerungsteile ganz ausgeblendet.
(Konrad Bedal: Der Hauptsache nur eine Schlafstätte… Notizen zum Verhältnis von ländlichem Hausbau und Gesinde in Mägde Knechte Landarbeiter Bad Windsheim 1997, Seite 99)
  • Inwohner – ein verdrängtes Kapitel bayerischer Agrargeschichte
Titel eines Aufsatzes von Helmut Bitsch in: Mägde Knechte Landarbeiter Bad Windsheim 1997, Seite 49 – 51
Dokument 10

Sabine Doering - Manteuffel: Die Eifel, Geschichte einer Landschaft, Frankfurt 1995

Die Volkskunde hat sich dem Forschungsgegenstand Region aus Scham vor ihrer eigenen Fachgeschichte, in der so viel von Stammeszugehörigkeit und Schollenbindung schwadroniert worden war, sowie aus berechtigter Furcht vor einem neuerlichen Bekenntnis zur „Heimat“ lange verweigert. Seite 224

An anderer Stelle heißt es: Die Volkskunde hat hier allzu lange weggeschaut. Ihr Interesse am ländlichen Leben galt nach 1945 den Dörfern und Gemeinden, in der Nachkriegszeit zunächst den neuen Siedlungen, die durch Flüchtlinge entstanden waren. In den 70er Jahren dann dem innerdörflichen Konfliktmanagement, heute den Geschlechterbeziehungen – beliebt sind vor allem Lebensbilder von Außenseiterinnen in Geschichte und Gegenwart. Seite 225

Prof. Dr. Sabine Doering-Manteuffel ist Inhaberin des Lehrstuhls für Europäische Ethnologie an der Universität Augsburg und seit 2011 deren Präsidentin.

Seit 2013 ist Frau Prof. Sabine Doering-Manteuffel Vorsitzende der Universität Bayern e.V. Für das Amtsjahr 2016 hatte sie zudem den Vorsitz des Lenkungsrats des Bayerischen Wissenschaftsforums BayWISS inne.

Übernommen aus:

http://www.unibayern.de/Aktuelles/Vorstand-der-Universitaet-Bayern-eV-fuer-weitere-2-Jahre-im-Amt-bestaetigt-1555/

Dokument 11

Hans – Joachim Behr:

In: https://www.lwl.org/westfaelische-geschichte/txt/wz-6118.pdf

Seiten 44/45

Die Jubiläen 1948 und 1998 haben zu Ausstellungen, zu Vorträgen und Untersuchungen angeregt.

Obwohl die Bevölkerung um die Mitte des 19. Jahrhunderts noch zum weitaus überwiegenden Teil in ihrer Tätigkeit dem primären Sektor zuzuordnen ist, haben Bauern, Heuerlinge, Arbeiter und Kleinhandwerker auf dem Lande als handelnde Schichten dabei nur selten Beachtung gefunden. Wenn sie überhaupt behandelt wurden, so geschah dieses eher marginal.

Dokument 11

Weber, Therese: Häuslerkindheit: Autobiographische Erzählungen

Das ländliche Gesinde blieb von der Wissenschaft lange Zeit vernachlässigt, obwohl  es bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts keine Randgruppe, sondern in der Altersgruppe der 15 bis 20-jährigen eine Mehrheit der ländlichen Gesellschaft darstellt.  Seite 11

Die ländlichen Unterschichten werden in der Geschichtswissenschaft vernachlässigt. Daran mag die schlechte Quellenlage schuld sein, aber auch der Umstand, daß es in der Gegenwart keine Gruppierung mehr gibt, die sich der Tradition der ländlichen Unterschichten verbunden fühlt.   Seite 15

Dokument 12

 Was bereits für die Wirtschafts- und Sozialgeschichte des Bayerischen Waldes konstatiert wurde, gilt in noch stärkerem Maß für die Steinindustrie im Raum Patersdorf: Das Fehlen von Publikationen, die sich mit der Thematik auseinandersetzen.      Seite 28

Dokument 13

Siegmund Musiat: Zur Lebensweise der landwirtschaftlichen Unterschicht in der Oberlausitz, Bautzen 1964, Seite 7

Die unzulängliche volkskundliche Erforschung der „nichtbäuerlichen Volksgruppen” kritisiert bereits 1928 SPAMER, 1961 zieht  JACOBEIT die gleiche Bilanz, wenn er feststellt: „Noch immer harren selbst Berufsgruppen, die dem Bäuerlichen nahestehen, vielfach einer umfassenden monographischen Bearbeitung und Erforschung.” Tatsächlich ist außer seiner umfassenden Untersuchung der sozialen Sonderstellung, Lebensweise und Folklore der Hirten und Schäfer in Zentraleuropa, die allerdings überwiegend feudale Verhältnisse und deren Nachklingen im Kapitalismus behandelt und deshalb weniger Vergleichsmöglichkeiten mit dem Thema vorliegender Arbeit bildet, nur noch die Schrift WALLEITNERs zu nennen.

Dokument 13

Angesichts der zunehmenden Aufmerksamkeit, die die Volkskunde der sozialen Bedingtheit der Kultur entgegenbringt und angesichts des Mangels an einschlägigen Quellen, die das Verhältnis von Bauernfamilie und Gesinde beleuchten, entstand der Entschluss, aus den eingegangene Manuskripten eine repräsentative Auswahl zusammenzustellen. (…) Vielmehr sollen die Texte dazu anregen, bislang wenig beachtete Probleme näher heraus zustellen und Arbeitshypothesen zu umreißen, die dazu beitragen, die sozio-kulturelle Differenzierung d e r Landbevölkerung eingehender zu erforschen.    Seite 9

Dokument 14

Kaufhold, Jan Andreas: Migration und Weltwirtschaftskrise Wanderungen im Deutschen Reich in den späten 1920er und frühen 1930er Jahren, Paderborn 2019, Seite 28

Hintergrund für die geringe Berücksichtigung ländlicher Migrationen ist (…), dass sich die Aufmerksamkeit der historischen Forschung primär auf den Industrialisierungs- und  Urbanisierungsprozess sowie auf die Industriearbeiterschaft gerichtet habe. Im Gegensatz dazu besaß die historische Forschung zur Thematik Landwirtschaft, ländliche Gesellschaft und ländliches Migrationsgeschehen eher eine ›Randstellung‹ »innerhalb des Gesamtspektrums historischer Disziplinen«.

 

 

 

 

Seuchen in früheren Zeiten: Cholera 1892 in Hamburg

 

Unvorstellbares Elend in den Gängevierteln

Viele Hamburger leben unter erbärmlichen Bedingungen in den Gängevierteln. Für den Bau der Speicherstadt sind zahlreiche Bewohner aus dem Hafenbereich vertrieben worden – und haben bezahlbaren Wohnraum in den Mietshäusern rund um die Kirchen St. Michaelis und St. Jacobi gefunden. Enge Gassen, schmutzige und dunkle Hinterhöfe, feuchte Kellerwohnungen und mangelhafte sanitäre Einrichtungen bieten Krankheiten einen optimalen Nährboden.

Text und Podcast aus:

https://www.ndr.de/geschichte/schauplaetze/1892-Die-Cholera-wuetet-in-Hamburg-,choleraepidemie100.html

Viele dieser “neuen” Bewohner Hamburgs waren vom Lande zugezogen, weil die Mechanisierung in der Landwirtschaft ihnen die über Jahrhunderte angestammte Arbeit des Mähens mit der Sense

 

durch die Mähmaschine

und insbesondere auch mühsamen Tätigkeiten des Dreschens mit dem Flegel während der Winterzeit ersatzlos entzog.

Hier eine Stiftendreschmaschine;

 

 

 

Fotos:von oben: HV Emlichheim, Openluchtmuseum Ootmarsum, Niederbayerisches Landwirtschaftsmuseum Regen

Haben wirklich nur Männer die Agrargeschichte geprägt?

Deutsche Agrargeschichte, verfasst von Alois Seidl im DLG Verlag Frankfurt, 2. Aufl. 2014 (Seite 351 – 375)

 

In diesem Standardwerk findet sich im umfangreichen Personen – und Sachverzeichnis nur  der Name von einer Frau: Maria Theresia, Kaiserin (ca. 650 Nennungen insgesamt)

Nachfolgend die umfangreiche Männerriege:

Achard, Franz Karl – Aereboe, Friederich – Backe, Herbert – Batocki, Adolf – Bary, Heinrich Anton de – Beckmann, Johannes –  – Bell, Patrick – Bismarck, Otto von – Brentano, Lujo – Brinkmann, Theodor -Bulger, Johann  – Caprivi, Leo von – Casparsmeyer, Robert – Colbert, Jean Baptist – Colvin, I. O. – Darre, Richard Walter – Dietrich, Hermann Robert – Dollfuß, Engelbert  – Engels, Friedrich – Ehrhardt, Ludwig – Eyth, Max – Fellenberg, Philipp Immanuel von – Ferguson, Harry – Feuerbach, Ludwig – Fowler, John -Fraas. Carl – Franke, August – Freibauer, Freier – Geismair, Michael  – Gasser, Simon – Geiersberg, Erich – Gerber, Nikolaus – Geyer, Florian – Göring, Hermann – Hascall, John – Hiazzi, Josef von – Hegel, Friedrich – Helfenstein, Ludwig von – Hellriegel, Hermann – Hermes, Andreas – Henneberg, Johann  – Huber, Victor – Humboldt, Alexander von – Justi, Johann Heinrich von – Kalckreuth, Eberhard von – Kellner, Oskar – Kutlich, Hans – Kühn, Julius – Lanz, Heinrich – Lasalle, Ferdinand – Laval, Gustav Patrick de – Lehmann, Franz – Lenin, Wladimir – Liebig, Justus von – Liebknecht, Wilhelm – Linne, Karl von – Lochow, Ferdinand von – Loe, Felix von – Lotzer, Sebastian – Löwith, Karl – Lüders, Philipp Ernst – Mansholt, Sicco – Marggraf, Andreas Sigismund – Marshall, George – Marx, Karl – Mc Cormick, Cyrus – Meikle, Andrew – Mendel, Gregor – Meyer, Konrad – Michelsen, Konrad – Mueller, Hans-Christian – Mueller –Armack, Alfred – Pabst, Heinrich Wilhelm – Palladius, Rutilius – Pestalozzi, Johann Heinrich –  Plinganser, Georg – Prandtl, Alexander – Qualtat, Jarmo – Quesnay, Francois – Rabbathge, Matthias – Raiffeisen, Friedrich Wilhelm – Reichart, Christian – Reihlen, Adolf – Rimpau, Wilhelm – Rintelen, Paul – Rousseau, Jean  Jacques – Rudhart, Ignatz – Roland, Gustav – Rümpker, Kurt von – Rüstow, Alexander – Sack, Rudolf – Schlange – Schöninger, Hans – Schlögl, Alois – Schönleutner, Max – Schorlemmer – Alst,  Burghard von – Schubart, Johann Christian – Schultz – Lupitz, Albert – Schulze, Friedrich Gottlob – Schulze – Delitzsch, Hermann –  Schwerz, Johann Nepomuk – Smith, Adam – Sprengel, Philipp Karl – Stein, Heinrich Friedrich von und zum – Steiner, Rudolf – Süvern, Johann – Tacitus, P. Cornelius – Thaer, Albrecht  – Trunk, Johann Jakob – Trull, Jethro – Turgot, Robert Jacques – Ulrich, Philipp – Varro, M. Terentius – Veit, Raimund – Voght, Kaspar – Voltaire, Francois – Wagner, Adolf – Wahlen, Friedrich Traugott – Waldburg, Georg Truchsess von – Walz, Gustav – Watt, James – Wehrli, Johann Jakob – Weichel, Ernst – Wolff, Emil von – Wohlstein, Johann von – Wood, Walter – Zwingli, Ulrich

…für Vollständikeit und Orthografie wird keine Gewähr gegeben…

Aus Heuerleuten wurden Künstler in Ton (2x: Irdenwaren und Musik)

125 Jahre Töpferei Niehenke:

Seit 120 Jahren in Hasbergen
Vor 125 Jahren in Hagen a.T.W., Große-Heide gegründet
Seit ca. 200 Jahren dem Töpferhandwerk verschrieben.

Nachweislich haben die Vorfahren von Töpfermeister Bernhard Niehenke, geb. 1874 in Hagen-Gellenbeck, als Töpfer gearbeitet. Es waren der Großvater Eberhard Niehenke, geb. 1799 in Hagen-Sudenfeld und der Vater Hermann Heinrich Niehenke, geb. 1842 in Ankum, genannt der „Schawwesknäpper“.

Dieser Vorfahr war Heuerling und Töpfer. (siehe unter: Beruf)

https://stammbaum.anverwandte.info/individual.php?pid=I71211&ged=anverwandte

Aber erst Bernhard Niehenke gründete im Jahr 1895 die eigene Töpferwerkstatt in Große-Heide, Hagen a.T.W.  Schon fünf Jahre nach der Gründung  wurde im Jahr 1900 in Hasbergen an der Grenze zu Natrup-Hagen eine neue Töpferwerkstatt gebaut. Die Vorteile des Standortes waren wohl der Hauptgrund für die Verlagerung der Werkstatt.

Der Sunderbach als Wasserversorgung, die eigene Tongrube hinter der Werkstatt und die Nähe zur Landstraße und zu den Bahnhöfen Natrup-Hagen u. Hasbergen gaben da wohl den Ausschlag für den neuen Standort. Die Anfänge standen im Licht der Herstellung von Gebrauchsgeschirr, wie z.B. Schüsseln, Teller, Tassen oder Vorratstöpfe. Mit dem Aufkommen von Porzellan- und Emaillewaren brach der Markt für die Töpferwaren zusammen.

Die Familie Niehenke verlagerte die Produktion auf Anzuchttöpfe für Gärtnereien und Blumentöpfe für den privaten Gebrauch. Hier zu wurde die Werkstatt erweitert und umgebaut. Es wurde eine maschinelle Tonaufbereitung aus Hammermühle und Strangpresse gebaut. Eine halbmaschinelle Blumentopfpresse und ein großer Kasselerbrennofen wurden in Betrieb genommen. Später kam noch ein Paternoster – Trockner hinzu.

Die Söhne von Bernhard und Luise Niehenke (geb. Pohlmeyer) bauten diese Anlagen in Eigenregie. Die Maschinen sind teilweise heute noch in Betrieb.

Da Bernhard Niehenke 1917 im 1. Weltkrieg verstarb, musste der älteste Sohn Hermann Niehenke(sen.)  geb. 1897 die Töpferei übernehmen. Seine sieben Geschwister ( 6 Brüder u. 1 Schwester) wurden in den Betrieb mit eingebunden. Eine besondere Erwähnung sollten hier die Hüggelzwerge von Karl Niehenke finden. Er modellierte die Hüggelzwerge und Figuren in den langen Nächten bei der Feuerwache am Brennofen.


Die Geschwister unterstützten den Betrieb noch einige Jahre und trugen somit zum Erhalt der Töpferei bei.
Im Jahr 1961 übernahm Hermann (jun.) geb. 1926, Sohn von Hermann (sen.) die Leitung des Betriebes. Mit dem Aufkommen der kostengünstigen Kunststoffprodukte sank die Produktion der Blumentöpfe. Die Familie musste sich wieder umorientieren.
Hermann (jun.), der zunächst bei seinem Vater und dann in Hannover beim Bildhauer Uhlemeyer gelernt hatte, kehrte im Jahr 1974 wieder zurück zu den traditionellen Tongeschirrwaren und allerlei Sonderanfertigungen aus Ton.

 

 

Im Jahr 1978 wurde die Blumentopfproduktion eingestellt.

 

 

Pottbäcker Bernd in jungen Jahren:

Nach dem Tod von Hermann (jun.) im Jahr 2001 übernahm Bernd Niehenke geb. 1958 die Leitung des Betriebes. Er hat nach seiner Ausbildung zum Töpfer und seiner Meisterprüfung 1988 in verschieden Ländern seine Erfahrungen als Töpfer gesammelt.

Neben der Töpferei hat Bernd Niehenke auch den Ton gefunden, der die Musik macht. Wie seine Vorfahren, die im Mandolinenclub Heideblümchenaktiv waren, ist er Mitglied in verschieden Musikgruppen wie den Plattmakers, den Pottbäckers oder der Kaminmusik.

Somit hat die Töpferei heute zwei Standbeine im Ton.


Infos unter:  www.niehenke.eu

Fotos: Archiv Niehenke
Foto unten: Archiv Robben