Buchvorstellung in Wagenfeld

Nach der zentralen Buchvorstellung in Lingen am 15. Oktober 2017 mit über 250 Gästen wurde auch im Raum Diepholz wenige Tage später das neue Druckwerk auf der Auburg in Wagenfeld den Häuslingsbesitzern in einer kleinen Feierstunde übergeben, die sich an dem Projekt beteiligt hatten.

Nach einer kurzen Einführung in das bis nach dem 2. Weltkrieg weit verbreitete Heuerlingswesen auch im Kreise Diepholz durch Bernd Robben erzählte Timo Friedhoff von einem Mordfall durch einen Häusling an seinem Nachbarn in vergangener Zeit.

Danach berichteten mehrere Heuerhausbesitzer in interessanter Weise über ihre Erfahrungen rund um den Erwerb und Umbau ihres Anwesens.

Die Emslandausgaben der Neuen Osnabrücker Zeitung berichten

 

18. Oktober 2017

Vom Kotten zum Traumhaus

 

Neuer Bildband zu Heuerhäusern nicht nur im Emsland ist erschienen — Autorenteam aus der Region

Heuerhäuser. Das sind Häuser, in denen die auf dem Land arbeitenden und meist besitzlosen Heuerlinge bis in die 1960er-Jahre zumeist un­ter primitivsten Bedin­gungen gelebt haben. Vie­le der heute noch existie­renden Häuser sind inzwi­schen aufwendig saniert worden. Ein Bildband zu diesem Thema haben jetzt Bernd Robben und sein Autorenteam vorge­stellt.

Von Carsten van Bevern

L I NG EN. Gerade einmal drei Jahre ist es her, dass Robben und der Historiker Helmut Lensing ihr Buch zum Heuer-lingswesen mit dem markanten Titel „Wenn der Bauer pfeift, dann müssen die Heuerleute kommen“ veröffentlicht haben. Ungewöhnlich für ein regionalgeschichtliches Buch: Inzwischen liegt es in der fünften Auflage vor und hat sich inzwischen mehr als 14000-mal verkauft.

Jetzt haben die beiden Experten zur Regionalgeschichte gemeinsam mit dem Fotografen Martin Skibicki und dem Maler Georg Strodt sowie zahlreichen Co-Autoren mit dem Bildband „Heuerhäuser im Wandel. Vom ärmlichen Kotten zum individuellen Traumhaus“ ihr zweites Buch zu diesem Thema vorgelegt.

Knapp zwei Jahre haben die Autoren daran gearbeitet. „Rund 11000 Kilometer haben wir in dieser Zeit zurück-gelegt, um die ungefähr 90 im Buch vorgestellten Heuer-häuser und deren heutige Bewohner zu besuchen. Groß-zügig wurden uns dabei die Türen geöffnet und interessante Geschichten erzählt“, berichtete Robben, der bis zu einer Pensionierung die Grundschule in Lingen-Bramsche geleitet hatte, bei der Buchpräsentation im Saal Klaas-Schaper in Lingen vor rund 200 Gästen, darunter viele Autoren und Besitzer von Heuerhäusern.

„Wir können heute sagen, es hat sich gelohnt. Die Geschichten der Häuser waren ebenso interessant wie die Berichte der heutigen Besitzer“  fasste Robben die Arbeit der vergangenen zwei Jahre zusammen. Auf viele der oft in Alleinlage liegenden Häuser ist er bei seinen mittlerweile knapp 100 Vorträgen zum Thema Heuerlingswe-sen aufmerksam geworden: „Schlösser, Burgen und große Höfe sind häufig gut dokumentiert worden, aber nicht die einfachen Häuser der armen ländlichen Bevölkerung.“

Mit beeindruckenden neuen und teils auch historischen Aufnahmen sowie kleinen erläuternden Texten und so einigen „Dönkes“ werden die mit viel Eigeninitiative und Engagement sanierten Häuser aus dem Emsland, der Grafschaft Bentheim, dem Osnabrücker, Cloppenburger und dem Münsterland bis hin zu Oldenburg und Ostwestfalen-Lippe vorgestellt. Jüngere Wissenschaftler und Fachleute ergänzen das Buch mit knapp Baukultur, zum beschwerlichen Leben der Heuerlinge, zu rechtlichen Fragen der zu-meist im Außenbereich ste-henden Häuser bis hin zu Bugen des Denkmalschutzes.

„Diesem Buch merkt man an, dass Sie in unserer Region das lebendige Lexikon des Heuerlingswesens sind. Es ist Ihnen ein grundlegendes Anliegen, diese Geschichte ins Bewusstsein der heutigen Bevölkerung zu verankern“, lobte Ehrenlandrat Hermann Bröring in seiner Eigenschaft als Präsident der Emsländischen Landschaft die Autoren des ab sofort im Handel befindliche Werks.

Heuerhäuser im Wandel“ ist für 29,90 Euro im Buchhandel und ab Freitag in den Geschäftsstellen der Linge-ner und der Meppener Tagespost sowie der Ems-Zeitung in Papenburg erhältlich. ‚Wenn der Bauer pfeift, dann müssen die Heuerleute kommen!“ gibt es für 24.90 Euro.

Das neue Buch ist auf dem Markt

Heuerhäuser im Wandel

Diese Neuerscheinung wurde am letzten Sonntag (15. Oktober 2017) in Lingen einem geladenen Publikum vorgestellt.

Der Saal füllt sich….

Über diese Veranstaltung wird in den nächsten Tagen aufbauend berichtet werden.

Flusswiesen waren begehrt

Flusswiesen und -weiden waren in früheren Jahrzehnten und Jahrhunderten in der Landwirtschaft besonders bevorzugt, weil sie durch die nahezu regelmäßigen Überschwemmungen im Winter mit natürlichen Schwemmteilen automatisch gedüngt wurde.

Dadurch war auch der Wuchs im Frühjahr und Sommer vergleichsweise gut.

Deshalb vergaben die Bauern solche Weidegründe auch selten an ihre Heuerleute, wie mehrfach berichtet wurde.

Ausnahmen waren hier kleinparzellige Grundstücke, die entsprechend weit vom Hof entfernt waren.

Idyllische Wiese ander Ems

Da war es dann für die Heuerlingsfrau äußerst mühsam, die wenigen Kühe zum Melken überhaupt zu erreichen. Das musste  zumeist mit einem Fahrrad geschehen, an dem vorne eine Einrichtung angebaut wurde, wo auf beiden Seiten eine Milchkanne eingehängt werden konnte. Damit war sie auf alle Fälle auf der „Rückfahrt“ zum Schieben verurteilt auf den schlechten Sandwegen.

 

Solch ein Abschlussgatter hätte manch ein Heuermann auch gerne gebaut, wenn er eine Flusswiese zur Pacht erhalten hätte...

Fotos: Archiv Robben

Wilddieberei – vor allem durch Heuerleute im Jahre 1928

Großes Aufsehen erregte zum Jahresende 1928 eine Massenverhaftung von über 40 Personen aus Listrup, Emsbüren, Leschede, Berge und Helschen. Ihnen wurde Wilddieberei vorgeworfen, was im Emsland zu dieser Zeit zweifellos eine nicht unübliche Art war, den schmalen Küchenzettel zu erweitern. Doch die große Anzahl der Verhafteten und die Umstände ihrer Inhaftierung trieben die Leute auf die Barrikaden. Ein als Landmesser getarnter Beamter des Westfälischen Jagdschutzverbandes hatte mit reichlichem Einsatz von Alkohol die Verhaftungswelle ausgelöst. Die Beschuldigten und deren Familien schalteten ihren wegen seines Einsatzes für die Heuerleute bekannten Zentrums-Landtagsabgeordneten Josef Hagemann, einen Gewerkschaftssekretär aus Osnabrück, ein. Auch der DHP-MdL Wilhelm Borgmann aus Lorup brachte den Fall vor den preußischen Landtag. Besondere Empörung erregte laut Zeitung die Tatsache, daß zuvor ein bekannter Adeliger aus der Nähe Lingens dafür, daß er einen auf seinem Grundstück ohne Erlaubnis angelnden Arbeiter derart anschoß, daß dieser wochenlang im Krankenhaus liegen mußte, lediglich 5 Mk Strafe zu zahlen hatte. In diesem Fall sei es dagegen gleich zu einem riesigen Polizeiaufgebot und teilweise wochenlangen Inhaftierungen gekommen, obwohl ein wesentlich geringfügigerer Tatbestand zugrunde liege. Da der Kriminalist selbst Opfer seines reichlichen Alkoholeinsatzes geworden war, mit dem er Geständnisse entlocken und die Einwohner zum Wildern verführen wollte, wurden schließlich nur einige wenige der Angeklagten zu Geldstrafen wegen Jagdvergehens – sie hatten ihre Reviergrenzen unwesentlich überschritten – oder unberechtigten Waffenbesitzes verurteilt.

aus: Emsbüren in der Zeit der Weimarer Republik von Dr. Helmut Lensing

in: Saxlinga – Kirchspiel – Gemeinde       1175 Jahre Emsbüren    herausgegeben von Christine Hermanns         Emsbüren 1994      Seite 231

Kurzinhalt, Doppelcover und Vertriebsschiene

Vom „hässlichen Entlein“ zum „schönen Schwan“

Ältere Bewohner des Nordwestens erinnern sich noch. Überall im ländlichen Außenbereich fand man sie: aufgegebene Heuerlingskotten; Wind und Wetter überlassen und langsam verfallend. Aufgrund ihrer einfachen, möglichst kostengünstigen Bauweise galten sie schon vorher als dörfliche „Schandflecken“. Vielfach gab es nun sogar Abbruchprämien, um sie schnell verschwinden zu lassen.

Wer heute durch den Nordwesten fährt, erkennt die letzten verbliebenen Heuerlingskotten nicht wieder. Meist abseits vielbefahrener Wege haben kreative Menschen mit viel Liebe zum Detail eine Reihe dieser Kotten für die Gegenwart bewahrt und daraus jeweils ein ganz individuelles Traumhaus – für sich oder eine Gemeinschaft – geschaffen. Viele opulente farbige Fotos zeigen, wie sich die ehemals einfachen Behausungen der damaligen ländlichen Unterschicht zu traumhaft schönen Landhäusern gewandelt haben. Bereichert wird dieser Bildband zum Landleben mit vielen Ideen zu Gestaltung von Haus und Hof auf dem Land mit kurzen Beiträgen zum Thema „Heuerhäuser“ und „Leben im Heuerhaus“ von namhaften Autoren wie Dr. Andreas Eiynck, Christiane Cantauw, Dr. Heinrich Stiewe, Dr. Lutz Volmer, Dr. Timothy Sodmann, Dr. Christof Spannhoff, Niels Juister, Ralf Weber, Dr. Helmut Lensing, Dr. Bernd H. Schulte, Timo Friedhoff oder Dr. Christian Westerhoff.

So kann das Buch schon jetzt bestellt werden:

Das neue 335seitige Werk „Heuerhäuser im Wandel – Vom ärmlichen Kotten zum individuellen Traumhaus“ von Bernd Robben und Dr. Helmut Lensing, diesmal gemeinsam mit dem Fotografen Martin Skibicki und dem Maler Georg Strodt verfasst und wieder im Verlag der Studiengesellschaft für Emsländische Regionalgeschichte erschienen, ist zum Buchhandelspreis von 29,90 Euro zuzüglich 4,- Euro Versandkosten für ein Buch innerhalb Deutschlands ab jetzt vorzubestellen.

Das Buch mit der ISBN 978-3-9818393-2-6 ist ab dem 16. Oktober im Handel zu erhalten. Vorbestellungen werden umgehend zugestellt.

Vor(-Bestellungen) sind zu richten an: shop@emslandgeschichte.de

Meurer: „Das Hollandsgehen mit besonderer Rücksicht auf die Lage der Heuerleute im Osnabrückischen“ (1871) jetzt online

Ein freundlicher Hinweis aus Münster:

Sehr geehrter Herr Robben,

die nachfolgende kostenfreie Onlineausgabe von Meurer: „Das Hollandsgehen mit besonderer Rücksicht auf die Lage der Heuerleute im Osnabrückischen“ (1871) dürfte unter Umständen von Interesse für Sie sein:

https://sammlungen.ulb.uni-muenster.de/hd/content/titleinfo/4757771

Die ULB Münster hat den Titel soeben im Rahmen ihres Services  Fachinformationsdienst Benelux / Low Countries Studies digitalisiert.

Mit freundlichen Grüßen

Ilona Riek

***********************************************************************

Ilona Riek

FID Benelux | Bibliothek im Haus der Niederlande

Universitäts- und Landesbibliothek Münster

Krummer Timpen 3

48143 Münster