Klöpkes Haus  – Kleinausgabe eines Heuerhauses

In den benachbarten Niederlanden war der protestantische Glauben seit dem Ende des 16. Jahrhunderts zur vorherrschenden Religion geworden.

Besonders die katholischen Gläubigen hatten darunter zu  leiden. So durften katholischen Priester ab 1633 ihren seelsorglichen  Aufgaben nicht mehr nachkommen.

In diesen schwierigen Jahren für die Katholiken spielten die sogenannten Schläge oder Klöpkes eine wichtige Rolle. Klöpkes waren fromme Frauen, die alle möglichen Aufgaben erfüllten, um die Pfarreiarbeit in Gang zu halten: Die Klöpkes pflegten die Kommunikation zwischen Pastor und Gemeindemitgliedern. Sie warnten die Gläubigen, wenn ein Gottesdienst abgehalten und religiöse Erziehung betrieben wurde. Klöpkes waren unverheiratet und lebten gewöhnlich in einem eigenen kleinen Haus, oft auf einem Bauernhof. Zum Beispiel lautet die Volkszählung von 1748: “Fenne in Vinken bakhuys, ein Klopfer”.

Aus: http://www.klopkeshoes.nl/page/het-klopkeshoes-berghum

Dieses Klöpkeshoes erinnert an eine Kleinausgabe eines Heuerhauses.

 

Fotos: Archiv Robben

Nach Vorträgen zum Heuerlingswesen Videointerviews mit Zeitzeugen

Leider habe ich erst spät die Möglichkeit erkannt, Besucher (innen)  im Anschluss an die Vorträge zu ihren Erfahrungen mit dem Heuerlingswesen zu befragen.

Erst beim 100. Referat in Leeden bei Lengerich in Westfalen wurde diese Chance genutzt.

Im Anschluss an den Vortrag in Brochterbeck am 20. Juli 2018 ergab sich erneut die Möglichkeit, eine Reihe von Zeitzeugen zu interviewen.

Mehrere Beiträge werden hier in Kürze eingestellt werden…

 

Ab wann fand die besitzlose Landbevölkerung Aufnahme in den Städten

                                    

Wozu noch Sozialgeschichte? : eine Disziplin im Umbruch : Festschrift für Josef Mooser zum 65. Geburtstag

von  Pascal Maeder und Josef Mooser      Göttingen 2012

In diesem Buch wird auf Seite 38 beschrieben, wie auch in anderen Regionen das Verhältnis zwischen Bauern und nichtbesitzenden Landbewohnern sich gestaltete und ab wann diese in Preußen endlich ständige Zuflucht in den Städten fanden.

aus:https://books.google.de/books?id=tHa6EQhsLosC&pg=PA36&lpg=PA36&dq=Inhaltsangabe+zu+Schlumbohm+Lebensl%C3%A4ufe+Familien+h%C3%B6fe&source=bl&ots=KhalyUMHMv&sig=YC-HSSaFk_lcOEuSOtJ_HpRa-w8&hl=de&sa=X&ved=0ahUKEwiQk4i4gafcAhVDWywKHXJUDbQQ6AEIRTAH#v=onepage&q=Inhaltsangabe%20zu%20Schlumbohm%20Lebensl%C3%A4ufe%20Familien%20h%C3%B6fe&f=false

 

Als Heuerleute Unternehmer werden wollten…

In allen Gegenden Norddeutschlands waren über viele Jahrzehnte

Heuerleute als Holzschuhmacher

unterwegs gewesen und hatten sich damit ein Zubrot verdient.

Insbesondere nach dem 2. Weltkrieg lösten zunehmend Maschinen die Herstellung dieses kostengünstigen Schuhwerks ab.

 

Einige Heuerleute kauften sich diese Fertigungsmaschinen, um so einen Vollerwerb einrichten zu können.

Mit der Auflösung des Heuerlingswesens in den 50er Jahren trugen die Menschen auf dem Lande auch keine Holzschuhe mehr.

Und zeitgleich mit dem Verschwinden der Holzschuhe begann auch der rapide Rückgang  der Vermittlung der plattdeutschen Sprache an die nachfolgende Generation.

Die Lehrer setzten sich nun durch.

In Ergänzung zum Beitrag:

http://www.heuerleute.de/holzschuhe/

Ein Kotten aus Südlohn mit trauriger Vorgeschichte.

 

Dieses translozierte ehemalige Heuerhaus steht heute in der Museumsanlage in Vreden.

Foto: Archiv Robben

Der erste Besitzer war der Bauer Schulze Ebbink aus Südlohn im Kreis Borken. Im Jahre 1837 wurde sein Gehöft durch einen schweren Sturm verwüstet, was ihn in finanzielle Not brachte.

Darum verkaufte er dieses Heuerhaus.

Durch Heirat der Tochter des Nachbesitzers gelangte es 1892 in das Eigentum des Holzschumachers Johann Henrich Schlüter. Da dessen Beruf zu wenig einbrachte, war er auch noch als Tagelöhner und Holzfäller unterwegs. Leider begann er zu trinken und drangsalierte seine Frau und die Kinder, die dabei ebenfalls auf die schiefe Bahn gerieten.

Alkoholmissbrauch war damals schon weit verbreitet.

Foto: Heimatverein Vreden

Bernard Schlüter (1912-1980) war der jüngste Sohn aus dieser Ehe. Er blieb Junggeselle. Er starb verarmt im Alter von 68 Jahren. Zunächst wollte die Gemeinde Südlohn das Anwesen kaufen. Dann fühlte man sich dort jedoch von den hohen Wiederaufbaukosten abgeschreckt. So gelangte das ehemalige Heuerhaus in die historische Hofanlage von Vreden.

Siehe auch: Heuerhäuser im Wandel Vom ärmlichen Kotten zum individuellen Traumhaus Robben/Skibiki/Lensing/Strodt, Haselünne 2017, Seite 193

 

Justus Möser zur Lage der Heuerleute

Justus Möser wurde 1720 in Osnabrück geboren und starb dort 1794.

Er war aber weit darüber hinaus bekannt als

  • Jurist:  Er gilt als der Akteur, der das germanische in das römische Recht überführte. Damit hat er Einfluss auf das deutsche Recht genommen.
  • Literat: Mösers schriftstellerische Leistungen sind umfangreich in den Bereichen Geschichte, Theater und Literatur.
  • Historiker und Volkskundler: Er hat uns dabei  auch eine Fülle an Veröffentlichungen zum Brauchtum  und der Volkskunde überlassen.
  • Politiker: Goethe lobte ihn als den „Patriarchen von Osnabrück“. Möser beförderte durch seine Schriften die Entwicklung des deutschen Nationalismus.
  • Er hat sich auch zur Lage der Heuerleute geäußert:

Foto:  https://de.wikipedia.org/wiki/Justus_M%C3%B6ser#/media/File:M%C3%B6serJ.jpg

 

 

Dieses Buch erschien 2001 in Osnabrück als Begleitband zur gleichnamigen Ausstellung der Universität Osnabrück in Kooperation mit dem Museum Jannink in Enschede.

Dort findet sich auf Seite 13 diese Abhandlung Mösers zur Hollandgängerei in den Wöchentlichen Osnabrückischen Anzeigen aus dem Jahre 1767:

Heuermann Rudolf Dunkmann berichtet über sein Verhältnis zum Bauern

Es war oft damals zwischen dem Bauern, also dem Besitzer, und den Heuerleuten kein idealer Zustand.

Die Bauern, die hatten das noch so im Kopf, wie das früher war: Das sind unsere Dienstleute, die müssen es so machen, wie wir es wünschen.

Auf dem großen Hof Schulte-Herkendorf (war es üblich), bei einmal Blasen mußte einer kommen, bei zweimal Blasen, da mußten sie doppelt kommen. (Die Heuerlinge) konnten ruhig ihr Korn hochreif haben und gerne einfahren wollen, nichts, erst kam der Bauer.

Und das war bei unserem Bauern auch so ähnlich. Ich habe mich in der ersten Zeit drin geschickt. Ich bin zu Hause geblieben, bin zum Bauern gegangen und habe morgens um 4.00 Uhr die Sense gezogen und habe Gras gemäht. Man mußte ja praktisch.

Der (Bauer) war überhaupt so ein bißchen unbequem, der hatte auch so seine Mätzchen. Der wollte uns umwechseln von einer Heuerstelle in die andere. Und das ist ja wohl verständlich, daß man das nicht gerne tut. Dann nahm er uns das halbe Land weg, da konnten wir nur noch eine Kuh halten. Da haben wir uns auch mit abgefunden. Und dann starb mein Vater. Mein Vater war einer von der alten Sorte, der meinte, der Bauer, das wäre der Herrgott, und wenn der Bauer ins Haus kam, dann bebte er schon vor Angst.

Und als mein Vater nicht mehr da war, da mußte ich fürs Ganze geradestehen. Ich habe mich nicht ganz so unterkriegen lassen, ich habe etwas meinen eigenen Willen gezeigt. Und dann dauerte es vielleicht zwei Jahre, dann war ich auf der Suche nach einem Bauplatz. Ich habe meinen Bauern danach gefragt, wie es wäre, ob er nicht einen Bauplatz für mich hätte. Und seit der Zeit war der Mann wie umgewandelt.

Quelle: Sauermann, S. 51.

Der besonder Zeitzeuge Rudolf Dunkmann 2

Leinenaussteuer der angehenden Bäuerin

Zur Aussteuer einer Bauerntochter eines 25 – 30 ha großen Hofes gehörte ein Koffer voll Leinen, das waren 30 bis 50 Rollen. Gingen mehrere Töchter ab, dann verringerte sich natürlich die Aussteuer bei jeder einzelnen. Genähte Hemden bekam die Braut mindestens 13 mit. 13 mußten es sein, weil nur einmal vierteljährlich gewaschen wurde … Die Frauenhemden waren ziemlich lang und mit kurzen Ärmeln. „Weenlaschen“ wurden als vier eckige Achselstücke eingesetzt. Zur Verbreiterung nach unten wurden beiderseitig „Spielen“, das sind lange, keilförmige Einsätze, eingesetzt. Die Brauthemden waren für beide verziert. Das Hemd des Bräutigams war an der vergrößerten Halspasse, den Schultern und den Ärmelbündchen durch mit rotem Garn ausgeführtem Kreuzstichmuster verziert. Die Brauthemden wurden später nur noch als Leichenhemd benutzt. Die Braut brachte auch Hemden für den Bräutigam mit. Ein Totenlaken, das meine Mutter als Aussteuer mitbekommen hatte, wurde in meinem Elternhause zweimal bei Beerdigungen meiner Geschwister unter den Sarg gelegt. Die beiden Anfangsbuchstaben des Namens der Braut waren schlicht weiß in die Ecken der Bettwäsche und Tischdecken eingestickt … Die Näherin nähte die Aussteuer auf dem Hofe der Braut. Ihr wurde dort eine der vorhandenen Stuben zum Arbeiten zugewiesen. Gern zeigte die Braut ihre Aussteuer (den) Frauen aus der Nachbarschaft und der Verwandtschaft. Daran anschließend gab es dann ein „Köppken Koffei“ mit Zwieback. Vereinzelt wurde mal ein Leinenkoffer von innen mit Stoff ausgeschlagen.

Oft bekam die Braut als Mitgift ein Stück Vieh, meist Kuh oder Rind, mit. Dieses Tier wurde ungeschmückt hinter dem Kistenwagen mitgeführt. Heute hat man das nicht mehr.

Quelle: Sauermann, S. 134-135.

Der besondere Zeitzeuge: Heuermann Rudolf Dunkmann

Kaum ein anderer Heuerling hat so umfangreich und kompetent berichtet.

Insbesondere durch die Zusammenarbeit mit dem Wissenschaftler Prof. Dr. Dietmar Sauermann (Uni Münster) kamen diese besonderen Zeitzeugnisse zustande.

Download:http://www.lwl.org/voko-download/BilderNEU/422_023Sauermann_MU.pdf

Deshalb sollen hier nachfolgend nach und nach Texte von ihm eingestellt werden:

 

Launen des Bauern!

Zum Schluß will ich noch über ein Ereignis berichten, welches man wohl als ein Überbleibsel der Leibeigenschaft betrachten muß.

Ort des Geschehens: ein Bauernhof kurz hinter der Provinzgrenze.

Zeit: um die Jahrhundertwende.

Der genannte Bauer, nur mittelgroß, aber energisch, besaß wohl noch den alten Herrendünkel. Fast alle jungen Männer aus dem Volke mußten zu damaliger Zeit als Bauernknecht ihr Brot verdienen und standen praktisch in einem Abhängigkeitsverhältnis zu den Bauern. Dieser Bauer hatte es sich zur Gewohnheit gemacht, seinem Pferdeknecht, wenn er die Pferde ausgeschirrt und in den Stall geführt hatte, einige Peitschenhiebe zu verabreichen. Das geschah gewohnheitsmäßig und fast immer aus nichtssagendem Grunde. Nun wechselten mal die Knechte. Der neue, mit einem Gardemaß von 1,90 m und einem Rücken wie ein kleiner Kleiderschrank, war eben vom Wehrdienst heimgekehrt und glaubte, bei diesem Bauern einen geeigneten Arbeitsplatz zu finden. Schon nach einigen Tagen passierte es. Der Knecht hatte die Pferde ausgespannt und in den Stall geführt. Den Bauern, der auf seinem altgewohnten Platz auf der Häckselkiste hinter der Dielentür saß, beachtete er kaum. Plötzlich stand der Bauer auf und traktierte den Knecht mit einigen Peitschenhieben. Der ruhige, besonnene Knecht, der ja spielend mit zwei solchen Gegnern fertig geworden wäre, packte den kleinen Bauern im Nacken und entriß ihm die Peitsche. Mit immerwährenden Peitschenhieben trieb der Knecht nun den Bauern über die lange Bauerndiele bis zu den Wohnräumen. Von der Zeit an bestand ein gutes und ausgeglichenes Verhältnis zwischen Bauer und Knecht.

Quelle: Sauermann, S. 91.