Lipper Ziegler

Östlich von Bielefeld befindet sich das Lipper Land.

Die Heuerleute aus dieser Gegend nennt man Lipper (Lippische) Ziegler wegen ihrer besonderen beruflichen Fähigkeiten.

Wegen der  Kargheit der Lebensbedingungen in ihrer Heimat waren sie auf Wanderarbeit angewiesen. So boten sie vor allem in den nördlichen Teilen Deutschlands, aber auch in Dänemark und vor allem in den Niederlanden ihre  Kenntnisse und Fertigkeiten in der Herstellung von Ziegeln an.

 

 

By K.-P. Wessel (Kreis Lippe.png) [Public domain], via Wikimedia Commons

Im 19. Jahrhundert verließen bis zu 40% aller männlichen Erwerbstätigen in jedem Frühjahr das Fürstentum Lippe. Bis zum Herbst arbeiteten sie im Norden Deutschlands, in den Niederlanden, in Skandinavien und Osteuropa auf Ziegeleien. Die saisonale Wanderarbeit der lippischen Ziegler geht bis in das 17. Jahrhundert zurück. Die Verwaltung des Fürstentums Lippe registrierte sie in allen Einzelheiten. Für die Jahre von 1778 bis 1869 gibt es im Landesarchiv Nordrhein-Westfalen (LAV NRW), Abteilung Ostwestfalen-Lippe, in Detmold über 100.000 Daten zu mehr als 30.000 Zieglern. Nirgendwo sonst auf der Welt lassen sich so viele und dichte Informationen zu Saisonarbeitern mit Herkunft und Zielort für eine derart lange und frühe Zeit in diesem Umfang finden. Für die Geschichte der Migrationen, der Arbeit und der Familie sind sie von unschätzbarem Wert, aber auch für Genealogen mit Vorfahren aus Lippe.
Dank der Zusammenarbeit zwischen dem Internationalen Institut für Sozialgeschichte in Amsterdam (IISG) und dem LAV NRW werden diese Daten, eingebettet in ihrem historischen Kontext, zur Verfügung gestellt. 

aus: http://www.iisg.nl/migration/ziegler/

https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Zieglerdenkmal-kalldorf.jpg

Knaben, kaum der Schule entlassen, blühende Jünglinge, Männer in den besten Jahren und solche, die dem Greisenalter nahe, sieht man mit großmächtigen Reisesäcken auf dem Rücken daher ziehen. Ist die Frostgefahr vorüber, so gehen sie wacker an die Arbeit. Sie graben Ton, mahlen ihn (früher in den schwerfällig von Pferden getriebenen Radradien), formen Steine und Pfannen, trocknen sie und bedienen den Ofen. Ein Ziegelmeister ordnet und überwacht alles. Ein eigener heimatlicher Koch sorgt für die notwendige Atzung. Diese ist derb und deftig.

Erbsen und immer Erbsen sind tägliche Kost und dazu Wurst, Speck und Schinken aus dem heimischen Vorrat. Denn das verdiente Bargeld muß der Gattin oder den alten Eltern heimgebracht werden, die inzwischen mit Hilfe der Kinder mühselig den Garten und das Stückchen Acker bestellt, für das Vieh,  vor allem für die zahlreichen Ziegen gesorgt und Haus und Hof in Ordnung gehalten haben. Wehe dem, der sich zu unnützen Ausgaben hat verleiten lassen und die erwarteten 100 Taler nicht abgeben kann. Verachtung ist der Lohn.

O. Reißert, Weserbergland und Teutoburger Wald, Seite 123 Velhagen und Klasing, Bielefeld 1909

aus: