Siedlung am Swarten Pohl

Dieser Aufsatz stammt von Dr. Helmut Lensing, der zum Firmenjubiläum der Familie Keuter eine Festschrift verfasste. Die Vorfahren dieser Unternehmerfamilie waren die ehemaligen Heuerleute Kioters, die im Moor siedelten:

Schwartenpohl und die Familie Keuter

Das Gebiet des heutigen Schwartenpohl gehörte in der frühen Neuzeit zu Dalum und bestand aus unbewohnten Moor- und Heidegebieten, aus denen einige Sandzungen (,,Tangen“) hervorragten, die nicht nach Regenfällen unter Wasser gerieten.

Der Landesherr, der Fürstbischof von Münster, be­schloss auf Anregung seines Amtsrentmeisters Johann Bernhard Lipper (1700-1788), entlang der noch nicht festgelegten Grenze zu den Niederlanden im Moor Kolonien anzulegen.

Damit sollte nicht allein die Grenze zu den Niederlanden besser markiert werden, sondern auch die Fläche der Öd­ländereien verkleinert und die Anzahl der steuerpflichtigen Bauern vergrößert  werden. Allerdings befanden sich die Flächen der geplanten Siedlung Schwartenpohl in den Händen der Dalumer Markberechtigten. Während die übrigen geplanten Siedlungen am Widerstand der Altdörfer schei­terten, stimmten die Dalumer einer Besiedlung ihrer abgelegenen Flächen zu.

So kamen 1764 die ersten vier Siedler, denen ein hartes, entbehrungsreiches Leben in  der Öde bevorstand. Sie mussten nicht nur die Sandzunge urbar machen. Noch schwerer wog die Aufgabe, die Sümpfe, Moräste und Blänken im Umfeld zu kultivieren. Der Name der neuen Siedlung stammte von einem großen Sumpfloch, dem „swarten Pohl“, in der Nähe der Anhöhe, auf der die ersten Bewohner Quartier bezogen und größtenteils heute noch wohnen. Nach diesem „schwarzen Pfuhl“, dessen letzten Reste 1953 trok- kengelegt wurden, bekam Schwartenpohl seinen Namen.

Die ersten Siedler waren die nachgeborenen Bauernsöhne Hermann-Hindrich Veltmann aus Wietmarschen, Johann-Bernhard Wübbels aus Fullen, Hermann Boekers (heute Bökers) aus Geeste und Albert Koiter.

Der vierte Siedler, Albert Koiter, geboren am 3. Mai 1738 in Rühle, wurde der Stammvater der Schwartenpohler Familie Keuter. Koiter und Boekers, die eigentlich eine andere Siedlungsstelle zugewiesen bekommen hatten, ließen sich wie die beiden übrigen Familien auf  der  Anhöhe  beim „schwarzen Pf uhl“  nieder,  da sie ansonsten  in einer ,,Wasserwüste“ gewohnt  hätten. 

Keuter 1

Dies erzeugte Ärger mit den Dalumern, die gerade hier bei Hochwasser ihr Vieh weideten und dort auch Plaggen stachen. Nach Konzessionen beider Seiten durften Koiter und Boekers dort wohnen bleiben, wobei Koiter den Hausplatz mit der Nummer 4 bekam. 1773 lebten fünf Familien in Schwartenpohl.

Dalumer Heuerleute bemühten sich bald darum, auch in Schwartenpohl eine Siedler­ stelle zu bekommen, wogegen die Dalumer Bauern sich heftig wehrten. 1786 ließen sich schließlich  acht  ehemalige  Heuerleute  in der „Wasserwüste“ nieder  und  gründeten den Schwartenpohler Ortsteil „ Neu-Dalum“. 1844 gab es bereits 20 bäuerliche Anwesen und eine Heuerlingsfamilie im Dorf, das insgesamt 115 Menschen beherbergte.

Unter ihnen ging es den vier Erstsiedlern verhältnismäßig gut,  denn sie hatten den besten Boden mit der am einfachsten zu kultivierenden Umgebung bekommen. Erst 1897 lösten die Schwartenpohler die Dalumer Rechte an den von ihnen genutzten Böden ab und wurden deren Eigentümer. 1910 folgte die Markenteilung, so dass die Ein­wohner ihre Flächen beträchtlich aufstocken konnten und der Ackerbau die Schafzucht zunehmend verdrängte. Zugleich wurde Schwartenpohl 1910 eigenständige politische Gemeinde.

Keuter 2

Bernhard Keuter leitete als Bürgermeister von 1946 bis 1972 die Geschicke Schwartenpohls, das zwei Jahre später nach Wietmarschen eingemeindet wurde. Wie sein Bruder Hermann in Wietmarschen fungierte Bernhard Keuter seit 1943 in Schwartenpohl als Gemeindebrandmeister. Das Amt legte er nieder, als er 1946 den Bürgermeisterposten übernahm.