Vorwort

                                         Herzlich willkommen in der Welt der Heuerleute!

 

In der Zeit vom Dreißigjährigen Krieg bis in die 50er Jahre des 20. Jahrhunderts bildeten die Heuerleute ein wichtiges Element der Agrargesellschaft in Nordwestdeutschland. Sie stellten  mehr als die Hälfte, zeitweilig sogar fast zwei Drittel der Bevölkerung.

Nach dem Zweiten Weltkrieg in der Zeit des sog. Wirtschaftswunders verschwanden nach und nach die Heuerhäuser aus der Kulturlandschaft dieser Gegend: Sie wurden verkauft, umgebaut, verlassen und zumeist abgerissen – einige wenig finden sich noch heute als hübsch renovierte Schmuckstücke an den Rändern unserer Dörfer. Durch die aufkommenden Landmaschinen wurde die Arbeitskraft der Heuerleute auf den Höfen nicht mehr gebraucht, sie fanden dann aber erstmals genügend Arbeitsplätze außerhalb der Landwirtschaft.

Eine Heuermannsfamilie bewirtschaftete als Pächter selbständig eine kleine Landstelle mit einem Heuerhaus und  2 – 4 Hektar Land, musste aber die Miete und die Pacht – das unterschied ihn von einem reinen Pächter – überwiegend in Form von körperlicher Arbeit auf dem Hof des Bauern entrichten.

Das bedeutete eine starke Abhängigkeit vom Bauern, zumal es keine soziale Absicherung wie etwa gegen eine Kündigung gab.

Die Übernahme einer solchen Heuerstelle war für ledige Mägde und Knechte, aber auch für abgehende Bauernkinder zumeist die einzige Gelegenheit, durch die Kombination von Erträgen aus der Landwirtschaft, aus Saisonarbeit („Hollandgänger“) und häuslichem Nebengewerbe (Leinenproduktion, Verarbeitung von Schafwolle, ländliches Handwerk) eine eigene Existenz aufzubauen und so  eine Familie gründen zu können, was in anderen Gegenden des deutschsprachigen Raumes deutlich schwieriger war.

Dabei scheint das Heuerlingswesen  offensichtlich ein nur wenig bekanntes Phänomen außerhalb des Verbreitungsgebietes (Nordwestdeutschland) zu sein.

Ein Beispiel dafür: Da bringt ein jüngerer  NDR – Korrespondent im “Mutterhaus” des Senders in Hamburg den Vorschlag ein,  man müsste doch das Heuerlingswesen endlich einmal umfangreich im Fernsehen vorstellen, da in dieser früher stark verbreiteten Sozialisationsform so viele Nutzer dieses Senders etwas über das harte und entbehrungsreiche Leben ihrer Vorfahren erfahren könnten.

Daraufhin erhält er von einem Entscheidungsträger die Antwort:

Heuerleute, die sind doch über Hamburg hinaus reichlich bekannt. So nannte man doch ehedem die Schauerleute im Hafen…

Solche Formen einer bedauerlichen Unkenntnis selbst in Akademikerkreisen im gesamten deutschen Sprachbereich sind wohl Standard, das habe ich in den letzten 20 Jahren bei der Aufarbeitung dieses Themas immer wieder erfahren müssen…

Foto: http://Von User:Wmeinhart – Wolfgang Meinhart, Hamburg – Eigenes Werk, GFDL 1.2, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=17465686

Insbesondere deshalb ist dieses Buch erschienen:

Das Interesse an dieser Thematik entwickelte sich so stark, dass innerhalb von 2 Jahren in 7 Auflagen 15 000 Exemplare davon verkauft werden konnten.

Mitautor Dr. Helmut Lensing nennt mögliche Gründe:

Das Interesse am Alltagsleben der unterbäuerlichen Schicht der Heuerleute und der vielfach aus ihren Reihen stammenden Knechte und Mägde, an ihrer Wohnsituation, deren Streben nach Freiheit durch Siedeln in Moor und Heide, ihrer Suche nach gesicherten finanziellen Verhältnissen durch die Leinenbearbeitung oder dem Töddenhandel, an den verheerenden Folgen der Markenteilung für die Nichtbauern, aber auch an die Auswanderung in die USA, am harten Los der Heuerlingsfrauen und Mägde, die Volksmedizin und damalige Schulbildung fasziniert die Leser ganz offensichtlich. Die Zeit nach dem Ersten Weltkrieg, als die Heuerleute politische Macht erlangten, wird wie die übrigen Kapitel mit eingefügten Zeitzeugenberichten oder eingestreuten Porträts zu einem ebenso informativen wie kurzweiligen Lesevergnügen. Gesteigert wird dies noch durch über 300 Illustrationen.

Ein weiteres Buch zum Heuerlingswesen ist seit Oktober 2017 im Handel:

Hier stellt es sich vor:

Vom „hässlichen Entlein“ zum „schönen Schwan“

Ältere Bewohner des Nordwestens erinnern sich noch. Überall im ländlichen Außenbereich fand man sie: aufgegebene Heuerlingskotten; Wind und Wetter überlassen und langsam verfallend. Aufgrund ihrer einfachen, möglichst kostengünstigen Bauweise galten sie schon vorher als dörfliche „Schandflecken“. Vielfach gab es nun sogar Abbruchprämien, um sie schnell verschwinden zu lassen.
Wer heute durch den Nordwesten fährt, erkennt die letzten verbliebenen Heuerlingskotten nicht wieder. Meist abseits vielbefahrener Wege haben kreative Menschen mit viel Liebe zum Detail eine Reihe dieser Kotten für die Gegenwart bewahrt und daraus jeweils ein ganz individuelles Traumhaus – für sich oder eine Gemeinschaft – geschaffen. Viele opulente farbige Fotos zeigen, wie sich die ehemals einfachen Behausungen der damaligen ländlichen Unterschicht zu traumhaft schönen Landhäusern gewandelt haben. Bereichert wird dieser Bildband zum Landleben mit vielen Ideen zu Gestaltung von Haus und Hof auf dem Land mit kurzen Beiträgen zum Thema „Heuerhäuser“ und „Leben im Heuerhaus“ von namhaften Autoren wie Dr. Andreas Eiynck, Christiane Cantauw, Dr. Heinrich Stiewe, Dr. Lutz Volmer, Dr. Timothy Sodmann, Dr. Christof Spannhoff, Niels Juister, Ralf Weber, Dr. Helmut Lensing, Dr. Bernd H. Schulte, Timo Friedhoff oder Dr. Christian Westerhoff.
So kann das Buch schon jetzt bestellt werden:
Das neue 335seitige Werk „Heuerhäuser im Wandel – Vom ärmlichen Kotten zum individuellen Traumhaus“ von Bernd Robben und Dr. Helmut Lensing, diesmal gemeinsam mit dem Fotografen Martin Skibicki und dem Maler Georg Strodt verfasst und wieder im Verlag der Studiengesellschaft für Emsländische Regionalgeschichte erschienen, ist zum Buchhandelspreis von 29,90 Euro zuzüglich 4,- Euro Versandkosten für ein Buch innerhalb Deutschlands zu beziehen.
Das Buch mit der ISBN 978-3-9818393-2-6 ist ab dem 16. Oktober 2017 im Handel zu erhalten.
Bestellungen können Sie richten an: shop@emslandgeschichte.de

 

Warum nun neben offensichtlich so erfolgreichen Veröffentlichungen zusätzlich eine Internetplattform zum Heuerlingswesen?

Das hat mehrere Gründe:

  • Das Thema ist so komplex, dass man hier offensichtlich erst am Anfang umfangreicher Studien steht.
  • Im Buchprojekt konnten insbesondere aus Platzgründen etliche Unterthemen nicht berücksichtigt werden. In Absprache mit Dr. Helmut Lensing sollen hier zusätzliche Texte vorgestellt werden.
  • Auf der anderen Seite soll dieses Medium Interessierten die Möglichkeit geben, sich selbst einzubringen und mit anderen Personen mit ähnlicher Interessenslage in Verbindung zu treten.
  • Für die Heimatvereine, die bisher bei diesem elementaren Thema unserer Gegend noch keine Erfahrung haben,  sollen Hilfestellungen (insbesondere vom Kreisheimatbund Diepholz) angeboten werden.
  • Diese Plattform wurde zunächst in einer nicht streng durch eine vorab gefertigte Disposition entwickelt. So konnte sie sich in der Probephase ständig neu strukturieren.
  • Allerdings hat sich dann zunehmend gezeigt, dass offensichtlich eine starke Ausrichtung an der Inhaltsangabe im Heuerlingsbuch am sinnvollsten erscheint.
  • Der besondere Vorteil dieser neuen Website: Es kann ständig an jeder Stelle erweitert und ergänzt werden. Das ist bei einem Buchprojekt anders
  • Diese Website will und kann keinen Anspruch auf wissenschaftlichen Hintergrund erheben. Es handelt sich vielmehr um eine “Ansammlung” zur Thematik in Nachfolge der beiden o. g. Bücher und der mittlerweile rund 100 Vorträge zu Thema Heuerlingswesen

 

Hinweise zum möglichen Umgang mit dieser Website:

Im Menüpunkt Aktuelles werden mehrmals in der Woche neue Themen eingestellt.

Der nachfolgende Link führt Sie zu einem Fernsehinterview, das einen Grobüberblick über die Gesamtproblematik gibt.

http://www.ev1.tv/talk/ev1tv–der-talk/ev1tv-der-talk—das-heuerlingswesen_27347