Die Haushebung eines Heuerhauses vor etwa 180 Jahren

Der heutige Besitzer Siegfried Hollmann hat dazu recherchiert:

Am 13. Juli 1838, einem Freitag, fand auf dem Hesterbrink, der höchsten Erhebung des Wiehengebirges in Oberholsten, die Haushebung eines Fachwerkgebäudes statt. Dieser Ort liegt in der sog. westfälischen Landschaft Niedersachsens. Typisch dafür sind landwirtschaftliche Gebäude in Fachwerk mit geputzten Gefachen.

Bauherr war seinerzeit ein Johann Friedrich Drees mit seiner Ehefrau Anna Katharina Maria. Das Bauernehepaar war zur Zeit der Haushebung 30 Jahre verheiratet und hatte insgesamt 11 Kinder, von denen bereits 3 verstorben waren. Der älteste Sohn war 29 Jahre alt.

Im Winter 1837/38 hatte der Colon, so nannte man damals die Bauern von Vollerbhöfen, mit seinen Knechten im Wald, dem sog. eigenen Holzteil, 150 bis 200 Jahre alte Eichen geschlagen. Anschließend bestellte er den Zimmermeister  Friedrich Nienhüser, der im  Rundbogen der Tür verewigt ist, auf seinen Hof. Er wie auch die übrigen Zimmerer waren in aller Regel  Heuerleute aus der näheren Umgebung. Mit mit einem Dexel, das ist ein querstehendes Beil, schlugen sie die Eichen kantig. Immer dann, wenn aus einem Stamm mehrere Balken geschnitten werden sollten, musste gesägt werden. Dazu wurde der Stamm auf einen etwa zwei Meter hohen Sägebock gelegt. Oben und unten standen jeweils ein oder zwei Sägeknechte. Dabei wurde nach unten gesägt, nach oben nur die Säge geführt. Diese Arbeit war eine schwere Arbeit und dauerte Wochen

Die Haushebung begann um 8 Uhr mit einem ‚Vaterunser“, damit,  „wie kein Malör krieget“.

Die letzte Arbeit war das Richten des Giebels, dabei passte der letzte Stiel nie auf Anhieb. Immer wieder musste nachgelotet werden und dabei gab es immer wieder einen Schluck aus der Flasche. Der Zimmermeister ließ das zu, weil die Arbeit ja fast getan war.

Einige Tage später war dann der sog. „Kleidag“. Die mit Zweigen ausgelegten Innengefache wurden mit Lehm ausgeschmiert. Auch daran waren wieder die Nachbarn beteiligt. Die Dacheindeckung des Hauses erfolgte mit Stroh.

Das ehemalige Heuerhaus nach der Renovierung