Harte Bedingungen! (Dr. Sautmann S. 4)

 

Bis zu den frühen 30er Jahren jedoch blieb der Hollandgang eine durchaus attraktive Einkommensquelle. Arbeit und Leben in den Niederlanden waren allerdings hart und unerbittlich. „Ziel aller Hollandgänger war, in kurzer Zeit ein Maximum an Geld zu verdienen. Um die Ausgaben im Gastland möglichst niedrig zu halten, deckten sich die Arbeiter mit so viel Proviant ein, wie sie eben tragen konnten. Die Arbeitsgeräte, zumeist Sensen, wurden ebenfalls mitgebracht. Am Einsatzort angelangt, brachten die Auftraggeber sie in notdürftig deutlich: Als Tagelöhner in Schilf gedeckten Hüben, so genannten „Tenten” unter, die in unmittelbarer Nähe zum Arbeitsplatz errichtet worden waren. Es durfte keine Zeit verloren gehen, ging es doch darum, Schwerstarbeit überwiegend im Akkord und praktisch während der Dauer des ganzen Lichttages zu verrichten.

Dabei verlangte ihnen ihr Ziel, möglichst viel Geld für die Familie zu verdienen, alles ab. In einem Brief eines Graßmähers, der aus dem Hümmling kommend Frühjahr und Sommer in den Niederlanden verbrachte, heißt es: „Das mähen begann morgens um zwei, später um drei Uhr; denn solange Tau im Grase war; mähte es sich leichter Das Gras war immer sehr dick. Gemäht wurde den ganzen Tag bis in den sinkenden Abend hinein. Kurze Essens-pausen; nur mittags wurde eine halbe oder ganze Stunde geschlafen. Die Regel war; dass jeder so lange mähte, einen Tag nach dem anderen, bis ,der Grund vor ihm emporstieg’, das soll heißen: bis er Sinnestäuschungen bekam und ungefähr so weit war; dass er ohnmächtig zusammenzubrechen drohte. Dann musste er aufhören, denn wenn die Erde vor seinem Blick aufzusteigen schien, dann führte er keinen sicheren Schnitt mehr, sondern stach mit der Sense in den Erdboden “.

So schufteten die Hollandgänger tagein tagaus. Sie waren Grasmäher und Torfstecher, huben Kanäle und Gräben aus, wurden in der Hochseefischerei und wenn nötig, auch im Walfang eingesetzt, um zum Ende der Saison wieder heim zu kehren.