Anni Grumbach

Interview mit Anni Grumbach aus Garching an der Alz
Landkreis Altötting

Anni grumbach

Anni Grumbach:

Ich bin am 21. November 1939 in Sauerlach als uneheliches Kind geboren. Dort gab es schon ein Entbindungshaus, da war eine Hebamme, deren Schwester hat bei meiner Geburt assistiert und hat meine Mutter entbunden. Nach acht Tagen ist meine Mutter wieder arbeiten gegangen und ich bin zu Pflegeleuten gekommen.
Frage: Hat Ihre Mutter Sie also zur Adoption freigegeben?
Anni Grumbach:

Nein, zur Pflege. Meine Mutter war als  Dienstmagd in der Landwirtschaft tätig. Die Pflegefamilie Bertold wohnte  auch im Dorf Sauerlach und hatte eine eigene Tochter, die fünf Jahre älter als ich war.
Frage: Lebte diese Familie auch von der Landwirtschaft?

 

Anni Grumbach:

Nein, Karl Bertold war bei der Bahn beschäftigt. In dieser Familie blieb ich, bis ich vier Jahre alt war. Dann musste meine Mutter ihrer Familie aushelfen – das war auch eine Pflegefamilie – , da der Vater und der Sohn in den Krieg eingezogen wurden. Das war ein kleiner Bauernhof. Da sie mich mitgenommen, das war etwa zwanzig Kilometer Sauerlach entfernt. Dort war ich dann wieder vier Jahre.
Frage: Nun waren also Mutter und Tochter zusammen?
Anni Grumbach:

Ja, das war so. 1947 – ich war damals acht Jahre alt – hat meine Mutter geheiratet und ist dann nach Feichten (www.feichten.de) gekommen, der hat dort gelebt in der Nähe vom Bahnhof in einem „Zurhäuserl“. Dort haben wir dann gewohnt in einem Raum von etwa dreißig Quadratmetern. Vorher lebte seine Mutter in dieser Wohnung und mein Stiefvater war auf einem Bauernhof beschäftigt als Knecht. Als er dann meine Mutter heiratete, hat er dort aufgehört und ist bei der SKW Trostberg angefangen.

Die SKW Trostberg AG war ein Chemieunternehmen mit Sitz in Trostberg/Oberbayern.Wikipedia)

Dieses Kalksickstoffwerk war sechs Kilometer entfernt. Er fuhr mit dem Fahrrad dorthin und arbeitete in Schicht. Das war eine harte Arbeit.

Frage: Das war aber doch eine Verbesserung im Vergleich zur Arbeit als Knecht?
Anni Grumbach:


Auf alle Fälle. Aber wir sind dann umgezogen in ein „größeres Zimmer“. Bei diesem Bauern musste er, wenn er Nachtschicht gehabt hatte, in der Ernte helfen. So hat er dann einen Teil der Miete abgearbeitet. Er konnte dann in dieser Nachtschichtwoche nur ganz wenig schlafen.
Frage: Haben Sie denn bei diesem Bauern als Kind auch mithelfen müssen?
Anni Grumbach:

Ich war damals zehn Jahre alt und musste natürlich auf dem Hof regelmäßig helfen. Dazu gehörten Arbeiten wie Kühe hüten und ausmisten. In der Ernte musste ich in der Heu- und Getreideernte die Pferde vorne am Kopf nehmen und jeweils weiter fahren.

 

wird fortgesetzt!