Heiratserlaubnis – nicht selbstverständlich

Heuerleute konnten heiraten…

Mit der Übernahme einer Heuerstelle konnten Knechte und Mägde (in aller Regel die Kinder der Heuerleute) oder auch abgehende Kinder der Bauern heiraten.

Sie konnten sich damit selbst versorgen.

Aber die Heiratserlaubnis war nach dem einflussreichen Armenrecht durchaus nicht selbstverständlich.

In anderen Teilen Deutschlands wurde die Heiratserlaubnis durchaus auch verweigert: Das war ohne Zweifel ein tiefer Einschnitt in die Lebensplanung und Freiheit der Menschen.

Dieser Bericht aus Amberg mag das beweisen:

http://www.asamnet.de/~maschmid/Bilder/Hirten.html

Stand 31. 10. 2017

Arme brauchten Erlaubnis zum Heiraten
Dienstboten und Hirten oft von Armut betroffen / Ein unbekanntes Kapitel der
Geschichte
Von Josef Popp
SCHMIDMÜHLEN. Ein Blick in das Archiv der Gemeinde Schmidmühlen zeigt ein Stück Geschichte, an die sich heute so gut wie niemand mehr erinnern kann und mag. Es ist die Geschichte der Armen und Kranken im 19. Jahrhundert.
Wissenschaftlich schon längst unumstritten ist, dass die zu verschiedenen Zeiten erscheinenden Formen der Armut geschichtliche Phänomene sind, die als wichtige Bestandteile eines Landes bzw. einer Region zu gelten haben.
So hat es früher auch in Schmidmühlen Arme und Kranke gegeben, die der öffentlichen Unterstützung bedurften. Zu einem wirklichkeitsnahen Bild der Geschichte Schmidmühlens gehört es auch zu zeigen, wer diese Armen und
Kranken waren und welchen sozialen Schichten sie angehörten.

Magistrat musste zustimmen
Vor rund zwei Jahrhunderten war es für ärmere Leute gar nicht so einfach, sich in einem Ort nieder zu lassen oder gar zu heiraten. Die Gesetzgebung des 19. Jahrhunderts zur Heimat- und Ansässigmachung und Heirat bewegte sich zwischen dem Interesse auch der ärmeren Bevölkerungsschichten, zu heiraten, und den Interessen der Gemeinden, die Anzahl der unterstützungsbedürftigen gering zu halten. Jede Gemeinde war nämlich verpflichtet, bei Bedürftigkeit die zum Leben notwendige Unterstützung zu gewähren. So war es in einem Bettelmandat vom Jahr 1780 den kurfürstlichen und ständischen Beamten geboten, keine Leute heiraten zu lassen, die sich selbst nicht ernähren konnten.

Vergleich Heuerlingswesen mit den Verhältnissen in der Eifel

Markus Dokter aus Bonn gelingt es, in wirklich gelungener Verdichtung die Kernelemente der regionaltypischen Realteilung in der Eifel in Vergleich zum Heuerlingswesen zu setzen:

Sehr geehrter Herr Robben!

Ich komme auf unser Telefonat von Februar zurück.
Ich habe mich mal in Nohn, dem Eifeldorf meiner Ahnen, bei alten Bewohnern erkundigt: Ein Heuerlingswesen ist dort, wie von mir vermutet, unbekannt. Das Realerbrecht und die Ungunst des Klimas wie der Böden haben wohl verhindert, dass sich große Höfe bilden konnten, die Verwandte und sonstige Mitbewohner in Abhängigkeit brachten. Aus meiner Kindheit in den 50er und 60er Jahren erinnere ich mich selbst, dass auch die zwei oder drei größeren Höfe immer noch so klein waren, dass sie von der Kernfamilie bewirtschaftet werden konnten. Zwar gab es angestellte Knechte und Mägde, meist Geschwister aus der Familie, die gewollt oder überwiegend aus wirtschaftlichen Gründen ungewollt ledig geblieben waren, ihren Erbteil mit in den Hof eingebracht hatten und dadurch zu etwas komfortableren Wirtschaftsbedingungen beigetragen hatten. Sie hatten aber keine eigene Wirtschaft wie Heuerlinge. Es gab und gibt zwar unvorstellbar kleine Häuser, bei denen man sich nicht vorstellen kann, dass dort eine Familie und zumindest etwas Kleinvieh gelebt haben, aber selbst diese Familien waren entweder wirtschaftlich schlecht und recht selbstständig oder wohnten nur dort und wirtschafteten, bis auf randliche subsistente Kleinviehhaltung, mit auf dem Geschwisterhof. Ihre Angehörigen waren es natürlich in besonderem Maße, die im 19. und beginnenden 20. Jh. auswanderten. So habe ich auch Belege aus der eigenen Familie, und ich habe Unterlagen, dass zwei Familien aus Nohn in den USA zur Ehre der Namensgebung ihrer Siedlungsorte gekommen sind.

Ich denke, dass diese Situation auch für Sie von Interesse ist, denn es legt nahe, dass das Heuerlingswesen sich eher in Anerbengebieten entwickelt hat, die anfälliger für soziale Disparitäten waren, während man von Realerbgebieten sagen muss, dass sie die Armut gleichmäßiger verteilten.

Markus Dockter

Hintergrundinformationen dazu finden sich u. a. (Seite 8 und 9) in

https://www.landwirtschaftskammer.de/dueren/pdf/lw-eifel-daten.pdf

Datei_ Berndorf Eifel.jpg – Wikimedia Commons

Missernten und Hunger vertreiben auch im 19. Jahrhundert viele Menschen aus der Eifel. Wie wenig Ertrag die durch die Realteilung verkleinerten Bauernhöfe erwirtschaften konnten, ist in der Chronik „100 Jahre Landwirtschaftsschule und Beratungsstelle Zülpich und Euskirchen“ ausgeführt: „Die Butter wurde auf dem Rücken viele Stunden weit in die Städte getragen. Nur an Feiertagen gönnte sich der Bauer selbst Butter.“ Mit einem Flurbereinigungsgesetz aus dem Jahr 1885 wird eine zukunftsgerichtete Entwicklung der Landwirtschaft in der Eifel angeschoben. Denn als Folge der Realteilung war ein unhaltbarer Zustand erreicht. So bewirtschafteten am Ende des 19. Jahrhundert im Kreis Daun mehr als ein Drittel der Betriebe weniger als 2 ha, und ein weiteres Drittel 2–5 ha Fläche. Die Durchschnittsgröße einer Katasterparzelle im Kreise Daun betrug noch in der Zeit vor dem 1. Weltkrieg weniger als 900 qm. Das entspricht einem etwas größeren heutigen Baugrundstück.

Die Realteilung führte auch zum Flurzwang. Der Landwirt war immer auf den Nachbarn angewiesen, wenn er sein eigenes Grundstück erreichen wollte. Wilsing hat 1897 in der Gemeinde Nohn mehrere Betriebe näher untersucht. Einer dieser Betriebe musste mangels Wegeanbindung z. B. zur Bewirtschaftung von 8 eigenen Parzellen jeweils 13–18 fremde Grundstücke überfahren. Bei weiteren 15 eigenen Parzellen musste er jeweils über 8–12 fremde Grundstücke, bei 36 Parzellen jeweils über 5–9 und bei 18 Parzellen jeweils noch über 1-4 fremde Grundstücke fahren.

 

Heute Vortrag in Isselhorst

Heute (25. Oktober 2017) lädt “Kulturkreis Isselhorst” zum Vortrag “Wenn der Bauer pfeift…” ein.
Der Vortrag findet um 20:00 Uhr statt im Ev. Gemeindehaus, Steinhagener Straße 34, 33334 Gütersloh.
Hier in Isselhorst ist auch das Titelbild für den Fotoband Heuerhäuser im Wandel entstanden

Buchvorstellung in Wagenfeld

Nach der zentralen Buchvorstellung in Lingen am 15. Oktober 2017 mit über 250 Gästen wurde auch im Raum Diepholz wenige Tage später das neue Druckwerk auf der Auburg in Wagenfeld den Häuslingsbesitzern in einer kleinen Feierstunde übergeben, die sich an dem Projekt beteiligt hatten.

Nach einer kurzen Einführung in das bis nach dem 2. Weltkrieg weit verbreitete Heuerlingswesen auch im Kreise Diepholz durch Bernd Robben erzählte Timo Friedhoff von einem Mordfall durch einen Häusling an seinem Nachbarn in vergangener Zeit.

Danach berichteten mehrere Heuerhausbesitzer in interessanter Weise über ihre Erfahrungen rund um den Erwerb und Umbau ihres Anwesens.

Die Emslandausgaben der Neuen Osnabrücker Zeitung berichten

 

18. Oktober 2017

Vom Kotten zum Traumhaus

 

Neuer Bildband zu Heuerhäusern nicht nur im Emsland ist erschienen — Autorenteam aus der Region

Heuerhäuser. Das sind Häuser, in denen die auf dem Land arbeitenden und meist besitzlosen Heuerlinge bis in die 1960er-Jahre zumeist un­ter primitivsten Bedin­gungen gelebt haben. Vie­le der heute noch existie­renden Häuser sind inzwi­schen aufwendig saniert worden. Ein Bildband zu diesem Thema haben jetzt Bernd Robben und sein Autorenteam vorge­stellt.

Von Carsten van Bevern

L I NG EN. Gerade einmal drei Jahre ist es her, dass Robben und der Historiker Helmut Lensing ihr Buch zum Heuer-lingswesen mit dem markanten Titel „Wenn der Bauer pfeift, dann müssen die Heuerleute kommen“ veröffentlicht haben. Ungewöhnlich für ein regionalgeschichtliches Buch: Inzwischen liegt es in der fünften Auflage vor und hat sich inzwischen mehr als 14000-mal verkauft.

Jetzt haben die beiden Experten zur Regionalgeschichte gemeinsam mit dem Fotografen Martin Skibicki und dem Maler Georg Strodt sowie zahlreichen Co-Autoren mit dem Bildband „Heuerhäuser im Wandel. Vom ärmlichen Kotten zum individuellen Traumhaus“ ihr zweites Buch zu diesem Thema vorgelegt.

Knapp zwei Jahre haben die Autoren daran gearbeitet. „Rund 11000 Kilometer haben wir in dieser Zeit zurück-gelegt, um die ungefähr 90 im Buch vorgestellten Heuer-häuser und deren heutige Bewohner zu besuchen. Groß-zügig wurden uns dabei die Türen geöffnet und interessante Geschichten erzählt“, berichtete Robben, der bis zu einer Pensionierung die Grundschule in Lingen-Bramsche geleitet hatte, bei der Buchpräsentation im Saal Klaas-Schaper in Lingen vor rund 200 Gästen, darunter viele Autoren und Besitzer von Heuerhäusern.

„Wir können heute sagen, es hat sich gelohnt. Die Geschichten der Häuser waren ebenso interessant wie die Berichte der heutigen Besitzer“  fasste Robben die Arbeit der vergangenen zwei Jahre zusammen. Auf viele der oft in Alleinlage liegenden Häuser ist er bei seinen mittlerweile knapp 100 Vorträgen zum Thema Heuerlingswe-sen aufmerksam geworden: „Schlösser, Burgen und große Höfe sind häufig gut dokumentiert worden, aber nicht die einfachen Häuser der armen ländlichen Bevölkerung.“

Mit beeindruckenden neuen und teils auch historischen Aufnahmen sowie kleinen erläuternden Texten und so einigen „Dönkes“ werden die mit viel Eigeninitiative und Engagement sanierten Häuser aus dem Emsland, der Grafschaft Bentheim, dem Osnabrücker, Cloppenburger und dem Münsterland bis hin zu Oldenburg und Ostwestfalen-Lippe vorgestellt. Jüngere Wissenschaftler und Fachleute ergänzen das Buch mit knapp Baukultur, zum beschwerlichen Leben der Heuerlinge, zu rechtlichen Fragen der zu-meist im Außenbereich ste-henden Häuser bis hin zu Bugen des Denkmalschutzes.

„Diesem Buch merkt man an, dass Sie in unserer Region das lebendige Lexikon des Heuerlingswesens sind. Es ist Ihnen ein grundlegendes Anliegen, diese Geschichte ins Bewusstsein der heutigen Bevölkerung zu verankern“, lobte Ehrenlandrat Hermann Bröring in seiner Eigenschaft als Präsident der Emsländischen Landschaft die Autoren des ab sofort im Handel befindliche Werks.

Heuerhäuser im Wandel“ ist für 29,90 Euro im Buchhandel und ab Freitag in den Geschäftsstellen der Linge-ner und der Meppener Tagespost sowie der Ems-Zeitung in Papenburg erhältlich. ‚Wenn der Bauer pfeift, dann müssen die Heuerleute kommen!“ gibt es für 24.90 Euro.

Das neue Buch ist auf dem Markt

Heuerhäuser im Wandel

Diese Neuerscheinung wurde am letzten Sonntag (15. Oktober 2017) in Lingen einem geladenen Publikum vorgestellt.

Der Saal füllt sich….

Über diese Veranstaltung wird in den nächsten Tagen aufbauend berichtet werden.

Flusswiesen waren begehrt

Flusswiesen und -weiden waren in früheren Jahrzehnten und Jahrhunderten in der Landwirtschaft besonders bevorzugt, weil sie durch die nahezu regelmäßigen Überschwemmungen im Winter mit natürlichen Schwemmteilen automatisch gedüngt wurde.

Dadurch war auch der Wuchs im Frühjahr und Sommer vergleichsweise gut.

Deshalb vergaben die Bauern solche Weidegründe auch selten an ihre Heuerleute, wie mehrfach berichtet wurde.

Ausnahmen waren hier kleinparzellige Grundstücke, die entsprechend weit vom Hof entfernt waren.

Idyllische Wiese ander Ems

Da war es dann für die Heuerlingsfrau äußerst mühsam, die wenigen Kühe zum Melken überhaupt zu erreichen. Das musste  zumeist mit einem Fahrrad geschehen, an dem vorne eine Einrichtung angebaut wurde, wo auf beiden Seiten eine Milchkanne eingehängt werden konnte. Damit war sie auf alle Fälle auf der „Rückfahrt“ zum Schieben verurteilt auf den schlechten Sandwegen.

 

Solch ein Abschlussgatter hätte manch ein Heuermann auch gerne gebaut, wenn er eine Flusswiese zur Pacht erhalten hätte...

Fotos: Archiv Robben

Wilddieberei – vor allem durch Heuerleute im Jahre 1928

Großes Aufsehen erregte zum Jahresende 1928 eine Massenverhaftung von über 40 Personen aus Listrup, Emsbüren, Leschede, Berge und Helschen. Ihnen wurde Wilddieberei vorgeworfen, was im Emsland zu dieser Zeit zweifellos eine nicht unübliche Art war, den schmalen Küchenzettel zu erweitern. Doch die große Anzahl der Verhafteten und die Umstände ihrer Inhaftierung trieben die Leute auf die Barrikaden. Ein als Landmesser getarnter Beamter des Westfälischen Jagdschutzverbandes hatte mit reichlichem Einsatz von Alkohol die Verhaftungswelle ausgelöst. Die Beschuldigten und deren Familien schalteten ihren wegen seines Einsatzes für die Heuerleute bekannten Zentrums-Landtagsabgeordneten Josef Hagemann, einen Gewerkschaftssekretär aus Osnabrück, ein. Auch der DHP-MdL Wilhelm Borgmann aus Lorup brachte den Fall vor den preußischen Landtag. Besondere Empörung erregte laut Zeitung die Tatsache, daß zuvor ein bekannter Adeliger aus der Nähe Lingens dafür, daß er einen auf seinem Grundstück ohne Erlaubnis angelnden Arbeiter derart anschoß, daß dieser wochenlang im Krankenhaus liegen mußte, lediglich 5 Mk Strafe zu zahlen hatte. In diesem Fall sei es dagegen gleich zu einem riesigen Polizeiaufgebot und teilweise wochenlangen Inhaftierungen gekommen, obwohl ein wesentlich geringfügigerer Tatbestand zugrunde liege. Da der Kriminalist selbst Opfer seines reichlichen Alkoholeinsatzes geworden war, mit dem er Geständnisse entlocken und die Einwohner zum Wildern verführen wollte, wurden schließlich nur einige wenige der Angeklagten zu Geldstrafen wegen Jagdvergehens – sie hatten ihre Reviergrenzen unwesentlich überschritten – oder unberechtigten Waffenbesitzes verurteilt.

aus: Emsbüren in der Zeit der Weimarer Republik von Dr. Helmut Lensing

in: Saxlinga - Kirchspiel - Gemeinde   1175 Jahre Emsbüren    
herausgegeben von Christine Hermanns         Emsbüren 1994      Seite 231