Heuerling Thole – ein Zimmermann

09. Oktober 2016                                                                                         Seite 588

Das sind erfreuliche Zufallsfunde, wenn man „in Sachen Heuerleute“ unterwegs ist.

Für Heuerleute war das Zimmererhandwerk ideal: Sie konnten ihre Werkstatt an ihrem Leibe tragen – die lange Säge bogen sie sich um den Bauch, die übrigen Geräte trugen sie.

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Das obere Heuerhaus Brockhaus steht heute renoviert in Brockhausen bei Lingen, der untere Kotten wurde ebenfalls restauriert und ist im ca. 10 Kilometer entfernten Gleesen (Ortsteil von Emsbüren) zu finden.

Die Schrift von Thole hat sich in den 17 Jahren von 1824 bis 1841 verbessert. Während er sich bei der oberen Inschrift mit einem Vornamen  begnügt, tut er es unten den Besitzenden gleich: J. B. Thole

 

Pöpping jun. – vom Vater inspiriert…

08. Oktober 2016                                                                                Seite 588

Wer schon von frühester Jugend an geholfen hat, Fachwerkhäuser ab- und auszubauen, der kann an keinem zerfallenden Kotten vorbeifahren, ohne irgendwann anzuhalten.

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So erging es auch Holger Pöpping, wenn er mal wieder in Richtung _______ fuhr. Irgendwann steuerte er ein solches Objekt mit seinem Auto an, stieg aus und…

Das ehemalige Heuerhaus wurde entführt nach Rheine/Elte. Es steht in räumlicher Nähe zur Anlage der Eltern.

http://www.heuerleute.de/poepping-in-elte-bei-rheine/

Ein Foto dazu kommt noch von Fotografen!

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Barger Compascuum auf der Karte und als Luftbild

Hier lässt sich die geografische Lage dieses besonderen Ortes an der niederländisch – deutschen Grenze finden.

Unten rechts bei – und  + kann man die Karte vergrößern bzw. verkleinern. Man kann auch eigenständig navigieren: Etwa auf einer gedachten Linie zwischen Emmen (NL) und Meppen (D) liegt der Fehnort Barger C

Danach lohnt es sich, links unten in das „dunkle Quadrat“ zu klicken: Nun hat man Google Earth. Durch das  Vergrößern (+) und Verkleinern und entsprechendes Verschieben lässt sich nun Hebelermeer und Barger Compascuum ins gemeinsame Bild bringen:

Nach 1866 verschwanden etliche junge Siedlersöhne mit ihren Bräuten oder Frauen wenige hundert Meter über die Grenze aus Twist, Rütenbrock und 20 weiteren Moorsiedlungen im emsländischen Raum, die in der Mehrzahl im Jahre 1788 gegründet wurden. Hier wurde mit der sehr viel uneffektiveren Moorbrandkultur gearbeitet, die fast ausschließlich auf den Anbau von Buchweizen angewiesen war. Die bearbeiteten Flächen im unwirtlichen Moor waren schon nach weniger als zehn Jahren verbraucht und die Menschen mussten weiter ziehen. Daher auch der Spruch: Der ersten Generation Tod, der zweiten Not und erst der dritten Brot…

So konnten sie der verhassten Wehrpflicht in Preußen entkommen, die ab 1866 für sie bestand.

Nebenbei:

Lediglich in Papenburg wurde auf deutscher Seite schon früh die niederländische Fehnkultur angewandt, die mit System Kanäle ins Moor baute. Dort bekamen dann siedlungswillige ehemalige Heuerleute eine sogenannte Plaatze, die sie abtorften und so in Ackerland und Weiden umwandeln konnten. Der enorme Erfolg dieser Methode hat Papenburg bis heute geprägt und sicherlich auch zur Seefahrertradition maßgeblich beigetragen: Zunächst transportierte man den Torf bis nach Emden, dann wagte man sich weiter erfolgreich aufs Meer hinaus und fuhr bald auch um Kap Horn.

Ohne die Fehnkultur in der Geschichte dieser Stadt gäbe es heute dort wohl keine Kreuzfahrtschiffe…

Bericht über den Tagesablauf bei Hofbesitzern

Joseph von Hazzi

wurde 1735 als Sohn eines Maurermeisters in Bayern geboren. Nach dem Besuch des Gymnasiums bildete er sich in Anschluss an das Studium der Rechtswissenschaften insbesondere im Bereich der Land- und Forstwirtschaft weiter.

Wegen seiner fortschrittlichen Ideen erwarb er sich zunehmend Anerkennung. Mehrere Veröffentlichungen bewirkten, dass er in der napoleonischen Zeit und danach auch über Bayern hinaus bekannt wurde. Seine kritischen Aufzeichnungen finden sich auch in der heutigen Fachliteratur wieder:

Trinkerei des Bauern

„Die gewöhnliche Tagesordnung eines hiesigen Bauern besteht darin, beim Erwa­chen in die Frühmesse und dann ins Wirtshaus zu gehen, wo Fleisch gegessen und Brandwein ge­trunken wird; hierauf wird bis zur Mittagszeit in den Feldern nachgesehen; nach Tisch geht er wie­der ins Wirthshaus, wo er bis Abends 9 Uhr bleibt und sehr hoch manchmal um die großen Thaler spielt.

Trunkenheit ist aus dieser Ursache nicht selten, sowie auch Ausschweifungen in der Liebe …

man ist unfreundlich gegen Fremde … grüßt ihn nicht.“

Für die Masse der Kleinbauern kam aber ein solch aufwendiger Lebensstil nicht in Frage, „so daß man nicht leicht die Leerhäusler oder Tagwerker von den Kleinbauern unterschei­den kann“.

In dieser Veröffentlichung von Klaus Mohr (München 1992) findet sich obiges Zitat auf Seite 40:

Ein Besuch beim Nebenerwerbslandwirt Franz Dufter in Burghausen im Landkreis Altötting im Jahre 2016 ergab, dass auch in den ersten drei Jahrzehnten nach dem Zweiten Weltkrieg etliche Landwirte der Region mit größeren Anwesen diese täglichen recht intensiven Wirtshausbesuche  „pflegten“.

Dieses bäuerliche Verhalten war nicht auf Bayern beschränkt.

Weitere Themenschwerpunkte dieses Fachgespräches mit Herrn Dufter:

  • Entwicklungsbericht über die Landwirtschaft in Bayern seit dem Ende des 19. Jahrhunderts
  • Erfahrungen zum Übergang vom Vollerwerbs- zum Nebenerwerbslandwirt
  • Generationsprobleme in der Landwirtschaft
  • Denkhaltungen bei vielen Landwirten
  • Verhältnis der Bauern zu den Dienstboten
Foto oben:
https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/b/b3/Joseph_von_Hazzi_bayJurist_19Jhd.JPG 

Besiedlung des Cappelner Moores

08. Oktober 2026                                                                                    Seite 583

Nicht nur im Emsland – nahezu im gesamten Verbreitungsgebiet des Heuerlingswesens gab es Moore

Bis zum Jahre 1923/24 war das Gebiet des Cappelner Moores in der Gemarkung Schwagstorf nahezu unberührt. Große Teile von Moor- und Ödlandflächen lagen brach oder wurden nur zum Torf- bzw. Plaggenstechen genutzt. Fast sämtliche Vollerben, Halberben, Erb- und Markkötter aus Schwagstorf waren in diesem Gebiet Eigentümer eines Grundstücks. Mit Ausnahme von einigen unbefestigten Moor- und Sandwegen war es völlig unerschlossen.

Anfang der 20er Jahre wurde von der damaligen Regierung die Ansiedlung neuer landwirtschaftlicher Betriebe in die Wege geleitet und gefördert.

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Im Gebiet des Cappelner Moores begann es mit einem Umlegungsverfahren — heute Flurbereinigung. Die Umlegungsfläche betrug 220 ha.

Dieses Verfahren lief über mehrere Jahre. Die Zuteilung der neuen Flächen erfolgte im Oktober 1929. In diesem Verfahren erwarb die Kreissiedlungsgesellschaft Wittlage eine Fläche von rund 124 Hektar. Für Wege wurde eine Fläche von rund acht und für Gräben eine von etwa fünf Hektar ausgewiesen.

Die Kreissiedlungsgesellschaft gab ihre Flächen an die Siedler weiter. Vorgesehen war, daß die Siedler für ihre Existenz eine Fläche von etwa elf bis zwölf Hektar benötigten. Aufgrund der Verschiedenheit der Flächen gab es Zu- oder Abschläge, so daß die tatsächliche Zuteilung zwischen neun bis zwölf Hektar lag. Einige Siedler hatten bereits in den Jahren 1923/24 selbst Grundstücke erworben. Große Unterstützung erfuhren sie durch den damaligen Kreisbaumeister Petsch und Landrat Glaß. Mit dem Bau der ersten Siedlungshäuser wurde 1923/24 begonnen. Die ersten Neubauten konnten im Herbst 1924 bezogen werden. Die meisten Siedler kamen aus den an¬grenzenden Gemeinden Venne, Hunteburg und Dielingen und hatten dort Heuerlingsstellen inne gehabt.

Ein kleiner Teil der Flächen wurde den Familien kultiviert übergeben. Der größte Teil, etwa sechzig Prozent, mußte von den Leuten noch selbst zur landwirtschaftlichen Nutzung hergerichtet werden. Maschinen waren nicht vorhanden, so daß nur Handarbeit übrigblieb. Dies geschah meistens unter Einsatz von Loren und Gleisen und mit Pferd und Wagen mit selbstgebauten Kippbehältern.

Die bekannten Pflüge der Firma Ottomeyer, Bad Pyrmont, die von zwei gegenüberstehenden Dampfmaschinen gezogen und achtzig Zentimeter tief pflügten, konnten wegen Geldmangels nicht eingesetzt werden. Dies geschah erst Mitte der dreißiger Jahre. Die Leistungen dieser Pflüge waren enorm. Noch heute sprechen die älteren Leute von diesen Maschinen.

In der Gemarkung Schwagstorf wurden von 1923 bis 1931 elf Siedlerstellen errichtet.

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Heimathaus Elte bei Rheine

07. Oktober 2016                                                                                                                       Seite 582

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Sie konnten nicht ohne einander!

o7. Oktober 2016                                                                                       Seite 581

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Noch 1895 – viel Ödland

Obwohl 1895 die Markenteilungen fast überall in Nordwestdeutschland abgeschlossen waren, konnten etliche Bauern die nun in ihrem Besitz befindlichen Flächen noch nicht landwirtschaftlich nutzen:

 

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aus: Alfons Schwerter, Über die Landwirtschaft im Oldenburger Münsterland im 19. Jahrhundert. Lohne 202, Seite 17