Menslager heirateten in Amsterdam

Auszüge aus dem Kirchenbuch Amsterdam

Heiraten in der Ev. Kirche Amsterdam während des 18. Jahrhundertskap7-bild-20-voc-werft-und-warenhaus-amsterdam-wikimedia-commons

Diese Quelle stammt aus den persönlichen Unterlagen von Lübbert zur Borg aus Menslage, der  sie von einem niederländischen Forscher Voortman erhielt.

Diese Aufzeichnungen haben einen besonderen Charakter: Während die Überzahl der Hollandgänger aus dem deutschen Nordwesten katholischen Glaubens waren, hatten die Menslager ein evangelisches Taufbuch.

Bild: Das VOC Gebäude in Amsterdam

Warum heirateten sie nun im Ausland:

Da kann man nur vermuten – so Lübbert zur Borg:

  • Die junge Frau war schwanger und die angehenden Eltern wollten, dass das Kind in einer legalisierten Ehe geboren wurde,
  • man heiratete eine(n)niederländische(n) Partner(in), um in den Niederlanden zu bleibenkap7-bild-23-meurer-hollandsgehen

 

04.03.1700        Jonas Pieters Scheldrop, van Dronthem, met Helena Harmens, van Meinslagen (Menslage)

29.05.1701        Jan Brouwer, van Menslagen, met Leena Brockhuijsen, van Ankum

23.12.1703        Claas Pieters Paest, van Ripen, met Anna Harmens Meulman, van Menslage

20.10.1743        Gerrit Haseman, van Menslage, met Marta Smisseron, van Christiania

31.05.1744        Mijndert Mulder, van Jever, met Fenna Maria van Oijen, van Menslagen

08.08.1751        Jan Pieterse, van Doornbos, met Anna Schoemaker, van Menslagen

22.01.1758        Tobias Lindeman, van Menslage, met Lucresia Wipperman, van Amsterdam

06.08.1758        Godfried Pieters, van Dantzig, met Anna Schoemakers, van Menslage, wed. van Jan Pieters

13.05.1759        Herman Arendt Oostermeijer, van Menslagen, met Sara Pieters, van Amsterdam

09.03.1760        Jan Christoffel Oostermeijer, van Menslagen, met Maria Elisabeth Funhofs, van Furstenau

02.11.1760        Jan Dirk Brinkhuijsen, van Geldenstein, met Agneta Dorothea Elisabeth Ostermeijer

04.11.1764        Christoffel Bering, van Aalsweeden, met Anna Witten, van Menslagen

29.01.1769        Jan Harme Meyer, van Badbergen, met Helena Suzanna Hageman, van Menslagen

06.10.1771        Bruyn Arens Schwieter, van Menslage, met …ursel Kraamer, van Witmond

27.02.1774        Jan Adolph Visscher, van Oldendorf, met Catharina Magdalena Oostermeijer, van Menslagen

06.11.1774        Jan Willem Thessel, van Menighuffen, met Anna Charlotta Leuning, van Menslage

31.08.1777        Herman Arend Havikhorst, van Badbergen, met Anna Elisabeth Pubkes, van Menslage

10.05.1778        Jan Sternberg, van Soest, met Margaretha Elisabeth Lunink, van Menslage

24.09.1780        Jan Harmen Meijer, van Enger, met Fenna Catharina Kosters, van Menslage

05.05.1782        Tobias Kock, van Menslage, met Anna Margaretha Alida Dresselhuis, van Furstenau

01.09.1782        Johan Christian Rothe, van Leipzig, met Lena Margaretha Lurdings, van Menslage

08.06.1783        Jan Herman Roode, van Menslage, met Gerritje Johanna van den Berg, van Amsterdamkap7-bild-1-hollandgaenger-reiseroute-boelsker-schlicht-s-63

13.07.1783        Pieter Hanssen Brouwer, van Flensburg, met Fenna Catharina Nakkens, van Menslage

18.04.1784        Jacob Voet, van Menslage, met Stijntje van Nieuwland, van Heukelom

10.04.1785        Harmen Hulsman, van Menslage, met Elizabeth van Wijk, van Amsterdam,

22.06.1794        Hendrik Meijer, van Amsterdam, met Maria Adelheit Brummer, van Menslage

Quelle: Voortman, S. 10

Zeichnung aus Bölsker-Schlicht, Franz: Die Hollandgängerei im Osnabrücker Land und im Emsland – Ein Beitrag zur Geschichte der Arbeiterwanderung vom 17. bis 19. Jahrhundert (Emsland/Bentheim. Beiträge zur neueren Geschichte, Bd. 3). Hrsg. von der Emsländischen Landschaft für die Landkreise Emsland und Grafschaft Bentheim e.V.), Sögel 1987.

Anmerkung: wed. = Witwe, einige deutsche Namen sind in Amsterdam niederländischen Schreibgewohnheiten angeglichen worden.

Gründe für den schnellen Zusammenbruch des Heuerlingswesens

Ergebnisse nach über zwanzigjährigen Recherchen:

  • rapider Strukturwandel in der Landwirtschaft
  • sozialer Aufstieg der Heuerleute durch die Siedlung oder den Kauf von Land
  • Hilfe der Heuerlinge wurde durch den verstärkten Einsatz von Maschinen, direkt nach dem Krieg durch den billigen Arbeitseinsatz von Flüchtlingen mehr und mehr überflüssig
  • die Bauern benötigten das an Heuerlingen verpachtete Land, um ihre neuen Maschinen besser auszulasten und den Hof rentabel zu gestalten
  • schlechte Bezahlung der zusätzlichen Arbeitsstunden auf dem Hof
  • sinkende Preise der landwirtschaftlichen Erzeugnisse in der Wirtschaftswunderzeit machten viele Heuerlingsbetriebe mit ihrer geringen Landausstattung als Hauptlebenserwerb unrentabel
  • die teuren neuen landwirtschaftlichen Maschinen waren auf den kleinen Flächen der Heuerleute weder rentabel einsetzbar noch durch die landwirtschaftlichen Erlöse zu finanzieren
  • höhere Löhne in der Industrie und anderen Betrieben
  • das Vorhandensein geregelter Arbeitszeiten außerhalb des Heuerlingssystems
  • bessere Aufstiegschancen in anderen Berufen
  • Abneigung vieler Frauen, einen Heuerling zu heiraten
  • Widerwillen gegen die Abhängigkeit vom Bauern
  • Flucht aus den antiquierten Wohnverhältnissen in vielen Heuerhäusern
  • keine oder unzureichende Altersversorgung
  • die Motorisierung, die es den Menschen ermöglichte, per Motorrad, Bus und später mit eigenem Auto als Pendler zu arbeiten

Uneheliche Geburten bei Besitzlosen

In der Nacht vom 10. auf den 11. Juli des Jahres 1816 fuhr die Hebamme Elisabeth S. Reige in Fladderlohausen erschrocken aus dem Schlaf, als gegen 1 Uhr „sehr stark an die Tür geklopft“ wurde. „Als sie nun hinaus­gegangen, habe sie ein Kind schreien gehört und (. ..) es gefunden. Selbiges wäre (.. .) nicht über 3 Stunden geboren gewesen.“ Am nächsten Morgen brachte sie es dann zum Pfarrhaus, „worauf (. . .) das Kind getauft und ihm der Name beigelegt: Bernd Felix.`

Ein gleiches Erlebnis hatten die Bewohner einer Leib­zucht in Handrup ein Vierteljahr vorher, am 27. März. Sie fanden morgens gegen 4 Uhr einen Findling, auch, nachdem heftig an die Tür geklopft worden war. Und am 17. März 1828 vermerkte Pastor Arnold Joseph Gieseke im Geburts- und Taufregister des Kirchspiels Neuenkirchen, daß „des Morgens die in Ellerbrocks Leibzucht im Nellinghofe wohnende Catharina Elisa­beth Uphaus (. . .) mit einem Kinde zu mir (kam), und zeigte an, daß, wie sie des Morgens die Thüre geöffnet hätte, dieses Kind weinend vor derselben auf einem Haufen Flachs gelegen hätte, mit einem Zettel des In­halts: dieses Kind wäre in der Noth zwar getauft, der Finder würde aber ersucht, solches nach der katholi­schen Kirche zur Taufe zu bringen. Ich habe es getauft “

Diese drei im großen und ganzen vom gleichen Muster gezeichneten Fälle der gewiß nicht zufälligen Auffin­dung von ausgesetzten Neugeborenen führen direkt in ein Problemfeld, dessen Erschließung mit nicht uner­heblichen Schwierigkeiten behaftet ist: das der uneheli­chen Geburten.

aus:

Christoph Reinders — Düselder, Ländliche Bevölkerung vor der Industrialisierung, Geburt Heirat und Tod in ein Steinfeld, Damme und Neunkirchen. 1650-1850. Cloppenburg 1995, Seite 102

Medizinische Situation vor 150 Jahren auf dem Hümmling

Der gesamte Kreis Hümmling (später in den Kreis Aschendorf aufgegangen, heute LK Emsland) wurde damals von nur drei Ärzten betreut. Die gesundheitlichen Verhältnisse waren sehr ungünstig: Epidemien, Infektionen aller Art und vor allem die Volksseuche Tuberkulose waren stark verbreitet und sie rafften viele, auch junge Menschen und manchmal ganze Familien dahin.

Die Hygiene war völlig unzureichend, man schlief ja vielfach noch in den so genannten Butzen – einem Schrankbett – ohne jede Lüftung nach außen. Bäder gab es in den meisten Häusern nicht. Die Toiletten waren in den Stallungen. Die Ernährung war einseitig. So waren Gemüse und Obst allgemein ein rares Produkt. In den Sommermonaten wurden durch die Fliegen in den Wohnungen viele Krankheiten verbreitet, besonders der für die Kleinkinder gefährliche Brechdurchfall (Paratyphus).

Die Häuser waren ungenügend gegen Feuchtigkeit isoliert und zu wenig gelüftet, da die Fenster möglichst klein gehalten wurden. Die Brunnen, besonders die der Moordörfer, führten kein gutes Wasser, da sie im Gegensatz zu den tiefen Brunnen der Geestdörfer sehr seicht waren und dem Wasser die natürliche Filterung fehlte.spyck

Als Dr. Berthold Meistermann, gebürtig aus Bakum bei Vechta stammend, von Werlte aus daran ging, die Säuglingssterblichkeit zu bekämpfen und dazu die damals hochmoderne Buttermilchnahrung einführte, tat er das mit einem Spruch, den heute noch mancher älterer Hümmlinger im Munde führt: Ick sage, das Kind muß Buttermilch haben! Zunächst ungläubig belächelt, hat die Buttermilchnahrung später manchem Kind das Leben gerettet. Auch sonst pflegte Dr. Meistermann naturnahe Mittel anzuwenden, die sich bewährt hatten: In Löningen gab es damals eine Brauerei, die ein Bier braute, das bei Biertrinkern wegen seiner stuhltreibenden Wirkung nicht eben beliebt war. Dr. Meistermann nutzte diese Nebenwirkung bei seinen unter Verstopfung leidenden Patienten so: lck segge: Löninger Beier, wenn eine Fläske nich helped, dänn tweie.

Besonders begehrt war seine Hilfe bei einer damals sehr dramatisch verlaufenden Erkrankung, der Lungenentzündung durch die Pneumokokken, die heute wie Scharlach und andere Krankheiten ihren Charakter gewandelt und den Schrecken von einst verloren hat. – Sulfonamide und Penicillin waren noch nicht entdeckt, und es bedurfte einer ganz besonderen Kunst durch Aktivierung des Herzkreislaufes mit Brustwickeln und Auflagen von Quark, Kräutern und anderen Stimulanzien, um den Patient über die alles entscheidenden Tage der Krise hinwegzubringen.

Eigene Zusammenstellung nach: Book, Heinrich: Sanitätsrat Dr. Berthold Meistermann (1858-1923). Ein Arztleben auf dem Hümmling, in: Jahrbuch des Emsländischen Heimatbundes, Bd. 31/1985, Sögel 1984, S. 69-80.

Foto: Archiv Robben

Heuerhäuser im Wandel – aus der Sicht des Malers Georg Strodt

Das ist die besondere Fähigkeit des Malers Georg Strodt, der das Buchprojekt „Heuerhäuser im Wandel“ künstlerisch begleitet:

Er malt nicht „einfach ab“ – er nimmt die unbekannte andere Seite und er gibt dem morbiden Gebäude wieder eine Würde

Man darf auf weitere Werke gespannt sein!     wp_20161017_22_02_37_pro

 

alt-brunneke

Die katholische und die evangelische Linie der Brenninkmeyers

Der 2. Vorsitzende des Heimatvereins Mettingen – Bruno Pielage – kann mehr dazu erzählen, zumal seine Gattin eine geborene Brenninkmeyer aus der evangelischen Linie ist:pielage

Bis 1717 waren alle Brenninkmeyer katholisch. Zu der Zeit lebte der Hoferbe in einem Kinderhaus in Lingen. Seine Eltern waren vermutlich früh verstorben, denn der Hof war bis dahin lange Jahre verpachtet. Im Jahr 1717 wurde er großjährig und wollte sein Erbe antreten. Dazu brauchte er aber die Genehmigung der Lingener Regierung. Dabei stellte man ihm die Frage, welcher Religion er angehören wolle. Als er erklärte, katholisch bleiben zu wollen, wurde ihm die Rechnung für seine Erziehung vorgelegt, die er nicht bezahlen konnte. So stand er nun vor einem schweren Entschluss und es hat, wie es heißt, viel dazu gehört, bis er bekannte, den protestantischen Glauben annehmen zu wollen. Nachdem er sich zu diesem Bekenntnis durchgerungen hatte, wurde ihm ein Betrag von 300 Reichstaler aus den Mitteln des Waisenhauses geliehen. Nach seiner Entlassung aus dem Kinderhaus wurde Wilhelm Brenninkmeyer gestattet, sein Erbe auf dem elterlichen Hof anzutreten.

Dabei stützt sich Bruno Pielage auf das Buch von  Hubert Rickelmann: Die Tüötten in ihrem Handel und Wandel. Ein Beitrag zur Wirtschafts-, Sozial- und Familiengeschichte in der ehemaligen Obergrafschaft Lingen, der Grafschaft Tecklenburg und der benachbarten Gegenden. Ferdinand Schöningh Verlag, Paderborn 1960, 2. Auflage 1976, Seite 43 ff.

Dieser Hof liegt in der südlich von Mettingen gelegenen Bauerschaft Wiehe.

Das früher zu diesem landwirtschaftlichen Betrieb gehörige Heuerhaus wird heute nach einer gelungenen Renovierung als Heimathaus von Mettingen genutzt.dsc_0092

Zu dieser Hofanlage erzählt Benno Pielage weiter: Der Stammhof der gesamten Familie liegt auf der anderen Straßenseite des heutigen Heimathauses. Die Hecke, die Bäume und das Hoftor sind schon neu, das Gebäude ist noch deutlich renovierungsbedürftig. Die bäuerliche Familie plante in den sechziger Jahren die Umsiedlung des Hofes nach Süden an den Nieheweg. Als die Planungen abgeschlossen waren, starb der Bauer Friedrich Brenninkmeyer mit nur 44 Jahren. Der eingestellte Verwalter Nimtz kaufte den Hof. Wegen der vorhandenen Bergschäden übernahm die Zeche später den Besitz. Vor einigen Jahren erwarb die Kaufmannsfamilie Brenninkmeyer den alten Stammsitz. Der nördlich angrenzende Hof Pähler und die südlich gelegene Gaststätte Stockmann wurden danach im Rahmen der Bergschadensanierungsmaßnahmen abgebrochen. Über den Planungsstand der Sanierung und die zukünftige Nutzung des Hofes bin ich leider nicht informiert.

Diese Hofanlage macht zur Zeit einen renovierungsbedürftigen Eindruck.download

Fotos oben: Archiv Robben

Nebenstehendes Foto: Wikimedia commons

 

Dauerbrenner – schon wieder 700 Bücher „weg“!

26. Oktober 2016  Heuerlinge

Seit Montag letzter Woche ist die 5. Auflage auf dem Markt.

Dr. Helmut Lensing und ich haben gerade unsere jeweiligen Auslieferungen addiert:

Nach etwas mehr als einer Woche ist die aktuelle Auflage schon wieder zur Hälfte ausgeliefert!

Wir sind erfreut, dankbar und ein wenig stolz, ein bisheriges Tabuthema offenbar passend „ins Buch“ gebracht zu haben.

 

Mettingen ist die Wiege des europäischen Textilhandels

26. Oktober 2016                                                                                                           Seite 637

„Mettingen ist die Fürstenstadt der Heuerleute“ und „Die Tödden entdeckten eine Marktlücke“

Das waren die Kernthemen im Vortrag über das Heuerlingswesen insgesamt vor historischer Kulisse im Hotel Telsemeyer mitten in Mettingen.

mettingen-foto

Eine sehr interessierte Zuhörerschaft konnte aber auch mit vielen Detailkenntnissen aufwarten, die die Forschungen und Dokumentationen rund um dieses komplexe Thema bereichern werden.

Mettingen muss sicherlich noch mehrfach angesteuert werden.

Einen ganz besonderen Stellenwert bekommt hier die intensive Zusammenarbeit mit den Heimatvereinsvorsitzenden Manfred Assmann (links 1. Vors.) und Bruno Pielage.

dsc_0098

Fotos: Archiv Robben

Ein Heuerhaus mit neuer Infrastruktur

25. Oktober                                                                                                          Seite 635

seit-nunmehr-20-jahren-erfolgreich

Früher für ein Heuerhaus undenkbar: Swingolfanlage und Maisirrgarten

luft-hh-int-huethus-1-kopie