Bild des Monats November 2016
Sicherlich ein besonders aussagekräftiges Foto zum Lebensbild der Heuerleute damals.
- Da ist die beharrlich – trotzige Körperhaltung in Dauerhöchstleistung: Ich schaffe das auch so!
- Würde der Heuermann ein Pferdegespann vom Bauern etwa für einen Tag anfragen, müsste er als Gegenleistung fünf bis acht Tage auf dem Hof dafür ableisten.
- Der Bauer – so war es nach Berichten wohl die Regel – schickte dazu seinen Knecht als Gespannführer mit, damit der Heuermann nicht aus Eigennutz die Pferde zu sehr traktieren konnte.
- Die Kleidung – insbesondere die Jacke – spricht für sich…
Foto: Archiv Tecklenburg
13 Millionen Reichsmark Heuerpacht nur für den Monat September 1923
Löhne und Preise im Emsland um 1830
Grenzstein von 1824 – blieb damals weitgehend unbeachtet…
Die Heuerlingsfrau in der Geschichtsschreibung
Der Bauer und sein Heuerling
Menslager heirateten in Amsterdam
Auszüge aus dem Kirchenbuch Amsterdam
Heiraten in der Ev. Kirche Amsterdam während des 18. Jahrhunderts
Diese Quelle stammt aus den persönlichen Unterlagen von Lübbert zur Borg aus Menslage, der sie von einem niederländischen Forscher Voortman erhielt.
Diese Aufzeichnungen haben einen besonderen Charakter: Während die Überzahl der Hollandgänger aus dem deutschen Nordwesten katholischen Glaubens waren, hatten die Menslager ein evangelisches Taufbuch.
Bild: Das VOC Gebäude in Amsterdam
Warum heirateten sie nun im Ausland:
Da kann man nur vermuten – so Lübbert zur Borg:
- Die junge Frau war schwanger und die angehenden Eltern wollten, dass das Kind in einer legalisierten Ehe geboren wurde,
- man heiratete eine(n)niederländische(n) Partner(in), um in den Niederlanden zu bleiben

04.03.1700 Jonas Pieters Scheldrop, van Dronthem, met Helena Harmens, van Meinslagen (Menslage)
29.05.1701 Jan Brouwer, van Menslagen, met Leena Brockhuijsen, van Ankum
23.12.1703 Claas Pieters Paest, van Ripen, met Anna Harmens Meulman, van Menslage
20.10.1743 Gerrit Haseman, van Menslage, met Marta Smisseron, van Christiania
31.05.1744 Mijndert Mulder, van Jever, met Fenna Maria van Oijen, van Menslagen
08.08.1751 Jan Pieterse, van Doornbos, met Anna Schoemaker, van Menslagen
22.01.1758 Tobias Lindeman, van Menslage, met Lucresia Wipperman, van Amsterdam
06.08.1758 Godfried Pieters, van Dantzig, met Anna Schoemakers, van Menslage, wed. van Jan Pieters
13.05.1759 Herman Arendt Oostermeijer, van Menslagen, met Sara Pieters, van Amsterdam
09.03.1760 Jan Christoffel Oostermeijer, van Menslagen, met Maria Elisabeth Funhofs, van Furstenau
02.11.1760 Jan Dirk Brinkhuijsen, van Geldenstein, met Agneta Dorothea Elisabeth Ostermeijer
04.11.1764 Christoffel Bering, van Aalsweeden, met Anna Witten, van Menslagen
29.01.1769 Jan Harme Meyer, van Badbergen, met Helena Suzanna Hageman, van Menslagen
06.10.1771 Bruyn Arens Schwieter, van Menslage, met …ursel Kraamer, van Witmond
27.02.1774 Jan Adolph Visscher, van Oldendorf, met Catharina Magdalena Oostermeijer, van Menslagen
06.11.1774 Jan Willem Thessel, van Menighuffen, met Anna Charlotta Leuning, van Menslage
31.08.1777 Herman Arend Havikhorst, van Badbergen, met Anna Elisabeth Pubkes, van Menslage
10.05.1778 Jan Sternberg, van Soest, met Margaretha Elisabeth Lunink, van Menslage
24.09.1780 Jan Harmen Meijer, van Enger, met Fenna Catharina Kosters, van Menslage
05.05.1782 Tobias Kock, van Menslage, met Anna Margaretha Alida Dresselhuis, van Furstenau
01.09.1782 Johan Christian Rothe, van Leipzig, met Lena Margaretha Lurdings, van Menslage
08.06.1783 Jan Herman Roode, van Menslage, met Gerritje Johanna van den Berg, van Amsterdam
13.07.1783 Pieter Hanssen Brouwer, van Flensburg, met Fenna Catharina Nakkens, van Menslage
18.04.1784 Jacob Voet, van Menslage, met Stijntje van Nieuwland, van Heukelom
10.04.1785 Harmen Hulsman, van Menslage, met Elizabeth van Wijk, van Amsterdam,
22.06.1794 Hendrik Meijer, van Amsterdam, met Maria Adelheit Brummer, van Menslage
Quelle: Voortman, S. 10
Zeichnung aus Bölsker-Schlicht, Franz: Die Hollandgängerei im Osnabrücker Land und im Emsland – Ein Beitrag zur Geschichte der Arbeiterwanderung vom 17. bis 19. Jahrhundert (Emsland/Bentheim. Beiträge zur neueren Geschichte, Bd. 3). Hrsg. von der Emsländischen Landschaft für die Landkreise Emsland und Grafschaft Bentheim e.V.), Sögel 1987.
Anmerkung: wed. = Witwe, einige deutsche Namen sind in Amsterdam niederländischen Schreibgewohnheiten angeglichen worden.
Gründe für den schnellen Zusammenbruch des Heuerlingswesens
Ergebnisse nach über zwanzigjährigen Recherchen:
- rapider Strukturwandel in der Landwirtschaft
- sozialer Aufstieg der Heuerleute durch die Siedlung oder den Kauf von Land
- Hilfe der Heuerlinge wurde durch den verstärkten Einsatz von Maschinen, direkt nach dem Krieg durch den billigen Arbeitseinsatz von Flüchtlingen mehr und mehr überflüssig
- die Bauern benötigten das an Heuerlingen verpachtete Land, um ihre neuen Maschinen besser auszulasten und den Hof rentabel zu gestalten
- schlechte Bezahlung der zusätzlichen Arbeitsstunden auf dem Hof
- sinkende Preise der landwirtschaftlichen Erzeugnisse in der Wirtschaftswunderzeit machten viele Heuerlingsbetriebe mit ihrer geringen Landausstattung als Hauptlebenserwerb unrentabel
- die teuren neuen landwirtschaftlichen Maschinen waren auf den kleinen Flächen der Heuerleute weder rentabel einsetzbar noch durch die landwirtschaftlichen Erlöse zu finanzieren
- höhere Löhne in der Industrie und anderen Betrieben
- das Vorhandensein geregelter Arbeitszeiten außerhalb des Heuerlingssystems
- bessere Aufstiegschancen in anderen Berufen
- Abneigung vieler Frauen, einen Heuerling zu heiraten
- Widerwillen gegen die Abhängigkeit vom Bauern
- Flucht aus den antiquierten Wohnverhältnissen in vielen Heuerhäusern
- keine oder unzureichende Altersversorgung
- die Motorisierung, die es den Menschen ermöglichte, per Motorrad, Bus und später mit eigenem Auto als Pendler zu arbeiten
Uneheliche Geburten bei Besitzlosen
In der Nacht vom 10. auf den 11. Juli des Jahres 1816 fuhr die Hebamme Elisabeth S. Reige in Fladderlohausen erschrocken aus dem Schlaf, als gegen 1 Uhr „sehr stark an die Tür geklopft“ wurde. „Als sie nun hinausgegangen, habe sie ein Kind schreien gehört und (. ..) es gefunden. Selbiges wäre (.. .) nicht über 3 Stunden geboren gewesen.“ Am nächsten Morgen brachte sie es dann zum Pfarrhaus, „worauf (. . .) das Kind getauft und ihm der Name beigelegt: Bernd Felix.`
Ein gleiches Erlebnis hatten die Bewohner einer Leibzucht in Handrup ein Vierteljahr vorher, am 27. März. Sie fanden morgens gegen 4 Uhr einen Findling, auch, nachdem heftig an die Tür geklopft worden war. Und am 17. März 1828 vermerkte Pastor Arnold Joseph Gieseke im Geburts- und Taufregister des Kirchspiels Neuenkirchen, daß „des Morgens die in Ellerbrocks Leibzucht im Nellinghofe wohnende Catharina Elisabeth Uphaus (. . .) mit einem Kinde zu mir (kam), und zeigte an, daß, wie sie des Morgens die Thüre geöffnet hätte, dieses Kind weinend vor derselben auf einem Haufen Flachs gelegen hätte, mit einem Zettel des Inhalts: dieses Kind wäre in der Noth zwar getauft, der Finder würde aber ersucht, solches nach der katholischen Kirche zur Taufe zu bringen. Ich habe es getauft “
Diese drei im großen und ganzen vom gleichen Muster gezeichneten Fälle der gewiß nicht zufälligen Auffindung von ausgesetzten Neugeborenen führen direkt in ein Problemfeld, dessen Erschließung mit nicht unerheblichen Schwierigkeiten behaftet ist: das der unehelichen Geburten.
aus:
Christoph Reinders — Düselder, Ländliche Bevölkerung vor der Industrialisierung, Geburt Heirat und Tod in ein Steinfeld, Damme und Neunkirchen. 1650-1850. Cloppenburg 1995, Seite 102








