Bild des Monats November 2016

kap12-bild-12-heuermann-vor-der-egge-tecklenburgSicherlich ein besonders aussagekräftiges Foto zum Lebensbild der Heuerleute damals.

  • Da ist die beharrlich – trotzige Körperhaltung in Dauerhöchstleistung: Ich schaffe das auch so!
  • Würde der Heuermann ein Pferdegespann vom Bauern etwa für einen Tag anfragen, müsste er als Gegenleistung fünf bis acht Tage auf dem Hof dafür ableisten.
  • Der Bauer – so war es nach Berichten wohl die Regel  – schickte dazu  seinen Knecht als Gespannführer mit, damit der Heuermann nicht aus Eigennutz die Pferde zu sehr traktieren konnte.
  • Die Kleidung – insbesondere die Jacke – spricht für sich…

Foto: Archiv Tecklenburg

 

 

Menslager heirateten in Amsterdam

Auszüge aus dem Kirchenbuch Amsterdam

Heiraten in der Ev. Kirche Amsterdam während des 18. Jahrhundertskap7-bild-20-voc-werft-und-warenhaus-amsterdam-wikimedia-commons

Diese Quelle stammt aus den persönlichen Unterlagen von Lübbert zur Borg aus Menslage, der  sie von einem niederländischen Forscher Voortman erhielt.

Diese Aufzeichnungen haben einen besonderen Charakter: Während die Überzahl der Hollandgänger aus dem deutschen Nordwesten katholischen Glaubens waren, hatten die Menslager ein evangelisches Taufbuch.

Bild: Das VOC Gebäude in Amsterdam

Warum heirateten sie nun im Ausland:

Da kann man nur vermuten – so Lübbert zur Borg:

  • Die junge Frau war schwanger und die angehenden Eltern wollten, dass das Kind in einer legalisierten Ehe geboren wurde,
  • man heiratete eine(n)niederländische(n) Partner(in), um in den Niederlanden zu bleibenkap7-bild-23-meurer-hollandsgehen

 

04.03.1700        Jonas Pieters Scheldrop, van Dronthem, met Helena Harmens, van Meinslagen (Menslage)

29.05.1701        Jan Brouwer, van Menslagen, met Leena Brockhuijsen, van Ankum

23.12.1703        Claas Pieters Paest, van Ripen, met Anna Harmens Meulman, van Menslage

20.10.1743        Gerrit Haseman, van Menslage, met Marta Smisseron, van Christiania

31.05.1744        Mijndert Mulder, van Jever, met Fenna Maria van Oijen, van Menslagen

08.08.1751        Jan Pieterse, van Doornbos, met Anna Schoemaker, van Menslagen

22.01.1758        Tobias Lindeman, van Menslage, met Lucresia Wipperman, van Amsterdam

06.08.1758        Godfried Pieters, van Dantzig, met Anna Schoemakers, van Menslage, wed. van Jan Pieters

13.05.1759        Herman Arendt Oostermeijer, van Menslagen, met Sara Pieters, van Amsterdam

09.03.1760        Jan Christoffel Oostermeijer, van Menslagen, met Maria Elisabeth Funhofs, van Furstenau

02.11.1760        Jan Dirk Brinkhuijsen, van Geldenstein, met Agneta Dorothea Elisabeth Ostermeijer

04.11.1764        Christoffel Bering, van Aalsweeden, met Anna Witten, van Menslagen

29.01.1769        Jan Harme Meyer, van Badbergen, met Helena Suzanna Hageman, van Menslagen

06.10.1771        Bruyn Arens Schwieter, van Menslage, met …ursel Kraamer, van Witmond

27.02.1774        Jan Adolph Visscher, van Oldendorf, met Catharina Magdalena Oostermeijer, van Menslagen

06.11.1774        Jan Willem Thessel, van Menighuffen, met Anna Charlotta Leuning, van Menslage

31.08.1777        Herman Arend Havikhorst, van Badbergen, met Anna Elisabeth Pubkes, van Menslage

10.05.1778        Jan Sternberg, van Soest, met Margaretha Elisabeth Lunink, van Menslage

24.09.1780        Jan Harmen Meijer, van Enger, met Fenna Catharina Kosters, van Menslage

05.05.1782        Tobias Kock, van Menslage, met Anna Margaretha Alida Dresselhuis, van Furstenau

01.09.1782        Johan Christian Rothe, van Leipzig, met Lena Margaretha Lurdings, van Menslage

08.06.1783        Jan Herman Roode, van Menslage, met Gerritje Johanna van den Berg, van Amsterdamkap7-bild-1-hollandgaenger-reiseroute-boelsker-schlicht-s-63

13.07.1783        Pieter Hanssen Brouwer, van Flensburg, met Fenna Catharina Nakkens, van Menslage

18.04.1784        Jacob Voet, van Menslage, met Stijntje van Nieuwland, van Heukelom

10.04.1785        Harmen Hulsman, van Menslage, met Elizabeth van Wijk, van Amsterdam,

22.06.1794        Hendrik Meijer, van Amsterdam, met Maria Adelheit Brummer, van Menslage

Quelle: Voortman, S. 10

Zeichnung aus Bölsker-Schlicht, Franz: Die Hollandgängerei im Osnabrücker Land und im Emsland – Ein Beitrag zur Geschichte der Arbeiterwanderung vom 17. bis 19. Jahrhundert (Emsland/Bentheim. Beiträge zur neueren Geschichte, Bd. 3). Hrsg. von der Emsländischen Landschaft für die Landkreise Emsland und Grafschaft Bentheim e.V.), Sögel 1987.

Anmerkung: wed. = Witwe, einige deutsche Namen sind in Amsterdam niederländischen Schreibgewohnheiten angeglichen worden.

Gründe für den schnellen Zusammenbruch des Heuerlingswesens

Ergebnisse nach über zwanzigjährigen Recherchen:

  • rapider Strukturwandel in der Landwirtschaft
  • sozialer Aufstieg der Heuerleute durch die Siedlung oder den Kauf von Land
  • Hilfe der Heuerlinge wurde durch den verstärkten Einsatz von Maschinen, direkt nach dem Krieg durch den billigen Arbeitseinsatz von Flüchtlingen mehr und mehr überflüssig
  • die Bauern benötigten das an Heuerlingen verpachtete Land, um ihre neuen Maschinen besser auszulasten und den Hof rentabel zu gestalten
  • schlechte Bezahlung der zusätzlichen Arbeitsstunden auf dem Hof
  • sinkende Preise der landwirtschaftlichen Erzeugnisse in der Wirtschaftswunderzeit machten viele Heuerlingsbetriebe mit ihrer geringen Landausstattung als Hauptlebenserwerb unrentabel
  • die teuren neuen landwirtschaftlichen Maschinen waren auf den kleinen Flächen der Heuerleute weder rentabel einsetzbar noch durch die landwirtschaftlichen Erlöse zu finanzieren
  • höhere Löhne in der Industrie und anderen Betrieben
  • das Vorhandensein geregelter Arbeitszeiten außerhalb des Heuerlingssystems
  • bessere Aufstiegschancen in anderen Berufen
  • Abneigung vieler Frauen, einen Heuerling zu heiraten
  • Widerwillen gegen die Abhängigkeit vom Bauern
  • Flucht aus den antiquierten Wohnverhältnissen in vielen Heuerhäusern
  • keine oder unzureichende Altersversorgung
  • die Motorisierung, die es den Menschen ermöglichte, per Motorrad, Bus und später mit eigenem Auto als Pendler zu arbeiten

Uneheliche Geburten bei Besitzlosen

In der Nacht vom 10. auf den 11. Juli des Jahres 1816 fuhr die Hebamme Elisabeth S. Reige in Fladderlohausen erschrocken aus dem Schlaf, als gegen 1 Uhr „sehr stark an die Tür geklopft“ wurde. „Als sie nun hinaus­gegangen, habe sie ein Kind schreien gehört und (. ..) es gefunden. Selbiges wäre (.. .) nicht über 3 Stunden geboren gewesen.“ Am nächsten Morgen brachte sie es dann zum Pfarrhaus, „worauf (. . .) das Kind getauft und ihm der Name beigelegt: Bernd Felix.`

Ein gleiches Erlebnis hatten die Bewohner einer Leib­zucht in Handrup ein Vierteljahr vorher, am 27. März. Sie fanden morgens gegen 4 Uhr einen Findling, auch, nachdem heftig an die Tür geklopft worden war. Und am 17. März 1828 vermerkte Pastor Arnold Joseph Gieseke im Geburts- und Taufregister des Kirchspiels Neuenkirchen, daß „des Morgens die in Ellerbrocks Leibzucht im Nellinghofe wohnende Catharina Elisa­beth Uphaus (. . .) mit einem Kinde zu mir (kam), und zeigte an, daß, wie sie des Morgens die Thüre geöffnet hätte, dieses Kind weinend vor derselben auf einem Haufen Flachs gelegen hätte, mit einem Zettel des In­halts: dieses Kind wäre in der Noth zwar getauft, der Finder würde aber ersucht, solches nach der katholi­schen Kirche zur Taufe zu bringen. Ich habe es getauft “

Diese drei im großen und ganzen vom gleichen Muster gezeichneten Fälle der gewiß nicht zufälligen Auffin­dung von ausgesetzten Neugeborenen führen direkt in ein Problemfeld, dessen Erschließung mit nicht uner­heblichen Schwierigkeiten behaftet ist: das der uneheli­chen Geburten.

aus:

Christoph Reinders — Düselder, Ländliche Bevölkerung vor der Industrialisierung, Geburt Heirat und Tod in ein Steinfeld, Damme und Neunkirchen. 1650-1850. Cloppenburg 1995, Seite 102