Wieviel Arbeitshilfe und indirektes Geld von Heuerleuten…..
Nur keinen Baum fällen: Beispiel 2 und 3
Nur keinen Baum fällen 1
Wollte der Heuerling aus Platznot – die war fast durchweg gegeben – notdürftig erweitern, weil vielleicht schon wieder ein Kind unterwegs war, dann musste er erst den Bauern fragen.
Ein Baum durfte dafür in aller Regel aber nicht gefällt werden.
Dieses Beispiel findet sich noch heute so in Langen bei Lingen: Hier wohnen Martin und Rendel Skibicki.
Martin arbeitet als Fotograf am neuen Buchprojekt Heuerhäuser im Wandel mit.
Diese Linde bildet den Mittelpunkt der Küche…
Foto: Archiv Skibicki
Wie steht es um das Heimatwesen in Nordwestdeutschland?
Bei der Beschäftigung mit dem Heuerlingswesen seit nunmehr über 30 Jahren stößt man ständig auf Heimatvereine und Kreisheimatverbände.
Daraus ergibt sich die Erkenntnis, dass das Heuerlingswesen ein elementarer Teil der Heimatvereinsbewegung in Nordwestdeutschland überhaupt ist.
- So stammen nicht wenige Mitglieder auch heute noch aus dieser ehemaligen Sozialisationsform, die in früheren Jahrzehnten und Jahrhunderten bis zu 80% der Dorfbevölkerung ausmachte.
- Nicht von ungefähr sind viele Heimathäuser deshalb ehemalige Heuerhäuser.
- Die Entstehungszeit etlicher Heimatvereine der Region fällt in die Zeit nach dem recht zügigen Verschwinden des Heuerlingswesens insbesondere in zeitlicher und kausaler Folge des sog. Wirtschaftswunders.
- In mittlerweile über 70 Vorträgen von Syke im Norden bis nach Vreden im Süden konnten zur derzeitigen Verfasstheit in den einzelnen Heimatvereinen – aber auch in mehreren Kreisverbänden – Erkenntnisse gewonnen werden, die hier in Kürze – recht kurz – zusammengefasst werden sollen.

- Das derzeitige Kernproblem ist eindeutig die Altersstruktur. Diese beiden Fotos vom 06. November 2016 – zur Verfügung gestellt vom Kreis Steinfurt – zeigen die nahezu in allen Regionen durchgehende Erscheinung: Die Mitglieder der Heimatvereine sind in der Mehrzahl über 60 Jahre alt. Bei meinen Vorträgen zähle ich bewusst: Das Verhältnis von über 50 Jährigen zu den jüngeren Zuhörern ist fast durchweg 10 : 1. Das kann am Thema liegen. Aber auch dort bestätigt man auf Nachfrage keinen Unterschied zu anderen Veranstaltungen.
- Eine erfreuliche Ausnahme zu diesem Themenkomplex waren die Rahmenbedingungen beim Vortrag in Lohne/Oldb. Es erschienen 228 Zuhörer/innen. Die Sitzplätze reichten bei weitem nicht aus. Die jüngeren Teilnehmer – eine beachtliche Zahl – saßen auf den Treppenstufen bis in den dritten Stock im Industriemuseum.
- Über diesen Heimatverein – und mehrere andere positive Beispiele – wird noch berichtet werden.
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Nachfrage bei Landwirten auf dem Hümmling
Heuerleute als Wilderer
Großes Aufsehen erregte zum Jahresende 1928 eine Massenverhaftung von über vierzig Personen in Emsbüren und den Dörfern der Umgebung, wie Helmut Lensing in der Emsbürener Ortsgeschichte berichtet:
Ihnen wurde Wilddieberei vorgeworfen, was im Emsland zu dieser Zeit zweifellos eine nicht unübliche Art war, den schmalen Küchenzettel zu erweitern. Doch die große Anzahl der Verhafteten und die Umstände ihrer Inhaftierung trieben die Leute auf die Barrikaden. Ein als Landvermesser getarnter Beamter des Westfälischen Jagdschutzverbandes hatte mit reichlichem Einsatz von Alkohol die Verhaftungswelle ausgelöst. Die Beschuldigten und deren Familien schalteten ihren wegen seines Einsatzes für die Heuerleute bekannten Zentrums-Landtagsabgeordneten Josef Hagemann, einen Gewerkschaftssekretär aus Osnabrück, ein. Auch der DHP-MdL Wilhelm Borgmann aus Lorup brachte den Fall vor den Preußischen Landtag. Besondere Empörung erregte laut Zeitung die Tatsache, daß zuvor ein bekannter Adliger aus der Nähe Lingens dafür, daß er einen auf seinem Grundstück ohne Erlaubnis angelnden Arbeiter derart anschoß, daß dieser wochenlang im Krankenhaus liegen mußte, lediglich 5 Mark Strafe zu zahlen hatte. In diesem Fall sei es dagegen gleich zu einem riesigen Polizeiaufgebot und teilweise wochenlangen Inhaftierungen gekommen, obwohl ein wesentlich geringfügiger Tatbestand zu Grunde liege. Da der Kriminalist selbst Opfer seines reichlichen Alkoholeinsatzes geworden war, mit dem der Geständnisse entlocken und die Einwohner zum Wildern verführen wollte, wurden schließlich nur einige wenige der Angeklagten zu Geldstrafen wegen Jagdvergehens … verurteilt (Lensing,s. u., S. 231).
Noch heute wird auf Jagdgesellschaften im südlichen Emsland über dieses Ereignis gesprochen und ein wenig Jagdlatein ist sicherlich dazu gekommen. So wird gemunkelt, der betreffende Adelige habe mit Vornamen tatsächlich „Wilderich“ geheißen. Dies entspricht jedoch nicht den Tatsachen, denn es handelte sich um dessen Vater.
Aus: Saxlinga – Kirchspiel – Gemeinde, 1175 Jahre Emsbüren, Herausg. von Christine Hermanns, Emsbüren 1994. Darin: Helmut Lensing, Emsbüren in der Weimarer Republik, Seite 231
Foto: Wikimedia commons
Ausstellung im Kreishaus Steinfurt im Nov. 2016
Ein Sinnbild der Standesunterschiede
Äpfel spielten eine besondere Rolle… (2)
Gerade die Äpfel tauchten in den Gesprächen mit ehemaligen Heuerleuten immer wieder als Problemfall im Verhältnis zu den Bauern auf.
Diese Obstsorte war auf nahezu allen Bauerhöfen mit zahlreichen Bäumen vertreten und sie spielte in der täglichen Nahrung eine Rolle, weil man sie in getrockneter Form das ganze Jahr über auf den Tisch bringen konnte.
Die Heuerleute wiederum hatten in aller Regel keine Obstbäume (zu haben): Sie durften auf dem vom Bauern gepachteten Grundstück keine dauerhaften „Einrichtungen“ schaffen.
So war bei den Kindern der Heuerleute der Spruch: Übern Zaun – Äppel klaun! gleichzeitig eine Aufforderung. Insbesondere das Fallobst wurde – nicht selten in der Dunkelheit – besorgt.

Immer wieder wurde berichtet, dass die Kinder aus der Schweinewiese beim Fallobstsammeln vom Bauern oder seiner Frau verjagt wurden mit den Worten: De Appel bint för use Swiene!
Diese Menge (Foto unten) an Äpfeln hätte manche kinderreiche Heuerlingsfamilie beglückt.
Im Haushalt der Bauern wurde ein Mehrfaches dieser Menge verbraucht.
Fotos: Archiv Robben










