110 Jahre Krone – das ist Landwirtschaftsgeschichte pur

                                      Gestern kam ein Buchpaket aus Spelle von Dr. Bernard Krone

Morgen erscheint hier ein Bericht über einen erneuten Besuch bei Dr. Bernard Krone im letzten Monat.

Er hat aus seiner Stiftung das Heuerlingsbuch anfinanziert, indem er die Kosten für das Layout übernommen hat.

Damalige Umweltschäden gut dokumentiert vom Heimatverein Darme

Sehr detailliert und anschaulich ist vom Heimatverein Darme bei Lingen dokumentiert worden, wie von der ländlichen Bevölkerung – und da bildeten die Heuerleute den Hauptanteil – die Umwelt durch Plaggenstich und Überweidung  im 18.  und19. Jahrhundert ausgebeutet wurde.

 

In dieser Übersicht wird das deutlich:

Mittlerweile haben sich dort auf der ehemaligen Heide – und Wehsandlandschaft Industriebetriebe – darunter 2 Gaskraftwerke und das Atomkraftwerk Emsland – angesiedelt:

 

Foto: Archiv Robben

Die Vernichtung der Wälder – auch durch Heuerleute

Foto: Archiv Böckenhoff - Grewing

In Erweiterung der Ausführungen zu diesem Foto gibt es eine wichtige Karte in diesem Buch:

Hier wird deutlich, wie gering der Waldanteil (grün) im Emsland damals war!

Nauhaus schreibt dazu:

Wie die Ausrottung des Waldes das Emsland verwandelt hatte, beschreibt der Altmeister der hannoverschen Forstwirtschaft, Forstdirektor Burckhardt, 1875 in seinen forstamtlichen Mitteilungen: „Im allgemeinen stehen wir vor einer Landschaft, welche ein selten trauriges Bild von Entwaldung auf den armen Flachlandböden darstellt. Wo einst große Waldungen ihr stolzes Haupt beugten und selbst die wetterfeste Eiche, das Eisen der Hölzer, grünte, wo der Wald Dorf und Flur schützte, Luft und Boden erfrischte und dem Weidevieh saftige Kräuter bot, da sehen wir jetzt vielfach eine libysche Wüste.“

 

aus: Karl – Eberhard Nauhaus, Das Emsland im Ablauf der Geschichte. Sögel 1994, Seite 24

Sie nähren sich … wie die Ziege und die Kuh.

Der französische Theologe

Guillaume-André-Réné Baston

wurde während der Französischen Revolution gezwungen, 1792 zunächst nach London, dann nach Holland und schließlich von 1794 – 1803  in Coesfeld  ins Exil zu gehen. Über diesen neunjährigen unfreiwilligen Aufenthalt schreibt er auch wenig Schmeichelhaftes die Ernährungsweise des Münsterlandes: Sie nähren sich von Kohlrüben, Möhren und Kartoffeln wie die Ziege und die Kuh.

aus:  Freilichtführer LWL-Freilichtmuseum Detmold

Westfälisches Landesmuseum für Volkskunde

  1. überarbeitete Auflage

Detmold 2015,  Seite 274

Foto: Wikimedia commons

 

Die Haushebung eines Heuerhauses vor etwa 180 Jahren

Der heutige Besitzer Siegfried Hollmann hat dazu recherchiert:

Am 13. Juli 1838, einem Freitag, fand auf dem Hesterbrink, der höchsten Erhebung des Wiehengebirges in Oberholsten, die Haushebung eines Fachwerkgebäudes statt. Dieser Ort liegt in der sog. westfälischen Landschaft Niedersachsens. Typisch dafür sind landwirtschaftliche Gebäude in Fachwerk mit geputzten Gefachen.

Bauherr war seinerzeit ein Johann Friedrich Drees mit seiner Ehefrau Anna Katharina Maria. Das Bauernehepaar war zur Zeit der Haushebung 30 Jahre verheiratet und hatte insgesamt 11 Kinder, von denen bereits 3 verstorben waren. Der älteste Sohn war 29 Jahre alt.

Im Winter 1837/38 hatte der Colon, so nannte man damals die Bauern von Vollerbhöfen, mit seinen Knechten im Wald, dem sog. eigenen Holzteil, 150 bis 200 Jahre alte Eichen geschlagen. Anschließend bestellte er den Zimmermeister  Friedrich Nienhüser, der im  Rundbogen der Tür verewigt ist, auf seinen Hof. Er wie auch die übrigen Zimmerer waren in aller Regel  Heuerleute aus der näheren Umgebung. Mit mit einem Dexel, das ist ein querstehendes Beil, schlugen sie die Eichen kantig. Immer dann, wenn aus einem Stamm mehrere Balken geschnitten werden sollten, musste gesägt werden. Dazu wurde der Stamm auf einen etwa zwei Meter hohen Sägebock gelegt. Oben und unten standen jeweils ein oder zwei Sägeknechte. Dabei wurde nach unten gesägt, nach oben nur die Säge geführt. Diese Arbeit war eine schwere Arbeit und dauerte Wochen.

Die Haushebung begann um 8 Uhr mit einem ‚Vaterunser“, damit,  „wie kein Malör krieget“.

Die letzte Arbeit war das Richten des Giebels, dabei passte der letzte Stiel nie auf Anhieb. Immer wieder musste nachgelotet werden und dabei gab es immer wieder einen Schluck aus der Flasche. Der Zimmermeister ließ das zu, weil die Arbeit ja fast getan war.

Einige Tage später war dann der sog. „Kleidag“. Die mit Zweigen ausgelegten Innengefache wurden mit Lehm ausgeschmiert. Auch daran waren wieder die Nachbarn beteiligt. Die Dacheindeckung des Hauses erfolgte mit Stroh.

Das ehemalige Heuerhaus nach der Renovierung

 

Bild des Monats Januar 2017

 

Foto: Böckenhoff - Grewing

Dieses Foto spricht „Bände“.

Es schildert die Zustände in Nordwestdeutschland im 19. Jahrhundert vor der Markenteilung. Der Wald im Hintergrund rechts ist noch ein Ausnahmefall. In weiten Gegenden ist die Landschaft komplett ausgeräumt und riesige Heideflächen prägen die Gegend. Mit steigender Bevölkerungszahl wird der Plaggenstich in der Heide erhöht, um die ungenügende Düngung auf den  Eschflächen abzumildern. Ein Teufelskreis setzt ein, die Flächen werden entblößt, die Wehsandbildung kann einsetzen, eine Umweltkatastrophe entsteht.

Fast durchweg gab es in damals nur Feldwege zwischen den einzelnen Bauerschaften und Höfen. Aber auch in die Marken hinein waren im Laufe der Zeit Wege nach einem natürlichen Verlauf entstanden. Der Zustand dieser „Straßen“ war stark abhängig von der jeweiligen Witterung:

So gab es einen Idealzustand, wie dieses Foto  es auf den ersten Blick vermuten lassen könnte, eigentlich zu keiner Jahreszeit.

Im Sommer trockneten diese matschigen Wege und aus den tiefen Matsch- und Wasserlöchern wurde nun feiner loser Sand, der ebenfalls einen unkomplizierten Lastentransport erschwerte, denn im Gegensatz zu einer glatten, befestigten Straße versackten die Eisenräder in dem weichen Untergrund, und die Pferde hatten so auch bei wenig Nutzlast schwer zu ziehen.

Wenn dann im Winter über Monate alles zugefroren war, wurden viele Wege durch die fest gefrorenen Unebenheiten aus den Matschtagen des Herbstes nahezu unpassierbar. Infolgedessen kam es durchaus vor, dass manche Dörfer oder Dorfteile während der Wintermonate zeitweilig von der übrigen Welt abgeschnitten waren und Verstorbene von abgelegenen Gehöften bei strengen und lang andauernden Wintern erst im Frühjahr beerdigt werden konnten.

Foto: Kreisbildstelle Lingen

Der eigentliche Straßenbau  auf dem Lande begann erst nach dem 2. Weltkrieg, Dort fanden etliche Heuerleute eine Beschäftigung, die es ihnen ermöglichte, sich aus dem Heuerdasein zu verabschieden. Das deutsche Wirtschaftswunder begann…

Foto: Kreisbildstelle Lingen

Ungebildete Heuerleute waren Lehrer

Prof. Dr. Alwin Hanschmidt hat dieses Buch herausgegeben:

Elementarschulverhältnisse im Niederstift Münster im 18. Jahrhundert. Die Schulvisitationsprotokolle Bernard Overbergs für die Ämter Meppen, Cloppenburg und Vechta 1783/84 (Veröffentlichungen der Historischen Kommission für Westfalen, XXII, B, 3; Geschichtliche Arbeiten zur westfälischen Landesforschung. Geisteswissenschaftliche Gruppe, Bd. 3), Münster 2000

Als der Schulreformer Bernhard Overberg  1783 insgesamt 93 Schulen im mittleren und nördlichen Emsland besuchte, war der Großteil dieser schulischen Einrichtungen sog. Nebenschulen in kleinen Bauerschaften. Sämtliche Kinder wurden in einem Raum von einem Lehrer unterrichtet, der häufig ein Heuermann war.

Bei der Visitation im Hochsommer waren fünf Schulmeister  nicht zugegen, weil sie als Torfstecher in Holland oder als Zimmerer in Ostfriesland tätig waren. Bei über 50 Schulmeistern wurde festgestellt, dass sie keinen Rechenunterricht erteilten. Sie hatten dort keine Kenntnisse.

So führte Overberg in Münster Ende des 18. Jahrhunderts Fortbildungskurse für Lehrer ein.

Die obige Karte durfte von Bernd Robben mit Erlaubnis von Prof. Dr. Hanschmidt so bearbeitet werden, dass die Schulorte, in denen Heuerleute damals als Lehrer unterrichteten, mit einem Kreis versehen werden konnten.

 

Talk am Dienstag hat Frauen-Abendkreis angesteckt

Nach einem gut besuchten Vortrag im Männerkreis der Evangelischen Kirchengemeinde in Lotte im Herbst letzten Jahres zeigt nun auch die Frauenrunde Interesse an einem Vortrag über das Heuerlingswesen. Im evangelischen Kirchenkreis Westercappeln findet ein Referat im April statt.

Erster Eindruck: Die Protestanten gehen mit diesem Problemthema anscheinend anders um…