Auswanderer aus Borgholzhausen

Hier eine interessante Bereicherung der Sammlung von Literatur rund um das Heuerlingswesen.

Jürgen Hellweg schreibt  dazu: Der Heimatverein Borgholzhausen hat dieses Heft 2004 herausgegeben. Anlass war das zehnjährige Bestehen der Städtepartnerschaft mit New Haven (USA).

Diese Städtepartnerschaft ist aus einem deutsch-amerikanischen Freundeskreis entstanden, der sich aus regen Kontakten mit den Nachfahren Borgholzhausener Auswanderung ergeben hat. Der Inhalt des Heftes beschreibt auch die Situation der Heuerlinge in Borgholzhausen.

 

Traktoren zu teuer für Heuerleute

 

Dr. Bernard Krone berichtete mehrfach darüber, dass die fortschreitende Mechanisierung der Landwirtschaft in den 50er Jahren  für kleine Betriebe wie die der Heuerleute in der Regel zu teuer und damit unrentabel gewesen sei.

Als Beispiel dafür konnte insbesondere der Traktor gelten. Der junge B. Krone begleitete seinen Vater gerne auf dessen Verkaufsreisen in Nordwestdeutschland und erlebte dabei, dass trotz des hohen Anschaffungspreises auch Heuerleute einen kleinen Hanomag mit 12 PS – 18 PS kauften.

Sein Vater tat dabei auch seine Bedenken kund, dass die Anbauflächen und Viehzahlen eigentlich  größer sein müssten, um wirtschaftlich arbeiten zu können. Dass er mit dieser Einschätzung richtig lag, zeigte sich dann wenige Jahre später deutlich in der raschen Auflösung des Heuerlingswesens.

Hier ein ein 22er Hanomag aus dem Jahre 1957

Fotos: Archiv Maschinenfabrik Krone

Ein nordwestdeutsches Heuerlingsgesicht

Das Gesicht dieses Mannes  aus der Zeit der dreißiger Jahre  ist Fotosprache pur: Zäher Fleiß sichert allenfalls das Überleben, Wohlstand oder sogar Lebensglück haben andere Züge.

Dieses Gesicht – so darf man vermuten – ist stärker durch die damaligen Lebensumstände geprägt als allein durch die Lebensjahre und wirkt erheblich älter als das wahre Lebensalter es erwarten ließe.

Nicht allein Sonne und Wetter haben dieses Gesicht geformt, mehr noch sind es die Sorge um das Überleben und die Familie, die harte körperliche Arbeit und Schicksalsschläge, deren Ursache oft in den heute unvorstellbar schweren Lebensbedingungen lag.

 

Foto: Peter Rabenstein

Ein eindringliches Wintergedicht eines darbenden Heuermanns

Klagelied eines alten Flickmaurers

 

O schaurig öde Winterszeit,

In Trübsinn hältst du mich begraben,

Obgleich nicht alles eingeschneit,

Ist doch an Barschaft nicht zu haben.

 

Nicht, daß der Winter streng und hart,

Es ließe sich was kultivieren,

Doch mein Geschäft, es ist derart,

Daß dennoch nichts zu profitieren..

 

Wie festgebannt in Kerkernacht,

Liegt Meißel nebst der Maurerkelle,

Vom Roste längst schon angenagt

Auf seltsam lange Ruhestelle.

 

Kein Namenszug, kein Pinselstrich,

Ist´s was mich jetzt erhalten könnte,

Dies stocket weil im Winter sich

Empören oft die Elemente.

 

Dies füllt mein Herz mit tiefem Weh

Indem ich manches scheitern sehe,

Denn selbst das Spinnrad, dass ich dreh.

Es hält nicht auf der Wirtschaft  Höhe.

 

Wie wird mir doch die Zeit zu lang.

Oft hinter diesem alten Rade,

Vor Überdruss werd ich noch krank,

Wenn abzuhelfen nicht der Schade.

 

Und dieses Rad welch ein Malheur ,

der Wurm zerfraß die alte Schraube,

Sie herzustellen geht nicht mehr,

Wie im Verfall Kredit und Glaube.

Mehr dazu unter:

http://www.heuerleute.de/leben-und-werk-von-heinrich-nienhaus/

Das besondere Engagement des Dr. Dietrich Maschmeyer

Hier stellt er sich  vor:

Ich bin Dietrich Maschmeyer, Jahrgang 1954, und war bis vor kurzem als Chemiker in der Forschung tätig. Neben den Naturwissenschaften hat mich schon immer die Alltagsgeschichte meiner Heimat – d.h. der Grafschaft Bentheim und des Altkreises Lingen – interessiert. Besonders berührt hat mich immer der immense Verlust an Kulturzeugen in den letzten 50 Jahren – dem Zeitraum, in dem ich das mit eigenen Augen erlebt und auch erlitten habe. Die Kulturzeugen, von denen ich hier spreche, waren vor allem die Häuser und Höfe der ländlichen Bevölkerung, daneben auch wichtige archäologische Befunde.

So reifte schon früh der Wille, diesem Verlust mit den mir verfügbaren Mitteln entgegenzuwirken. Im Lauf der Zeit entstanden dann komplette Dokumentationen von über 600 vornehmlich ländlichen Gebäuden der Region. Darunter natürlich auch etliche Heuerhäuser. Aber sollte es nicht möglich sein, diese Häuser nicht nur im Abbruch zu dokumentieren, sondern sie vielleicht sogar zu retten und zu erhalten?

Neidvoll habe ich immer nach England geschaut, wo es den national Trust gibt, dessen Zweck die Erhaltung des wichtigen kulturellen Erbes ist. Das Vermögen des National Trust ist „auf ewig dem Volke von England geschenkt.“ So was wäre bei uns schwieriges Neuland. Dennoch hat auch der inzwischen verstorbene Mitbegründer der Deutschen Stiftung Denkmalschutz immer betont, daß wir in Deutschland auf lange Sicht auch eine derartige Einrichtung schaffen sollten.

Es gibt aber nichts Gutes – ausser man tut es. So habe ich 2012 eine stattliche Erbschaft genutzt, um für unseren Raum den Grundstein zu einer Einrichtung zu legen, die diese Rolle einnehmen soll: Die Ems-Vechte-Stiftung, eine gemeinnützige Stiftung bürgerlichen Rechts. Ihr Zweck ist kurz gesagt die Erhaltung des materiellen kulturellen Erbes unserer Region. Formal gesehen ist eine Stiftung ein Vermögen ohne Eigentümer, das vom Stifter für einen bestimmten Zweck unwiderruflich hingegeben wurde. Sinngemäß aber soll das Vermögen dieser Stiftung den Menschen der Region gewidmet sein. Und das meine ich ganz wörtlich. Jedermann ist eingeladen, sich in dies Gemeinschaftswerk einzubringen: Einen kleinen „National Trust“ für unsere Region auf- und auszubauen.

Als erste Maßnahme hat die Stiftung den ihr geschenkten ehemaligen Hof Feye in Gersten restauriert, ein  Vollbauernhaus von 1815, das gerade im Wohnbereich bemerkenswert gut erhaltene Strukturen hat – und das wohl nur, weil es vor über 100 Jahren zum Heuerhaus abgesunken war. Wir wollen das Gebäude in vielfältiger Weise nutzen, um die historische Bausubstanz der Region in Wert zu setzen: Durch Veranstaltungen, Ausstellungen, regelmäßige Beratungsstunden und mehr.

Daneben verfügt die Stiftung in der Region bereits über zwei historisch sehr bedeutende Heuerhäuser, eines davon noch stehend, es soll demnächst restauriert werden, das andere musste wegen Einsturzgefahr sorgfältig demontiert werden und soll demnächst an einem neuen Standort originalgetreu wieder erstehen.

Kontakt: Ems-Vechte-Stiftung, Dr. Dietrich Maschmeyer, Tel.: 02361 16079, Mail: igbmaschmeyer@aol.com.

Der Hof Feye befindet sich in 49838 Gersten, Droper Strasse 8, und ist derzeit nach vorheriger Terminabsprache zu besichtigen.

Besuch bei Dr. Bernard Krone

August 2018

Mütterlicherseits waren die Vorfahren des Dr. Bernard Krone zunächst Heuerleute!

… darüber wird auf folgender Seite berichtet.

http://www.heuerleute.de/prominente-personen-berichten/dr-bernard-krone/

Als Dank für die finanzielle Unterstützung beim Druck des Buchprojekts aus der Krone Stiftung erhält Dr. Bernard Krone zu jeder Neuauflage das „erste Buch“ der neuen Sendung. Das wird auf seinen ausdrücklichen Wunsch jeweils persönlich überbracht.

Hier sitzt Dr. Bernard Krone (in Spelle und Umgebung anerkennend liebevoll BK 3 genannt) in seiner Familienecke im Restaurant seines Hotels, das entstanden ist aus der Gaststätte seiner Oma Anna, geb. Evers (1876 – 1951).

Dort gründete sein Großvater Bernard (BK 1) 1910 das Familienunternehmen

Nach einem gemeinsamen emsländischen Mittagessen  lud Dr. Krone zu einem Rundgang in sein neu entstandenes Firmenmuseum ein.

Hier der Verhandlungstisch seines Vaters, an dem manche Maschine aus eigener Fabrikation noch persönlich verkauft wurde.

Krone – Pflüge waren in ganz Europa begehrt…

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Hier zeigt Dr. Krone die Schülerwerkstatt. Dort werden Schülerinnen und Schüler der Oberschule Spelle von ehemaligen Mitarbeitern der Firma in die Arbeitswelt eingeführt. Ein Beispiel gebendes Projekt!

Dr. Bernard Krone stellt die erste Erfindung seines Großvaters vor:

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Fotos: Archiv Robben

Zwei Pioniere der Landtechnik

                                                Der Lehrherr Bernhard van Lengerich (1861- 1949)

http://landmaschinentechnik.bvl-group.de/de/unternehmen/geschichte/unternehmensgeschichte/

                                             Der Meisterschüler Bernhard Krone (1872 – 1935)

EPSON MFP image

http://landmaschinen.krone.de/deutsch/faszination-krone/historisches/

1860 hatte der Vater vom legendären „Plog Bernd“ van Lengerich ein erstes Patent für eine landwirtschaftliche Maschine erworben.

Die rasanten Veränderungen in der Landwirtschaft in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts kamen vornehmlich zustande durch neue Zuchtmethoden, durch Anwendung von Kunstdünger. Auch neue landwirtschaftliche Geräte kamen auf den Markt.

Im Fokus standen dabei die Verbesserung der damaligen Holzpflüge.

Der Pionier  bei der Weiterentwicklung dieses wichtigen Gerätes für die Landwirtschaft war Bernard van Lengerich in Emsbüren. Schon bald ging er daran, alle Holzanteile am Pflug zu ersetzen durch Stahl, der in zunehmendem Maße auf den Markt kam durch die industrielle Revolution.

Die Bauern konnten sich nun für die Anschaffung solcher Gerätschaften Geld bei den aufkommenden Raiffeisenkassen leihen.

Zunehmend wurden landwirtschaftliche Ausstellungen organisiert, wo man sich fachlich austauschen konnte. Das war auch ideal für die Vorstellung der Neuentwicklung in der Landtechnik.

Nach Namen von Heuerleute such man dort vergeblich.

 

Auch die aufkommenden Viehmärkte boten neue Möglichkeiten zum Verkauf des Schlacht- und zu Zuchtviehs. Eisenbahnstrecken wurden gebaut. Bei  weiterhin schlechten Wegen – und Straßenverhältnissen hatten die Bauern nun eine Möglichkeit, ihre Erzeugnisse in die Ballungszentren zu transportieren zu lassen.

Bernard van Lengerich baute auch ein Handelsnetz für den Verkauf von Landmaschinen anderer Hersteller auf.

Bei diesem „Plog Bernd“ ging der Schmiedesohn Bernard Krone in die Lehre, bei ihm bereitete er sich auf die Meisterprüfung vor, von ihm bekam er das Startkapital für die Gründung eines eigenen Betriebes in Ochtrup geliehen.

1906 Uhr zog er mit seiner Frau nach Spelle, woher sie stammte, und gründete dort die Keimzelle für die spätere Landmaschinenfabrik Krone, die heute über 2500 Beschäftigte zählt und zu einer Holding angewachsen ist.

Fotos: Firmenarchive Krone und van Lengerich

 

Weitere Vorträge zum Heuerlingswesen

  • in Hagen  T/ W am 20. Januar 2017
  • in Herzlake am 5. Februar 2017
  • in Wettringen am 9. Februar 2017
  • in Wesuwe am 18. Februar 2017
  • in Borgholzhausen am 8. März 2017
  • in Lotte am 16. März 2017
  • in Westerkappeln am 24. April 2017

 

 

 

 

B. van Lengerich und B. Krone machten das Heuerlingswesen überflüssig

13. Januar 2017                                                                                                           Seite 704

Diese Überschrift ist in ihrer Aussage vielleicht etwas zu gewagt, sicherlich aber trifft Dreierlei zu:

  • Sie waren maßgebende Pioniere der Landtechnik, die es den Bauern zunehmend ermöglichte, ohne Heuerleute ihre Höfe zu bewirtschaften.
  • Diese Ackergeräte aus Holz machten einen ertragreichen Ackerbau nahezu unmöglich! Erst die  von Bernhard van Lengerich entwickelten Ganzstahl – Pflüge verbesserten die Bodenbearbeitung wesentlich. Damit begann die Umstrukturierung in der Landwirtschaft.
  • In den sich im 20. Jahrhundert rasch entwickelnden Landmaschinenfabriken Krone (Spelle) und van Lengerich (Emsbüren) fanden etliche ehemalige Heuerleute einen festen Arbeitsplatz.

Fotos: Böckenhoff – Grewing von 1927 (die oberen 3), Archiv van Lengerich (unten)