Erwerbstätige im 19. Jahrhundert – eine Entwicklung

 

Kurzbetrachtung zum Zeitraum 1800 bis 1914:

  • Die Bevölkerung wächst auf das Dreifache
  • Die Zahl der landwirtschaftlich Beschäftigten schrumpft prozentual fast um die Hälfte
  • Neue Arbeitsplätze entstehen im Rahmen der Industriellen Revolution, aber auch der Dienstleistungssektor hat sich in Prozenten fast verdoppelt

 

Sprachbetrachtungen der besonderen Art (Dr. H. Wilmer)

Nachfolgende Erkenntnisse und Weisheiten können nur von einem solch polyglotten Fachmann kommen:

Vergleich Hebräisch und Plattdeutsch

Bei dem Hebräischen in der Urform gibt es gar nicht viele Wörter und Plattdeutsch ist letztlich auch begrenzt in seinem Wortangebot. Das Hebräische besteht zunächst vornehmlich aus Verben, dort werden – stark vereinfacht gesagt – vorne und hinten Wortteile angehängt  und so entstehen Hauptwörter und Adjektive. Beim Plattdeutschen ist es ähnlich.

Die Mixtur von Französisch und Plattdeutsch ergibt Englisch

Das Englische hat häufig ein Wort, das auf der einen Seite aus dem(germanischen) Plattdeutschen und andererseits aus dem (romanischen) Französischen stammt: Dieses ( der Pater klopft dabei auf den Tisch) hier ist auf Englisch „table“, das ist „table“ auch im Französischen, ich kann es aber auch auf Plattdeutsch sagen: „Disk“, im Englischen „desk“.

Weiterhin kann ich kann vergleichen: Wo ich rein- und rausgehe, wir sprechen wir im Plattdeutschen von einer „Döör“, auf Englisch ist das „door“.

Im Französischen heißt das „porte“ und das Wort stammt klar aus dem Lateinischen und „the porte“ ist die vornehmere Tür, „die Pforte“

Wenn ich etwas anfange, dann ist das ein „Beginn“,  englisch „to begin“. Ich kann aber auch sagen „starten“ bzw. „to start“.

Es gibt Begriffe, da ist das Plattdeutsche näher am Englischen als das Englische am Deutschen: Auf Hochdeutsch sage ich: Was soll ich rauchen. Auf Englisch: What shall I smoke, auf Platt: Watt sall ick smöken. Beim Wort smöken  sind die Konsonanten ganz anders als bei rauchen.

Das natürliche Umfeld beeinflusst Menschen und deren Sprache

Platt ist deutlich älter als Hochdeutsch, es ist eine archaische Sprache, ein uraltes Behältnis von Kultur auch von Denken. Der Boden der Sprache macht das Denken aus: Sag mir, wo du herkommst, ich sage dir nicht nur, was du denkst, sondern auch, wer du bist. Es ist sehr verschieden, ob ich auf einen Berg geboren bin, in einem tiefen Tal, wo keine Sonne hinkommt, ob ich geboren bin, wo ständig Winde vorherrschen. Man kann sagen, dass die Norddeutschen in ihrem angestammten Gebiet der Natur  etwas abringen mussten, um auch nur ein karges Leben zu führen zu können. Das hat sich auch in der Sprache niedergeschlagen. Daher sehe ich das Niederdeutsche als ein uraltes Behältnis von Kultur. Was mich tröstet, ist, dass die englische  Sprache das Plattdeutsche mitnimmt.

 

 

https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/c/c3/Flag_of_France.svg

Talk up Platt – mit einem Ordensoberen in Rom 2

 

Vom Plattdeutschen her kommend – Erfahrungen mit anderen Sprachen:

Zunächst zeigten sich also die Defizite in Deutsch in der Eingangsklasse auf dem Gymnasium. Nach dem Eltersprechtag erhielt ich zu Hause von meinem Eltern diese Meldung der Lehrpersonen:

  • Der Junge soll mehr hochdeutsche Lektüre lesen
  • Der Junge soll ein Heft führen mit deutschen Vokabeln
  • Der Junge soll sich gute deutsche Formulierungen notieren und immer wieder lesen

Deutsch war in der Zeit für mich wirklich problematisch.

Erst in meiner Zeit als Schulleiter des Gymnasiums in Handrup ist mir richtig bewusst geworden, dass die Schulnote „Deutsch“ nicht einfach nur eine Note unter den anderen ist, die Kenntnisse in Deutsch dominieren eindeutig gegenüber den anderen Fächern, denn wenn man die Sprache nicht richtig beherrscht, nimmt das auch negativen Einfluss auf die übrigen Fächer.

In Klasse 7 begann der unproblematische  Lateinunterricht.

Mit dem Fach Englisch allerdings konnte ich mich nicht so recht anfreunden und so wählte ich es auch schon mit 13 Jahren wieder ab.

Ganz anders waren meine Erfahrungen mit der altgriechischen Sprache. Dort war ich hoch motiviert, denn so bekam ich den Zugang zu Plato, Sokrates und den anderen großen antiken Philosophen. Ich konnte sonntags nachmittags lesend in der Kuhweide liegen – das war meine Welt!

Einsatz an einer Jesuiten-Highschool in der New Yorker Bronx 

Da es ein Grundanliegen des Herz-Jesu-Ordens ist, sich besonders für die Bildung und Erziehung junger Menschen einzusetzen, unterrichtete Pater Wilmer ab 1997 für ein Jahr an der Jesuiten-Highschool in der New Yorker Bronx Deutsch und Geschichte.

Schulleiter am Gymnasium Leoninum in Handrup

Nach seinem Amerika – Aufenhalt kehrte er 1998 an die Schule ins Emsland zurück, an der er selbst ausgebildet worden war. Dr. Wilmer wird dort im Alter von 37 Jahren Schulleiter des Gymnasiums mit derzeit rund 1000 Schülern und ungefähr 70 Lehrkräften.

Dort erwirbt er sich einen ausgezeichneten Ruf  bei den  Eltern und Schülern aus dem südlichen Emsland und dem angrenzenden Osnabrücker Land.

Viele Ehemalige schwärmen noch heute von den besonderen Aktivitäten, die über den Schulallteg hinausgingen: So eine Pilgerreise der gesamten Schulgemeinschaft nach Santiago de Compostela. Später brach die komplette Schülerschaft mit vielen Eltern im Tross mit einer gewaltigen Busflotte nach Rom auf – dort war gerade das Konklave und der deutsche Papst Benedikt wurde gewählt.

Leiter der deutschen Ordensprovinz 

Nach neun Jahren erfolgreicher Schulleitertätigkeit übernahm Pater Wilmer die Leitung der deutschen Ordensprovinz der Herz-Jesu-Priester mit dem damaligen Sitz in Bonn. Nach einiger Zeit wurde dieser deutsche Hauptsitz nach Neustadt an der Weinstraße verlegt. Dr. Wilmer nannte sich nun Provinzial.

Hier ein Foto zum Provizialat in Neustadt:

 

 

 

„Superiore Generale“ des Herz – Jesu- Ordens in Rom

An Pfingsten 2015 wird Dr. Heiner Wilmer in Rom vom Generalkapitel des Ordens mit goßer Mehrheit zum Generaloberen der Kongregation der Herz-Jesu-Priester  für die Amtszeit von sechs Jahren gewählt.

Damit ist er der „Chef“ über 2300 Patres in 43 Ländern dieser Erde.

Von der plattdeutschen Sprache her kommend spricht der polyglotte Ordensobere Englisch, Französisch, Spanisch, Italienisch – und Deutsch natürlich. Dazu kommen die „alten“ Sprachen Latein, Griechisch und HebräischPortugiesisch versteht Dr. Wilmer weitgehend, eine Messfeier kann er in dieser Sprache (ab)lesen. Er predigt dann allerdings in spanisch.

Was ich in noch mehr Sprachen sagen kann, ist „Bier vom Fass“. Und dann versteht man mich…

Weitere interessante Informationen und Sprachbetrachtungen über Pater Dr. Wilmer auf der nächsten Seite:

 

 

 

https://www.herder.de/autoren/w/heiner-wilmer/

https://www.youtube.com/watch?v=h4xocvJcs38

Foto: Siegfried Wistuba

Talk up Platt – mit einem Ordensoberen in Rom 1

Das Interview wurde natürlich auf Plattdeutsch geführt – hier in der hochdeutschen Übersetzung:

FrageWir befinden uns hier auf einem der höchsten Punkte der Ewigen Stadt Rom . Wie kommt ein Bauernjunge aus dem Emsland als Ordensoberer der Herz-Jesu-Priester so hoch hinauf…

Spontane Antwort: Das wüsste ich gerne auch  –  ausgelassenes Lachen rundum…

 

Frage: Fangen wir bei der Kindheit an: Sie stammen von einem Bauernhof aus Schapen im südlichen Emsland direkt an der Grenze nach Nordrhein- Westfalen. War denn Plattdeutsch Ihre Muttersprache?

Vorschulische Zeit und westfälischer Kindergarten

cof

Ja nur. Ich bin als Kind ausschließlich in einer plattdeutschen Umgebung groß geworden. Meine erste Begegnung mit dem Hochdeutschen war in Westfalen. Da es in meinem Heimatort noch keinen Kindergarten gab, schickten meine Eltern mich in den Kindergarten nach Hopsten, nur fünf Kilometer von unserem Dorf entfernt.“

Die Kinder in unserer Verwandtschaft – etwa bei Schartmanns in Beesten – wurden schon Hochdeutsch erzogen. Aber bei uns sprachen die Eltern weiterhin ausschließlich Plattdeutsch. Das hält bis heute, ich spreche mit meinen Geschwistern nur die angestammte Mundart. Das wird auch so bleiben und ich bedauere diese Sprachentwicklung auf keinen Fall.

Grundschulbesuch

Bei uns zu Hause war ich ja das älteste der Kinder. An sich war ich schon in der Spur, um Bauer zu werden und so verschränkte ich stolz meine Arme, wenn mich jemand nach meinem Berufswunsch fragte und ich erwiderte „Buur“. Das war also klar und zwar so klar, dass ich mir schon im Grundschulalter in Vorübung auf die späteren Lehrjahre ein kleines Heftchen von Raiffeisen besorgte. Ich bin dann schon mal angefangen, mit Fleiß kleinste Tagesberichte zu schreiben

  • Heute ist das Pferd beim Hengst gewesen.
  • Die Kuh Meta hat heute gekalbt.
  • Wir haben wieder den Acker gepflügt.
  • Papa ist weg.
  • Kaninchen beim Bock gewesen wir warten auf Junge…   Diese Aufzeichnung besitze ich heute noch. Im Hinterkopf hatte ich schon damals: Du musst die Prüfung zum Landwirt bestehen.

 

Gymnasiale Zeit am Leoninum in Handrup

Allerdings gab es in Handrup am Gymnasium in der Anfangszeit Schwierigkeiten mit dem Dativ und dem Akkusativ. Da stand der Deutschlehrer Herr Stuckenberg  – ein ganz besonderer Haudegen und lieber Kerl – vor mir und sagte: „Heinrich, das heißt: Gib mir die Butter und nicht gib mich die Butter!“ Er hat mir irgendetwas erzählt von Grammatik und Regeln. Aber ich konnte es nicht begreifen, denn auf Platt heißt es: „Do mi de Botter!“ Ich weiß noch heute, dass er sagte: „Das musst du doch fühlen!“ Ich habe nichts gesagt, das war meine erste diplomatische Handlung, bei mir selbst war allerdings klar ….ich fühle überhaupt nichts…

 

 

http://Von Schularchiv – Selbst fotografiert (Originaltext: selbst fotografiert), Gemeinfrei, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=19749318

Zu Besuch bei Pater Dr. Wilmer in Rom

Die weltweite Ordensverwaltung der Herz-Jesu-Priester befindet sich auf einem sehr hohen Hügel in der Nähe des Vatikans, mit bester Aussicht auf die Peterskirche und die gesamte Gegend zum Tiber und zur Innenstadt.

Das imposante Gebäude ist damit eines der am höchsten gelegenen Bauwerke in Rom.

Es beherbergt in der einen Hälfte das Hotel Villa Aurelia, das um einen modernen Glastrakt erweitert wurde. Im hinteren Teilbereich  befindet sich die CASA GENERALIZIA scj, die Ordensverwaltung.

Das ist auch der Wohnsitz von Pater Dr. Heiner Wilmer.

 

Interview folgt!

Fotos Archiv Skibicki

Dr. Heiner Wilmer wird neuer Bischof von Hildesheim

Er wäre sicherlich kein Heuerling geworden, da er als Ältester einer Landwirtschaft in Schapen (südl. Emsland) das Hoferbe hätte antreten können. Außerdem ist er für das Heuerlingswesen „zu spät“ geboren…

… aber er spricht platt – das ist seine Muttersprache, darin ist er (wie alle Heuerleute durchweg) aufgewachsen.

Heiner Wilmer hat aber, wie etliche Bauernsöhne vor ihm, den Priesterdienst erwählt. Dieser Berufsweg war den allermeisten Heuerlingssöhnen verwehrt.

Zurzeit lebt und arbeitet er noch in Rom als Ordensoberer der Herz – Jesu – Priester SCJ weltweit.

Doch nun wurde Dr. Heiner Wilmer vom Papst zum Bischof von Hildesheim ernannt.

Besuch in Rom

Im letzten Oktober (2017) durften Martin Skibicki als Fotograf und ich Dr. Heiner Wilmer in der Ordenszentrale in Rom besuchen und ein Video – Interview mit ihm führen zum Thema „Plattdeutsch“ – natürlich up platt….

Hier ein Bericht darüber:

Pater Dr. Heiner Wilmer SCJ

Wer als Ordensoberer von Rom aus täglich in 6 verschiedenen Sprachen mit seinen Glaubensbrüdern in der ganzen Welt kommunizieren kann, der ist sicherlich auch ganz besonders prädestiniert, der plattdeutschen Sprache ganz tief in die Seele zu schauen…

Heiner Wilmer wurde April 1961  im südlichen Emsland geboren. Er wuchs auf dem elterlichen Bauernhof auf. Nach der Grundschule in seinem Heimatort Schapen besuchte er das Leoninum in Handrup, ein Gymnasium in Trägerschaft der Herz-Jesu-Priester. Dort legte er 1980 das Abitur ab, danach trat er in den Orden im Herz-Jesu-Kloster Freiburg ein, wo er Theologie studierte. Daran schloss sich ein Romanistik – Studium in Paris an . Nach der Priesterweihe ging er nach Rom an die Päpstliche Universität Gregoriana, um dort französische Philosophie zu studieren. 1991 erlangte Heiner Wilmer in Freiburg die Doktorwürde in der Theologie.

Anschließend studierte er in Freiburg das Fach Geschichte auf Lehramt. Ab 1997 war er für ein Jahr in der USA, wo er an der Jesuiten-Highschool in der New Yorker Bronx Geschichte und Deutsch  unterrichtete. Zurück in Deutschland wurde er Schulleiter des Ordensgymnasiums in Handrup. Danach berief man Dr. Wilmer zum Provinzial der deutschen Ordensprovinz der Herz-Jesu-Priester nach Bonn.

Seit 2015 ist Pater Dr. Heiner Wilmer der  zehnte Generalobere der Kongregation der Herz-Jesu-Priester in Rom.

Aktuelle Meldungen zur Berufung zum Bischof hier direkt aus Hildesheim:

https://www.bistum-hildesheim.de/bistum/bischoefe/pater-dr-heiner-wilmer/

Das Interview folgt…

Foto: Archiv SCJ

Domkapitular Heinrich Hanneken als Weichensteller für ein neues Denken auch in der Landwirtschaft

Zum Tode von Domkapitular Heinrich Hanneken, der am 1. Ostertag 2018 in Osnabrück verstarb.

https://bistum-osnabrueck.de/domkapitular-heinrich-hanneken-gestorben/

Besuch bei ihm Mitte Dezember 2017 in Osnabrück – eingeladen zu einem vorbereiteten Video – Interview zum Thema: Schwund der plattdeutschen Sprache

Dieses Treffen dauerte fast drei Stunden und wichtige Passagen sind aufgezeichnet. Die nachfolgende hochdeutsche Übersetzung von Kernaussagen wurde von ihm persönlich Anfang Februar über sein Büro autorisiert.

Domkapitular Heinrich Hanneken

Kindheit in Esterwegen

In meinem Elternhaus im Hümmling, Gemeinde Esterwegen, sprach man selbstverständlich Plattdeutsch. Mein Vater hatte dort eine Manufaktur und Kolonialwarenhandlung eröffnet. Meine Mutter stammte aus Aschendorf und sprach selbstverständlich auch Platt. Sie empfand das Platt in Esterwegen weniger schön. Am Beispiel „Milch“ lässt sich das erklären: Während es in Aschendorf „Melk“ ausgesprochen wurde, war der Esterwegen Ausdruck „Maalek“, also viel breiter. Sie wollte deshalb bei uns Kindern nur ihre eigene Muttersprache anwenden und durchsetzen. Das war aber nicht in meinem Sinn.

Gymnasialzeit in Meppen von 1943 bis 1951.

Mit 12 Jahren wechselte ich von der Volksschule Esterwegen an die staatliche Oberschule in Meppen und wohnte im Bischöflichen Konvikt. Schön war es, dass es dort einige Mitschüler gab, mit denen ich mich in plattdeutscher Sprache unterhalten konnte.

 

Theologiestudium

 

Priesterweihe am 22.12.1956 im Dom zu Osnabrück

Kaplan in Hamburg für 8 Jahre

Als ich als junger Geistlicher nach Hamburg kam, war ich nicht mehr in einer vorwiegend plattdeutschen Welt. Ich bin aber bald in das Team der Autoren der plattdeutschen Morgenandachten aufgenommen worden. Nach geraumer Zeit wurde mir sogar aufgetragen, die Entwürfe der anderen Autoren der katholischen plattdeutschen Morgenandachten sozusagen zu autorisieren. Das hat durchaus nicht bei allen Vortragenden Zustimmung ausgelöst.

Geistlicher Rektor an der Landvolkhochschule in Oesede ab 1964

 

Meine Zeit als Geistlicher Rektor in der Landvolkhochschule war gepaart mit einer Ära der geistigen und geistlichen Aufbruchstimmung in der Welt, in der Kirche, auch im Bistum Osnabrück. Die jungen Menschen des Landes (aus der Landwirtschaft – Anm. B. Robben), die hier ihr theoretisches Rüstzeug für ihre berufliche Tätigkeit bekamen, sprachen in der sonstigen Tageszeit durchweg plattdeutsch miteinander. Ja, ich mag sagen: Ihr Denken und Handeln war durchweg geprägt von der plattdeutschen Lebensart.

Gerade in diesen Jahren kam es zu großen Veränderungen auch im ländlich und landwirtschaftlich geprägten Raum unseres Bistums. Grund war auch die enorme wirtschaftliche und technische Weiterentwicklung als Folge des Wirtschaftswunders, das ja direkt auf den Höfen ankam und entsprechend umgesetzt und verarbeitet werden musste. Und genau in diesem Zeitraum des geistigen Aufbruchs kam es zum 2. Vatikanischen Konzil in der Kirche. Ich habe als Theologe damals in diesen Gemeinden des Bistums in Vorträgen die Neuerungen in der Lebenswelt und besonders der Jugend des Landvolkes bedacht. Ich spreche gern von Pionierleistungen, die durchaus nicht einfach waren. Ich erlebte aber eine enorme Nachfrage nach Vorträgen zu diesem Thema.

Die Schwerpunkte meiner Themen waren u. a.: Die veränderte Bedeutung des Bußsakramentes im christlichen Leben. Dabei wurden meine Referate durchaus auch kritisch begleitet. Und auch auf dem Lande gewannen so nach und nach die hochdeutsche Lebensart und Lebensdeutung Raum. Die Zusammenlegung der Gemeinden auf kommunaler Ebene mit immer größer werdenden Verwaltungen führte dazu, dass auf dieser Ebene immer mehr hochdeutsch statt plattdeutsch gesprochen wurde. Dass Bischof Helmut Hermann mich in das Domkapitel berief, war nicht nur für mich, sondern auch für viele andere eine Überraschung.

Pfarrer in Freren von 1972 — 1976

Als Pfarrer dieser Emslandgemeinde habe ich in der Regel hochdeutsch mit den Menschen gesprochen. Dabei habe ich durchweg den Eindruck gehabt, dass dieses auch von Dorfpfarrer erwartet wurde. Doch wusste ich auch, dass gerade ältere Menschen dankbar waren, wenn ich als Pastor mich mit ihnen plattdeutsch unterhielt.

Domkapitular in Osnabrück

Das Plattdeutsche war für mich in Freren im Pfarrhaus die tägliche Umgangssprache, weil meine Schwester von dieser Zeit an über viele Jahre unseren Haushalt führte. Wir wären uns fremd gewesen, wenn wir nicht platt miteinander gesprochen hätten. Selbstverständlich wird bei Verwandten und Bekannten plattdeutsch gesprochen. Allerdings muss ich auch gestehen, dass die nachfolgende Generation in meiner Verwandtschaft diese Sprache leider nicht mehr gelernt hat. Dadurch wird unsere angestammte Heimat kulturell ohne Zweifel ärmer.

Moorflächen für die Besiedlung

Von 1971 bis 1989 war Gerhard Hugenberg Geschäftsführer der Emsland-GmbH.

Der Emslandplan – so erklärt G. Hugenberg in diesem Videogespräch auch – habe dafür gesorgt, dass diese Region im Nordwesten  Deutschlands ein ganz neues Gesicht bekommen habe. Die jungen Menschen erhielten neben der Schaffung von Siedlerstellen im kultivierten Moor auch andere Arbeitsmöglichkeiten. Aus der Erkenntnis heraus, dass Industrienationen mit wenig Rohstoffen auf ihre Kreativität angewiesen seien, habe sich die Emsland-GmbH bemüht, Einrichtungen der Forschung und Entwicklung in das Emsland zu holen.

So war es Hugenberg, der die Versuchsanlage für die Magnetschwebebahn Transrapid im Emsland ansiedelte.

Dieses Interview wurde 2015 in Meppen aufgenommen.