Leon Holling schreibt Jahresarbeit über das Heuerlingswesen

In einer Jahresarbeit in Klasse 11 entschied sich Leon für das Fach Geschichte. Dabei beschäftigte er sich mit der Historie seines elterlichen Hofes. Als Schwerpunktthema wählte er das Heuerlingswesen. Für seinen Geschichtslehrer und seine Klassenkameraden war diese Thematik eher unbekannt und so war er bei der Erarbeitung weitgehend auf sich allein gestellt.

 

Der Student Leon Holling als besonderer Zeitzeuge

Leon Holling ist schon aufgrund seines Alters ein ganz besonderer Zeitzeuge.

Dieser junge Mann studiert zurzeit in Hannover. Er ist auf einem Bauernhof im Süden des Emslandes (Schapen) an der Grenze zu Nordrhein-Westfalen aufgewachsen. Zu diesem landwirtschaftlichen Betrieb gehörten früher drei Heuerhäuser.

Mit seinem Großvater besuchte er immer wieder eine ehemalige Heuerlingsfamilie, die in direkter Nachbarschaft zum Hof lebt. Im Video – Interview schildert er diese Begegnungen.

In der Oberstufe seiner gymnasialen Zeit schreibt er auf eigenen Wunsch eine Studienarbeit dazu. Darüber in der Nachfolge mehr…

In diesem ersten Videobeitrag stellt Leon Holling sich und seine Kindheit vor

 

 

 Die Siedlung emsländischer Heuerleute ab 1928 im Osten

Das Leben der ausgewanderten emsländischen Heuerleute im deutschen Osten (1930)

 Lengerich i.H. (Ostsiedler und Heimatscholle). Im Jahre 1928 verließen 13 emsländische Heuerleutefamilien ihre alte Heimat im Kreise Lingen und Meppen, um eine neue Heimat im Osten zu suchen und auf der Siedlung Giesenbrügge zu finden. Ihnen folgten durch die Siedlungsgenossenschaft „Emsland“ im Herbst 1929 elf Familien nach einer Nachbarsiedlung Schönow (Kr. Pyritz) in Pommern und zwei Familien nach Tempelhof. Der Wunsch, eine eigene Scholle zu beackern, eine Heimat auf eigenem Grund und Boden zu finden, trieb diese Siedler aus ihrer alten Heimat, wo sich ihnen eine solche Möglichkeit nicht bot. Die Giesenbrügger Siedler haben sich inzwischen in ihrer neuen Heimat eingelebt; sie begründeten eine neue Dorfgemeinschaft innerhalb des alten Gutsbezirkes. Alle Siedler, Emsländer, Oldenburger und Westfalen, bindet dieselbe Stammesangehörigkeit, die beste Voraussetzung für ein gutes Zusammenleben. Das wirtschaftliche Vorankommen erleichtert die Verwurzelung in der neuen Heimat, in die die Einwanderer ihre alten Sitten und Gebräuche mit hineingenommen haben. Schon die westdeutsche Bauart der Gebäude mit breiten behäbigen Dächern mutet heimatlich an, wie die westdeutsche Mundart, die man von flachsköpfigen Jungen und Mädchen im pommerischen Dorfe hört. Vieh und Haustiere sind mit hinübergenommen und im Hausrat fehlt in den schmucken hellen Wohnungen weder das „Stövken“ noch die alten Truhen und Schränke. Auf dem Tisch stehen die emsländischen „Beschüte“ und das westdeutsche Schwarzbrot, da die Bäcker sich auf die „emsländischen“ Bedürfnisse eingestellt haben. Auch das beliebte Schützenfest wird dort nicht vergessen. Im Siedlerwalde von Giesenbrügge wurde ein Schießstand errichtet und auf dem Schützenplatz bereits „Sr. Majestät I.“ gekrönt. Trotz der allmählich immer stärkeren Verwurzelung in der neuen Heimat wird von den Siedlern die alte nicht vergessen. Mit ihren Kollegen hier stehen die meisten Siedler in Briefwechsel; einige der Giesenbrügger haben bereits ihre früheren Dörfer besuchsweise aufgesucht. Vereinzelt geht auch Besuch und Arbeitshilfe dorthin, so daß das Band zwischen West und Ost sich nicht lockert. Auch ihre Heimatzeitung das „Fr. Volksblatt“ ist denen, die aus hiesiger Gegend stammen, nachgefolgt und gibt ihnen Kunde vom Stand der Heimat.

Quelle: Frerener Volksblatt Nr. 19 vom 12.02.1930.

Nicht nur Bismarck – auch Heuerlingskinder hatten guten Geschmack

 

Vor den großen Flurbereinigungsverfahren waren auf den feuchteren Wiesen schon kurz nach Frühlingsbeginn in jeder Bauerschaft Hunderte von Kiebitzen eingetroffen. Schon bald begannen sie, sich einen Nistplatz zu bauen und Eier zu legen.

Das war die Zeit für die Heuerlingskinder, sich mit dieser besonderen Leckerei einzudecken.

Kiebitzeier waren aber auch bei den Vornehmen und Reichen sehr begehrt.

Hier ein Beispiel dafür, dass sich Verehrer des Reichskanzlers Bismarck aus der Stadt Jever schon 1871 berufen fühlten, diesen in weiten Teilen hoch angesehenen Politiker und Staatsmann Kiebitzeier aus Ostfriesland nach Berlin zu verschicken.

https://www.nwzonline.de/friesland/kultur/besondere-huldigung-kiebitzeier-aus-jever_a_22,0,2402970473.html

Der Geburtstag des Reichskanzlers, der gutes Essen und Getränke liebte, veranlasste auch den Stammtisch, seine Achtung vor Bismarck zu bekunden. Weil der Kanzler gerne Kiebitzeier aß, sandte der Stammtisch ihm erstmals zum Geburtstag am 1. April 1871 genau 101 Kiebitzeier. Das war die Geburtsstunde der „Getreuen von Jever“.

https://www.nwzonline.de/friesland/kultur/besondere-huldigung-kiebitzeier-aus-jever_a_22,0,2402970473.html

Die ersten beiden Sendungen mit Kiebitzeiern an Bismarck 1871 und 1872 waren noch einfach mit „Aus Jever“ adressiert. 1873 hieß es auf dem Glückwunschbrief „Von den Getreuen in Jever“. Bismarck selbst bedankte sich für das regelmäßige Geburtstagsgeschenk mit einem Pokal, den er 1883 von einem Juwelier in Berlin anfertigen ließ. Das eiförmige Gefäß aus Silber, innen vergoldet, fasst einen Liter Wein und besitzt einen Deckel in Gestalt eines Kiebitzkopfes.

Fotos aus Wikimedia:https://de.wikipedia.org/wiki/Otto_von_Bismarck#/media/File:Otto%2Bvon%2Bbismarck.jpg
https://de.wikipedia.org/wiki/Kiebitz_(Art)#/media/File:Northern-Lapwing-Vanellus-vanellus_crop.jpg

Bauernhof früher – heute

So war es im deutschen Nordwesten über fast 400 Jahre „normal“:

Ein Bauerhof gab einer oder sogar mehreren Familien ohne Landbesitz eine Heuerstelle und damit eine Existenz. Dafür konnte der Bauer Pacht und Mithilfe verlangen.

Dann kam mit dem „Wirtschaftswunder“ in fünfziger Jahren die totale Veränderung auch in der Landwirtschaft: Wachsen oder weichen war die Devise!

Hier ein Beispiel, was aus Wachsen geworden ist.

Auf solche Anlagen bin ich bei meinen Recherchen und Vortragsreisen immer wieder gestoßen:

Rechnen wir mal:

Jede dieser 9 Stallanlagen fasst in einem Stalldurchgang (ca. 30 Tage) 40.000 Hähnchen, das sind zusammen 360.000 Tiere.

Bei durchschnittlich 8 Durchgängen im Jahr können hier 2.880.000 Hähnchen produziert werden.

Vortrag in Leeden – Heimat von Rudolf Dunkmann

 

In Leeden hat Rudolf Dunkmann lange Jahre als Heuermann gelebt, bis er sich ein eigenes Haus bauen konnte.

Wie wohl kein zweiter Heuerling hat er ausführlich, authentisch und ehrlich – in Zusammenarbeit mit Prof. Dr. Dietmar Sauermann – in Buchform über das Heuerlingswesen berichtet.

Vor diesem Hintergrund war der Vortrag in Leeden ein wichtiger Baustein in dem Bemühen, das Heuerlingswesen zu dokumentieren.

Hier eine Pressenachlese

in: Westfälische Nachrichten am 20. 03. 2018

in: Wir in Lengerich am 07. 03. 2018

Im Gedenken an Constantin Freiherr Heereman von Zuydtwyck

In insgesamt vier persönlichen Begegnungen konnten in Gesprächen mit Constantin Freiherr Heereman insbesondere die wirtschaftlichen Verhältnisse der Heuerleute direkt beim Landadel in Nordwestdeutschland detailliert beschrieben werden. Dabei stellte sich recht deutlich heraus, dass diese Heuerlinge in der Mehrzahl bessere  Lebensbedingungen vorfanden  als die Heuerleute bei den vermietenden Bauern.

Foto: Archiv Surenburg

Der Baron war von der Aufarbeitung dieser Thematik sehr angetan. So nahm er spontan die Einladung zur Buchvorstellung in Emsbüren an, die gerade durch seine Beiträge zu einem ganz besonderen Ereignis wurde.

Hier im Heimathof Emsbüren war er eindeutig der „Stargast“. Die anwesenden Gäste waren sich einig – und das erzählt man sich noch heute: Der Baron hat den Orden Wider den tierischen Ernst wirklich verdient.

Einen Teil der gemeinsamen Gespräche auf der Surenburg wurden aufgenommen. Das sind heute sicherlich wichtige Zeitzeugnisse in Hinsicht auf das Heuerlingswesen, auf die Landwirtschaftspolitik und auch für die deutsche und europäische Politik zur Zeit der Schaffensjahre von Baron Heereman.

Hier nun ein Beweis für seine besondere Art:

Untere Fotos: Archiv Robben

Prof. Dr. med. Gerhard Pott (Nordhorn) – Vorfahren waren Heuerleute

 

 

 

Curriculum 

Prof. Dr. med. Gerhard Pott, MA(phil), eh. leitender Arzt der Euregio – Klinik(Marienkrankenhaus) Nordhorn.

Lehrbücher zur gastroenterologischen Endoskopie, Ethik am Lebensende und Palliativmedizin.

Gehörte 2005 zu den ersten Palliativärzten in Niedersachsen.

2009 Ehrenplakette der Ärztekammer Niedersachsen.

Nach seiner Pensionierung:

  • Ethik – Seminar Kloster Frenswegen (www.kloster-frenswegen),
  • Praxis- und Beiratstätigkeiten, u.a. für die Leitlinie Palliativmedizin
  • und Vorlesungen zur Palliativmedizin  und medizinischen Ethik.

 

Hier engagiert sich Herr Pott im Forum Ethik besonders:

https://www.kloster-frenswegen.de/Programm/Forum Ethik/Seid solidarisch