Im Emsland ab 1950 – eigene Höfe auch für Heuerleute

Das Emsland und Teile der umliegenden Kreise Cloppenburg und Vechta galten  als das “Armenhaus Deutschlands“ mit ihren weiten Moor- und Heidegebieten.

Es hatte zwar vom Ende des 17. Jahrhunderts bis in die Weimarer Republik immer wieder Entwicklungsversuche gegeben, die aber durchweg – im Gegensatz zu den Niederlanden – scheiterten, weil sie Stückwerk blieben.

Auch die Bemühungen der Nazis mit den Emslandlagern blieben im Ansatz stecken.

Erst nach dem Zweiten Weltkriegs ging man daran, die Rückständigkeit des Emslandes und der angrenzenden Gebiete zu beseitigen. So verabschiedete der Bundestag im Mai 1950  den Antrag zur Erschließung der Ödländereien des Emslandes.

In einem ersten Abschnitt bis etwa 1965 wurde die Verbesserung der Landwirtschaft in Angriff genommen.  Die Kultivierung von Ödland und Moor brachte eine Vergrößerung der nutzbaren Flächen und verbesserte Landbaumethoden steigerten deutlich die Erträge. Auch  die Verbesserung der Entwässerung und der Ausbau von Elektrizität und Verkehrswesen ermöglichten es, neue Dörfer anzulegen und rund 1.250 Neusiedlerhöfe sowie etwa 5.000 Nebenerwerbsstellen entstehen zu lassen.

Hier fanden viele ehemalige Heuerleute nun endlich einen eigenen Hof.

Bei diesen Umsetzungen hat sich Johann-Dietrich Lauenstein (1893–1973) einem Namen erworben.

Illus-dpd Ein deutscher Riesenpflug
Unser Bild zeigt den grossen von Wilhelm Ottomeyer aus Alexisdorf im Emsland konstruierten Kuhlpflug, der den Erdboden bis zu einer Tiefe von 1,20 m umpflügt.
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 https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=5368534

„Fiscke Karl“ brauchte kein Heuerling zu sein

Auch wenn etliche Heuerleute in Flussnähe zur Ems sich durch gelegentlichen Fischfang Abwechslung auf den Tisch holten, eine Konkurrenz für den Flussfischer Schomaker waren sie sicherlich nicht…

Eigentlich heißt er Karl Schomaker gnt. Löbker, aber emsauf und emsab – von Rheine bis Aschendorf und Papenburg – nennen ihn die Leute Fiscke Karl, weil er sein ganzes Leben lang hindurch bis in sein hohes Alter hinein Emsfischer von Beruf gewesen ist. Fiscke Karls Leben hat sich von seinen ersten Tagen an auf und an der Ems abgespielt. In Sinningen bei Emsdetten ist er im Jahre 1864 zur Welt gekommen, wo sein Vater eine Emsfähre von Emsdetten nach Saerbeck betrieben hat. So lernte er die Ems schon in frühester Jugend kennen und wurde ein leidenschaftlicher Fischer, sodass er die Ems – Fischerei zu seinem Lebensberuf erwählte. Mit 21 Jahren siedelte er nach Listrup über.

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Auf Plattdeutsch berichtet Emsfischer Schomaker:

 

Damals war die Stadtbevölkerung noch nicht in Listrup, da war für uns Fischer noch was zu machen. 35 Jahre habe ich Woche für Woche – bis der große Krieg zu Ende ging – mit meinen Emsfischen in Münster am kleinen Kiepenkerl gestanden und auch an die großen Hotels in Münster und in Rheine meine leckeren Fische verkauft. Ja damals war an der Fischerei noch was zu verdienen. Aber seitdem die der Fischsport aufgekommen ist und die Fischer aus Rheine mit ihrem Angelstöcken am Wasser stehen, seitdem ist das mit der Fischerei für uns vorbei. Ich habe mit dem Fische fangen meine Frau und sieben Kinder recht und schlecht durchs Leben gebracht und habe mir sogar einen kleinen Kotten erworben.

Auf die Frage, welches  der größte Fisch war antwortet er:

Das war ein Hecht, dieses Tier wog über 25 Pfund und ich habe es in einem Zugnetz bei Meppen gefangen. Am  selben Tag habe ich dann noch einen Hecht aus dem Wasser gezogen und den hat mir ein Hotel in Münster abgekauft – viel zu billig, das muss ich heute sagen. Gefangen habe ich alle Fische, die in der Ems schwimmen: Hechte, Barsche, Aale Schleien, Rotaugen und wie die Fische alle heißen. Und was sind die schönsten Fische?  Die schönsten Fische für mich sind allzeit diejenigen, die mir ins Netz gehen. Da habe ich einmal 1500 Pfund im Zugnetz gefangen, das war eine schöne Zeit. Aber jetzt geht das mit der Fischerei nicht mehr und das kann man mir glauben: Wenn man in seinem ganzen Leben bei Wind und Wetter bei Tag und Nacht, im Frühjahr, im Sommer, im Herbst und im Winter auf dem Wasser ist und auch mal in die Ems fällt, wenn man von außen und von innen nass ist, dann bleibt auch beim stärksten Mann was in den Knochen hängen. Heute habe ich Schmerzen in den Armen und Beinen und mir fällt das Gehen schwer. Die schöne Fischer Zeit habe ich gehabt und nun sitze ich hier steif und still in meiner Kammer.

Archiv Hubert Hölscher Emsbüren

Vortrag vor Hausforschern auf dem Hof Feye

Vom 16. bis 18. März fand eine Hausforschertagung-Tagung in Gersten (Emsland) statt.

Das Thema: Fenster

Dr. Dietrich Maschmeyer (links)

von der Ems -Vechte – Stiftung hatte auf den Hof Feye eingeladen.

 

 

 

 

Über 100 interessierte Fachleute nahmen an der Tagung teil. Auf einem Rundgang nach dem Empfang wurden Höfe und Heuerhäuser in der Bauerschaft Gersten vorgestellt.

Am Abend stand dieses Referat im Mittelpunkt:

 

 

 

Fazit der sich anschließenden Diskussion:

mde

Das Heuerlingswesen und insbesondere die Heuerhäusern sollen demnächst ein Schwerpunktthema sein.

https://igbauernhaus.de/und-sonst/links/kategorie/36.html

Fotos: Archiv Robben

 

Heuerjunge Fiet in der Wesermarsch

Ein beispielhaftes Grundschulprojekt in der kindgerechten Dokumentation des Heuerlingswesens aus der Sicht der 8 – 10jährigen Heranwachsenden.

Dazu folgen noch beeindruckende Textbeispiele.

Dieses Projekt sollte „Schule machen“….

 

 

 

 

Franz Vehn (Klosterholte) Butze

Die Familie Vehn lebte in einem Doppelheuerhaus. Dabei war die andere Hälfte schon nicht mehr bewohnt und verfiel zusehends.

Franz schlief mit seinem Bruder noch in einer Butze, einer Art Schrankbett. Diese Schlafstätten waren sehr ungesund, sie galten als Brutstätten für die sehr gefährliche Schwindsucht (Tuberkulose).

Leo Metten (Bawinkel)

Die Familie Metten war in der Heuer bei Altmanns, die selbst keinen Bauernhof bewirtschafteten. Von daher hatten sie kaum Dienste zu leisten. Sowohl Leos Vater als später auch er selbst waren bei der örtlichen Schweineverwertung angestellt.

Franz Schulten

Neben zwei weiteren Heuerlingsfamilien waren auch die Schultens beim Bauern Linger in der Heuer.

Sie hatten vergleichsweise viel Pachtland und konnten sich sogar ein Pferd halten.

Heinz Overberg (Clusorth – Bramhar) 1

Seine Familie war beim Bauern Wübbels in der Heuer. H. Overberg kann nur Gutes berichten, sowohl über Umgang miteinander als auch von der Versorgung mit Ackerland: Sie hatten sogar gutes Eschland als Pachtfläche zur Verfügung. Das kam nur ganz selten vor.