Die besitzlose Landbevölkerung im deutschsprachigen Raum

Ein Anschlussprojekt zum  Buch Wenn der Bauer pfeift, müssen die Heuerleute kommen!

mit dem angedachten  (zunächst vorläufigen) Titel:

 

                                              Lieber ein Kind  verlieren als eine Kuh!

                                               Vom harten Leben unserer Vorfahren

(Eines von mehreren Belegbeispielen: Von oftmals geringer Wertschätzung auch der ehelichen Kinder zeugt die aus dem Landgericht Mitterfels überlieferte Aussage „… der Bauer sehe lieber sein Kind als sein Kalb zugrunde ge­hen“ in Niederbayrisches Landwirtschaftsmuseum, Zürich 1992, Seite 41

 

Ausgangslage:

Über 20 Jahre habe ich am Thema „Heuerleute in Nordwestdeutschland“ gearbeitet und dazu im November 2014 das Buch

                         Wenn der Bauer pfeift, dann müssen die Heuerleute kommen!

mit Dr. Helmut Lensing auf den Markt gebracht, das nun in der 10. Auflage ausverkauft ist.

Hier hat sich deutlich gezeigt: Ein bedeutender  Bevölkerungsanteil hat seine Wurzeln in der Landwirtschaft.

 

Vergleich mit anderen Regionen

Nach dem enorm hohen Interesse am bisherigen Tabuthema Heuerlingswesen habe ich „über den Tellerrand“ geschaut: Wie war die Lage der besitzlosen Landbevölkerung in anderen Teilen des deutschsprachigen Raumes?

Aus der breiten Untersuchung des Heuerlingswesens mit einer entsprechend umfangreich gesammelten Fachliteratur haben wir ja nun offenbar ein passendes Fundament für Nordwestdeutschland geschaffen, um Vergleiche mit anderen deutschsprachigen Regionen anzustellen.

 

Ein völlig überraschendes vorläufiges Ergebnis

Das Heuerlingswesen war offensichtlich – bei allen negativen Begleiterscheinungen – die beste Sozialisationsform für die Besitzlosen auf dem Lande, die bis etwa 1900 in vielen Orten die größte Bevölkerungsgruppe stellte.

Die abgehenden nordwestdeutschen Bauern- und Heuerleutekinder konnten mehrheitlich schon früh  in den letzten Jahrhunderten jeweils heiraten, weil insbesondere durch den Hollandgang  (saisonale Wanderarbeit) Geld „auf den Tisch“ kam.

 

Elementarer Unterschied

Das war das entscheidende Kriterium für die offensichtlich bessere Lage der Heuerleute im Vergleich zur besitzlosen ländlichen Bevölkerung in anderen Teilen Deutschlands, der Schweiz und Österreichs, wo in bestimmten Regionen bis zu 25 Prozent der heiratswilligen Knechte und Mägde keine Heiratsgenehmigung bekamen.

Zunächst habe ich in Ostfriesland Ausschau gehalten und dort mit älteren Gewährsleuten gesprochen. Dabei musste ich erstaunt zur Kenntnis nehmen, dass hier die Landarbeiter ein deutlich schlechteres Los als die Heuerleute zu ertragen hatten. Ähnlich war die damalige Situation in der Lüneburger Heide.

 

Bisher vernachlässigter Vergleich: Industriearbeiter – Landarbeiter

Ich habe dann versucht, entsprechende Literatur über diese Bevölkerungsgruppe zu erhalten. Dabei musste ich feststellen, dass im Vergleich zu den Berichten und Untersuchungen über die damaligen abhängig Beschäftigten in der Industrie insbesondere durch die beiden schreibgewaltigen Sozialkritiker Friedrich Engels und Karl Marx mit einer enormen Sekundärliteratur die gleichfalls sehr armen ländlichen Unterschichten verhältnismäßig wenig Aufmerksamkeit in der Wissenschaft gefunden haben.

 

Ein „schwarzes Loch“ in der deutschen Geschichtsschreibung

Das wird auch von etlichen Fachwissenschaftlern selbstkritisch so gesehen. Vor diesem Hintergrund ist bemerkenswert, dass Armut und ihre Bekämpfung in ländlichen Regionen bisher nur begrenzt die Aufmerksamkeit der Geschichtswissenschaften gefunden haben.

http://www.uni-bielefeld.de/geschichte/ak_agrargeschichte/letter/nl23www.pdf  (Stand 15. Mai 2016)

 

An anderer Stelle heißt es 1997 beispielhaft auf dem Umschlagtext zu dem Buch „Mägde – Knechte – Landarbeiter. Arbeitskräfte in der Landwirtschaft Süddeutschlands“: Über die Arbeits – und Lebensbedingungen der ländlichen Unterschicht, der Mägde, Knechte und Landarbeiter ist noch immer wenig bekannt. Dabei gab es Dienstboten früher in jedem Dorf.

 

 

Vergleichende Recherchen im deutschsprachigen Bereich

Nun bin ich seit zwei Jahren in verschiedenen Teilen Deutschlands unterwegs und interviewe ältere Menschen aus dem landwirtschaftlichen oder ländlichen Umfeld und schaue mir die Bauern(hof)museen der jeweiligen Regionen an.

Dabei erfahre ich ebenfalls  Erstaunliches: Von Schleswig-Holstein über die deutschen Ostgebiete („Ostelbien“) bis hin nach Nieder- und Oberbayern waren die Knechte, Mägde und Tagelöhner zumeist in einer solch schlechten Anstellung bei den Bauern oder Gutsherrn, dass sie finanziell nicht in der Lage waren zu heiraten.

So ist insbesondere aus den Kirchenbüchern nachzuweisen, dass in diesen Gegenden bis zu 25 Prozent der Kinder von ledigen Mägden stammten. Häufig wurden die jungen unverheirateten Frauen aus dem Dienst geworfen oder sie mussten ihr Kind in fremde Hände geben. Dafür hatten sie allerdings zu zahlen, wobei nicht selten die Höhe der Abgaben dafür ziemlich genau den Einnahmen entsprach, die sie als Magd als Monatslohn für ihre Arbeit erhielten. Sie waren also in einer aussichtslosen Situation.

 

Österrreich: Das traurige Los der Schwabenkinder

Auch aus Österreich wird in mehreren Biografien die Lage auf dem Lande so beschrieben wie oben in süddeutschen Regionen. Ein erschreckender Beweis dafür ist die Geschichte der „Schwabenkinder“, die alljährlich nach einem langen Anmarsch aus verschieden Teilen des Alpenraumes auf den „Märkten“ in Oberschwaben (Schwerpunkt Ravensburg) wie beim  Sklavenhandel unter den Bauern verschachert wurden als Billigstarbeitskräfte. Da jedoch die Not in der Heimat so groß war, konnten diese 7 bis 14jährigen Kinderarbeiter in Schwaben wenigstens satt werden. Dabei versäumten sie in den Sommermonaten die Schule…

 

Der Film und das gleichnamige Buch von Elmar Bereuter  hat ein Millionenpublikum erreicht.

https://www.youtube.com/watch?v=0IPMZoQOJBQ

 

Das Verdingwesen belastet die Schweiz bis heute

In der Schweiz war es offensichtlich ebenso. Und das war wohl die Ausgangslage für das Verdingsystem.

Insbesondere die unehelichen Kinder von Mägden und Knechten waren betroffen.

Hier hat also der Staat das „Kinderproblem“ in die Hände genommen und scheinbar in nicht wenigen Fällen gründlich versagt. Wenn man dort im Internet recherchiert und sich den Film „Der Verdingbub“ anschaut, dann kommt man dahinter, dass dieses gesellschaftliche Problem der Schweiz immer noch in den Köpfen – und nicht nur latent – vorhanden ist.

Mein vorläufiger Eindruck ist allerdings: Die Grundidee war offenbar richtig, damit „aus Gesindekindern kein Gesindel“ wurde.

Auch hier hat der „Verdingbub – Film“ mit u.a. Katja Riemann für Bekanntheit gesorgt.

 

In dem Buch „Die Fertigmacher“ hat Arthur Honegger (1924 – 2017) seine schlimmen Erlebnisse dargestellt. Er hatte damit enormen Erfolg auf dem Buchmarkt.

https://de.wikipedia.org/wiki/Arthur_Honegger_(Schriftsteller)

 

 

 

Die Belastungen der Landlosen im Gutswesen des Ostens

Der mehrfach ausgezeichnete Film  „Das weiße Band“ zeigt die Verhältnisse im deutschen Osten.

Hinter der Fassade streng gewahrter Ordnung offenbart sich das nachvollziehbare Leben in einem Dorf mit Einblick in die Abläufe auf einem Gutsbetrieb in Ostelbien vor dem ersten Weltkrieg.

Tragödien spielen sich dort ab, die durchweg ihren Hintergrund haben in der streng hierarchischen Struktur des Gutswesens im deutschen Osten.

Die Lage der besitzlosen Landbevölkerung steht zwar nicht im Vordergrund des Filmgeschehens, sie wird dennoch in ihrer menschlichen Erniedrigung klar skizziert. Somit werden verherrlichende Berichte aus Adelskreisen über das Zusammenleben deutlich konterkariert. Große Kritiker des Gutwesens wie Ernst Moritz Arndt, Fritz Reuter und Max Weber sind eher aus anderem Kontext bekannt.

Die nicht nur von mir ansonsten hoch verehrte Marion Gräfin Dönhoff hat hier deutlich „geschummelt“.  Darüber wird später berichtet.

https://www.youtube.com/watch?v=mxvQXmMrzP8

 

Die Sonderrolle der Frau

Bei den über 20 jährigen Recherchen rund um das Heuerlingswesen fiel schon eine deutliche Vernachlässigung der Beschreibung der Rolle der Frau auf. Diese Erkenntnis ist offenbar voll übertragbar auf das jetzt sehr viel größere Untersuchungsgebiet. Dort erschließen sich zunächst in der Einzelschau bestimmter Themen bisher ungeahnte Unmenschlichkeiten, die in der Gesamtbetrachtung für uns heute nahezu unvorstellbar sind.

Hier hat der Film „Die Hebamme“ für Aufsehen zu einem weiteren Tabuthema gesorgt.

 

Anna Wimschneider war als Besitzende in einer „vergleichsweise günstigen“ Lage

Als Wegbereiter der Thematik des Schicksals der Landbevölkerung kann sicherlich das Buch und der Film „Herbstmilch“ von Anna Wimschneider gelten.

Hierzu heißt es bei Wikipedia:

Dieser in einfacher Erzählsprache verfasste Bericht über die Lebensgeschichte einer bis dahin unbekannten Person wurde zu einem der größten Erfolge in der Geschichte des deutschen Buchhandels. Die Autobiographie war über drei Jahre in den Bestsellerlisten.

Dabei muss festgestellt werden, dass Frau Wimschneider – bei allen Belastungen und Widrigkeiten ihres Lebens – mitbesitzende Bäuerin war, ein gesellschaftlicher Zustand, der für die zu der Zeit noch größte ländliche Bevölkerungsgruppe der Landlosen unerreichbar war.

U. a. im Böhlau Verlag gibt es eine Reihe von Veröffentlichungen von ehemaligen Mägden, die wahrscheinlich durchweg ihr noch härteres Los mit Anna Wimschneider gern getauscht hätten.

 

 

Es soll hier also eine Art

vergleichende Gesamtschau zum Leben und Arbeitender ländlichen Bevölkerung im deutschsprachigen Raum

 

entstehen, die es in der bisher gesichteten Fachliteratur offensichtlich in dieser Form noch nicht gibt.

Eine entsprechende Teilbasis für dieses angedachte Buchprojekt sollen nun diese bekannten und jeweils geographisch unterschiedlichen Spezialproblematiken der ländlichen Unterschichten behandelnde Filme aus dem deutschen Sprachraum zumindest den Hintergrund bilden.

Sie sollen – ähnlich wie Walter Kempowski es in seinem Werk Echolot angelegt hatcollagenartig übereinander gelegt werden und damit erstmals Kausalzusammenhänge der verschiedenen Wirkfaktoren auf das Leben und Schaffen der unterbäuerlichen Schichten erkennen lassen.

 

Eines soll dabei auch deutlich werden:

Das 18. und 19. Jahrhundert waren „vor Ort“ angehäuft mit einer Fülle von Kriminalfällen verschiedenster Art, die durch das verordnete „Schweigemilieu“ der besitzenden Landbevölkerung nachweislich nicht oder nur wenig geahndet wurden. Sie erscheinen auch nicht in offiziellen Archiven. Hier zeigt sich die Wichtigkeit der Befragung von älteren Gewährsleuten.

 

Zusammenfassung:

  • Im deutschen Nordwesten hat sich sehr deutlich gezeigt, welch enormes Interesse am bisher total vernachlässigten (Tabu) Thema Besitzlose Landbevölkerung besteht. Befragungen von Zeitzeugen in anderen Teilen des Landes (einschließlich Österreich und Schweiz) belegen eindeutig, dass auch dort diese Sozialisationsform bis heute unverarbeitet in den Köpfen steckt und dringend aufgearbeitet werden sollte.
  • Die oben aufgeführten erfolgreichen Filme haben jeweils brisante Teilthematiken beleuchtet. Hier drängt sich nun direkt auf, die einzelnen Wirkfaktoren zusammenfassend publikumswirksam ins Buch zu bringen und – wie im Nordwesten – einen Aha-Effekt zu erzeugen mit der Erkenntnis: So haben wir das ja gar nicht vermutet, aber so war es ja tatsächlich…
  • Ein Faktum könnte der Veröffentlichung noch entgegenstehen: Es hat sich in der bisherigen Bearbeitung dieses Themenkomplexen deutlich gezeigt, dass Historiker und Volkskundler als Entscheidungsträger – zumeist aus der gehobenen Mittelschicht stammend – weder im Studium noch im Alltagsleben auf diese Problematik der früher großen Gruppe der unterbäuerlichen Schichten gestoßen sind. Immer wieder kommt es bei meinen Vorträgen vor, dass insbesondere gymnasiale Historiker sich anschließend erstaunt melden und – unabhängig voneinander – berichten, dass ihnen diese von mir aufgezeigten logischen Kausalketten weder aus dem Studium noch aus den Schulbüchern bekannt seien.
  • Die guten Verkaufszahlen in Osnabrück, Bielefeld und Münster zeigen offensichtlich, dass dieser Themenkomplex nicht nur im ländlichen Bereich auf Interesse stößt. Schließlich findet der überaus größte Teil der angestammten Bevölkerung im dörflich agrarischen Bereich seine Vorfahren.
  • Bei meinen Fahrten und Begegnungen in anderen Regionen des deutschsprachigen Raumes erlebe ich das gleiche Interesse und die entsprechende Betroffenheit der Ansprechpartner bei diesem Thema: Unterdrückung und Ungerechtigkeiten werden nicht vergessen.

Oberste Devise auch bei diesem Buchprojekt soll sein: 

Nach möglichst intensiven und wissenschaftlich abgesicherten Recherchen sollen die thematisch relevanten Daten und Fakten aus den verschiedenen Regionen im deutschsprachigen Bereich „nur“ beschrieben werden. Das darf nicht zu einer Anklage gegen Landbesitzende geraten…

 

Fotos: Archiv Robben

 

 

 

 

Siebte Auflage für Buch über Heuerlinge in Nordwestdeutschland

Bereits 14 000 Exemplare von

„Wenn der Bauer pfeift . . .“ verkauft

Das Buch „Wenn der Bauer pfeift, dann müssen die Heuerleute kommen!“ über das Leben der ländlichen Unterschichten im nordwestdeutschen Raum hat 2014 einen Nerv getroffen: Rund 14 000-mal ist es seitdem verkauft worden. Jetzt liegt das Buch von Helmut Lensing und Bernd Robben in siebter Auflage vor.

2014 gaben der Hoferbe und pensionierte Rektor Robben aus Emsbüren und der aus der Grafschaft Bentheim stammende Historiker Lensing das Buch heraus, welches sich erstmals mit dem Heuerlingswesen von der Entstehung in der frühen Neuzeit bis zum schnellen Untergang in der Nachkriegszeit beschäftigte.

Das Buch traf laut den Autoren offensichtlich einen Nerv der Zeit. Jahrelang war Robben zuvor bei Heimatvereinen auf Ablehnung gestoßen, wenn er über diese Zeit referieren wollte oder nach Zeitzeugenberichten suchte. Das Leben der Heuerleute und der vielfach aus dieser Schicht stammenden Mägde und Knechte war auf dem Land ein Tabuthema.

„Der Heuermann war ein Sklave bei den Bauern […] Keine Rücksicht wurde genommen an Samstagen, da mußte der bäuerliche Hofdraußen gesäubert werden, ohne Rücksicht, daß die Heuerleute-Frauen ihre Kinder auf den Sonntag vorbereiten konnten, ob ein Familientag war, wie Erstkommunionfeier, sie waren eben Heuermann, […] Heuerlingskinder wurden in allen Bereichen zurückgestellt […] Kinder bloß acht Jahre zu Schule, damit diese nicht zu klug wurden, sonst blieben keine mehr zur Ausbeutung“. Diese ungelenk-zornigen Zeilen fanden sich im Dezember 1971 in einem Leserbrief in Südoldenburg, als ein Artikel über das in den letzten Zügen liegende Heuerlingswesen veröffentlicht worden war.

Heimatvereine und andere Institutionen mieden deshalb das Thema, um keinen Streit im Dorf auszulösen. Die Kontroversen über die Beurteilung der damaligen Zustände zeigten sich nicht nur in regen Diskussionen im Anschluss an die vielen Vorträge insbesondere des Pensionärs Bernd Robben. Die unterschiedlichen Beurteilungen des Heuerlingssystems lösten nun zugleich zahlreiche Aktivitäten aus.

Dörfliche Heimatvereine erforschten das Heuerlingswesen, veröffentlichten neue Erkenntnisse oder Zeitzeugenberichte und kümmerten sich um die letzten Relikte dieser Zeit, die Heuerlingskotten. Das Interesse am Heuerlingsbuch schlug immer weitere Wellen. In kurzer Zeit erschienen stets leicht veränderte Auflagen, nun ist die siebte vor allem in der Bildauswahl leicht veränderte Ausgabe lieferbar.

Das seit Jahrzehnten erfolgreichste regionalgeschichtliche Buch, wie es der Präsident der Emsländischen Landschaft, Hermann Bröring, kürzlich bei der Verleihung der Landschaftsmedaille an Bernd Robben bezeichnete, ist im Buchhandel zum Preis von 24,90 Euro erhältlich oder kann direkt unter kontakt@emslandgeschichte.de (zzgl. Versandkosten) bestellt werden.

Auch das 2017 veröffentlichte Buch „Heuerhäuser im Wandel: Vom ärmlichen Kotten zum individuellen Traumhaus“ ist für 29,90 Euro weiter im Handel erhältlich. vb/pm

Beitrag in: Ems-Zeitung, Meppener Tagespost, Lingener Tagespost am 29. November 2018
Fotos: EHB/Tecklenburg

Hermann Paus hat die Heuerleute überflüssig gemacht…

…sicherlich nicht er allein.

Aber er gehörte zu den entscheidenden Pionieren der Nachkriegszeit in der Landmaschinenbranche.

Dabei hatte er denkbar ungünstige Ausgangssitutionen:

 

Im Alter von drei Jahren starb sein Vater durch einen Unfall und mit neun Jahren verlor er seine Mutter, die an einer schweren Lungenkrankheit litt.

 

Danach lebte er – getrennt von seinen Geschwistern – in der Familie seiner Tante Paula in Hiddingsel südöstlich von Münster

 

Sein Onkel, der dort eine Dorfschmiede betrieb, hat den jungen Waisen sicherlich nicht gerade aufgebaut durch die Feststellung: Aus dem Jungen wird nichts!

 

 

 

Vor 50 Jahren gründeten Hermann und Agnes Paus ein Unternehmen. Dabei stieg man nicht in die Produktion von Landmaschinen ein, was das bisherige überaus erfolgreiche Arbeitsgebiet von Hermann Paus war.

So ist das Unternehmen seit 1968 im internationalen Maschinenbau tätig.

Vor wenigen Wochen wurde das 50 jährige Firmenjubiläum gefeiert.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Zu Beginn wurden Baumaschinen gefertigt.

Dabei erweiterte man das Produktprogramm stetig  um die Entwicklung und Fertigung von Berg- und Tunnelbaufahrzeugen, Schrägaufzügen, Hubarbeitsbühnen und Kräne.

Zunehmend gingen die in Emsbüren entwickelten  Maschinen in alle Welt, der Vertrieb wurde nach und nach über ein weltweites Händlernetz organisiert.

So liegt der Exportanteil des Unternehmens heute bei etwa 70 Prozent. Seit 2001 gibt es eine Repräsentanz in Moskau, 2003 folgte eine Vertriebsgesellschaft in Santiago de Chile.

Hier Besuch aus Indien. Rechts Sohn Hermann – Josef, der mit seinem Bruder Wolfgang heute das Unternehmen führt.

 

Tochter Lisa Paus ist Mitglied des Deutschen Bundestages

https://www.bundestag.de/abgeordnete/biografien/P/paus_lisa/522568

 

Sowohl im Betrieb als auch im Raum Emsbüren und darüber hinaus weiß man, welchen Anteil Ehefrau Agnes als Kauffrau an der rasanten Entwicklung des Betriebes hat.

 

 

 

 

Beide haben sowohl in platt als auch in hochdeutsch ein interessantes Interview gegeben:

 

Es werden 8 weitere Teilinterviews folgen….

Fotos und Videos: Archiv Robben

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Kinderarbeit in Schleswig Holstein

 

 

Kinderarbeit gehörte einfach zum bäuerlichen Leben und war aus ihm nicht wegzudenken.

Daher gab es fast auf jedem Hof eine ganze Reihe von Kin­dern, wenn die erste Frau etwa im Kindbett gestorben war, mit einer zweiten Frau bis zur doppelten Zahl.

Kinder waren nicht nur ein wichtiger Wirt­schaftsfaktor, sondern auch Kapital, gewissermaßen ein bäuerliches Statussymbol.

Die Bauern dachten eben praktisch, wobei Kinderlosigkeit im gewissen Grade als Schande angesehen wurde. Man sagte, daß ein Bauer niemals bankrott gehen könne, wenn er viele Kinder habe.

Seite 24

 

Kein Zugang…

Dieser Textbeitrag eines ostfriesischen Landarbeiters findet sich im Dokumentarfilm Schnaps im Wasserkessel von Hans-Erich Viet:

Mein zweiter Großvater war in seinem Leben auf zwei Höfen beschäftigt.

Er fing mit 14 Jahren als Laufbursche an. Er schälte Kartoffeln und putzte die Schuhe der Herrschaften.

Er wurde Knecht und dann Arbeiter. Und das blieb er.

Auf dem anderen Hof war er 40 Jahre lang.

In dieser Zeit durfte er nicht einmal in die gute Stube des Wohnbereiches, um einen Tee zu trinken, in einer Gegend, in der mindestens fünfmal  am Tag dieses typische Ostfriesengetränk zelebriert wurde.

Erst als der Bauer gestorben  und mein Großvater Rentner  war, kam er in die gute Stube zur Leichenfeier, diesmal selbst gekleidet im schwarzen Anzug, weißen Hemd und schwarzen  Schlips – und auch die Schuhe waren gewichst…

Foto: Gemeinde Firrel

Schnaps im Wasserkessel

Zeitzeugen in Bayern: Ehepaar Pfister

Hans und Hella Pfister

Landwirte und Besitzer eines eigenen Bauermuseums

86751 Hohenaltheim, Kreis Donau-Ries

 

Das Interview wurde 2016 aufgenommen auf einer Recherchetour in Oberbayern und im Allgäu .

Karte: Google Maps  Foto: Archiv Robben

 

Zeitzeugeninterviews in anderen Regionen: Bayern

              Bauern und besitzlose Landbevölkerung in Deutschland

                                      Befragungen älterer Gewährsleute in Teilen Bayerns

Dazu wurden im Jahre 2016 nachfolgende Personen besucht und interviewt:

Die Ergebnisse werden nach und nach eingestellt.

Ab 2. Dezember 2018 werden diese Recherchen komplettiert um einen Besuch in Niederbayern.

 

August Knöferl  

86633 Neuburg an der Donau, Kreis Neuburg-Schrobenhausen

 

 

 

 

Schwerpunkte:

  • Kolonisation Donaumoos
  • Familiengeschichte mit 16 Geschwistern
  • Gesellschaftliche Verhältnisse zwischen Landbesitzern und Landlosen
  • Kinderarbeit in den 30 und 40er Jahren
  • Beruflicher Aufstieg über Schreinerlehre zum verantwortlichen Restaurator

 

Anni Grumbach

84518 Garching an der Alz, Landkreis Altötting

 

 

 

 

Schwerpunkte:

  • Lebensbericht der unehelichen Tochter einer Bauernmagd
  • Erfahrungen als Haus- und Hofmagd
  • Erlebnisse als Dienstmagd in einem Geschäftshaushalt
  • Gesellschaftliche Strukturen auf den Bauernhöfen damals

 

 

Ludwig Zellhuber

84558 Tyrlaching, Landkreis Altötting

 

 

 

Schwerpunkte:

  • unehelicher Sohn einer Bauernmagd
  • schulische Erfahrungen aus dieser gesellschaftlichen Situation heraus
  • Beschreibung damaliger dörflicher Strukturen
  • Jahreszeitliche Abläufe auf den Bauernhöfen
  • Einfluss der aufkommenden Industrialisierung im ländlichen Bereich: SKW Trostberg

 

 

Hans und Hella Pfister

Landwirte und Besitzer eines eigenen Bauermuseums

86751 Hohenaltheim, Kreis Donau-Ries

 

 

Schwerpunkte:

  • Besichtigung des hofeigenen landwirtschaftlichen Museums
  • Ausführungen zu Zug- und Milchleistungen des Rindviehs.
  • Aufzucht und Vermarktung in der Schweinehaltung
  • Alltag und Verdienstmöglichkeiten der Knechte und Mägde
  • Heiratsverhalten bei Bauernfamilien und Gesinde
  • Situationsbeschreibung zum Stand einer unverheirateten Tante auf dem Hof

 

 

Christian Bühler

Landwirt und Gründer eines eigenen Bauernmuseums

89233 Holzschwang, Landkreis Neu-Ulm im Bezirk Schwaben

 

 

 

Schwerpunkte:

  • Gründe für den Aufbau eines eigenen Bauernmuseums
  • Verhältnisse zwischen Bauern und Gesinde
  • Heiratsverhalten in der bäuerlichen Gesellschaft der Region
  • Situationsbeschreibung zur Lage der unehelichen Kinder von Mägden
  • Besichtigung des hofeigenen landwirtschaftlichen Museums
  • Entwicklungstendenzen in der Landwirtschaft der letzten 100 Jahre

 

Franz Dufter

Nebenerwerbslandwirt

84508 Burgkirchen, Weiler Engelsberg, Landkreis Altötting

 

 

 

 

Schwerpunkte:

  • Entwicklungsbericht über die Landwirtschaft in Bayern seit dem Ende des 19. Jhd.
  • Erfahrungen zum Übergang vom Vollerwerbs- zum Nebenerwerbslandwirt
  • Generationenprobleme in der Landwirtschaft
  • Denkhaltungen bei vielen Landwirten

Die Gesprächsaufzeichnungen werden nach und nach eingestellt.

So können Vergleiche zwischen den Verhältnissen im Heuerlingsgebiet und in bestimmten Teilen Bayern angestellt werden.

Fotos: Archiv Robben

Heinz Rolfes berichtet auch aus dem niedersächsischen Landtag

Heinz Rolfes  war von 1994 bis 2017 Abgeordneter des Niedersächsischen Landtags. Von 2003 bis 2013 fungierte er als stellvertretender Vorsitzender der CDU-Landtagsfraktion im Landtag.

Außerdem ist Heinz Rolfes seit 1991 Mitglied des emsländischen Kreistages und dort seit 1996 stellvertretender Landrat des Emslandes. Von 1972 bis 1974 war Rolfes Ratsherr der Gemeinde Clusorth-Bramhar, von 1974 bis 1996 Ratsherr der Stadt Lingen (Ems), von 1985 bis 1993 CDU-Fraktionsvorsitzender in Lingen. Zudem ist Rolfes Mitglied im Vorstand des Kolpingwerkes, Bezirksverband Lingen, Mitglied im Kuratorium des St.-Bonifatius-Hospitals Lingen und Mitglied des Diözesankatholikenrates – also in vielen Bereichen des öffentlichen Lebens engagiert.

So kann er auch besonders kompetent zur Situation des Plattdeutschen berichten.

Hier mit einem ersten kritischen Beitrag aus seinen Erfahrungen im Landtag…

Weitere Beiträge folgen…