8. Auflage musste schnell nachgedruckt werden…

Die Neue Osnabrücker Zeitung berichtete am 29. 12. 2018 auf ihrer Emslandseite:

 

Heuerlingswesen bleibt interessant

Buch wegen starker Nachfrage jetzt zum achten Mal neu aufgelegt

 

Lingen. Das Buch „Wenn der Bauer pfeift, dann müssen die Heuerleute kommen“ ist jetzt schon wieder neu aufgelegt worden. Inzwischen zum achten Mal. Dies haben die Herausgeber mitgeteilt.

Im Herbst 2014 veröffentlichten Helmut Lensing und Bernd Robben ein Buch, das sich mit verschiedenen Facetten des Lebens der Heuerleute und der vielfach aus ihren Reihen stammenden Knechte, Mägde und Siedler im nordwestdeutschen Raum beschäftigt. Heuerleute, Kötter, Häuslinge, Inwürner, Würner, Lieftüchter oder Arröder – so vielfältig wie die Bezeichnungen für diese ländliche Unterschicht war auch die regionale Ausgestaltung des Heuerlingswesens.

Nahezu 400 Jahre war das Heuerlingssystem in Nordwestdeutschland ein wesentlicher Bestandteil des Lebens auf dem Land. Je nach Region besitzen bis zu 80 Prozent der alteingesessenen heutigen Bevölkerung Heuerleute als Vorfahren. Dennoch – während über das Leben der proletarischen Arbeiter zahlreiche Untersuchungen und Abhandlungen existieren, war das wissenschaftliche Interesse am Alltag der ländlichen besitzlosen Schicht ausgesprochen gering. Von Bernd Robben angebotene Vorträge über das Thema stießen seinerzeit durchweg auf Ablehnung bei den Verantwortlichen der ländlichen Heimatvereine.

Wegen der sehr kontroversen Beurteilung des Heuerlingswesens mit dem damit verbundenen Abhängigkeitsverhältnis der Heuerleute von den Bauern war dies ein Tabuthema auf dem Land,

Die Erfahrungen und Überlieferungen beider Gruppen zum Heuerlingssystem unterschieden sich komplett. Völlig überraschend avancierte daher ihr Buch zu einem regionalen Bestseller. Es traf einen Nerv der ländlichen Bevölkerung und führte zu zahlreichen Anfragen nach Vorträgen.

Verbitterung

So hielt vor allem der Pensionär Robben inzwischen weit über einhundert Vorträge im gesamten Verbreitungsgebiet des Heuerlingswesens und erlebte in den Diskussionen die immer noch teilweise tief sitzende Verbitterung ehemaliger Heuerleute. Nach einiger Zeit ging er dazu über, die Aussagen von Zeitzeugen mit der Kamera festzuhalten, um sie für die Nachwelt zu sichern. Darüber ist auch auf seiner Internetplattform „heuerleute.de“ nachzulesen.

Mitte November 2018 erschien die von Helmut Lensing leicht überarbeitete 7. Auflage. Doch auch sie war bereits nach gut drei Wochen vergriffen. Viele Buchanfragen konnten nicht mehr bedient werden. Ein Teil der umgehend in Auftrag gegebenen wortgleichen 8. Auflage wurde immerhin schon zum vierten Adventswochenende ausgeliefert. Damit erreicht das Werk inzwischen eine Auflage von nahezu 15 000 Exemplaren und ist eines der auflagenstärksten regionalgeschichtlichen Veröffentlichungen im Nordwesten seit Jahrzehnten geworden.

Nun ist die 8. Auflage des Buches wieder über den Buchhandel (ISBN 978-3-9818393-1-9) zum Preis von 24,90 Euro erhältlich oder kann unter kontakt@emslandgeschichte.de (zzgl. Versandkosten) direkt bestellt werden

Das Inhaus in Niederbayern 2

Kleine Inhäusl mit wenig Wohnraum für viele Menschen

aus: Dr. Helmut Bitsch: Inwohner – ein verdrängtes Kapitel bayerischer Agrargeschichte

in: Hermann Heidrich (Hg.): Mägde Knechte Landarbeiter

Arbeitskräfte in der Landwirtschaft in Süddeutschland, Bad Winsheim 1997, Seite 55

Die Größe der Inhäusl entsprach durchwegs der von Austragshäusern, nur daß in ersteren eine ganze, meist kinderreiche Familie Platz finden mußte. Die winzigen Einfirstanlagen verfügten über selten mehr als Stube, Kammer, Dachboden, Stall für ein bis zwei Kühe und manchmal einen kleinen Scheunenteil. Nicht nur in der Bavaria werden die Inhäuser als „gewöhnlich im schlimmsten baulichen Zustande“ geschildert. Für die erste Hälfte des 20. Jahrhunderts berichten Gewährspersonen von schadhaften Dächern, Fenstern und Öfen sowie von häufig feuchten und schimmeligen Räumen. Der schlechte Bauzustand wirkte sich umso gravierender aus, als die Inwohner unter ständigem Brennholzmangel litten. Der Zustand der Inhäuser oder für Bauerhalt schien für die Bauern von keinerlei Interesse gewesen zu sein. Wurden es völlig unbewohnbar, hat man sie abgerissen und gegebenenfalls durch neue ersetzt. Nur wenn eine Hofübergabe ins Haus stand, wurde das Inhaus für die Austrägler renoviert oder durch einen Neubau ersetzt.

Der Wohnraum der Inwohnerfamilien war auf das äußerste beschränkt, speziell die Multifunktionalität der Stube gegenüber bäuerlichen Anwesen wesentlich erhöht. „Bei ärmeren Leuten wird oft ein Stück Kleinvieh, ein Schweinchen o.dgl., im strengen Winter auch noch Hühnervolk in solch einer Stube untergebracht, wo es von Kindern nur zu oft wimmelt, die aus den feuchten, kalten Kammern ihr Lager dann auf die Ofenbänke oder die Bank daneben verlegen. In solchen Gemächern ist dann wenig Ordnung und Reinlichkeit zu erwarten und man kann unter den Inhäusln und die Hütten der ärmeren Innerwäldler menschliche Wohnungen finden, die kaum für solche angesehen werden können.“

Die Stube war gleichzeitig Küche und Arbeitsraum für den Zuerwerb, ohne den die Familie nicht hätte existieren können.

Fotos: Archiv Niederbayerisches Landwirtschaftsmuseum Regen

Das „Inhaus“ in Niederbayern – vergleichbar mit einem „Heuerhaus“?

Inhaus aus Auenzell, Landkreis Straubing-Bogen

 

Hier handelt es sich um ein Wohnstallhaus für 2 Kühe, 1-2 Kälber und 1 Schwein.

 

 

Der Begriff Inhaus ist im Bayerischen Wald die Bezeichnung für ein Gebäude, das als Austragshaus (Altenteilwohnung) oder Mietshaus für die bäuerliche Unterschichten (Landlose) genutzt wurde.

1780 errichtete sich Walburga Pätzl ein Austragshaus am Ortsrand von Auenzell.

1807 wurde es im Besitz von Familie Schambeck erstmals renoviert und diente seitdem als Inhaus.

1983 erwarb der Bezirk Oberpfalz das Haus für das Oberpfälzer Freilandmuseum, wo es 1985/86 wiedererrichtet wurde.

 

 

Dieses Inhaus zeigt in der Rekonstruktion und in der weitgehend originalen Einrichtung den Zustand von 1955-1962.

Das Scheunentor ist nach Baubefund rekonstruiert, das Aborthäuschen und der Gartenzaun sind nach archivalischen Belegen und Zeitzeugenberichten nachgestellt.

(Nach Hinweisschild im Museum)

 

 Ralf Heimrath (Hrg.) Oberpfälzer Freilichtmuseum Neusath – Perschen

        Ein Rundgang, Regensburg 1996

Hier findet sich folgende Beschreibung für diese Gebäudeart:

„Inhaus“ (in älteren Schreibungen auch _Innhaus“, jedoch ohne Bezug zum Fluß Inn) ist im Bayerischen Wald der Begriff für ein Gebäude, das als Austragshaus oder Mietshaus für bäuerliche Unterschichten ohne eigenen Grundbesitz einer Hofstelle zugeordnet ist, aber dennoch eine selb­ständige Wirtschaftseinheit mit Wohnteil, Stall, Stadel und gelegentlich auch Backofen darstellt.

Die Bewohner eines Inhauses nannte man „Inleute“ oder „In­wohner“.

Sie sind annähernd mit Unter­mietern vergleichbar und waren darüber hinaus im 19. Jahrhundert mit allen Famili­enmitgliedern von dem Bauern abhängig, zu dem das Inhaus gehörte.

Sie hatten für ihn Leistungen in Form von Arbeit und Geld zu erbringen. Der Bauer konnte nach Belieben die Inleute aufnehmen oder kün­digen.

Da ein Insasse nach acht Jahren Hei­matrecht in der Gemeinde erhielt, wurde von den Bauern meist darauf geachtet, dass das „Mietverhältnis“ vor Ablauf dieser Frist aufgekündigt wurde.

Entsprechend der sozialen Stellung im ländlichen Gemeinwesen zeigt der Grund­riß des Inhauses nur wenig Raum für relativ viele Bewohner.

Man betritt das Gebäude traufseitig und gelangt in den Fletz.

Im Ge­gensatz zur nördlichen Oberpfalz wird hier die Breite des Hauses von zwei Raumen bestimmt. So reichen der Fletz und die sich gegenüberliegenden Gebäudeteile Stube und Stall nur wenig über die Hausmitte, dann schließen sich zwei Kammern und ein dazwischen liegendes „Stuberl an, das vielleicht zu Zeiten der Baugründung als Rußkuchl gedient hat.

In der Stube be­findet sich die Herdstelle. In diesem Raum spielt sich das häusliche Leben mit Ausnah­me des Schlafen ab, über die giebelseitige Kammer kann ein Kellerraum erschlossen werden. Durch den Fletz gelangt man auch in das schon genannte Stuberl und von dort in eine weitere Kammer.

Der Stall kann vom Fletz und durch einen eigenen Zugang von der Straßen­seite her betreten werden. Er bietet nur wenig Platz. Der Stadel besteht aus einer Durchfahrtstenne und einem „Viertel“ zur Einlagerung von Heu und Stroh.

 

Fotos: Archiv Robben

„Deutsche Agrargeschichte“ von Prof. Dr. Alois Seidl – eindeutig lückenhaft

Der Besuch in Niederbayern Anfang Dezember  2018 hat nach entsprechenden Vorrecherchen und den bisherigen Auswertungen auch für diese Region belegt, dass die spezielle Geschichte der besitzlosen Landbevölkerung bisher allenfalls bruchstückhaft aufgearbeitet ist.

Schaut man sich das Standardwerk Deutsche Agrargeschichte von Prof. Dr. Alois Seidl aus dem Jahre 2013 an (2. Auflage Frankfurt 2014), dann finden sich die Inwohner  (regionale Fachbezeichnung für die Landlosen) lediglich  auf Seite 108.

Kaum vorstellbar, dass in einem über 350 Seiten starken historischen Fachbuch zur ländlichen Bevölkerung und deren Lebens- und Wirtschaftsweise etwa die Hälfte der Angehörigen allenfalls am äußersten Rande in minimalster Form  auftaucht.

In diesem Kontext kommt dem schon erwähnten Aufsatz von Dr. Helmut Bitsch Inwohner – ein verdrängtes Kapitel bayerischer Agrargeschichte –  eine besondere Bedeutung zu.

Foto: Archiv Robben

Eher Arbeiter im Steinbruch als Knecht auf einem Hof – aber Silikose im Alter

Die Beschäftigungsmöglichkeiten für abgehende Bauernkinder waren auch in Niederbayern noch bis etwa Mitte des 20. Jahrhunderts dünn gesät.

Da war der Granitabbau um Patersdorf nördlich von Deggendorf trotz schwerster körperlicher Arbeit eine willkommene Alternative zur Gründung einer Familie mit der Möglichkeit, auch ein eigenes Anwesen zu erwerben.

Allerdings zeigte sich fast durchweg die Schattenseite dieses Berufszweiges: Durch die ständige Feinstaubbelastung bei der Arbeit im Steinbruch stellte sich nahezu zwangsläufig die gefürchtete Silikose ein, die nicht selten in einem tödlichen Lungenkrebs endete.

Herbert Fuchs aus Patersdorf

hat in einer jüngst erschienenen Publikation diese wirtschaftliche Sozialgeschichte seiner Region aufgeschrieben mit engagierter Unterstützung der Lokalzeitung: Jörg Klotzek als Redaktionsleiter des Viechtacher Bayerwald – Bote hat durch Vorabdrucke einzelner Fachaufsätze von Herbert Fuchs großes Interesse an der Thematik erzeugt und so „musste“ dieses Buch erscheinen:

 

 

Herausgeber: Presse§Mehr, Medienstraße 5, 94036 Passau,

ISBN 978-3-947688-01-2

In dieser Kurzvita beschreibt H. Fuchs seine persönliche Entwicklung:

Meine Eltern stammten jeweils von einem kleinen landwirtschaftlichen Anwesen des Bayerischen Waldes, wo diese streng katholische Herkunft (Namenstage, kirchliche Feiertage, Respekt vor der Obrigkeit, Gehorsam, Aufrichtigkeit, Sparsamkeit) täglich gegenwärtig war und sich auf die Kinder übertrug.  Dann wurde diese Haltung ergänzt durch die Tatsache, dass unser geliebter Vater die schwere Arbeit im Steinbruch zu verrichten hatte und jeden Tag von weißem Staub gezeichnet nach Hause kam. Für uns reichte die Drohung: „Wenn ihr in der Schule nicht fleißig lernt, müsst ihr auch in den Steinbruch gehen!“ Dies war dann gottlob nicht der Fall und unsere Region entwickelte sich dann in den 80er und 90er Jahren sehr zügig. In uns steckte aber das anerzogene Streben nach einer guten Berufsausbildung, die wir an unsere Kinder weitergaben. Alle 10 Enkel unserer Eltern haben Abitur und sie schlossen mit Erfolg ihr Studium ab. Dies gilt auch für meine drei Kinder. Ich selber hatte damals (1954 geboren) bei uns keine Chance,  eine weiterführende Schule zu besuchen, weil diese zu weit weg waren. Auf dem zweiten Bildungsweg konnte ich aber nach einer handwerklichen Ausbildung die Beamtenfachhochschule besuchen und schaffte bei der bayerischen Polizei ein Amt in der mittleren Führungsebene.

Sein Vater bei der schweren Arbeit als Hämmerer (oben) und mit seinen Kameraden im Steinbruch (unten links)

Herbert Fuchs über seinen Vater im Nachwort des Buches Die Steinhauer

Als Sohn eines Steinhauers habe ich über Jahrzehnte sehr hautnah mitbekommen, wie mühevoll sich unser Vater sein Geld im nahen Steinbruch verdienen musste. Aus einer kinderreichen Familie musste er auch den 2. Weltkrieg noch kurze Zeit aktiv mitmachen und hatte anschließend ohne Ausbildung schlechte Berufschancen.

Er nannte seine Arbeit im Steinbruch alternativlos und war deshalb zeitlebens zufrieden.

Auch er erkrankte schwer an Silikose, durfte aber trotzdem 82 Jahre alt werden. Wir Kinder haben gut mitverfolgen dürfen, wie stolz er zeitlebens über sein erbautes und erweitertes Haus war, sich ein Auto und nach und nach weitere Annehmlichkeiten für sich und seine Familie leisten konnte. Fleiß, Aufrichtigkeit und Bescheidenheit waren seine Lebensziele, die er zu jeder Zeit erfüllte.

Leider bekamen die Steinhauer oft nicht die gesellschaftliche Anerkennung, die ihnen sicher zugestanden wäre. Wir, die Nachfolgegeneration, wissen jedoch sehr wohl um die überragende und zum Teil aufopfernde Lebensleistung unserer Ahnen und sehen sie als Vorbild und Ansporn für uns selber, aber auch als Erbe für unsere Kinder. Dazu sollen diese Ausarbeitungen einen kleinen Beitrag leisten, die gewiss keinen Anspruch auf Vollständigkeit erheben können.

Zur Vollständigkeit zählt aber eine großartige Auszeichnung für einen aus der Nachfolgegeneration: Georg Biermeier, Sohn einer Steinhauerfamilie aus Neumühle und Steinmetzlehrling in der „Boarischen“, später Lehrer in der Steinmetzfachschule in München, erhielt 2017 vom Bundesinnungsverband des Deutschen Steinmetz- und Steinbildhauerhandwerks die „Große Silberne Ehrennadel‘ für seine außerordentlichen Verdienste und sein herausragendes Wirken für junge Steinmetze. Seine Auszeichnung war Auslöser für diese Berichtsreihe. Das Patersdorfer Granithandwerk lebt auch durch ihn weiter.

Ein Video – Interview folgt…

Foto oben: Archiv Robben
die übrigen Fotos: Herbert Fuchs

„Kein Hüsung“ beschreibt die Not und Unterdrückung um 1850 pur

Fritz Reuter (1810–1874) gehört zu den bedeutendsten niederdeutschen Dichtern

Er  verfasste 1858 seine Verserzählung Kein Hüsung. In diesem Werk demonstriert er einen sozialkritischen Realismus, der in der Literatur zeitweise im neunzehnten Jahrhundert auftaucht wie auch bei Theodor Fontane, Gottfried Keller oder Wilhelm Raabe.

Obwohl Fritz Reuter eher als der Meister der humorvollen, plattdeutschen Literatur gilt, gelang ihm bei diesem Werk eine vorzügliche Beschreibung der damaligen Missstände im Verhältnis der Landbesitzenden zu den Landlosen im deutschen Osten. Allerdings bedauerte Reuter offenbar später seine deutliche Kritik an den vorherrschenden sozialen Verhältnissen. So schrieb er am 16. Dezember 1859 an den holländischen Stadtbibliothekar in Antwerpen, F. Mertens: „[…] und ich bin ein Tor gewesen und habe mir mit meinem politischen Gedicht Kein Hüsung das ganze Wespennest des mecklenburgischen Junkertums auf den Hals geladen.“

Aus: Antje Erdmann – Degenhardt, Weihnachten bei Fritz Reuter. Husum 2004, Seite 21

Das Jahr 1847 in Mecklenburg: Viele Jahre hat Johann dem Baron bereits als Tagelöhner gedient. Er liebt Mariken, die ein Kind von ihm erwartet, kann sie jedoch nicht heiraten, weil er kein Hüsung, also vom Baron kein Wohnrecht auf dessen Land hat. Trotz seiner Dienste verweigert ihm der Baron das Hüsung, als er erfährt, dass Mariken Johanns Frau werden soll. Mariken gesteht Johann, dass sie sich einst dem Baron verweigert hat und sie ihm seither verhasst ist. Als Mariken wiederum die Baronin um Hüsung bittet, reagiert diese empört auf Marikens voreheliche Schwangerschaft und jagt sie davon. Mariken hat Selbstmordgedanken, die Johann ihr jedoch vertreiben kann. Lieber will er mit ihr fortgehen.

 Als Marikens Vater Brand schwer erkrankt, erlaubt der Baron nicht, einen Arzt zu holen. Als eines seiner Pferde erkrankt, wird sofort nach einem Viehdoktor geschickt. Als Vater Brand stirbt, untersagt der Baron den Bauern, an seiner Beerdigung teilzunehmen, weil sie auf seinen Feldern die Rüben ernten sollen. Als Johann wenig später den Stall des Barons ausmistet, führt er wütend Selbstgespräche, in denen er sich über die Ungerechtigkeit der Welt allgemein und die des Barons speziell beklagt. Als der Baron unbemerkt hinzutritt, kommt es zur Konfrontation. Nachdem der Baron Johann mit einer Peitsche geschlagen hat, ersticht Johann den Baron mit seiner Mistgabel. Der Verwalter Oll Daniel verhilft Johann zur Flucht und versorgt ihn kurze Zeit später mit Geld und Essen. Johann flieht außer Landes und die anderen Bauern verraten ihn nicht.

 Zu Weihnachten bringt Mariken das Kind auf die Welt. Sie lebt, unterstützt von den Bauern, in ihrem Elternhaus. Als ihr mitgeteilt wird, dass sie in Kürze auf einem Nachbarhof arbeiten soll, stimmt sie zu. Sie verweigert sich erst, als sie hört, dass sie ihr Kind weggeben soll. Die Baronin, zu der Mariken in einer kalten Winternacht mit ihrem Sohn eilt, versagt ihr und ihrem „Mörderkind“ jede Hilfe. Auf dem Rückweg vom Gut bricht Mariken mit ihrem Baby im Arm am Wegesrand zusammen. Am nächsten Morgen findet Oll Daniel die tote Mariken. Ihr Kind hat überlebt.

 Zehn Jahre später kehrt Johann ins Dorf zurück. Er ist die letzten Jahre auf Wanderschaft gewesen, hat die Revolution 1848 miterlebt und die Bauern zum Aufbegehren gebracht. Er holt seinen Sohn ab, mit dem zusammen er weiterziehen will. Auch der in die Jahre gekommene Oll Daniel, der den Jungen großgezogen hat, soll mit den beiden kommen, entscheidet sich jedoch, sein Hüsung zu beanspruchen – im Himmel bei Mariken.

Zitierter Text aus

https://de.wikipedia.org/wiki/Kein_H%C3%BCsung

Foto aus Wikipedia

 

 

 

Extreme Landwirtschaft im Bayerischen Wald

Der heute 80jährige Ernst Plöchinger hat einen kleinen Hof in Mittelfirmiansreut direkt an der deutsch/tschechischen Grenze von seinen Eltern geerbt.

Der Besitz liegt in einer Höhe von 1050 m.  Deshalb kann hier kein Getreide angebaut werden, es wächst auch kein Obst. Lediglich Kartoffeln und Gras sind hier zu ernten.

 

https://www.google.de/maps/place/Mitterfirmiansreut,+94158+Philippsreut/@48.8961479,13.3582354,10z/data=!4m5!3m4!1s0x4774c1e8fe375e69:0xa1d25a6760f2850!8m2!3d48.893085!4d13.6492726

 

Geschichte einer schweigenden Klasse: „Inwohner“ in Niederbayern

Inwohner – ein verdrängtes Kapitel bayerischer Agrargeschichte

… so titelt Dr. Helmut Bitsch  seinen Aufsatz in dem Buch

                                                            

 

rund um eine Wanderausstellung in acht Freilicht- und Landwirtschaftsmuseen Süddeutschlands, erschienen 1997 in Windsheim.

Diese Veröffentlichung entstand aus der einmütigen Erkenntnis der beteiligten 12 Volkskundler und Historiker:

Die Geschichte, die Arbeitsbedingungen der ländlichen Unterschichten, der Mägde, Knechte und Landarbeiter, ist in weiten Bereichen noch immer ein Desiderat der volkskundlichen und kulturwissenschaftlichen Forschung. (Seite 6)

Parallelen zur Lebenssituation der Heuerleute werden deutlich.

Allerdings fügt Dr. Bitsch, der ehemalige Leiter des Landwirtschaftsmuseums Regen, in einem Gespräch hinzu:

 

Den „Inleuten“  wurde in der Regel jährlich das vermietete Inhaus wieder gekündigt, damit auf der einen Seite keine näheren Beziehungen zwischen den Kindern der Bauern und der Landlosen entstehen konnten, auf der anderen Seite erwuchsen so keine Ansprüche an die Armenkassen der Gemeinden. 

Das Landwirtschaftsmuseum Regen kann mit einer besonders beeindruckenden Ausstellung zur Geschichte der Landwirtschaft aufwarten.

Auch darüber fand ein Gespräch mit dem derzeitigen Leiter Roland Pongratz statt. 

Weitere Begegnungen und Video – Interviews mit interessanten Gesprächspartnern werden folgen.

Fotos: Archiv Robben

Besuch in Niederbayern

Ab 02. Dezember bin ich für eine Woche zu regionalen Recherchen zum Thema Besitzlose Landbevölkerung im deutschsprachigen Bereich in Niederbayern unterwegs gewesen, um u. a. die unterschiedlichen landwirtschaftlichen Betriebsgrößen zu untersuchen und die möglichen Wirkfaktoren dafür (wie z. B. Bodenqualitäten, historische Einflüsse, unterschiedliche Höhenlagen und mehr) zu ergründen.

Aufschlüsse dazu liefern Fachmuseen in dieser Region: