Haben wirklich nur Männer die Agrargeschichte geprägt?

Deutsche Agrargeschichte, verfasst von Alois Seidl im DLG Verlag Frankfurt, 2. Aufl. 2014 (Seite 351 – 375)

 

In diesem Standardwerk findet sich im umfangreichen Personen – und Sachverzeichnis nur  der Name von einer Frau: Maria Theresia, Kaiserin (ca. 650 Nennungen insgesamt)

Nachfolgend die umfangreiche Männerriege:

Achard, Franz Karl – Aereboe, Friederich – Backe, Herbert – Batocki, Adolf – Bary, Heinrich Anton de – Beckmann, Johannes –  – Bell, Patrick – Bismarck, Otto von – Brentano, Lujo – Brinkmann, Theodor -Bulger, Johann  – Caprivi, Leo von – Casparsmeyer, Robert – Colbert, Jean Baptist – Colvin, I. O. – Darre, Richard Walter – Dietrich, Hermann Robert – Dollfuß, Engelbert  – Engels, Friedrich – Ehrhardt, Ludwig – Eyth, Max – Fellenberg, Philipp Immanuel von – Ferguson, Harry – Feuerbach, Ludwig – Fowler, John -Fraas. Carl – Franke, August – Freibauer, Freier – Geismair, Michael  – Gasser, Simon – Geiersberg, Erich – Gerber, Nikolaus – Geyer, Florian – Göring, Hermann – Hascall, John – Hiazzi, Josef von – Hegel, Friedrich – Helfenstein, Ludwig von – Hellriegel, Hermann – Hermes, Andreas – Henneberg, Johann  – Huber, Victor – Humboldt, Alexander von – Justi, Johann Heinrich von – Kalckreuth, Eberhard von – Kellner, Oskar – Kutlich, Hans – Kühn, Julius – Lanz, Heinrich – Lasalle, Ferdinand – Laval, Gustav Patrick de – Lehmann, Franz – Lenin, Wladimir – Liebig, Justus von – Liebknecht, Wilhelm – Linne, Karl von – Lochow, Ferdinand von – Loe, Felix von – Lotzer, Sebastian – Löwith, Karl – Lüders, Philipp Ernst – Mansholt, Sicco – Marggraf, Andreas Sigismund – Marshall, George – Marx, Karl – Mc Cormick, Cyrus – Meikle, Andrew – Mendel, Gregor – Meyer, Konrad – Michelsen, Konrad – Mueller, Hans-Christian – Mueller –Armack, Alfred – Pabst, Heinrich Wilhelm – Palladius, Rutilius – Pestalozzi, Johann Heinrich –  Plinganser, Georg – Prandtl, Alexander – Qualtat, Jarmo – Quesnay, Francois – Rabbathge, Matthias – Raiffeisen, Friedrich Wilhelm – Reichart, Christian – Reihlen, Adolf – Rimpau, Wilhelm – Rintelen, Paul – Rousseau, Jean  Jacques – Rudhart, Ignatz – Roland, Gustav – Rümpker, Kurt von – Rüstow, Alexander – Sack, Rudolf – Schlange – Schöninger, Hans – Schlögl, Alois – Schönleutner, Max – Schorlemmer – Alst,  Burghard von – Schubart, Johann Christian – Schultz – Lupitz, Albert – Schulze, Friedrich Gottlob – Schulze – Delitzsch, Hermann –  Schwerz, Johann Nepomuk – Smith, Adam – Sprengel, Philipp Karl – Stein, Heinrich Friedrich von und zum – Steiner, Rudolf – Süvern, Johann – Tacitus, P. Cornelius – Thaer, Albrecht  – Trunk, Johann Jakob – Trull, Jethro – Turgot, Robert Jacques – Ulrich, Philipp – Varro, M. Terentius – Veit, Raimund – Voght, Kaspar – Voltaire, Francois – Wagner, Adolf – Wahlen, Friedrich Traugott – Waldburg, Georg Truchsess von – Walz, Gustav – Watt, James – Wehrli, Johann Jakob – Weichel, Ernst – Wolff, Emil von – Wohlstein, Johann von – Wood, Walter – Zwingli, Ulrich

…für Vollständikeit und Orthografie wird keine Gewähr gegeben…

Aus Heuerleuten wurden Künstler in Ton (2x: Irdenwaren und Musik)

125 Jahre Töpferei Niehenke:

Seit 120 Jahren in Hasbergen
Vor 125 Jahren in Hagen a.T.W., Große-Heide gegründet
Seit ca. 200 Jahren dem Töpferhandwerk verschrieben.

Nachweislich haben die Vorfahren von Töpfermeister Bernhard Niehenke, geb. 1874 in Hagen-Gellenbeck, als Töpfer gearbeitet. Es waren der Großvater Eberhard Niehenke, geb. 1799 in Hagen-Sudenfeld und der Vater Hermann Heinrich Niehenke, geb. 1842 in Ankum, genannt der „Schawwesknäpper“.

Dieser Vorfahr war Heuerling und Töpfer. (siehe unter: Beruf)

https://stammbaum.anverwandte.info/individual.php?pid=I71211&ged=anverwandte

Aber erst Bernhard Niehenke gründete im Jahr 1895 die eigene Töpferwerkstatt in Große-Heide, Hagen a.T.W.  Schon fünf Jahre nach der Gründung  wurde im Jahr 1900 in Hasbergen an der Grenze zu Natrup-Hagen eine neue Töpferwerkstatt gebaut. Die Vorteile des Standortes waren wohl der Hauptgrund für die Verlagerung der Werkstatt.

Der Sunderbach als Wasserversorgung, die eigene Tongrube hinter der Werkstatt und die Nähe zur Landstraße und zu den Bahnhöfen Natrup-Hagen u. Hasbergen gaben da wohl den Ausschlag für den neuen Standort. Die Anfänge standen im Licht der Herstellung von Gebrauchsgeschirr, wie z.B. Schüsseln, Teller, Tassen oder Vorratstöpfe. Mit dem Aufkommen von Porzellan- und Emaillewaren brach der Markt für die Töpferwaren zusammen.

Die Familie Niehenke verlagerte die Produktion auf Anzuchttöpfe für Gärtnereien und Blumentöpfe für den privaten Gebrauch. Hier zu wurde die Werkstatt erweitert und umgebaut. Es wurde eine maschinelle Tonaufbereitung aus Hammermühle und Strangpresse gebaut. Eine halbmaschinelle Blumentopfpresse und ein großer Kasselerbrennofen wurden in Betrieb genommen. Später kam noch ein Paternoster – Trockner hinzu.

Die Söhne von Bernhard und Luise Niehenke (geb. Pohlmeyer) bauten diese Anlagen in Eigenregie. Die Maschinen sind teilweise heute noch in Betrieb.

Da Bernhard Niehenke 1917 im 1. Weltkrieg verstarb, musste der älteste Sohn Hermann Niehenke(sen.)  geb. 1897 die Töpferei übernehmen. Seine sieben Geschwister ( 6 Brüder u. 1 Schwester) wurden in den Betrieb mit eingebunden. Eine besondere Erwähnung sollten hier die Hüggelzwerge von Karl Niehenke finden. Er modellierte die Hüggelzwerge und Figuren in den langen Nächten bei der Feuerwache am Brennofen.


Die Geschwister unterstützten den Betrieb noch einige Jahre und trugen somit zum Erhalt der Töpferei bei.
Im Jahr 1961 übernahm Hermann (jun.) geb. 1926, Sohn von Hermann (sen.) die Leitung des Betriebes. Mit dem Aufkommen der kostengünstigen Kunststoffprodukte sank die Produktion der Blumentöpfe. Die Familie musste sich wieder umorientieren.
Hermann (jun.), der zunächst bei seinem Vater und dann in Hannover beim Bildhauer Uhlemeyer gelernt hatte, kehrte im Jahr 1974 wieder zurück zu den traditionellen Tongeschirrwaren und allerlei Sonderanfertigungen aus Ton.

 

 

Im Jahr 1978 wurde die Blumentopfproduktion eingestellt.

 

 

Pottbäcker Bernd in jungen Jahren:

Nach dem Tod von Hermann (jun.) im Jahr 2001 übernahm Bernd Niehenke geb. 1958 die Leitung des Betriebes. Er hat nach seiner Ausbildung zum Töpfer und seiner Meisterprüfung 1988 in verschieden Ländern seine Erfahrungen als Töpfer gesammelt.

Neben der Töpferei hat Bernd Niehenke auch den Ton gefunden, der die Musik macht. Wie seine Vorfahren, die im Mandolinenclub Heideblümchenaktiv waren, ist er Mitglied in verschieden Musikgruppen wie den Plattmakers, den Pottbäckers oder der Kaminmusik.

Somit hat die Töpferei heute zwei Standbeine im Ton.


Infos unter:  www.niehenke.eu

Fotos: Archiv Niehenke
Foto unten: Archiv Robben

Kurzbilanz und Ausblick – Stand Februar 2020

Das Buchprojekt „Wenn der Bauer pfeift, müssen die Heuerleute kommen!“ konnte nach etwa 30 Jahren Vorarbeiten Ende 2014 in den Markt gebracht werden.

Begleitet wurden die Vorarbeiten immer wieder durch Anfeindungen und auch Diffamierungen – hier musste offenbar ein überkommenes Tabuthema aufgebrochen werden.

Resümee 5 Jahre nach dem Erscheinen des „Heuerbuches“:

Bisher habe ich bewusst nicht darüber gesprochen und geschrieben, wie "man" mit dem Heuerlingswesen - nach Jahrzehnten des kollektiven Schweigens - umging, als nun Bernd Robben vor etwa 30 Jahren versuchte, dieses Tabuthema in die Heimatvereine des südlichen Emslandes zu bringen.
Ich möchte das - zumindest vorläufig - hier nicht weiter dokumentieren bis auf zwei Tatsachen:
  • Es hat ein einem Fall ein umfangreiches und einvernehmliches Gespräch auf Augenhöhe mit einer einflussreichen Persönlichkeit der Emsländischen Landschaft gegeben, bei der Fehlentwicklungen offen angesprochen wurden und man sich in gegenseitiger Achtung verabschieden konnte.
Es steht aber auch ein Faktum auf der anderen Seite:
  • Während ich (Coautor Dr. Helmut Lensing kann aus beruflichen Gründen kaum Referate übernehmen) zu 130 Vorträge auch über das Heuerlingsgebiet hinaus eingeladen wurde, war im Emsland "kaum Interesse": Größere HV  (bis auf Bawinkel und Freren) haben nicht angefragt, selbst "mein" Heimatverein Emsbüren nicht. Es gibt Heimatfreunde, die bei zufälligen Begegnungen auf die andere Straßenseite wechseln und nicht mehr grüßen. Gezielte vertrauliche Nachfragen im gegenseitigen Bekanntenkreis haben übereinstimmende ergeben: Man hält dich für einen Verräter des Bauernstandes, aus dem du als Hofbesitzer selbst stammst! 
    
    Auch aus Kreisen der Jägerschaft habe ich diese Vorwürfe hören müssen.
    Details dazu, die offensichtlich auch von Neid und Missgunst beprägt sind, habe ich in meiner Art dokumentiert für das Familienarchiv. (Dabei begleitet mich die Frage: Wie verhältst du dich selbst in ähnliche Lagen...)

… wieder in der Chronologie:

Es fand sich damals kein Verlag für dieses Buchprojekt.

Erst die Unterstützung durch eine passende Anfinanzierung von Dr. Bernard Krone aus der hauseigenen Stiftung des Konzerns machte den Weg frei.

Die Nachfrage war dann so groß, dass wir nun bei der 9. Auflage (November 2019) auch schon wieder knapp 1700 Exemplare veräußert konnten.

Ohne die enorme Unterstützung durch die Regionalzeitungen hätten Dr. Helmut Lensing und ich diesen Erfolg nicht erreichen können.

Morgen am 27. 02. 2020 wird der 130.  Vortrag in Oelde bei Wiedenbrück  von mir gehalten werden. Etliche weitere Anfragen nach Referaten können wir leider nicht mehr annehmen.

Insgesamt konnte ich bei den Referaten in Norddeutschland  mit  über 3500 Interessierte ins Gespräch kommen und weitere Informationen erhalten.

Und ab hier soll nun eine Weiterarbeit über das Heuerlingsgebiet hinaus stattfinden – dazu in den nächsten Tagen mehr!

Darstellung und Auswertung bundesweiter Recherchen (Stand Mai 2020)

 

Das Schwängern von Mägden im Raum Rendsburg und in anderen Regionen

 

In den Jahren der Recherche rund um das Heuerlingswesen hat das Thema der Unzucht mit Abhängigen sich als Zentralproblem der früheren ländlichen Bevölkerung bis in die heutige Zeit hinein entpuppt.

Diese deutlichen Aussagen von Hans Hermann Storm werden auch aus anderen Regionen so bestätigt.

Allerdings scheint sich durch die nun vorliegenden Vergleichsergebnisse  (vornehmlich Zeitzeugengespräche)  der Eindruck zu bestätigen, dass die Häufigkeit dieser außerehelichen (erzwungenen?) Kindszeugungen mit der Größe der Hofbesitzungen zunahmen.

Das lässt sich nach bisherigen (wissenschaftlich nicht abgedeckten) Befragungen gerade deutlich bei den benachbarten Geest- und Marschbauern in Ostfriesland feststellen.

In Realteilungsgebieten wie der Eifel und im Südwesten sind sie kaum vorgekommen.

Mehrfach wurde in den Regionen (unabhängig voneinander) die Vermutung geäußert, dass hier nach der Aufhebung der Leibeigenschaft sich die Besitzer größerer Betriebe, die nun auch eigenständige „hoheitliche“ Jagdrechte hatten, in Verlängerung der großzügigen Auslegung des Rechtes auf die erste Nacht „bedienten“.

Ich habe diese Auslegung selbst mehrfach gehört zu fortgeschrittener Stunde bei Jagdabenden. Die nicht adeligen Landbesitzer sprachen auch in verschiedenen Regionen bei „ihren“ Mägden, Knechten und Heuerleuten von unseren Leuten (use Lüe).

In diese Tabuthematik hinein fällt die Rolle der Frau. Hier liegt eindeutig ein Desiderat der Erforschung dieses komplexen Sachverhalts insbesondere im 19 Jahrhundert vor.

Schier unvorstellbare Dokumente und Erzählungen tauchen hier auf, etwa zur Thematik der Kindstötungen nach unehelichen Geburten u. a.

Dabei ging von der Männergesellschaft (teilweise unterschwellig auch von den Kirchen) das Postulat aus: Die Frauen haben doch selbst aufzupassen…

Nachfolgender Kurzbericht mag das auch zu belegen:

Das Schwängern von Mägden

Ein Magdschicksal – in Bayern und anderswo!

Hans H. Storm: Besitzlose Landbevölkerung in der Fachliteratur vernachlässigt!

aus: http://www.kuestenmagazin.de/kultur-und-menschen/artikelansicht/artikel/franz-rehbein-im-dithmarschen-vor-140-jahren.html

Franz Rehbein im Dithmarschen vor 140 Jahren

Franz Rehbein wurde 1867 geboren und arbeitete lange als Knecht und später als Großknecht in Dithmarschen.

Sein hinterpommersches Plattdeutsch, sein verfilztes Haar und seine nackten Füße: Franz Rehbein dürfte einen recht ärmlichen Eindruck hinterlassen haben, als er in Kaltenkirchen die acht Kühe eines Kleinbauern hütete. Aber Franz Rehbein hatte dabei nicht nur das Vieh im Blick, er saß da und las Zeitungen und geliehene Bücher – ein doch recht ungewöhnliches Bild im ausgehenden 19. Jahrhundert. 

Gelernt hatte er das Lesen bei seiner Anstellung als Stiefelputzer und Laufbursche im Haus eines Pastors. Dort bekam er die Möglichkeit, gutes Deutsch zu lernen und von den Schülern Hilfe zu erhalten. Der Pastor gab ihm Reiseberichte, Biographien und die Werke großer Dichter zur Lektüre. 

Als Knecht in Dithmarschen – Mit Verstand und Courage

Wäre Rehbeins Mutter nicht so arm gewesen, hätte er Lehrer werden können, aber so musste er ab einem Alter von 14 Jahren für sich selbst sorgen. Er gelangte zunächst an verschiedene holsteinische Güter, an denen er sich geistig unterfordert sah und entwickelte sich von einem hilflosen Knecht zu einem selbstsicheren Großknecht. Dithmarschen, das Land der Freiheitstradition, hatte seine Licht- und Schattenseiten. Zwar waren die Bauern wohlhabend und hatten im Land einen guten Ruf, allerdings wurde das Gesindel auch hier nicht sonderlich gut behandelt.

https://de.wikipedia.org/wiki/Franz_Rehbein

Ungeschriebenes Gesetz: Der Knecht heiratet keine Hofbesitzerin!

https://www.youtube.com/watch?v=UwzCIUfT_ws

Auch wenn in dieser komödienhaften Darstellung die typischen gesellschaftlichen Verhältnisse in den deutschen Anerbengebieten von der Nordseeküste bis an die Alpen heran teilweise überzeichnet sind, so zeigt sich doch die starre Linie zwischen Landbesitzenden und „Habenichtsen“.

Im  Vorspann der in den Jahren von 1970 bis 1972 ausgestrahlten Fernsehaufzeichnungen des Das Königlich Bayerische Amtsgericht heißt es dazu „einfühlsam“:

„Es war eine liebe Zeit, die gute, alte Zeit vor anno 14. In Bayern gleich gar. Damals hat noch Seine Königliche Hoheit der Herr Prinzregent regiert, ein kunstsinniger Monarch, denn der König war schwermütig. Das Bier war noch dunkel, die Menschen war’n typisch, die Burschen schneidig, die Dirndl sittsam und die Honoratioren ein bisserl vornehm und ein bisserl leger. Es war halt noch vieles in Ordnung damals. Denn für Ordnung und Ruhe sorgte die Gendarmerie und für die Gerechtigkeit das Königliche Amtsgericht.“

Nach meinen Recherchen wird diese gute, alte Zeit in Oberbayern deutlich stärker betont – selbst in aufgeklärten privaten Gesprächen – und in Anfragen bei Heimatvereinen wurde sogar massiv gemauert.

In Niederbayern ist man mir in allen persönlichen Gesprächen und auch bei Auskünften in den Fachmuseen sehr offen zu diesen Kernthemen (ehemals Tabuthemen) begegnet.

Insbesondere dieses Buch gibt dazu umfangreiche Informationen: