Zeichnungen auf dieser Website
Zeichnungen von Prof. Dr. Gerhard Pott 1
Bauernhofmuseum Bielefeld
27. September 2016 Seite 547
Heuerhäuser in Museen: Bauernhofmuseum Bielefeld
Museumsleiter ist Dr. Lutz Volmer
Dieser Kotten im Bauernhausmuseum Bielefeld war ursprünglich ein Doppelheuerhaus des Hofes Meyer zu Olderdissen.
Im Inneren ist er nahezu spiegelbildlich aufgeteilt und bot Platz für zwei Heuerlingsfamilien. Die Tenne wurde von beiden Familien gemeinsam genutzt. Die Museumsbesucher können noch heute recht gut nachempfinden, wie beengt die Kottenbewohner damals zusammen leben mussten. Dieses Doppelheuerhaus ist das einzige Gebäude der Museumsanlage, das noch an seinem ursprünglichen Standort steht. 
Es war eines von zehn Gebäuden des benachbarten Hofes, der über seinen weitläufigen Grundbesitz verstreut insgesamt fünf Heuerlingshäuser besaß. Das Haus ist in seiner ursprünglichen Struktur gut überliefert und fast 90 Prozent des historischen Holzwerks des Gebäudes sind erhalten. Nun möchte der Museumsträger den Kotten weiter ausbauen. Dabei soll der Hof auch als Archiv und für die Museumspädagogen genutzt werden, die hier wetterunabhängig Kurse für Besucher anbieten können. Später soll auch das Areal rund um das Haus hergerichtet.
Fotos: Archiv Robben
Die „Seelenverkäufer“ für die VOC
27. September 2016 Seite 546
Die „Seelenverkäufer“
Das „Goldene Zeitalter“ bescherte den Niederländer im 17. Jahrhundert Reichtum. Dafür gebrauchten sie viele ausländische Arbeitskräfte, insbesondere auf den Schiffen der VOC (Ostindiencompany) und der später gegründeten Westindiencompany.
Da griffen „gewitzte“ Amsterdamer zu üblen Listen und Tricks:
Wir müssen bey Gelegenheit des Handels ein paar Worte von den sogenannten, und durchgängig so verhaßten Seelenverkäufern (Zeelverkopers) sagen. Die ostindische Kompagnie braucht immer Leute, und diese Seelenverkäufer lassen es ihr Geschäft sein, solche zu verschaffen, es sey auf welche Art es wolle. Es ist nicht zu leugnen, dass mancher Taugenichts, mancher Armer, der kein Brod hat, auf diese Weise fortgeschafft wird: die Gesetze verbieten auch aufs schärfste, niemand zu zwingen, oder durch List gute Menschen zu verleiten; allein täglich wird dawider gehandelt, die Obrigkeit sieht durch die Finger, und die Gesetze bleiben ohne Vollziehung. Sie wissen junge Leute auf tausenderley Art in ihr Netze zu ziehen, haben sie solche einmal, so werden sie oft Monate lang eingeschlossen, elend gehalten, nichts wird von den Versprechungen, die man mihnen gethan, erfüllet: und sie kommen nicht eher aus ihrer Gefangenschaft, als bis man sie bey Nacht und Nebel an Bord bringt. Auf diese Weise weis man oft nicht, wo mancher Mensch hinkommt: gemeiniglich ist er aber von den Seelenverkäufern weggeschnappt.
Diejenigen, welche dieß unselige Handwerk treiben, sind aber nicht bloß in Amsterdam, sondern auch in andern Städten der vereinigten Provinzen; sie reisen auch außerhalb an den Gränzen, am Rhein und in andern Gegenden herum, ob sie gleich nirgends geduldet werden, wenn ihr Aufenthalt bekannt wird. Die Leute kommen schon elend und ausgemergelt an Bord, da stecken sie in einem engen Raume beysammen. Wer keine recht starke Natur hat, stirbt unterwegs, oder bleibt, wenn er die Reise übersteht, lebenslang elend. Die mehresten dieser Unglücklichen sind Deutsche. Weil die Kompagnie endlich ihren Schaden von dieser Art Werbung eingesehen, so hat sie seit kurzem angefangen, die nöthige Mannschaft auf eine vernünftigere und weniger schädliche Art anwerben. Die holländischen Wundärzte auf den Schiffen und in Ostindien sind auch zu unwissend, und tragen mit dazu bey, das Unheil der armen Kranken zu verlängern,und oft zu verschlimmern.
(Aus: Johann Jacob Volkmann, Neueste Reisen durch die Vereinigten Niederlande. Vorzüglich in Absicht auf die Kunstsammlungen, Naturgeschichte, Ökonomie und Manufacturen, aus den besten Nachrichten und Schriften zusammengetragen, Leipzig Seite 250-251)
vergleiche:
Augustin Wibbelt – ein Kenner der ländlichen Welt
Augustin Wibbelt (1862 – 1947) entstammte einer kinderreichen Bauernfamilie im Münsterland. Als Heranwachsender besuchte das Gymnasium Carolinum in Osnabrück, wo er das Abitur mit sehr guten Noten bestand. Anschließend studierte er in Münster zunächst Philologie. Er wechselte dann aber in das Theologiestudium. Im Jahre 1888 wurde er zum Priester geweiht und bekam eine Stelle als Kaplan am Niederrhein. Foto: you tube
Große Bekanntheit erreichte er durch seine enorme Fülle an hintergründigen und humorvollen Geschichten im Münsterländer Platt. In Erzählungen und Gedichten skizzierte er einfühlsam und auch humorvoll die Gesellschaft des Münsterlandes im Übergang vom 19. zum 20. Jahrhundert.
Seinen Lebensabend verbrachte er wieder auf dem elterlichen Hof.
In Kürze soll hier aus diesem Buch die Geschichte In`t Aarmenhuus eingestellt werden, die über Doktor Jöösken berichtet.
Dort ist es Augustin Wibbelt ausgezeichnet gelungen, über die sozialen und vor allem über gesundheitlichen Rahmenbedingung im ländlichen Raum zu berichten: Doktor Jöösgen ist gar kein Doktor – allenfalls ein Quacksalber, der wegen mangelnder Einnahmen selbst im Armenhaus leben muss….
Der Artländer Lübbert zur Borg 2
27. September 2016 Seite 544 Fotos: Archiv Robben
Lübbert zur Borg war durchaus selbstbewusst:
Bei unserem zweiten Treffen auf seiner beeindruckenden Artländer – Hofanlage hatte er umfangreiche regionale Literatur – insbesondere schon vergriffene Ausgaben der „Menslager Hefte“ – auf den Tisch gepackt.
Er begrüßte mich mit den Worten:
Sie haben Glück, auf mich gestoßen zu sein. Wir haben hier in Menslage kräftig gearbeitet zum Heuerlingswesen, sowohl was den „Heuerlingspastor“ Funke angeht, der hier gewirkt hat, als auch was Unterlagen über die Hollangängerei und auch die Auswanderung nach Nordamerika angeht. Sie dürfen das alles mitnehmen.
Tatsächlich bereicherten diese seine profunden Forschungsergebnisse und auch Fotos das Buch deutlich.

Lübbert zur Borg im typischen Innenhof vor dem üppigen Fachwerkgiebel seines Artländer Bauernhofes im Jahre 2013.
In seinem Baumgarten – von hier aus gesehen – rechts vom Hof hat er auf etwas weniger als einem Hektar im Laufe der Jahre etwa 500 Baumsorten angepflanzt.
Lübbert zur Borg verstarb Ende Juli 2015
Ich habe in Lübbert zur Borg einen wichtigen Berater zur Dokumentation des Heuerlingswesens gehabt.
Der Adel und die Heuerleute
27. September 2016 Seite 543

Kartenbeilage aus: Die Rittersitze des Fürstentums Osnabrück von
Angesichts der Tatsache, dass im Verbreitungsgebiet eine Reihe von adeligen Sitzen gab, die ebenfalls wie die Bauern ringsum Ackerbau und Viehzucht betreiben mussten zur Existenzsicherung, so war die Frage zu klären:
Wie war die Lage der Heuerleute auf diesen Gütern auf Grund anderer Vorbedingungenen?
Die Erkenntnisse dazu sind im Buch entsprechend dargestellt.

So war es angebracht, hier mit kundigen Vertretern zu sprechen – nach Möglichkeit auf beiden Seiten – um so anschließend vergleichen zu können.
Durch einen günstigen Umstand gelang es problemlos, mehrere umfangreiche Gespräche mit dem langjährigen Präsidenten des Deutschen Bauernverbandes Constantin Freiherr Heereman zu führen
Hierbei ergaben sich neuere Erkenntnisse zum Heuerlingswesen.
Foto: Archiv Heereman
Zum einen übernahm Baron Heereman bei der Erbschaft des mit der Surenburg verbundenen Besitzes noch 14 intakte Heuerlingsstellen.
Er erlebte daher als Zeitzeuge die Auflösung dieser Sozialisationsform in den 1950er und 60er Jahren.
Auch seine Erfahrungen als langjähriger anerkannter deutscher Bauernpräsident flossen in die Rückschau über das Heuerlingswesen ein.
Die Anmerkungen und Hinweise des Adeligen zum Heuerlingswesen waren dann auch Anlass, zwei weitere Gutsbetriebe (von Twickel und Stift Börstel) unter diesem Aspekt zu betrachten.

Bei einem ersten Treffen 2013 auf Gut Stovern im Rahmen einer Besuchergruppe gab Weihbischof Dr. Max Georg Freiherr von Twickel einen allgemeinen Überblick über das Gut Stovern.
Nach seiner offiziellen Zeit als Weihbischof im Oldenbuger Münsterland lebte er nun hier auf dem angestammten Familienbesitz der von Twickels in der Nähe von Salzbergen.
Zu einem vereinbarten Gespräch über die Situation der Heuerleute auf dem Gut Stovern kam es nicht mehr.
Der Freiherr verstarb im November 2013.
Dafür bestand dann aber die Möglichkeit, mit Bernhard Stein aus Salzbergen in einem ausführlichen Gespräch, das auch als Tondokument vorliegt, die Verhältnisse auf Gut Stovern zu rekonstruieren.
Er konnte als Sohn eines Heuerlings dort die Lebensumstände sehr genau beschreiben.
Im Buch erfährt man dazu mehr – seine Quintessenz: Die Heuerleute auf Gut Stovern hatten es vergleichsweise gut….
B. Stein war es auch, der eine Wiedersehensfeier aller ehemaligen Heuerleute von Gut Stovern 2011 organisierte.
Fotos: Archiv Robben

Der Historiker Ralf Weber (Vechta)
27. September Seite 542
Fast zeitgleich erschien im Oktober 2014 nach Jahren der „Abstinenz“ ein weiteres Buch zum Heuerlingswesen
mit dem Schwerpunkt Oldenburger Münsterland.
Mit dem Autor Ralf Weber besteht seit mehr als einem Jahr ein Erfahrungsaustausch zum Thema Heurlingswesen in Nordwestdeutschland.
Wir haben uns mehrfach getroffen und waren gemeinsam im Herbst 2014 auf einer Fachtagung des Kreisheimatbundes Diepholz zur weiteren Erforschung des Häuslingswesens im Landkreis Diepholz als Fachleute eingeladen.
Der Autor Ralf Weber M. A. studierte neuere Geschichte, Politikwissenschaften und Philosophie an der Universität Vechta.
Für seine Arbeit über das Heuerlingswesen im Oldenburger Münsterland wurde er 2012 mit dem „Sonderpreis“ der Universitätgesellschaft Vechta und einem „OLB – Wissenschaftspreis“ ausgezeichnet.
Aktuell befasst sich der Vechtaer Historiker mit den ländlichen Unterschichten des Herzogtums Oldenburg im 19. Jahrhundert.
so heißt es auf dem rückwärtigen Klappentext des Buches
Im Gegensatz zu den bisherigen Publikationen über diese Thematik wird in diesem Werk die Lage der Heuerleute in den Ämtern der Kreise Vechta und Cloppenburg im 19. Jahrhundert zunächst jeweils separat analysiert, um schließlich unter Würdigung aller regionalen Verschiedenheiten und Entsprechungen eine Gesamteinschätzung der Situation der Heuerleute Südoldenburgs für den genannten Zeitraum vornehmen zu können. Besondere Berücksichtigung finden vor allem die demographische Entwicklung des Heuerlingswesens, der Erwerbsquellen, der Auskommenssituation und die soziale Stellung der Heuerleute sowie besonders deren Verhältnis zu ihren Bauern, das in dieser Zeit eine Menge Konfliktpotential in sich barg.
Für seine Forschungen rund um das Heuerlingswesen erhielt Ralf Weber den OLB Wissenschaftspreis im Jahre 2013








27. September 2016 Seite 544
Fotos: Archiv Robben