Torfstich und Grasmahd (Dr. Sautmann S. 3)

 

Neben dem Torfstich war auch die Arbeit als Grasmäher in den Niederlanden möglich. „Die zum Grasmähen gehen ohngefähr medio May von Haus und kommen Ende July zurück. Diese können, wenn die Arbeit gut geht, täglich 2 Gulden und darüber auch ohne Kost verdienen; es bleiben nach Abzug der Reisen, Sonn- und Feiertage 48 Arbeitstage „. Netto ließen sich so etwa 21 Taler mit nach Hause schaffen. Die Bedeutung des Hollandganges wird im Vergleich Versmold wären im selben Zeitraum nur rund 9 Taler Verdienst möglich gewesen. Kein Wunder also, dass sich Jahr für Jahr einige Versmolder den Strapazen des Hollandganges unterzogen.

So überlebenswichtig die Einkünfte aus dem Hollandgang auch waren, so stieß die Sache beim sparsamen Versmolder Kämmerer dennoch auf Kritik: „Zudem lernt mancher dort eine Lebensweise besonders in vielen Essen und Trinken, welches eine natürliche Folge des dortigen Clima und der vielen sauren Arbeit ist, welche ohne Nachtheil in der Heymath nicht fortgesetzt werden darf Was übrigens die Abwesenheit des Haus Vaters von seiner Familie in der Regel für Nachtheile bringt, wird jedem der selbst Familie hat, zur genüge bekannt seyn“. Trotz aller Kritik: Zu ersetzen war die Arbeitsmigration nicht. Denn Westfalen konnte seine eigene Bevölkerung nicht ernähren. So setzte sich der Hollandgang auch in den folgenden Jahren fort, allerdings nur zögerlich.

Denn in der nachnapoleonischen Ära konsolidierte sich das niederländische Wirtschaftswachstum auf eher niedrigem Niveau. Weite Teile des Überseehandels lagen mittlerweile in britischer Hand. Zudem sorgte ein stabiles Bevölkerungswachstum in den Niederlanden für eine rege Arbeitsplatznachfrage, so dass sich der Bedarf nach Gastarbeitern stetig verringerte. Für die unterbäuerlichen Schichten hat-te der Rückgang an Arbeitsgelegenheit in den Niederlanden eine fundamentale Konsequenz. Denn in dem Maße, in dem die Gelegenheiten zur temporären Arbeitsmigration abnahmen, geriet die Perspektive einer dauerhaften Auswanderung in die USA ins Blickfeld.

Dr. Richard Sautmann 

Mühsame Wege, ,,um daselbst den Sommer zu arbeiten"

Hollandgänger im 19. Jh.

Dieser Aufsatz erschien im Heimatjahrbuch des Kreises Gütersloh, Jahrgang 2009

Hier eingestellt mit freundlicher Genehmigung des Autors vom 28. September 2016

Harte Bedingungen! (Dr. Sautmann S. 4)

 

Bis zu den frühen 30er Jahren jedoch blieb der Hollandgang eine durchaus attraktive Einkommensquelle. Arbeit und Leben in den Niederlanden waren allerdings hart und unerbittlich. „Ziel aller Hollandgänger war, in kurzer Zeit ein Maximum an Geld zu verdienen. Um die Ausgaben im Gastland möglichst niedrig zu halten, deckten sich die Arbeiter mit so viel Proviant ein, wie sie eben tragen konnten. Die Arbeitsgeräte, zumeist Sensen, wurden ebenfalls mitgebracht. Am Einsatzort angelangt, brachten die Auftraggeber sie in notdürftig deutlich: Als Tagelöhner in Schilf gedeckten Hüben, so genannten „Tenten“ unter, die in unmittelbarer Nähe zum Arbeitsplatz errichtet worden waren. Es durfte keine Zeit verloren gehen, ging es doch darum, Schwerstarbeit überwiegend im Akkord und praktisch während der Dauer des ganzen Lichttages zu verrichten.

Dabei verlangte ihnen ihr Ziel, möglichst viel Geld für die Familie zu verdienen, alles ab. In einem Brief eines Graßmähers, der aus dem Hümmling kommend Frühjahr und Sommer in den Niederlanden verbrachte, heißt es: „Das mähen begann morgens um zwei, später um drei Uhr; denn solange Tau im Grase war; mähte es sich leichter Das Gras war immer sehr dick. Gemäht wurde den ganzen Tag bis in den sinkenden Abend hinein. Kurze Essens-pausen; nur mittags wurde eine halbe oder ganze Stunde geschlafen. Die Regel war; dass jeder so lange mähte, einen Tag nach dem anderen, bis ,der Grund vor ihm emporstieg‘, das soll heißen: bis er Sinnestäuschungen bekam und ungefähr so weit war; dass er ohnmächtig zusammenzubrechen drohte. Dann musste er aufhören, denn wenn die Erde vor seinem Blick aufzusteigen schien, dann führte er keinen sicheren Schnitt mehr, sondern stach mit der Sense in den Erdboden „.

So schufteten die Hollandgänger tagein tagaus. Sie waren Grasmäher und Torfstecher, huben Kanäle und Gräben aus, wurden in der Hochseefischerei und wenn nötig, auch im Walfang eingesetzt, um zum Ende der Saison wieder heim zu kehren.

Dr. Richard Sautmann 

Mühsame Wege, ,,um daselbst den Sommer zu arbeiten"

Hollandgänger im 19. Jh.

Dieser Aufsatz erschien im Heimatjahrbuch des Kreises Gütersloh, Jahrgang 2009

Hier eingestellt mit freundlicher Genehmigung des Autors vom 28. September 2016

Nur für junge Männer… (Dr. Sautmann S. 5)

Letztlich waren nur junge, kräftige Männer den Mühen und Plagen des Hollandganges gewachsen, nicht aber der schon über 60jährige Johann Heinrich Kröger, der im Mai 1827 nach Holland auf Arbeit gewandert war. Von den Strapazen des Sommers gezeichnet, machte er sich im Oktober auf den Rückweg. Doch als er am 20. Oktober in Greven eintraf, war er bereits schwer erkrankt. Die dortige Amtsbehörde brachte ihn in einem Wirtshaus unter, denn Kröger hatte immerhin noch 15 ‚/2 Taler in der Tasche, so dass er für Kost und Logis würde aufkommen können. Nur einen Tag später, am Nachmittag des 21. Oktober, verstarb der Hollandgänger. Vielleicht hatten die harte Arbeit in den Niederlanden und die mühselige Rückreise seine letzten Reserven aufgebraucht.

 Dr. Richard Sautmann:
Mühsame Wege, ,,um daselbst den Sommer zu arbeiten"

Hollandgänger im 19. Jh.

Dieser Aufsatz erschien im Heimatjahrbuch des Kreises Gütersloh, Jahrgang 2009

Hier eingestellt mit freundlicher Genehmigung des Autors vom 28. September 2016

Der Autor und Pädagoge Josef Hugenberg

29. September 2016                                                                                  Seite 557

Der im Jahre 1900 geborene Pädagoge und Autor Josef Hugenberg stammt aus dem Osnabrücker Nordland.

Aus seiner Feder ist die umfangreiche Chronik eines Heuerhauses

                                          Reuwehus

EPSON MFP image

Er wuchs auf in der Bauerschaft Hastrup nahe der früheren Kreisstadt Bersenbrück. Im Alter von 27 Jahren kam er in das benachbarte Emsland. Dort war er Lehrer in Bückelte, später dann in Harrenstätte auf dem Hümmling, danach kurz in Papenburg. Ab 1937 war in  Meppen an der Ludmillenschule (Altstadtschule) tätig, deren Leitung er 1945 übernahm bis zu seiner Pensionierung im Jahre 1963.

Schon als Schüler verfasste er erste Zeitungsmeldungen. Als Student und Junglehrer schrieb er Berichte, u. a. Theaterkritiken für Osnabrücker Tageszeitungen. Da er in der Inflationszeit zwischen 1920 und 1924 keine Anstellung als Lehrer erhielt, schrieb er unter dem Pseudonym „Feri Walter“ die 2 Romane „Der Junglehrer“ und „Gerta Werken“, später, danach folgten „Narren des Lichtes“, „Schauspieler Mensch“ und „Hülsekrabben“. Ab 1925 wurde er Herausgeber der in Bramsche bei Osnabrück erscheinenden Kulturzeitschrift „Der Spielmann“.josefhugenberg_full

Josef Hugenberg machte früh mit engagierter kultureller Arbeit auf sich aufmerksam. In späteren Jahren war intensiv und erfolgreich bemüht um das plattdeutsche Theater.

Im Alter von 83 Jahren starb er im April 1983 in Meppen. Nach ihm wurde dort eine Straße benannt.

Sein Sohn Gerhard hat sich in der Region ebenfalls einen Namen gemacht als  Geschäftsführer der Emsland-GmbH von 1971 bis 1989.

Insbesondere auf seine Initiative kam die Magnetschwebebahn ins Emsland.

Foto: Gerhard Hugenberg

Der Dielenbereich des Rauchhauses

 

Ganz so hell war es damals nicht: Die Fenster waren klein, das elektrische Licht fehlte…

Rauch und Dunkelheit waren beständige Größen!

 

rauchhaus-diele

 

rauchhaus-011-011Fotos zum Rauchhaus Varrel: Archiv Skibicki

Wohnbereich des Rauchhauses in Varrel

Im damaligen Alltagsgebrauch sah die Inneneinrichtung wohl etwas „mitgenommener“ aus.

Es handelte sich schließlich um ein Rauchhaus

Rauchhaus

Rauchhaus

Rauchhaus

Fotos: Archiv Skibicki

Das Rauchhaus in Varrel

 

Hier fühlt man sich in die Heuerlings – Vergangenheit zurückversetzt!

Rauchhaus

Die Fotos stellte Jürgen Timm zur Verfügung.

Der Charme des Hauses liegt in seinem Zustand. Der unveränderte Grundriss und der original erhaltene Innenausbau sind einmalig in Nordwestdeutschland. So dokumentiert dieses Haus auf besonderes gelungene und eindringliche Weise die Lebens- und Wohnbedingungen der unterbäuerlichen Schicht zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Sowohl die geringe Anzahl von Fenstern in der Wandflächen als auch die Ausmauerung der Gefache mit Ziegelbruchsteinen und die wieder verwendeten Hölzer in der Konstruktion zeugen von eher ärmlicheren Lebensverhältnissen der damaligen Bewohner. Dass dieses alte Haus in Varrel dem Abriss entgangen ist, ist seiner abseits gelegenen Lage und dem Einsatz vieler ehrenamtlich aktiver und an Geschichte interessierter Menschen zu verdanken

Der Förderverein renoviert die Räume des Rauchhauses unter Berücksichtigung der Auflagen der Denkmalpflege und stellt mit geeigneten Mitteln und mit Unterstützung des Kreismuseums Syke auch die Funktion eines Heuerhauses und Rauchhauses zu Beginn des 20. Jahrhunderts wieder dar.

 

Flachs bestimmte das Leben vieler Heuerleute

28. September 2016                                                                                                  Seite 551

Aus Flachs machten sie in bis zu acht verschiedenen Arbeitsgängen Leinen!

Diese Tuche gingen in viele Teile der Welt, vornehmlich aber in die Niederlande. Die Hollandgänger nahmen ihre Winterarbeit mit. Etliche Tödden aus dem Raum Mettingen machten daraus ein sehr einträgliches Geschäft, sie konnten so ihre Heuerstellen aufgeben. C&A Brenninkmeyer z. B. machten nach und nach Läden in den Niederlanden auf.

Selbst Sklaven auf den Baumwollfeldern der Südstaaten sollen diese Stoffe getragen haben.

Allerdings hat die Baumwolle in Verbindung mit der „spinning jenny“ und den stets weiter entwickelten Spinn – und Webmaschinen die Leinenherstellung als lukratives Nebeneinkommen der Heuerleute abgelöst.

flachs