Einstige Mark – heute größter Wacholderhain in NW Deutschland

01. September 2016                                                                               Seite 567

Der 38 Hektar große Wacholderhain bei Haselünne ist die größte zusammenhängende noch erhaltene ehemalige Mark in Nordwestdeutschland.

Anders als die Markengemeinden in den Bauernschaften,  die im Laufe des 19. Jahrhunderts zum großen Nachteil der Heuerleute unter den Landwirten aufgeteilt wurden, blieb die Markengenossenschaft der Stadtgemeinde Haselünne auch im 20. Jahrhundert erhalten.

Allerdings wurde bereits im Jahre 1937 diese in sich geschlossene Fläche unter Naturschutz gestellt. So konnte diese in ihrer Ausprägung einzigartige mittelalterliche Gemeindeweide erhalten bleiben.

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Durch die Beweidung mit schottischen Hochlandrindern hält man die Flächen buschfrei

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Teilweise müssen aber auch Mähmaschinen eingesetzt werden….

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In den Niederungen kann man noch den „Bruch“ – Charakter erkennen, der hier früher weit verbreitet war und nach dem einige Ortschaften benannt wurden, z. B. Osterbrock.

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Dieses Areal  ist so behandelt worden, dass es einer damaligen Fläche nach einer Plaggenentnahme entspricht. Da hier kein Wind einwirken kann, hat sie schon nach kurzer Zeit Moose entwickelt.

So kann man sich vorstellen, dass es einige Jahre gedauert hat, bis wieder brauchbarer Plaggengrund entstehen konnte…

… ein Beweis dafür, dass Plaggendüngung mit ihrem enormen Flächenverbrauch nur in eine Umweltkatastrophe führen konnte.

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Zum Vergrößern bitte anklicken.

 

Fotos: Archiv Robben

 

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Weitere Informationen dazu:https://de.wikipedia.org/wiki/Hasel%C3%BCnner_Wacholderhain

 

Besiedlung des Cappelner Moores (2)

01. September 2016                                        Seite 566

Die Siedlerstelle des Friedrich Winter entstand im Jahre 1936. Zunächst wurde die Fläche erworben. Sein Heuerlingshaus im sogenannten „Alten Wolf“ wurde 1942 durch eine Luftmine zerstört. Dann baute Siedler Winter ein neues Haus. Der Siedler Schomaker hat sein Haus auf Welplager Gebiet errichtet. Früher bewohnte er einen Kotten von Gut Wahlburg. Dieses Haus brach er ab und baute es an der Welplager Grenze wieder auf. Ebenso handelte Siedler Möhlmeyer, der zuvor im Kotten vom Gut Vorwalde wohnte.

Sämtliche Wege im Siedlungsgebiet waren unbefestigt. (…)

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Als aber erstmals das elektrische Licht eingeschaltet wer­den konnte, war dies ein Freudenfest, und die Älteren erinnern sich noch ger­ne an die sogenannten „Lämpchen-feste“, wofür die notwendigen Geträn­ke (Rübenschnaps) selbst hergerichtet wurden.

Die ersten Wegebefestigungen er­folgten 1953 durch die Gemeinde Schwagstorf. Heute sind nahezu alle vorhandenen Wege asphaltiert. Da­mals, im Jahre 1953, wurden bei Fried­rich Winter zehn Lastzüge Hochofen-schlacke von Georgsmarienhütte und zwanzig Lastzüge auf den Wegen bei Büning und Schürmann abgeladen. Die erforderlichen Arbeiten wurden von den Siedlern im Wege der Hand-und Spanndienste ausgeführt.

Auf der Siedlerstelle Stegmann, heuti­ger Eigentümer ist Walter Winter, be­fand sich Anfang der dreißiger Jahre eine Hühnerfarm. Noch heute hört man häufig die Bezeichnung „Hühner­farm“. Von 1936 bis zum Kriegsaus­bruch war in diesem Hause ein weibli­ches Arbeitsdienstlager eingerichtet. Die vier Siedlerstellen im sogenannten „Caldenhöfer Zuschlag“ sind zehn Jahre später errichtet worden. Für die Siedler im „Cappelner Moor“ und „Caldenhöfer Zuschlag“ war es keine leichte Arbeit. Sie können voller Stolz auf diese Jahre zurückblicken.

aus: 900 Jahre Schwagstorf, ebenda 1960, Seite 143/144

Besiedlung des Cappelner Moores

01. September 2016                                              Seite 566

Noch bis in die 20er Jahre des letzten Jahrhunderts gab es etliche Moore in Nordwestdeutschland

Bis zum Jahre 1923/24 war das Gebiet des Cappelner Moores in der Gemarkung Schwagstorf nahezu unberührt. Große Teile von Moor- und Ödlandflächen lagen brach oder wurden nur zum Torf- bzw. Plaggenstechen genutzt.

Fast sämtliche Vollerben, Halberben, Erb- und Markkötter aus Schwagstorf waren in diesem Gebiet Eigentümer eines Grundstücks. Mit Ausnahme von einigen unbefestigten Moor- und Sandwegen war es völlig unerschlossen.

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Anfang der 20er Jahre wurde von der damaligen Regierung die Ansiedlung neuer landwirtschaftlicher Betriebe in die Wege geleitet und gefördert.

Im Gebiet des Cappelner Moores begann es mit einem Umlegungsverfahren — heute Flurbereinigung. Die Umlegungsfläche betrug 220 ha.

Dieses Verfahren lief über mehrere Jahre. Die Zuteilung der neuen Flächen erfolgte im Oktober 1929. In diesem Verfahren erwarb die Kreissiedlungsgesellschaft Wittlage eine Fläche von rund 124 Hektar. Für Wege wurde eine Fläche von rund acht und für Gräben eine von etwa fünf Hektar ausgewiesen.

Die Kreissiedlungsgesellschaft gab ihre Flächen an die Siedler weiter. Vorgesehen war, daß die Siedler für ihre Existenz eine Fläche von etwa elf bis zwölf Hektar benötigten. Aufgrund der Verschiedenheit der Flächen gab es Zu- oder Abschläge, so daß die tatsächliche Zuteilung zwischen neun bis zwölf Hektar lag. Einige Siedler hatten bereits in den Jahren 1923/24 selbst Grundstücke erworben. Große Unterstützung erfuhren sie durch den damaligen Kreisbaumeister Petsch und Landrat Glaß. Mit dem Bau der ersten Siedlungshäuser wurde 1923/24 begonnen. Die ersten Neubauten konnten im Herbst 1924 bezogen werden. Die meisten Siedler kamen aus den an¬grenzenden Gemeinden Venne, Hun-teburg und Dielingen und hatten dort Heuerlingsstellen inne gehabt.

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Ein kleiner Teil der Flächen wurde den Familien kultiviert übergeben. Der größte Teil, etwa sechzig Prozent, mußte von den Leuten noch selbst zur landwirtschaftlichen Nutzung hergerichtet werden. Maschinen waren nicht vorhanden, so daß nur Handarbeit übrigblieb. Dies geschah meistens unter Einsatz von Loren und Gleisen und mit Pferd und Wagen mit selbstgebauten Kippbehältern.

Die bekannten Pflüge der Firma Ottomeyer, Bad Pyrmont, die von zwei gegenüberstehenden Dampfmaschinen gezogen und achtzig Zentimeter tief pflügten, konnten wegen Geldmangels nicht eingesetzt werden. Dies geschah erst Mitte der dreißiger Jahre. Die Leistungen dieser Pflüge waren enorm. Noch heute sprechen die älteren Leute von diesen Maschinen.

In der Gemarkung Schwagstorf wurden von 1923 bis 1931 elf Siedlerstellen errichtet.

Heuerhäuser im Museum: Doppelhaus in Detmold

Das Doppelheuerhaus in Detmold

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Das heutige Heuerlingshaus ist ein früheres Bauernhaus von 1609, das 1738 durch eine Trennwand in zwei gleiche Hälften geteilt worden ist und ein zweites Tor erhielt. So wurde es möglich, das Gebäude an zwei Parteien zu vermieten. Der Grundriss beider Haushälften entspricht der Gliederung anderer Hallenhäuser: In der Nähe des Tores liegen die Stallungen für eine Kuh oder Ziege, ein Schwein und wenige Hühner. Auf der Diele wurde für den Haushalt und die Wirtschaft gearbeitet und auf dem winzigen Flett liegt eine offene Feuerstelle ohne Rauchabzug. Der Ofen in der kleinen Stube kann von der Diele aus beheizt werden, außerdem gibt es zwei kleine Schlafkammern, aber auch eine Schlaf­bühne über der Stube.dsc_0531

Schon 1770 sind zwei Heuerlingsfamilien nachzuweisen und bis 1932 wurden die beiden gleich großen Haushälften stets von zwei Parteien bewohnt, manchmal lebten auch Altenteiler des Hofes Reiner im Haus. Die jährliche Pacht für den halben Kotten betrug 4 Taler und 20 Taler für etwa 3 Morgen Land. Außerdem waren die Heuerlinge zu Arbeits­leistungen auf dem Hof verpflichtet. Noch im 20. Jahrhundert lag diese Dienstpflicht bei 5o bis 7o Arbeitstagen pro Jahr. Nicht wenige Heuerlinge versuchten, durch die Auswande­rung nach Amerika diesen harten Lebensbe­dingungen zu entkommen.

Der Text stammt aus dem Freilichtführer, Detmold 2015. Seite 333

Fotos: Archiv Robben

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Heuerhäuser im Museum: Der Tecklenburger Kotten

29. September 2016                                                                                          Seite 563

… ein Augenschmaus:

Der Tecklenburger Kotten im Freilichtmuseum in Detmold

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Leider konnten beim Besuch im Juli 2016 keine Innenaufnahmen gemacht werden – geschlossen.

Fotos: Archiv Robben

Mühsame Wege, ,,um daselbst den Sommer zu arbeiten“ (Dr. Sautmann S. 1)

29. September 2016                                                                                                    Seite 565

Ein Bericht über Ravensberger Hollandgänger von

Dr. Richard Sautmann (1)

Mühsame Wege, ,,um daselbst den Sommer zu arbeiten“

Hollandgänger im 19. Jh.

Dieser Aufsatz erschien im Heimatjahrbuch des Kreises Gütersloh, Jahrgang 2009

Hier eingestellt mit freundlicher Genehmigung des Autors vom 28. September 2016

 

 Am 19. Mai des Jahres 1827 machte sich der in Versmold Nr. 99 wohnhafte Johann Henrich Kroeger auf den Weg zum Amtmann Friedrich Wilhelm Eduard Körner.  Kroeger gab an, in den nächsten Tagen von Versmold über Milte — Greven — Gronau nach Amsterdam reisen zu wollen, „ um daselbst den Sommer zu arbeiten“, und beantragte hierfür einen Pass.‘  Dann machte er sich auf den beschwerlichen Weg. Mit seinen 61 Jahren musste ihm die Reise schwer fallen, aber er kam noch in Holland an und arbeitete dort für mehrere Monate, bis er sich im Oktober desselben Jahres auf den Rückweg machte.

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Johann Henrich Krögers Anliegen war nicht ungewöhnlich. Tatsächlich gehörte der Hollandgang zu den tradierten Erwerbsformen, die in Westfalen seit Ende des 30jährigen Krieges schon geübt wurden. Denn während die eigenständig gewordenen Niederlande mit Ende dieses Krieges einen wahren Wirtschaftsboom erlebten, litten die westfälischen Länder noch lange unter den Kriegsfolgen. Die Niederlande hingegen stiegen im 17. und 18. Jahrhundert zu einer der führenden Seemächte Europas auf. Zugleich wurden die „Generalstaaten“ auch eine Kolonialmacht, und die Kolonien wiederum zogen als attraktive Ansiedlungsorte viele junge Holländer an.

Foto: Emslandmuseum Lingen

Fehlende Arbeitskräfte in den Niederlanden (Dr. Sautmann S. 2)

 

So fehlten gerade auf dem „platten Land“ Arbeitskräfte, die man aus den deutschen Nachbarländern anwerben musste. Hier wiederum wurde händeringend nach Arbeit gesucht. Steigende Bevölkerungszahlen, schwindende Erwerbschancen und eine stetig knapper werdende Ernährungsbasis sollten das frühe 18. Jahrhundert auch in Versmold kennzeichnen. Garnspinner und Leineweber litten mehr und mehr unter dem Preisverfall für ihre Waren. Und auch die Heuerstellen, die in früherer Zeit noch ein einigermaßen stabiles Auskommen geboten hatten, reichten zum Leben längst nicht mehr aus. So suchten die Menschen nach neuen Einkommensquellen.

„Die für deutsche Verhältnisse überaus günstigen Verdienstmöglichkeiten in Holland und Friesland wirkten für über 200 Jahre wie ein Magnet insbesondere für landlose Heuerlinge, denen es durch mehrjährige Gastarbeit möglich wurde, sich mit Haus und Hof eine bescheidene Existenz zu erwerben. Man schätzt, dass auf diese Weise jährlich etwa 100.000 Taler ins Land flossen, weshalb die saisonalen Wanderungen behördlicherseits durchaus erwünscht waren. Noch im Jahre 1828 überschritten aus dem Regierungsbezirk Minden 1.750 Männer während des Sommers die Grenze. Die Wanderarbeit war damit auch im ravensbergischen Raum ein bedeutender Wirtschaftsfaktor“, heißt es in dem Buch „Versmold — Eine Stadt auf dem Weg ins 20. Jahrhundert“ von Rolf Westheider.

Ein Bericht des Versmolder Beigeordneten und Kämmerers Haßfordt vom 28. Februar des Jahres 1817 beschreibt die Bedingungen und den Verlauf des Hollandganges „Es mögen ohngefähr Acht bis zehn Mannspersohnen aus hiesigen Bezirk nach Holland auf Arbeit gehen“, notierte er. „Die zum Torfmachen gehen Ende März vom Hause, und kommen Ende Juni zurück, mithin sind diese drey Monate von Haus abwesend. Die Hin und Her Reise wird gewöhnlich in Vierzehn Tagen zurückgelegt; es bleiben ihnen also nach Abzug der Sonn- und Feiertage ohngefähr sechzig ArbeitsTage übrig“.3) Rund 120 Gulden brutto waren in diesen Tagen beim Torfstich zu verdienen; für Kost und sonstige Bedürfnisse gingen allerdings rund 67 Gulden wieder ab, so dass die Hollandgänger etwa 52 Gulden oder 28 Taler mit nach Hause bringen konnten.

Dr. Richard Sautmann

Mühsame Wege, ,,um daselbst den Sommer zu arbeiten"

Hollandgänger im 19. Jh.

Dieser Aufsatz erschien im Heimatjahrbuch des Kreises Gütersloh, Jahrgang 2009

Hier eingestellt mit freundlicher Genehmigung des Autors vom 28. September 2016

Torfstich und Grasmahd (Dr. Sautmann S. 3)

 

Neben dem Torfstich war auch die Arbeit als Grasmäher in den Niederlanden möglich. „Die zum Grasmähen gehen ohngefähr medio May von Haus und kommen Ende July zurück. Diese können, wenn die Arbeit gut geht, täglich 2 Gulden und darüber auch ohne Kost verdienen; es bleiben nach Abzug der Reisen, Sonn- und Feiertage 48 Arbeitstage „. Netto ließen sich so etwa 21 Taler mit nach Hause schaffen. Die Bedeutung des Hollandganges wird im Vergleich Versmold wären im selben Zeitraum nur rund 9 Taler Verdienst möglich gewesen. Kein Wunder also, dass sich Jahr für Jahr einige Versmolder den Strapazen des Hollandganges unterzogen.

So überlebenswichtig die Einkünfte aus dem Hollandgang auch waren, so stieß die Sache beim sparsamen Versmolder Kämmerer dennoch auf Kritik: „Zudem lernt mancher dort eine Lebensweise besonders in vielen Essen und Trinken, welches eine natürliche Folge des dortigen Clima und der vielen sauren Arbeit ist, welche ohne Nachtheil in der Heymath nicht fortgesetzt werden darf Was übrigens die Abwesenheit des Haus Vaters von seiner Familie in der Regel für Nachtheile bringt, wird jedem der selbst Familie hat, zur genüge bekannt seyn“. Trotz aller Kritik: Zu ersetzen war die Arbeitsmigration nicht. Denn Westfalen konnte seine eigene Bevölkerung nicht ernähren. So setzte sich der Hollandgang auch in den folgenden Jahren fort, allerdings nur zögerlich.

Denn in der nachnapoleonischen Ära konsolidierte sich das niederländische Wirtschaftswachstum auf eher niedrigem Niveau. Weite Teile des Überseehandels lagen mittlerweile in britischer Hand. Zudem sorgte ein stabiles Bevölkerungswachstum in den Niederlanden für eine rege Arbeitsplatznachfrage, so dass sich der Bedarf nach Gastarbeitern stetig verringerte. Für die unterbäuerlichen Schichten hat-te der Rückgang an Arbeitsgelegenheit in den Niederlanden eine fundamentale Konsequenz. Denn in dem Maße, in dem die Gelegenheiten zur temporären Arbeitsmigration abnahmen, geriet die Perspektive einer dauerhaften Auswanderung in die USA ins Blickfeld.

Dr. Richard Sautmann 

Mühsame Wege, ,,um daselbst den Sommer zu arbeiten"

Hollandgänger im 19. Jh.

Dieser Aufsatz erschien im Heimatjahrbuch des Kreises Gütersloh, Jahrgang 2009

Hier eingestellt mit freundlicher Genehmigung des Autors vom 28. September 2016

Harte Bedingungen! (Dr. Sautmann S. 4)

 

Bis zu den frühen 30er Jahren jedoch blieb der Hollandgang eine durchaus attraktive Einkommensquelle. Arbeit und Leben in den Niederlanden waren allerdings hart und unerbittlich. „Ziel aller Hollandgänger war, in kurzer Zeit ein Maximum an Geld zu verdienen. Um die Ausgaben im Gastland möglichst niedrig zu halten, deckten sich die Arbeiter mit so viel Proviant ein, wie sie eben tragen konnten. Die Arbeitsgeräte, zumeist Sensen, wurden ebenfalls mitgebracht. Am Einsatzort angelangt, brachten die Auftraggeber sie in notdürftig deutlich: Als Tagelöhner in Schilf gedeckten Hüben, so genannten „Tenten“ unter, die in unmittelbarer Nähe zum Arbeitsplatz errichtet worden waren. Es durfte keine Zeit verloren gehen, ging es doch darum, Schwerstarbeit überwiegend im Akkord und praktisch während der Dauer des ganzen Lichttages zu verrichten.

Dabei verlangte ihnen ihr Ziel, möglichst viel Geld für die Familie zu verdienen, alles ab. In einem Brief eines Graßmähers, der aus dem Hümmling kommend Frühjahr und Sommer in den Niederlanden verbrachte, heißt es: „Das mähen begann morgens um zwei, später um drei Uhr; denn solange Tau im Grase war; mähte es sich leichter Das Gras war immer sehr dick. Gemäht wurde den ganzen Tag bis in den sinkenden Abend hinein. Kurze Essens-pausen; nur mittags wurde eine halbe oder ganze Stunde geschlafen. Die Regel war; dass jeder so lange mähte, einen Tag nach dem anderen, bis ,der Grund vor ihm emporstieg‘, das soll heißen: bis er Sinnestäuschungen bekam und ungefähr so weit war; dass er ohnmächtig zusammenzubrechen drohte. Dann musste er aufhören, denn wenn die Erde vor seinem Blick aufzusteigen schien, dann führte er keinen sicheren Schnitt mehr, sondern stach mit der Sense in den Erdboden „.

So schufteten die Hollandgänger tagein tagaus. Sie waren Grasmäher und Torfstecher, huben Kanäle und Gräben aus, wurden in der Hochseefischerei und wenn nötig, auch im Walfang eingesetzt, um zum Ende der Saison wieder heim zu kehren.

Dr. Richard Sautmann 

Mühsame Wege, ,,um daselbst den Sommer zu arbeiten"

Hollandgänger im 19. Jh.

Dieser Aufsatz erschien im Heimatjahrbuch des Kreises Gütersloh, Jahrgang 2009

Hier eingestellt mit freundlicher Genehmigung des Autors vom 28. September 2016

Nur für junge Männer… (Dr. Sautmann S. 5)

Letztlich waren nur junge, kräftige Männer den Mühen und Plagen des Hollandganges gewachsen, nicht aber der schon über 60jährige Johann Heinrich Kröger, der im Mai 1827 nach Holland auf Arbeit gewandert war. Von den Strapazen des Sommers gezeichnet, machte er sich im Oktober auf den Rückweg. Doch als er am 20. Oktober in Greven eintraf, war er bereits schwer erkrankt. Die dortige Amtsbehörde brachte ihn in einem Wirtshaus unter, denn Kröger hatte immerhin noch 15 ‚/2 Taler in der Tasche, so dass er für Kost und Logis würde aufkommen können. Nur einen Tag später, am Nachmittag des 21. Oktober, verstarb der Hollandgänger. Vielleicht hatten die harte Arbeit in den Niederlanden und die mühselige Rückreise seine letzten Reserven aufgebraucht.

 Dr. Richard Sautmann:
Mühsame Wege, ,,um daselbst den Sommer zu arbeiten"

Hollandgänger im 19. Jh.

Dieser Aufsatz erschien im Heimatjahrbuch des Kreises Gütersloh, Jahrgang 2009

Hier eingestellt mit freundlicher Genehmigung des Autors vom 28. September 2016