Dieses heikle Thema wurde im Heuerlingsbuch auf den Seiten 170 -175 (1. Auflage) behandelt. Bei den mittlerweile über 120 Vorträgen wird immer wieder authentisch bestätigt: Nahezu jeder Ort hat mindestens einen Fall.
Die nachfolgende „Geschichte“ wurde aus Platzgründen im Buch ausgespart. Hier soll sie nun vorgestellt werden.

https://de.wikipedia.org/wiki/Lolita_Brieger
https://www.welt.de/vermischtes/article106497319/Jupp-toetete-Lolita-und-kommt-trotzdem-frei.html
http://www.focus.de/panorama/welt/tid-26091/mordfall-lolita-brieger-der-bauer-der-mord-und-das-grosse-schweigen-ein-zwielichtiger-zeuge_aid_764399.html
und mehr…
Nach heutigen Verhältnissen gar nicht vorstellbar:
Die Körperwäsche fiel knapp aus!
Vorweg – So üppig wie auf dem Foto war die Waschstelle nur in den wenigsten Heuerhäuser. Zumeist musste das Wasser in Eimern aus dem Brunnen von draußen geholt werden.
Die Männer entblößten den Oberkörper und wuschen sich mit kaltem Wasser ab, zur Rasur hatten sie ein Schälchen mit warmem Wasser. Insbesondere im Sommer wurden auch die Füße gewaschen. Der mittlere Teil des Körper wurde zumindest während der Woche ausgespart…
Bei den Frauen fiel die morgendliche Wäsche noch geringer aus, da sie aus Schamgefühl kaum Kleidung ablegen mochten.
Die Gerüche der Stallumgebung waren ohnehin so intensiv, dass körpereigene Ausdunstungen davon überlagert waren….
In den bürgerlichen Haushaltungen wurde Hygiene schon anders gelebt – bevor die Dusche kam!


Fotos: Archiv Robben
http://www.ev1.tv/talk/ev1tv–der-talk/ev1tv-der-talk—das-heuerlingswesen_27347
Der Autor Ludwig Wiethaler schreibt in seinem 1983 erschienenen Buch Lust und Plage der alten Bauernarbeit:

Dass das Leben Arbeit ist und nichts anderes, spüren und sehen die Kinder von der Wiege auf, deshalb gibt es auch für sie keine anderen Vorstellungen, und die Übernahme der auf
sie wartenden Arbeiten wird zur Selbstverständlichkeit (Seite 69 )
Schon früher bei den Eltern und Großeltern war es nicht anders gewesen und es galt ein selbstverständliches Erziehungsprinzip, dass der Nachwuchs in ländlichen Gegenden vom Kleinkindalter völlig selbstverständlich in die täglichen Arbeitsabläufe eingebunden wurden. Längst bevor die Schulpflicht begann, haben die Mädchen und Jungen im Stall, im Haushalt, im Garten, auf dem Hof und in Feld und Wald Arbeiten übernehmen müssen, mit denen sie zunächst die Erwachsenen bei ihrer Tätigkeit unterstützten. Es geschah dann aber auch schon bald, dass die Kinder eigenverantwortlich und auf sich allein gestellt recht verantwortungsvolle Arbeiten übernehmen mussten. Das war in der Regel das Gänse hüten, das man in jungen Jahren von einem älteren Bruder in der Begleitung lernte und dann nach kurzer Zeit selbstständig fern ab vom Hof zu übernehmen hatte. Gänse waren dabei kein einfaches „Volk“. So mussten die Tiere im Frühjahr davor abzuhalten werden die frisch eingesäten Felder auf zu wühlen. Nach der Ernte wurden die Gänse auf die abgeernteten Felder verbracht, damit sie die ausgefallenen Getreidekörner verzehren konnten. Da Gänse nun sehr eigenwillige Tiere sind, kam es öfter vor, dass einige sich vorzeitig auf den Heimweg machten. Diese kamen dann so einfach mitten am Tag in den Hof einmarschiert und der junge – noch ungeübte Gänsehirt oder das „Gänseliesel“ kam heulend und /oder schimpfend hinter gelaufen.
Foto: Archiv Robben
Das Gänseliesel vom Künstler Heinrich Weltring ist in unserem Familienbesitz
https://de.wikipedia.org/wiki/Heinrich_Weltring
Wiethaler,Ludwig:Lust und Plage der alten Bauernarbeit, Mirskofen 1983
Der Besitzer Professor Bernhard Pietrowicz (gestorben 2013) war als Wissenschaftler ein unermüdlicher Leser, Pädagoge, Psychologe und offensichtlich ein Universalkundiger.
Hier waren (sind?) mindestens 100 000 Bücher beheimatet. So zumindest gehen die Gerüchte….
Weitere Recherchen folgen!

Eine ehemalige Studentin des Professors – Reni Nießing – betreibt heute eine psychologische Beratungspraxis in Bocholt. Sie berichtet:
In der Gegend von Freren hatte Herr Pietrowicz (= PIO) 2 Kotten:
– den von Ihnen entdeckten Eulenhof in Lohe
– und das Kauzenhaus in Andervenne.
Meines Wissens bewohnte er den Eulenhof für ein paar Jahre mit seinem alten Vater und nutzte den Hof außerdem für seine hohe Anzahl an Büchern als Lagerstätte und Archiv. Das Haupthaus war bis oben hin voller Bücher. PIO war ein Bücherwurm, was sich in seinem einzigartigen breiten Wissensschatz niederschlug. Selber sagte er von sich im Scherz: „Ich habe eine Papyromanie.“ Denn er sammelte neben Bücher auch Prospekte, Zeitungen, Papierrollen usw. Mit seinen Studenten führte er Kinderfreizeiten in dem Kauzenhaus in Andervenne durch. Dort betreuten immer einige Studenten unter seiner Anleitung eine Kindergruppe, die einer intensiven heilpädagogischen Betreuung bedurften. Die Kinder der Freizeit resultierten aus seiner psychologischen und heilpädagogischen Tätigkeit. Auf dem Eulenhof unternahm er nichts mit seinen Studenten, es sei denn, sie halfen dort gelegentlich zum Aufräumen oder Fegen.
PIO war ein Freund der Eulen und Kauze, weshalb er die Anwesen nach diesen Tieren benannte. Ein hoch engagierter Pädagoge und Psychologe kümmerte sich um hilfsbedürftige junge Menschen in seinem Heuerhaus!
So heißt es auf dem Klappentext des Buches
Bernhard Pietrowicz: Auffälige Kinder – Beispiele und Ratschläge, 6. Auflage , erschienen bei Kamp Bochum
„Bernhard Pietrowicz, Diplom-Psychologe, studierte vor dem Kriege Architektur und Kunstwissenschaft, nach dem Kriege Psychologie und Pädagogik. Er gehört zu dem Kreis von Lehrerpsychologen, die psychologische Erkenntnisse im pädagogischen Raum zu realisieren versuchen. Als Leiter einer Sonderschule, Schulpsychologe, Erziehungsberater und Landesverwaltungsrat im jugendpsychiatrischen Dienst steht er außer der Erziehungspraxis auch einer Fülle von theoretischen Problemen gegenüber. In Fachzeitschriften und Sammelbänden erscheinen seit 15 Jahren seine Arbeiten zu Problemen der Heilpädagogik und Schulpsychologie.
Themen aus dem Inhalt: Muttersöhnchen – Bettnässer – Zappelphilippe – Daumenlutscher und Nägelbeißer – Trotzköpfe – Angsthasen – Lügenbolde – Prügelknaben – Suppenkaspers – Zankhähne – Langfinger – Schelme.“
… in Berge im Altkreis Bersenbrück …
u. a. beim Zimmerermeister Uwe Brunneke, hier in seinem Büro

Wir möchten sehen und dokumentieren, was er aus diesem Haus gemacht hat!

Dazu kann er folgende Geschichte erzählen:
- Nach freundlicher Warnung wurde ich Besitzer eines Heuerhauses
Ich bin in Hekese bei Berge im Altkreis Bersenbrück aufgewachsen. Durch meine Ausbildung zum Zimmermann ist mir die häufig nicht ungefährliche Arbeit auf dem Dach eines Hauses sehr vertraut.
So kam ich eines Tages zufällig vorbei, als ein älterer Nachbar oben auf dem völlig maroden Dachgebälk eines verfallenen Doppelheuerhauses saß und sich von einem Gehilfen neue Dachlatten von unten nachreichen ließ. Diese versuchte er nun mühsam oben anzubringen. Die früheren Dachpfannen waren wohl schon seit längerer Zeit weggeflogen. Ich hielt spontan an und machte ihn auf ein wirklich gefährliches Tun aufmerksam – ich glaube, ich habe richtig geschimpft.
Ganz gelassen antwortete er von oben: „Wenn ich das nun nicht repariere, fällt das Dach in Kürze zusammen…
Oder willst du das Haus kaufen?“
Auf diese Frage war ich nun überhaupt nicht vorbereitet.
Am Abend habe ich meiner Frau von dieser seltsamen Begegnung berichtet. Dabei stellten wir im weiteren Gespräch übereinstimmend fest, dass solch ein Kauf vielleicht durchaus sinnvoll sein könnte. Zwei Tage später war ich also – ganz unverbindlich, aber neugierig – bei unseren Nachbarn. Vorsichtig abtastend versuchte ich den Kaufpreis zu erfahren. Daraus entwickelte sich in den folgenden Tagen ein zunehmend ernsteres Kaufinteresse auf unserer Seite und höhere Preisforderungen auf der anderen Seite. Dennoch konnte das Geschäft in gut nachbarlicher Übereinkunft abgeschlossen werden.
Die Lohnverhältnisse und mehr….
Über die Lohnverhältnisse der Landarbeiter wie auch des Gesindes im 18. Jahrhundert weiß man sehr wenig. Vor Arbeitsantritt wurde über die Aufgaben und den Verdienst ein Vertrag ausgehandelt. Den Lohn erhielten die Arbeiter normalerweise nach Beendigung des Dienstverhältnisses: Die „festen“ Landarbeiter bekamen im Sommer einen bestimmten Tageslohn, der neben Bargeld auch aus Naturalien bestehen konnte. Dazu gab es meist Verpflegung und gewöhnlich das Kantgras an den „Schlooten“ (Gräben). Einen Anteil des gedroschen Korns – zuzüglich Kost erhielten sie im Winter. Der Lohn der „freien“

Landarbeiter richtete sich nach der zu erledigenden Arbeit – wobei sie in den Erntemonaten am meisten verdienen konnten – und beinhaltete je nach Vereinbarung auch eine Mahlzeit am Tag. Laut Ostfriesischem Landrecht mußten die Arbeiter auch dann bezahlt werden, wenn sie aufgrund schlechten Wetters ihre Aufgaben nicht erfüllen konnten.53 Mögen die Tagelöhner im Jahresdurchschnitt etwas mehr verdient haben als die „festen“ Landarbeiter, hing doch der Bedarf ihrer Arbeitskraft sehr von der Witterung ab, so daß sie sich ihrer Einkünfte nicht sicher sein konnten.
Seite 14
Wohnzahlen und Arbeiten in Suurhusen
Im Register von 1757 sind in Suurhusen 22 Arbeiter bzw. Tagelöhner aufgeführt, die in eigenen oder gemieteten Warfhäusern wohnten. Wahrscheinlich haben die meisten ihre Auskommen bei den ansässigen Landwirten gefunden. Manche verpflichteten sich auf ein
ganzes Jahr; wobei sie ebenfalls für andere Bauern arbeiten konnten, sofern ihr Dienstherr sie nicht beschäftigen konnte. Je nach Größe des Hofes wurden ein bis zwei solcher „festen“ Landarbeiter angestellt. Andere verdingten sich als Tagelöhner („freie“ Landarbeiter) für einige Tage oder Wochen bei kleineren „Landgebräuchern“ oder bei denjenigen, die nur einen „festen“ Arbeiter bzw. zuwenig Gesinde zur Verfügung hatten. Neben dem Einholen der Ernte zählten u.a. das Mähen sowie das Aufladen von Erde und Mist zu ihren Aufgaben; im Winter droschen sie das Korn. Vor allem das Reinigen und Ziehen von Gräben führten sie aus. Diese Spatenarbeiten wurden von geübten Marscharbeitern verrichtetet und fast als ein eigenes Handwerk angesehen.

Seite 14