Dr. Helmut Lensing zur 7. Auflage
Schuften unter der Knute der Bauer?
Buch über Heuerlingswesen jetzt in 7. Auflage erschienen
„Der Heuermann war ein Sklave bei den Bauern … Keine Rücksicht wurde genommen an Samstagen, da mußte der bäuerliche Hof draußen gesäubert werden, ohne Rücksicht, daß die Heuerleute-Frauen ihre Kinder auf den Sonntag vorbereiten konnten, ob ein Familientag war, wie Erstkommunionfeier, sie waren eben Heuermann, oder wenn dessen Frauen Kinder stillen mußten in der Erntezeit, die mußten nachgebracht werden und dann hinter Gattern. Hatte aber das Pferd des Bauern ein Füllen, dies mußte zu Frühstück oder Vesper nach dem Stall, die Heuerlingsfrau mußte sehen, wie sie fertig wurde … Heuerlingskinder wurden in allen Bereichen zurückgestellt … Kinder bloß acht Jahre zu Schule, damit diese nicht zu klug wurden, sonst blieben keine mehr zur Ausbeutung“.
Diese ungelenk-zornigen Zeilen fanden sich im Dezember 1971 in einem Leserbrief in Südoldenburg, als ein Heimatorgan einen Artikel über das gerade in den letzten Zügen liegende Heuerlingswesen veröffentlicht hatte. Sie zeigen auch, warum das Heuerlingswesen auf dem Lande so lange ein „heißes Eisen“ war. Heimatvereine und andere Institutionen mieden das Thema, um keinen Streit im Dorf auszulösen. Umso überraschter waren wir, dass unser Buch auf eine derart große und immer noch anhaltende Resonanz stößt. Im Februar war der Nachdruck unserer 5. Auflage, die wir neu in Belm haben drucken lassen und daher schon die 6. Auflage war, bereits wieder vergriffen.
Da wir weiterhin Nachfragen erhielten, haben wir uns entschlossen, eine kleine 7. durchgesehene und leicht veränderte Auflage drucken zu lassen. Der Neudruck wird Mitte November ausgeliefert.
Das Buch (ISBN 978-3-9818393-1-9) kann unter dem alten Preis von 24,90 (zzgl. Versandkosten) Euro (vor-)bestellt werden unter kontakt@emslandgeschichte.de.
Schuften unter der Knute der Bauer?
Buch über Heuerlingswesen jetzt in 7. Auflage erschienen
„Der Heuermann war ein Sklave bei den Bauern … Keine Rücksicht wurde genommen an Samstagen, da mußte der bäuerliche Hof draußen gesäubert werden, ohne Rücksicht, daß die Heuerleute-Frauen ihre Kinder auf den Sonntag vorbereiten konnten, ob ein Familientag war, wie Erstkommunionfeier, sie waren eben Heuermann, oder wenn dessen Frauen Kinder stillen mußten in der Erntezeit, die mußten nachgebracht werden und dann hinter Gattern. Hatte aber das Pferd des Bauern ein Füllen, dies mußte zu Frühstück oder Vesper nach dem Stall, die Heuerlingsfrau mußte sehen, wie sie fertig wurde … Heuerlingskinder wurden in allen Bereichen zurückgestellt … Kinder bloß acht Jahre zu Schule, damit diese nicht zu klug wurden, sonst blieben keine mehr zur Ausbeutung“.
Diese ungelenk-zornigen Zeilen fanden sich im Dezember 1971 in einem Leserbrief in Südoldenburg, als ein Heimatorgan einen Artikel über das gerade in den letzten Zügen liegende Heuerlingswesen veröffentlicht hatte. Sie zeigen auch, warum das Heuerlingswesen auf dem Lande so lange ein „heißes Eisen“ war. Heimatvereine und andere Institutionen mieden das Thema, um keinen Streit im Dorf auszulösen. Umso überraschter waren wir, dass unser Buch auf eine derart große und immer noch anhaltende Resonanz stößt. Im Februar war der Nachdruck unserer 5. Auflage, die wir neu in Belm haben drucken lassen und daher schon die 6. Auflage war, bereits wieder vergriffen.
Da wir weiterhin Nachfragen erhielten, haben wir uns entschlossen, eine kleine 7. durchgesehene und leicht veränderte Auflage drucken zu lassen. Der Neudruck wird Mitte November ausgeliefert.
Das Buch (ISBN 978-3-9818393-1-9) kann unter dem alten Preis von 24,90 (zzgl. Versandkosten) Euro (vor-)bestellt werden unter kontakt@emslandgeschichte.de.
Im Ammerland waren es schon „andere“ Heuerleute
Die Karte stammt aus Wikipedia
https://de.wikipedia.org/wiki/Ostfriesland#/media/File:Municipalities_in_East-Frisia.svg bearbeitet von B. Robben (Pfeile)
Während der Cloppenburger Raum (auch so eingetragen in die entsprechende Verbreitungskarte nach Seraphim 1946) – der schwarze Pfeil zeigt ihn – noch mit allen Kriterien zum Heuerlingsgebiet gehört, fällt das Ammerland nach folgendem Bericht schon in eine Übergangsgebiet:
Die Gemeinde bestand früher aus den alten Ortschaften oder – wie man heute bei uns sagt
– Bauernschaften Edewecht, Oster- und WestersCheps und Jeddeloh (nur 2 Höfe). Das
Wort „Bauernschaft“ drückt es schon aus: Die Bewohner der Gemeinde waren Bauern.
Allerdings gab es unter ihnen so etwas wie Stände oder Klassen. Die „Hausleute“ oder in
der Einzahl „Hausmann“ waren die größten Bauern. Natürlich waren es auch die ältesten
und einflussreichsten Familien. Diese waren in der Regel auch nicht, wie die anderen
Schichten, auf einen Nebenerwerb angewiesen.
Nach etwa 1500 entstanden neue Höfe, die sogenannten Köter-Höfe. Diese hatten u. a.
keine Rechte an der Gemeinheit. Diese Köter wurden später – im Unterschied zu den nach
1700 entstandenen Köter-Höfen – „Alte Köter“ genannt. Wenn Sie also in Edewecht in
einem Sterbeeintrag lesen: Harm Reil, alter Köter in Edewecht‘, so ist nicht sein
Lebensalter, sondern sein bäuerlicher Stand gemeint.
Dann gab es noch die Heuerleute und die Grundheuerleute. Die Heuerleute wohnten bei den Hausleuten oder Kötern zur Miete. Ihre äußerst bescheidenen Schlafräume befanden sich zumeist in den Speichern, plattdeutsch: Spieker. Daher kommt übrigens der hierzulande recht häufige Familienname „Spiekermann“. Die Grundheuerleute besaßen ein eigenes Haus, das aber auf fremdem Grund und Boden stand.
Noch etwas Besonderes gab es in Edewecht. Dies waren sieben kleine Güter, auf denen
Angehörige des örtlichen Adels saßen. Allerdings waren diese „Freien“, wie man sie
nannte, mit ihren Höfen nach etwa 1600 schon soweit heruntergekommen, dass keine
wesentlichen Unterschiede zur übrigen bäuerlichen Bevölkerung mehr zu erkennen war.
Sie bewirtschafteten ihre Höfe selber. Auch gab es Heiratsverbindungen zu den anderen
Schichten des Ortes. Ich nenne in diesem Zusammenhang die Namen Bünting und
Gruben mit je zwei Höfen, dazu Jüchter, von Aschwege, Fierleys und die Wehlaus.
Wie bereits angedeutet, hatten außer den Hausleuten fast alle Bauern einen Nebenberuf.
Es dominierten die Schmiede, Schuster, Schneider und Gastwirte. Berufe wie Metzger
und Bäcker finden sich gar nicht.
Tagesablauf eines Heuerlings
Ein unschönes Ende der Heuerlingszeit
Ausstellung im Emslandmuseum
Vortrag in Havixbeck
Das wird vorerst einer der letzten Vorträge (Nr. 118) zur Thematik sein müssen, da die Fülle der Anfragen leider nicht mehr zu erfüllen ist.
Aber Dr. Helmut Lensing und ich werden in Zusammenarbeit mit weiteren Historikern und Volkskundlern uns dem Thema „Besitzlose Landbevölkerung im deutschsprachigen Raum“ widmen – ohne Zweifel ein schwarzes Loch in der deutschen Geschichtsschreibung.
Da werden die Heuerleute immer wieder eine Rolle spielen.
Die 7. Auflage des Buches Wenn der Bauer pfeift… ist wegen weiterer Nachfrage in Auftrag gegeben.
Beeindruckende Sandwehen verschwinden
15. Oktober 2016
Im Rahmen einer Industrieansiedlung im Gebiet Poller Sand im Süden von Lingen werden bis zu 16 Meter hohe Wehsanddünen abgetragen. Die bewaldeten Nachbargrundstücke werden weiterhin stumme Zeugen dieser damaligen Umweltsünden – insbesondere auch durch Heuerleute verursacht – sein.
http://www.heuerleute.de/damalige-umweltschaeden-gut-dokumentiert-heimatverein-darme/
Dieses Foto als besonderes Zeitzeugnis stammt vom Rektor und Archivar Helmut Tecklenburg.
Die Menschen und die Schafe hatten die Markengründe – und damit den größten Flächenanteil Nordwestdeutschlands – durch Überweidung und übermäßigen Plaggenstich ihrer „Haut“, den Bewuchs durch Heidekraut, beraubt. So entstanden gefährliche Wehsandgebiete, die wichtige Ackerflächen und auch die Dörfer bedrohten.
Erst als durch staatliche Verordnungen im 19. Jahrhundert diese Flächen vornehmlich mit Kiefern bepflanzt wurden, konnte diese Gefahr gebannt werden.
Hier nun eine abgeholzte Fläche, die das ganze Ausmaß für einige Tage deutlich macht.
Einige Fotos dazu:
Ein Blick vom Baugelände auf das benachbarte Kraftwerksgelände des KKE
Bis zu 15 Meter hoch sind diese in vergangenen Jahrhunderten entstandenen Dünen.
Ist die dünne Oberschicht erst einmal angekratzt, wühlen sich die Bagger gleich in die feinen Wehsande ein.
In wenigen Tagen wird von hier aus der Blick auf das Kraftwerk anders sein…
Landwirtschaft vor den Städten des Ruhrgebietes
Nach der Karte vom Verbreitungsgebiet des Heuerlingswesens aus den Studien von Jürgen Seraphim von 1946 gehörte diese Gegengd noch dazu…
Beispiel Josef U. – 1 Kilometer vor dem Stadtgebiet von Recklinghausen
In früheren Jahren hatte dieser Hof 100 Morgen (entspricht 25 Hektar) unter dem Pflug, davon waren 40 Morgen gepachtet – von der Kirche und von einem Rechtsanwalt.
Zehn Kühe, vier Pferde und eine Anzahl von Schweinen standen im Stall wurden versorgt.

Auf dem Hof lebte ein Öhm, ein unverheirateter Onkel, der auf dem Betrieb mithalf. Da es hier keine Heuerleute gab, boten in Erntezeiten Männer und Frauen aus Recklinghausen sich an, die ansonsten im Kohlebergbau beschäftigt waren.
Nach Aufgabe der Landwirtschaft wurde der Hof umfunktioniert in einen Reiterhof.
Heuerleute und Plattdeutsch in der Ems – Vechte – Welle
Die Ems-Vechte-Welle ist ein werbefreies Bürgerradio, das den Landkreis Emsland und die Grafschaft Bentheim bedient. Das Programm des Senders wird bis in Teile des Landkreises Cloppenburg ausgestrahlt. Das Programm ist aufgeteilt in das redaktionelle Programm und den Bürgerfunk. Wikipedia












