Heuerleute, Mägde und Knechte fehlten in den 50er Jahren zunehmend

Zusätzlicher Kartoffelanbau lohnte sich nach dem 2. Weltkrieg immer mehr.

Aber die ländlichen Arbeitskräfte fehlten zunehmend, denn Mägde, Knechte und Heuerleute zogen mehr und mehr ab wegen besserer Verdienstmöglichkeiten außerhalb der Landwirtschaft.

Die Weiterentwicklung von Landmaschinen, die zunächst noch von Pferden gezogen wurden, schuf gewisse Abhilfe.

Als dann zunehmend Schlepper auf den Markt kamen, folgte eine enorme Weiterentwicklungen der Landtechnik, die in den aufstrebenden Landmaschinen-Fabriken gerade im ehemaligen Heuerlingsgebiet entstanden waren (Claas, Krone, Grimme, Amazone, van Lengerich u. a.).

Der mittlerweile historische Film kann offensichtlich auch Hinweise darauf geben, wie durch mechanische Unkrautbekämpfung zumindest zum Teil der Agrochemie ersetzt werde könnte…

 

Besuch in Neu-Ulm: Privates Bauernhofmuseum

Christian Bühler

ist Landwirt und Gründer eines eigenen Bauernmuseums in 89233 Holzschwang, Landkreis Neu-Ulm im Bezirk Schwaben.

Die Schwerpunkte des gemeinsamen Gedankenaustausches:

  • Gründe für den Aufbau eines eigenen Bauernmuseums
  • Heiratsverhalten in der bäuerlichen Gesellschaft der Region
  • Situationsbeschreibung zur Lage der unehelichen Kinder von Mägden
  • Besichtigung des hofeigenen landwirtschaftlichen Museums
  • Entwicklungstendenzen in der Landwirtschaft der letzten 100 Jahre

Zunächst ein kurzer Hinweis zum Verhältnis zwischen Bauern und Besitzlosen auf Festen:

  • Waren die Mägde, Knechte und Inleute „vollwertige“ Gäste?

Foto und Video: Archiv Robben

Heuermann Dunkmann: Mein Vater hatte Angst vor dem Bauern

 

https://www.lwl.org/voko-download/BilderNEU/422_023Sauermann_MU.pdf

Seite 33

Bei dieser letzten Heuerstelle, die wir hatten, da war der Hof in der ersten Zeit verpachtet, und da hatten wir eigentlich mit dem Bauern wenig zu tun.

Dann später hat der Mann den Hof selbst übernommen, er hat geheiratet und hat dann selber die Sache bearbeitet. Mein Vater, der hatte Angst vor diesem Mann, er war eben noch in dem Untertanenverhältnis von früher.

Der Heuerling, der war ja abhängig vom Bauern .

Wenn der Bauer sagte, er soll ausziehen, dann mußte er eben ausziehen. Anders ging‘ s ja gar nicht. Ich kann mal ein Beispiel anführen. Da hat der Bauer dem Heuermann bestellt, er solle morgen früh mit zwei Mann kommen, und da sagte der Mann: „Mit zwei Mann kann ich morgen wirklich nicht kommen. Ich werde wohl kommen, aber die Tochter, die sonst immer mitgeht, die ist irgendwo andersweitig versagt . „

Das hatte der Bauer aber nicht selber bestellt, er hatte es durch einen anderen bestellen lassen. Der Heuermann wollte auf Besuch den Tag, und er trifft den Bauern da unterwegs.

„So und Du willst morgen nicht mit zwei Mann kommen?“ „Nein, morgen kann ich nicht mit zwei Mann, aber ich komme!“

„Wenn Du nicht mit zwei Mann kommst, dann ist es aus, dann kannst Du ausziehen, weg vom Hof.“

Nur wegen dieser Absage mußte der Mann ausziehen.
Und sie haben sich wegen dieser Sache nicht mehr vertragen, und der Mann mußte ausziehen. Er hatte aber Glück gehabt und konnte bei einem Nachbarbauern wieder einziehen. Und das war ein großes Glück für ihn, er hat später diese Stelle gekauft. Aber da sah man eben, wie sehr der
Heuermann vom Bauern abhängig war.

Und so war es auch mit meinem Vater. Wenn da nicht alles glattging, dann hatte er Angst. Wenn er den Bauern sah, da wirkte das schon.

Später kam das so nach und nach etwas anders . Als dann der Krieg zu Ende ging, 1918, da gab es ja schon eine gewisse Freiheit, da war man nicht mehr bange.

Foto Buch: Archiv Robben

Foto Dunkmann: Frau  Sauermann

Drei verbundene Mettinger Fachwerkhäuser dienen als Museum des Töddentums

Ein Heuerhaus wird „Heimathaus“

Eingebunden in das Hotel Telsemeyer im Zentrum von Mettingen finden sich drei Fachwerkhäuser als Museum.

Hier entstand zwischen 1962 bis 1969 ein im Heuerlingsgebiet einmaliges Ensemble von renovierten Gebäuden.

Das Hauptthema dieser musealen Anlage ist die Leinenverarbeitung, die dieser Gegend Ansehen und Wohlstand brachte.

Insbesondere aus Heuerleuten wurden Kaufleute, die beim Hollandgang zunehmend erfolgreich wurden. Besonders bekannt ist die weltweit agierende Kaufhauskette C&A.

Das „Telsemeyer“ mit Blick auf die Kirche

… von der Kirche aus gesehen.

Der Eingang des Museums im Innenhof des Hotels

 

 

Wandmalerei im zur Historie von Mettingen im Hotel…

… und Fensterbilder zu Familiengeschichten erfolgreicher Mettinger.

Fotos: Archiv Robben

Wenn ein 23jähriger Geschichtsstudent über das Heuerlingswesen in seinem Heimatdorf schreibt…

… entsteht daraus weit mehr als eine Dorfchronik!

Das war im Jahr 2001.

Seit 2013 leitet Dr. Christian Westerhoff die Bibliothek für Zeitgeschichte in der Württembergischen Landesbibliothek in Stuttgart.

Seit vielen Jahren beschäftigt er sich mit dem Heuerlingswesen und hat hierzu verschiedene Publikationen vorgelegt, u.a.:

  • „Ossenbeck. Kleiner Ort mit langer Geschichte”, Damme 2001;
  • „Das Heuerlingswesen in der Bauerschaft Ossenbeck und die Agrarmodernisierung im 20. Jahrhundert”, in: Jahrbuch für das Oldenburger Münsterland, Damme 2004
  • „Das späte Ende des Heuerlingswesens im Oldenburger Münsterland”, in: Jahrbuch für das Oldenburger Münsterland, Damme 2017
  • „ Heuerhäuser des 20. Jahrhundert in Ossenbeck bei Damme“, in: „Heuerhäuser im Wandel – Vom ärmlichen Kotten zum individuellen Traumhaus2, Bernd Robben/Martin Skibicki/Helmut Lensing/Georg Strodt, Haselünne 2017, Seite 138 -145

https://www.wlb-stuttgart.de/sammlungen/bibliothek-fuer-zeitgeschichte/kontakt/dr-christian-westerhoff/

Dr. Westerhoff  kann für die Dokumentation des  Heuerlingswesens insgesamt  als „Glücksfall“  bezeichnet werden: Seine Vorfahren stammen aus dieser Sozialisationsform.

Hier stellt er sich vor:

Anstelle einer Kurzrezension soll aus dem Vorwort des Buches  „Ossenbeck“ zitiert werden:

Die Konzeption dieser Chronik unterscheidet sich insofern von den meisten anderen Werken ihrer Art, als ich nicht mit einem Redaktionsteam im Auftrag einer Bauerschaft, sondern auf eigene Faust und aus eigenem Interesse dieses Buch geschrieben habe.

Auch habe ich mit 23 Jahren für den Schreiber einer Ortschronik ein untypisches Alter.

Ich habe nicht wie andere einen großen Teil der Geschichte ihres Ortes selbst erlebt. Aus diesem Grund war meine Herangehensweise ein wenig anders, wozu auch mein Geschichtsstudium und die verschiedenen Erfahrungen während der Arbeit am Buch beigetragen haben.

So habe ich die Chronik wissenschaftlicher ausgerichtet als dies bei vielen Werken dieser Art üblich ist. Ich habe nicht nur Begebenheiten, die Ossenbeck direkt betreffen, aufgeführt, sondern diese in den allgemeinen historischen Zusammenhang eingeordnet.

Das komplette Interview findet sich in dem Buch Heuerhäuser im Wandel – Vom ärmlichen Kotten zum individuellen Traumhaus, Bernd Robben/Martin Skibicki/Helmut Lensing/Georg Strodt, Haselünne 2017, Seite 138 -145

 

 

Heuerhaus Westerhoff in den 1930er Jahren, gemalt von Franz-Josef Gers-Ossenbeck

 

 

Fotos: Familie Westerhoff

„Auch nach 1950 befand sich die Landwirtschaft in Teilen zunächst noch im Mittelalter“

So beschreibt Prof. Dr. mult. Hermann Simon seine Erfahrungen. Er ist als einziges Kind auf einem kleinen Bauernhof in der Eifel aufgewachsen.

https://de.wikipedia.org/wiki/Hermann_Simon_(Manager)

Vom Bauernhof zum Global Business Hermann Simon, geboren 1947, weltweit gefragter Managementdenker, Entdecker der „Hidden Champions“, erfolgreicher Unternehmer und Pricing-Experte, entdeckte sein Interesse an Preisen schon als Kind: in der elterlichen Landwirtschaft und auf dem Schweinemarkt.

Seine Lebensgeschichte beginnt auf einem deutschen Bauernhof – und führt ihn in die Topliga des internationalen Managements.

In seiner Autobiografie erzählt Hermann Simon diesen außergewöhnlichen Weg vom Eifelkind zum Global Player, und wie es ihm gelang, innerhalb weniger Jahrzehnte mit seiner Firma Simon-Kucher & Partners zum Weltmarktführer für Preisberatung mit 37 Büros in 24 Ländern zu werden und ganz nebenbei die Bahncard zu erfinden.

Eine persönliche Lebensgeschichte und der beeindruckende Erfolgsbericht eines Wanderers zwischen den Welten.

Die Kurzrezension stammt aus:

https://books.google.de/books?id=WVVaDwAAQBAJ&hl=de&source=gbs_navlinks_s

In diesem Schaubild zeigt Simon sehr anschaulich, ab wann die Technisierung „so richtig“ einsetzte.

Der Pfeil (von mir eingesetzt) soll andeuten, dass in dieser Zeit das Heuerlingswesen sich auflöste.

Foto: Archiv Robben

Knechte und Mägde in Westfalen und Österreich

 

Bis auf wenige regionale Eigenarten war das Los des Gesindes auf den größeren Höfen sehr ähnlich.

 

Als PDF in Internet verfügbar:

https://www.lwl.org/vokodownload/BilderNEU/422_001Sauermann_MU.pdf

Das Gesinde wurde dem Hof, auf dem es “wohnte”, zugeordnet und mußte daher einen Teil seiner Individualität aufgeben. Bezeichnend ist hierfür die Namengebung: ” Der eigene Hausname war ausgeschaltet, und der Name des Bauern oder des Hofes wurde vor dem Vornamen genannt, wenn die Kötter oder Nachbarn von uns sprachen. Ich z . B. war schon jahrelang aus Eversum fort und hieß dann, wenn ich mal dahin kam, immer noch’ Potthinken Ernst’ ( der Bauer hieß Potthink). Unseren richtigen Hausnamen kannte man nicht; man gehörte eben zum Hof und zu seiner Familie “ ( AwVk 1641, S. 2 Eversum, Gemeinde Olfen, Krs. Lüdinghausen).

Aber auch die Vornamen wurden in bestimmten Fällen verändert: “Nach unserm Willi bekamen wir einen Knecht, der mit Vornamen Kaspar hieß. In Lavesum war dieser Name aber sehr ungewöhnlich und uns in der Familie ungeläufig beim Rufen. Also wurde Kaspar umgetauft in Willi. Eine ähnliche Umtaufung nahm ein anderer Bauer mit seinem Knecht Josef vor, weil er selber einen Sohn mit Namen Josef hatte, und er nannte den Knecht kurzweg K arl. ” Der Berichterstatter schreibt dann weiter: “Die willkürliche Umbenennung der Vornamen war aber eher alles andere als ein schöner Brauch. Was würdest Du Grete z. B. im Innersten Deiner Persönlichkeit empfinden, wenn man auf einmal ‘Liesbeth’ zu Dir sagte und Du Dir das gefallen lassen müßtest?” ( AwVk 3391, S. 2 , Lavesum, Krs. Recklinghausen).

 

In Österreich

Das Gesinde unterstand der Autorität des Hausvaters. Alle auf dem Hof lebenden Personen waren dem Bauern untergeordnet. Das Gesinde mußte „einen Teil seiner Individualität aufgeben. Bezeichnend ist die Namengebung. Viele Knechte und Mägde wurden nach Dienstantritt nicht mehr mit ihrem eigenen Familiennamen genannt, sondern nur mehr mit dem Hofnamen. Hermann Brandt etwa berichtet, daß er nach seinem Dienstantritt auf dem Stockergut nur mehr „Stocker Hermann” hieß. Je länger die Dienstzeit auf einem Hof andauerte, desto stärker war der Grad der Identifikation mit der Bauernfamilie. Rechtlich war das Gesinde voll in den bäuerlichen Haushalt integriert, es war bis Ende des 19. Jahrhunderts wie alle anderen Hausangehörigen „der hausväterlichen Gewalt unterworfen und persönlich, rechtlich und ökonomisch vom Bauern abhängig”.” Der Bäuerin kam vor allem bei jüngeren Dienstboten eine wichtige Erziehungsaufgabe zu, die auch von älteren Dienstboten übernommen werden konnte. „Die Kontrolle des täglichen Lebens durch den bäuerlichen Patriarchen erstreckte sich nicht nur auf Arbeitsvorgänge, sondern auch auf aus heutiger Sicht private Lebensbereiche; so bestand durchwegs die Pflicht zum Kirchgang und zu gemeinsamen Gebeten; auch die spärliche Freizeit durfte nur im vorgegebenen Rahmen gestaltet werden. Mägde mußten um Erlaubnis bitten, wenn sie in ihrer freien Zeit weggehen wollten. In vielen Berichten hören wir von Sanktionen, die auf unbotmäßiges Verhalten (unerlaubtes Verlassen des Bauernhofes bei Nacht oder Teilnahme an öffentlichen Veranstaltungen) folgten.

Therese Weber (Hg.), Mägde, Lebenserinnerungen an die Dienstbotenzeit bei Bauern, Wien 1991, Seite 16/17
Fotos: Archiv Robben

 

„Als die Bauern ihre Schlepper selbst fahren mussten, kauften sie keinen Lanz – Bulldog mehr“ (Dr. Bernard Krone)

Die „Studiengesellschaft für Emsländische (und Grafschafter) Regionalgeschichte e. V. veranstaltete in diesem Jahr ihre 29. Tagung „Emsländische Geschichte” am Samstag, dem 31. August 2019, beim Landwirtschaftsmaschinen-Museum Krone in Spelle.

Dazu gehörte auch eine engagierte Vorstellung des neuen Museums zur Erfolgsgeschichte der heutigen Krone Holding durch Walter Krone in Anwesenheit von Dr. Bernard Krone.

Dabei spielte auch die über 20 jährige erfolgreiche Zusammenarbeit mit der Firma Lanz in Mannheim eine Rolle.

Walter Krone erläuterte die Fehlentwicklung bei Lanz so: Die Beibehaltung des Einzylinder-Motors war die fatale Fehlentscheidung!

Hier sieht man den zehn Liter großen Hubraum eines 35 PS starken Lanz aus dem Jahre 1938. Diese Bauart der Motoren ließ sich kaum noch steigern, weil der Fahrer angesichts der zunehmenden Erschütterungen den Lenker nicht mehr halten konnte. (Dieses Foto entstand vor kurzem in Lingen/Bramsche)

So setzte man im Hause Krone zunehmend auf Hanomag Traktoren aus Hannover. Das war genau die Zeit, in der die allermeisten Heuerleute die Bauernhöfe auf immer verließen. Im südlichen Emsland fanden viele von ihnen bei Krone eine neue (Lebens-)Anstellung.

Als 1956 die Firma John Deere in Mannheim Lanz übernahm, entwickelte sich daraus eine gedeihliche Zusammenarbeit mit den rasant wachsenden Landmaschinenfabriken Krone, die bis heute sehr fruchtbar und umfangreich ist.

Ein Besuch in dieser wirklich gelungenen Museumsanlage in Spelle lohnt sich aus mehrfacher Hinsicht:

  • Zum einen gibt diese Einrichtung in den ersten Produktionshallen von Krone/Spelle  packende Einblicke in die Firmengeschichte dieses an der Emsland – Entwicklung maßgeblich beteiligten Familienunternehmens in der nun vierten Generation.
  • Auf der anderen Seite ist diese neue (private) Einrichtung eine enorme Bereicherung der regionalen Museumslandschaft und darüber hinaus. Allein von der Ausstellungsfläche ist sie doppelt so groß wie das Lanz-John Deere Museum in Mannheim.
  • In Spelle wird die Geschichte der Mechanisierung der Landwirtschaft, die unsere Lebensbedingungen entscheidend verbessert hat, „zum Anfassen“ präsentiert. Hier waren Fachleute verschiedener Disziplinen sehr erfolgreich am Werk.

Besuch bei Dr. Bernard Krone

Fotos Archiv Robben