Zuchterfolge bei Heuerleuten

Der Viehhändler Heinrich Leveling (genannt Pöttker) handelte sowohl bei Bauern als auch bei Heuerleuten.

Somit ist er ein besonderer Zeitzeuge für diese Sozialisationsform und er kann interessante Erlebnisse dazu in seiner Art erzählen.

Wieder einmal suchte er am frühen Vormittag  ein Heuerhaus in der Nähe von Emsbüren auf und kaufte dort aus einem Wurf 9 Mastschweine. Anschließend ging er  zu dem dazugehörigen Bauernhof, um auch dort nach möglichen Geschäften Ausschau zu halten.  Dabei steuerte er zunächst jeweils die Küche an, wo die Hausfrau in den Morgenstunden zumeist anzutreffen war. Natürlich war es ihr nicht entgangen, dass Pöttker zunächst bei den „lüttken“ Nachbarn war, und sie fragte neugierig: Was hast du denn da gekauft ? Der Viehhändler gab wahrheitsgemäß Auskunft. Ganz aufgebracht über den Erfolg im Stall der Heuerlingsfamilie rief sie ihren Mann herbei und beschwerte sich: Hermann hör mal unsere Heuerleute haben neun Mastschweine verkauft und das alles von unserem Acker!

Mehrfach wurde bei den Gesprächen mit ehemaligen Heuerleuten deutlich, dass deren Schweine nicht selten bessere Erfolge brachten als die der Bauern. Die direkte räumlich Nähe zu diesen besonderen Haustieren mit einem gewissen Verwöhneffekt ließ die Tiere besonders gut geraten.

So erzählte Frau Limbers aus Bramsche bei Lingen, dass der Lehrer des Dorfes grundsätzlich sein jährliches Schlachtschwein bei ihrer Mutter im Heuerhaus kaufte,weil es jeden Tag auch ein wenig Milch ins übrige Futter bekam…

Foto: Archiv Robben           Das Bentheimer Landschwein, eine beliebte Rasse bei Heuerleuten

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Die Enkelgeneration meldet sich!

Im Jahrbuch für den Kreis Steinfurt 2017 findet sich auch der Aufsatz zu dem Thema:

Der Inbegriff von Armut

mit dem Untertitel Das Heuerlingswesen prägte 400 Jahre lang das Leben auf dem Land – eine ausgezeichnete Kurzbeschreibung dieser bisher in der Fachliteratur vernachlässigten Sozialisationsform.

Es erstaunt, dass hier ein junger 19 jähriger Mann zu diesem Thema zur Feder gegriffen hat.

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Im Autorenverzeichnis erfährt man mehr: Leon Holling wurde 1997 im südlichen Emsland geboren. Er wuchs dort auf einem alten Hof auf, wo sein Großvater schon früh das geschichtliche Interesse in ihm weckte, das er auch heute noch aktiv im Heimatverein auslebt. Zum Heuerlingswesen hat er eine starke Verbundenheit, da es ein wichtiger Teil der Geschichte des elterlichen Hofes ist und bis heute ein guter Kontakt zu den ehemaligen Heuerleuten besteht.

In einem Telefongespräch mit ihm wurde ein mögliches Interview besprochen.

Darauf darf man bestimmt gespannt sein…

Die Enkelgeneration meldet sich!

Diese Zahlen beschreiben die Lage um 1845

Es bleibt nur Amerika

Die Volkszählung von 1845 im Fürstentum Osnabrück ergab eine Anzahl von 153.412 Menschen. Davon entfielen ca. 25.000 auf die Städte Osnabrück, Quakenbrück und Fürstenau, auf die übrigen Kirchdörfer lediglich etwa 25.000 Menschen.

Auf das sog. platte Land entfielen somit ca. 5/6 der Bevölkerung. Hiervon waren wiederum zu der Zeit etwa 2/3 Heuerleute. Es bestand demnach allgemein ein Verhältnis von 1 : 2 zwischen der landbesitzenden und der landlosen Bevölkerung.

Funke schreibt, daß dieses Zahlenverhältnis nicht überall gleich ist und gibt im Kapitel 4 nähere Einzelheiten. Für das Kirchspiel Menslage war nach einem Bericht der Vogtei Menslage an die Regierung in Osnabrück das Verhältnis noch größer. Hier kamen auf 159 Grundbesitzerfamilien 372 Heuerleutefamilien. Das ist ein Verhältnis von 1 : 2,33

Aus:

Lübbert zur Borg: 1845 – Es bleibt uns nur Amerika. Kirchspiel Menslage, Beiträge zur Geschichte, 
Hrsg. Von Gemeinde und Heimatverein Menslage 1990,
Seite 119 

Bauer Wübbels hatte 1846 fünf Heuerleute

Nach den Hofunterlagen hatte der Colon Bernhard Wübbels im Jahre 1846 fünf Heuerlinge:

Der Hof liegt ca. 7 Kilometer östlich von Lingen.

 

Leinenweber Dulle

Das war ein 5 Personenhaushalt. Dulle geht Wochen nach Holland zur Arbeit, die Dauer des Mietverhältnisses ist unbestimmt. Derzeit jährlich rund 65 Flor Miete. Drei Kühe geben Milch und Butter. Zur Heuerstelle gehören vier Morgen (1 ha) Boden. Die jährlichen Dienste für den Hof sind sieben Tage unentgeltlich.

Ackersmann Thole

Acht Personen gehören zum Haushalt. Zur Saisonarbeit weilt er zehn Wochen in Holland. 8 Morgen Acker gehören zur Heuer. Die Zeit ist unbegrenzt. Der Mietpreis pro Jahr beträgt 57 Flor. Er hat sieben unentgeltliche Dienste im Jahr zu verrichten. Drei Kühe sind sein Eigentum.

Ackersmann Huerkamp

Zur Familie gehören acht Personen. Zum Gras mähen oder Torf stechen wandert Huerkamp zwölf Wochen nach Holland. Zur Heuerstelle, die er auf unbestimmte Zeit für jährlich 63 Flor gepachtet hat, gehören 9 Morgen Land und sieben unbezahlte Dienste. Im Stall stehen drei Kühe.

Ackersmann Kock

Sechs Personen wohnen im Heuerhaus. Es ist kein Hollandgang verzeichnet. Die Mietdauer ist unbestimmt. Der Pachtpreis ist 54 Flor bei sechs Morgen Boden. An den Bauern leistet er sieben unentgeltliche Dienste, drei Kühe werden von ihm versorgt.

Ackersmann Teder

Zwei Personen wohnen in der Heuer. Der Mann geht zwölf Wochen zur Saisonarbeit nach Holland. 5 Morgen Boden gehören zur Heuerstelle, die für 40 Flor gemietet ist auf unbestimmte Zeit. Seinem Bauern hatte er sieben unbezahlte Dienste zu leisten. Zwei Kühe gehören zum lebenden Inventar.

Der Maler Heinrich Hermanns auf dem Hümmling 3

Ein besonderer „Rattenreport“!

Text des vorstehende Zeitungsartikels:

Heinrich Hermanns – Aus meinem Heidedorf

Ein Bauernwagen hatte mich am Endpunkt der Kleinbahn abgeholt. Nach einigen Stunden Fahrt durch die herbstliche Heide hielt der Wagen still und vor mir sah ich das von einem früheren Besuch in Erinnerung gebliebene „Gasthaus“. Mit einigen wohl begründeten Zweifeln trat ich in das mit Stroh gedeckte Haus, zuerst auf die Tenne, dann in die Küche, die zugleich Gast-  und Wohnstube war. Neben dem offenen Torffeuer saß ein Mann in mittleren Jahren, der sich nun als Lehrer des Ortes vorstellte. Und dann kam der Wirt mit einem Sprössling auf den Arm, die Wirtin bereitete dann in der durch ein Talglicht erleuchteten Stube mein Abendbrot.
Ermüdet von der langen Reise und den neuen Eindrücken ließ ich mir meine Schlaf Stube anweisen.

Eine niedrige Holz- respektive Bettwand teilte den Raum. Die eine Hälfte war mit Stroh gefüllt, worüber sich mein Bettzeug ballte und türmte. Die andere Hälfte diente dem Gast zum Auskleiden. An einer Wand befand sich ein winziges Fenster. Auf einem Stuhle stand die kleine Waschschüssel. Ich musterte bei dem flackernden Kerzenlicht den Raum, dessen Lehmboden absonderliche Löcher und Vertiefungen aufwies. Auf meine Frage, ob vielleicht Ratten dort seien, murmelte die Wirtin etwas Unverständliches und verschwand in der Vorahnung, dass hier meines Bleibens wohl nicht sein sollte, wollte ich meinen Reisekorb nicht öffnen und erbat mir ein paar Holzschuhe, um etwas zum Anziehen zur Hand zu haben.

Nach diesen Vorbereitungen begab ich mich zu Bett. Da kamen auch schon die Ratten. Sie huschten über meinen Kopf, Gesicht Hände und tobten im Zimmer herum. Schnell ergriff ich die beiden Holzschuhe und schlug nach allen Seiten. Sobald ich Licht anzündete, war alles fort. In der Dunkelheit gingen Tumult und Freudensprünge wieder los. Teils bei Licht teils in der Finsternis die Holzschuhe schwingend verbrachte ich die Nacht, bis gegen Morgen ein fahler Tagesschein durch das kleine Fenster hereinbrach und die lichtscheuen Gesellen fortblieben und mir vor Müdigkeit die Augen zufielen. Mit Schmerzen im Kopf und brennenden Augen nahm ich rechts verdrießlich das Frühstück ein.

Kurz entschlossen ging’s zum Herrn Lehrer, (der sich rasierte). Ohne in seiner Arbeit innezuhalten hörte er mein Klagen und sagte dann ruhig: Ich habe mir schon gedacht dass sie kämen. Sie gehören auch zu jenen nervösen Großstädten, die sich wegen jeder Belästigung in der Nachtruhe stören lassen. Nach kurzem Kriegsrat war ich bei einem Bauern untergebracht. Abseits von der großen Landstraße lag mein stilles Dorf. Alte Hütten stehen in Gruppen vereinigt unter hohen Eichen und Buchen verstreut. Jahrhunderte haben die Bäume gebraucht, um sich aus kärglichem Boden zu entwickeln. Eingeschnitzte die Inschriften deuteten auf hohes Alter und geben Kunde, dass schon manches Jahrhundert dasselbe Bauerngeschlecht hier auf selbiger Scholle saß. Schwer nur sind dem Boden Erfolge zu entrinnen. Große Entfernungen erschweren den Ab- und Umsatz der Ernte. So herrscht noch patriarchalischer Geist und zähes Festhalten an den Überlieferungen. Vergeblich bemüht sich der junge Bauer, wenn er in der Garnison seinen Dienst erfüllt hat, neuen Geist hinein zu tragen.

Der Maler Heinrich Hermanns auf dem Hümmling 2

Der Stadtbewohner Heinrich Hermanns erlebt auf dem Hümmling das Nachtleben mit den Ratten.

Das war damals normal: Deshalb mussten die Nachbarn auch die Totenwache am offenen Sarg eines Verstorbenen übernehmen, die Ratten hätten sonst die Leiche „angeknabbert“.

Aus dem Archiv von Elly van der Ahe:

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Der Maler Heinrich Hermanns auf dem Hümmling 1

Hermanns, Heinrich 

1862 Düsseldorf ‐ 1942 Düsseldorf

Informationen zum Künstler

Heinrich Hermanns zählt zu den bekanntesten rheinischen Landschaftsmalern im späten 19. und frühen 20. Jahrhundert.
Als Schüler von Eugen Dücker gründete er gemeinsam mit Olof Jernberg, Eugen Kampf und Helmut Liesegang den „Lucas-Club“, die modernste Verbindung von Landschaftsmalern in Düsseldorf um 1890.
Die Neuerungen dieser fortschrittlichen Malervereinigung betrafen die Wahl der Motive wie den künstlerischen Stil gleichermaßen: Anstelle der gewohnten Bilder aus Nord- und Südeuropa, die beispielsweise von Andreas und Oswald Achenbach bekannt waren, traten jetzt niederrheinische und holländische Sujets in sattem Kolorit und breitem Farbauftrag. Heinrich Hermanns stellte bis Ende der zwanziger Jahre sehr erfolgreich auf den großen deutschen Kunstausstellungen aus, seine Werke gelangten auch in europäische und amerikanische Sammlungen sowie in zahlreiche deutsche Museen.

aus: https://www.galerie-paffrath.de/de/kuenstler/hermanns_heinrich_k248

                              Der Hümmlinghof von Heinrich Hermanns

aus: Wikimedia commons

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Heute kaum vorstellbar: Das Emsland zwischen den Weltkriegen! Meldung 1

12. November 2016                                                                                                                       Seite 661 16

So schlimm sah sicherlich nicht jedes Heuerhaus in den 20er Jahren des letzten Jahrhunderts aus, aber…

Ein Zeitungsbericht aus dem Jahre 1929, erschienen in der Berliner Ausgabe der Deutschen Allgemeinen Zeitung, beschreibt die damalige Situation in Teilen des Emslandes, wie der Reporter sie bei seiner Bereisung erlebt hatte.

Dieser nachfolgende Zeitungsartikel kam zustande, weil in den Jahren 1927 und 1928 die deutsche Landwirtschaft eine tiefe Krise erschütterte. Da in der Grafschaft und im Emsland ohnehin eine große Rückständigkeit zum übrigen Deutschland bestand, steigerte sich diese Notsituation so, dass es zum Steuerstreik und zu Demonstrationen kam.

Daher entschloss sich der damalige Osnabrücker Regierungspräsident, überregionale Pressevertreter in das Emsland zur Bereisung einzuladen, um so auf die unhaltbaren Zustände auch in Regierungskreisen in Berlin aufmerksam zu machen und auf diesem Wege Fördergelder für die Emslanderschließung zu erhalten. So berichteten zwei weitere überregionale Zeitungen fast deckungsgleich über die unmenschlichen damaligen Verhältnisse in dieser  Region.

Sie wissen zu berichten, dass sich diese Zustände bis in die fünfziger Jahre hinein mehr im nördlichen und mittleren Emsland nur unwesentlich verbesserten.

Durch die Emslanderschließung (ab 1950) und das fast gleichzeitig einsetzende Wirtschaftswachstum (auch Wirtschaftswunder genannt) im Nachkriegsdeutschland änderten sich aus heutiger Sicht kaum vorstellbar schnell die Verhältnisse zum Besseren.

So sah es also in Teilen des Emslandes etwa zur Zeit vor dem 2. Weltkrieg aus

Von einer „Emslandnot“ hatte die große Öffentlichkeit namentlich in der östlichen Hälfte des Reiches und ganz besonders in Berlin bisher noch kaum etwas vernommen. Daher horchte man überrascht und einigermaßen ungläubig auf, als vor wenigen Tagen im Reichstag Hilfe aus öffentlichen Mitteln für das kulturell vernachlässigte Emsland nachdrücklich gefordert wurde.

Ein großer Teil des Emslandes, und zwar 75.000 Hektar, sind heute noch mit Moor und Heide bedeckt.Tatsächlich haben wohl nur die wenigsten Teilnehmer dieser Fahrt in dieser äußersten Nordwestecke des Reiches Zustände vermutet, wie man sie jenseits unserer Ostgrenze in verluderten polnischen Dörfern findet. Die Wohnungsverhältnisse der Kleinbauern und Heuerlinge spotten vielfach selbst den primitivsten hygienischen Anforderungen und können ohne Übertreibung nur als menschenunwürdig bezeichnet werden.

Wie die Berichte der Ortspolizeibehörden melden, sind etliche Familien unzureichend untergebracht. Dieses „unzureichend“ ist ein sehr milde gewählter Ausdruck für diese jämmerlichen Hütten, deren besonders hervorstechendes Merkmal die so genannten Butzen sind, eingebaute niedrige Schlafschränke ohne Zugangsmöglichkeit für Luft und Licht, die gegebene Brutstätten sind für die im Emsland stark verbreitete Tuberkulose.

In einem Heuerhause, das besichtigt wurde, schlafen in zwei solchen Butzen die Eltern, zwei Söhne und Töchter im Alter von 21 Jahren bis herab zu einem drei Monate alten Säugling. Im Kreise Aschendorf zählt man noch heute 747 Häuser mit 1500 solcher Butzen, im Kreise Bentheim noch über 800. Für die  Ersetzung durch Bettstellen werden vom Kreise, von den Gemeinden und von der Landesversicherungsanstalt Prämien von 100 Mark ausgesetzt. Wie gerechtfertigt diese Notstandsmaßnahme ist, zeigen die Zahlen der tödlich verlaufenden Tuberkulosefälle:

Allein im Kreise Meppen kamen 1925 auf 10.000 Einwohner 15 Tuberkulosetote, während die Durchschnittszahl in Preußen 10,93 auf 10.000 Einwohner beträgt.

Die Ernährungsweise der ländlichen Bevölkerung ist außerordentlich armselig, das tägliche Gericht sind für weite Kreise Kartoffeln und Brei. Die in den engen Wohnräumen von den morschen Deckenbalken herabhängenden Speckseiten können darüber nicht hinwegtäuschen: Sie stellen den Fettnahrungsbedarf einer Familie für das ganze Jahr dar.

Der Boden, soweit er nicht dem Moore abgerungen werden muss, besteht größtenteils aus stark sandigen oder lehmigen Grünländereien, deren Anbauwert durch den seit Jahrhunderten immer wiederholten einseitigen Roggenanbau noch verschlechtert worden ist und unter Aufwendung erheblicher Arbeit und Geldmittel, besonders für künstliche Düngung, langsam behoben werden kann.

Nicht weniger ungünstig sind die wasserwirtschaftlichen Verhältnisse des Emslandes. Nicht nur die Ems, sondern auch die übrigen kleineren Wasserläufe befinden sich zum großen Teil noch in ungeregeltem Zustande. Dadurch, dass die vorhandenen Entwässerungsgräben die großen  Wassermengen aus dem regenreichen Gebiet nicht entfernt aufnehmen und ableiten können, ereignen sich im Frühjahr und Herbst häufig große Überschwemmungen, die oft den völligen Verlust der Grünfutterernte zur Folge haben.

Nun die Verkehrsverhältnisse:el-strassen

Da infolge der ungünstigen Bodenverhältnisse die leistungsschwachen Gemeinden keine größeren Mittel für den Bau von Straßen aufwenden konnten, sind im Emsland heute noch 112 Gemeinden ohne befestigte Straße und können die nächste Landstraße nur auf Sand und Moorwegen erreichen, die bei Regenwetter völlig unpassierbar sind, wovon sich die Teilnehmer an der Besichtigungsfahrt durch eigenen Augenschein überzeugen konnten.

Es ist vorgekommen, dass Verstorbene wochenlang in ihrer Wohnung liegen bleiben mussten, da der Zustand der Wege es unmöglich machte, sie zu einem Friedhof zu bringen. Ganz besonders übel sieht es in dieser Beziehung im Kreise Hümmling aus, der weder eine Bahnstation noch auch nur einen Kilometer Provinzialstraße aufzuweisen hat. Im Kreise Meppen sind noch 46 Prozent aller Gemeinden ohne jeden Anschluss an eine befestigte Straße. Zu allen  diesen Übeln tritt die Ungunst der an sich milden klimatischen Verhältnisse. Selbst in den wärmsten Sommermonaten begünstigen die Moor- und Sandböden das Auftreten von Nachtfrösten, so dass kaum ein Monat des Jahres vollkommen frostfrei bleibt.

Wenn man den Fuß über die holländische Grenze setzt, dann offenbart sich erst in geradezu beschämender Weise die Vernachlässigung des deutschen Emslandes. Das Bourtanger Moor, das sich vom Emsland aus weit in holländisches Gebiet erstreckt, ist jenseits der deutschen Grenze restlos kultiviert, während es auf deutscher Seite eine melancholisch stimmende, düstere Einöde ist, der nur hier und dort menschliche Unternehmungslust Ackerland abgerungen hat.

Foto oben: Moormuseum Geeste

Foto unten: Kreisbildstelle Lingen