
Teilansicht des Arnold – Janssen – Gymnasiums in Neuenkirchen bei Rheine
Foto:
https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Arnold-Janssen-Gymnasium-2008.jpg

Teilansicht des Arnold – Janssen – Gymnasiums in Neuenkirchen bei Rheine
Foto:
https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Arnold-Janssen-Gymnasium-2008.jpg
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So engagiert und auch couragiert beginnt die Schülerin Antonia Brackebusch aus Wettringen ihre Einleitung in der Facharbeit zu dem Thema
Heuerlingswesen im Münsterland gegen Mitte des 19. Jahrhunderts
am Arnold-Janssen-Gymnasium in Neuenkirchen bei Rheine im Leistungskurs Geschichte.
Diese interessante Kurzstudie wird in Kürze hier eingestellt werden können.
„Die Geschichte wird von den Siegern geschrieben.“
Diesen berühmten Satz hört man immer wieder, wenn es um Geschichtsüberlieferungen geht und den Wahrheitsanteil in diesem Satz braucht man wahrlich kaum anzuzweifeln. Überall begegnet uns die Geschichte der sogenannten „Sieger“, egal ob im Geschichtsunterricht, in der Schule oder in der Fachliteratur oder im normalen Alltag. Nahezu unser gesamtes geschichtliches Wissen basierte lange Zeit grundsätzlich auf den Überlieferungen der „Großen“ der Geschichte.
Epochen übergreifend bestand demnach also kaum Interesse an der Geschichte der ärmeren Bevölkerungsschichten, die als „stumme Zeitzeugen“ agierten und kaum schriftliche Quellen hinterließen.
Erst seit Anbruch der Moderne scheint das Interesse der Wissenschaft sowie der Allgemeinheit auch auf der Geschichte der armen Bevölkerungsgruppen zu liegen. Folglich stehen nur sehr wenige wissenschaftliche Quellen zur Verfügung, da viele Informationen nur mündlich über Generationen hinweg überliefert wurden und dies die Auswertung der wissenschaftlich brauchbaren Information zusätzlich erschwert.
Zum Thema „Heuerlingswesen“ wird erst seit wenigen Jahren geforscht und demnach standen mir während meiner Arbeit nur wenige wissenschaftliche Literaturquellen zur Verfügung. Hinzu kommt, dass über das Thema „Heuerlinge“ lange Zeit aus Scham geschwiegen wurde und auch die noch lebenden Zeitzeugen kaum über das Thema berichten möchten.
Diese sicherlich besonderen Fotos zeigen keine verlassene Heuerstelle, dort wären nicht solche Maschinen anzutreffen gewesen.
Hier handelt sich um einen kleinen landwirtschaftlichen Betrieb in den 90er Jahren, der aufgeben worden ist.
Ein ehemaliger Kartoffelroder…
Ein Sammelsurium…
Das war einmal ein Heurechen…
… von der anderen Seite berachtet
Fotos Archiv Robben
Es ergeht die ernsthafte Ermahnung und die dringende Bitte des Reichsnährstandes an alle deutschen Bauern und Landwirte, soweit es die arbeits – und betriebswirtschaftlichen Verhältnisse nur irgendwie erlauben, das Heuerlingswesen einzuführen bzw. weiter zu verbreiten, um das verhängnisvolle Landarbeiterproblem lösen zu helfen. Die Erhaltung und Ernährung unseres deutschen Volkes aus eigener Scholle zu sichern, verlangt es. Die Schwierigkeit des Arbeitseinsatzes in der deutschen Landwirtschaft ist ungemein. Hier heißt es, alle Kräfte zusammenzufassen, um das gesteckte Ziel zu verwirklichen. Es erhebt sich die schicksalhafte Forderung des Führers, die alle zum letzten Einsatz verpflichtet: Das Dritte Reich wird ein Bauernreich sein, oder es wird nicht sein. Seite 141
Aus: Heinrich Kleine-Hakenkamp, Die Ziele des Reichsnährstandes im Heuerlingswesen des Münsterlandes, Würzburg 1939
Unserer heutigen Staatsführung hat rechtzeitig die Vorteile des Heuerlingswesens erkannt und ist davon überzeugt, dass dasselbe in hervorragendem Maße eine Förderung verdient. Man ist deshalb bemüht, die Gesundung und Mehrung des Heuerlingswesens mit allen Mitteln herbeizuführen und darüber hinaus eine Einbürgerung desselben auch in den Gebieten, wo dieses Arbeitsverhältnis bisher unbekannt war, mit allem Nachdruck zu erstreben.
Hermann Schulte, Das Heuerlingswesens im Oldenburgischen Münsterlande, Bochum 1939, Seite 143
Bei Annette von Droste-Hülshoff (1797-1848) erfahren wir:
Kennst du die Blassen im Heideland,
mit blonden, flächsenen Haaren?
Mit Augen so klar, wie an Weihers Rand.
Die Blitze der Welle fahren?
Oh, sprich ein Gebet, inbrünstig echt,
für die Seher der Nacht, das gequälte Geschlecht.
Im westfälischen und im niederdeutschen Sprachraum, so insbesondere im Emsland, dem Münsterland und auch in den angrenzenden Gebieten, wurden Menschen mit einem sog. „zweitem Gesicht“ als Spökenkieker bezeichnet. Diesen seltsamen Zeitgenossen sprach man die Fähigkeit zu, Zukünftiges vorhersagen zu können.
Figur eines Spökenkiekers vor dem Harsewinkler Rathaus
Während in der Phase des Wirtschaftswunders das Heuerlingswesen sich innerhalb weniger Jahre auflöste, weil sich zunehmend günstige Arbeitsplätze außerhalb der Landwirtschaft anboten, standen so immer mehr Heuerhäuser in landschaftlich reizvollen Lagen leer und ungenutzt da. Aufstrebende Unternehmer kauften oder mieteten gerade in dieser Zeit nun diese ansonsten dem Verfall preisgegebene historische Gebäude. So auch in diesem Fall.
… er war der älteste Sohn eines Bauern. Dennoch verdingte er sich zunächst als Knecht wie ein Heuermannssohn.
Foto: Emslandmuseum Lingen
Sein Leben nahm dann eine ganz andere Bahn: Er wurde Künstler!
Heinrich Weltring wurde 1847 in Baccum bei Lingen (Ems) geboren. Er starb 1917 in Thuine.
Der aus Messingen stammende Vater Hermann Martin Weltring, geborener Wobbe, heiratete in Baccum am 11. August 1846 Anna Maria Weltring, die Besitzerin des Hofes in Baccum war. Der Vater starb bereits mit 42 Jahren und die Mutter bewirtschaftete den Hof mit ihren unmündigen Kindern alleine weiter. Heinrich war zu diesem Zeitpunkt gerade acht Jahre alt. Um etwas Geld für die Familie zu verdienen, verdingte er sich nach der Schulzeit als Knecht auf dem Hof seines Onkels Clemens Sentker, geb. Weltring, im Ortsteil Ramsel. Als auch die Mutter 1868 im Alter von 42 Jahren verstarb, versuchte der damals 21-Jährige zunächst, den Hof mit seinen vier Geschwistern weiter zu bewirtschaften.
https://de.wikipedia.org/wiki/Heinrich_Weltring am 15. Juni 2018
Er verpachtete dann den Hof an seinen Onkel und absolvierte ein künstlerische Ausbildung in Osnabrück und Berlin.
Weltring verkaufte 1880 den elterlichen Hof und arbeitete in Karlsruhe zunehmend erfolgreich als Künstler.
Foto: Emslandmuseum Lingen
Hier eine Skulptur aus der Zeit seiner besonderen Schaffenskraft.
1908 musste er allerdings mittellos in seine Heimat zurückkehren. Er fand daraufhin bei seinem Bruder August, der als Hauptlehrer im heimischen Emsland eine Volksschule leitete, ein Zuhause.
Bisher ist – zumindest in diesem Kontext – nicht untersucht worden, ob der prozentuale Anteil der Heuerleute im Vergleich zu den Bauern bei der Einberufung zur Wehrmacht höher war.
Dieser Eindruck, teilweise mit lokalen Zahlen mündlich belegt, musste bei den Beiträgen von den Zuhörern nach den Vorträgen zum Heuerlingswesen immer wieder entstehen.
Der Kausalhintergrund wäre gegeben in der besonderen Rolle der Landwirtschaft zur Sicherung der Autarkie durch die Nationalsozialisten.
Diese Vergleichszahlen liegen für die Bauerschaft Gleesen im Landkreis Emsland vor:
Bis 1955 zählte der Ort neun Höfe und neun Heuerlingshaushalte.
Gefallene Soldaten aus Gleesen im 1. Weltkrieg
Heinrich Brinker, Sohn eines Heuermanns
Martin Eistrup, Bauernsohn
Bernhard Kötting, Bauernsohn
Heinrich Deiters, Bauernsohn
Hermann Graef, Bauernsohn
Heinrich von der Schwane, Sohn eines Heuermanns

Gefallene Soldaten aus der Bauernschaft Gleesen im 2. Weltkrieg
Andreas Brinker, Sohn eines Heuermanns
Hans-Theo Haferkamp, Sohn eines Schleusen – Gehilfen
Franz Scheffka, Lehrer
Hermann Temmen, Sohn eines Heuermanns
Bernhard Markus, Sohn eines Heuermanns
Franz Risse, Sohn eines Heuermanns
Hermann Pouwels, Sohn eines Heuermanns
Paul Brinker, Sohn eines Heuermanns
Willi Warborg, Bauernsohn
Franz Rickling, Sohn eines Heuermanns

Fotos: Archiv Robben
Im Bielefelder Bauernhofmuseum wurde am 10. Juni 2018 Olderdissens Kotten eröffnet.
Auf dem Foto (mit Schere) Bielefelds OB Pit Clausen, Museumsleiter Dr. Lutz Volmer, Dr. Ute Röder als Vorstandsmitglied der NRW – Stiftung und Marcus Stichmann, Geschäftsführer des Museums.
Die Theatergruppe Klio & Konsorten begeisterte mit vier themengebundenen szenischen Lesungen – Ungesunde dunkle Löcher – Gute und schlechte Colone – In die Fremde gehen – Democratie
https://klioundkonsorten.weebly.com/uumlber-uns.html
Dort ist z. Zt. eine sehr informative Ausstellung zum Heuerlingswesen zu besichtigen.
Fotos: Archiv Robben
Der Heuermann Nögel war anscheinend nicht sonderlich beliebt in seinem Heimatdorf und so hatte die Jugend der Bauerschaft ihm eine Tracht Prügel zugedacht. Als man den Plan in die Tat umsetzte, schrie Nögel fürchterlich: „Ich bin doch Nögel, kennt ihr mich nicht?“ Daraufhin erklärte die andere Seite: „Wir kennen dich genau, darum kriegst du jetzt ja auch eine Lage…“
Beim Ausbau des Dortmund-Ems-Kanal hatte Heuermann Nögel vorübergehend Arbeit gefunden. Als er nun oben auf einem Gerüst stehend den übrigen Arbeitern bei ihrer Tätigkeit zusah – er hatte dabei seine Hände tief in den Hosentaschen vergraben – kam der Vorarbeiter auf ihn zu und sagte: „Nögel, pass auf, dass du deine Pfeife nicht verlierst!“ Daraufhin Nögel ganz lässig: „Nee!“ … worauf man wenige Sekunden später etwas ins Wasser platschen hörte.
aus Erzählungen meines Vaters Bernhard Robben (1915 - 2004)