Vortrag in Havixbeck

 

Das wird vorerst einer der letzten Vorträge (Nr. 118) zur Thematik sein müssen, da die Fülle der Anfragen leider nicht mehr zu erfüllen ist.

Aber Dr. Helmut Lensing und ich werden in Zusammenarbeit mit weiteren Historikern und Volkskundlern uns dem Thema „Besitzlose Landbevölkerung im deutschsprachigen Raum“ widmen – ohne Zweifel ein schwarzes Loch in der deutschen Geschichtsschreibung.

Da werden die Heuerleute immer wieder eine Rolle spielen.

Die 7. Auflage des Buches Wenn der Bauer pfeift… ist wegen weiterer Nachfrage in Auftrag gegeben.

https://www.wn.de/Muensterland/Kreis-Coesfeld/Havixbeck/3513616-Vortrag-zum-Heuerlingswesen-Rueckgrat-der-Landbevoelkerung

Beeindruckende Sandwehen verschwinden

15. Oktober 2016

Im Rahmen einer Industrieansiedlung im Gebiet Poller Sand im Süden von Lingen werden bis zu 16 Meter hohe Wehsanddünen abgetragen. Die bewaldeten  Nachbargrundstücke werden weiterhin stumme Zeugen dieser damaligen Umweltsünden – insbesondere auch durch Heuerleute verursacht – sein.

http://www.heuerleute.de/damalige-umweltschaeden-gut-dokumentiert-heimatverein-darme/

Dieses Foto als besonderes Zeitzeugnis stammt vom Rektor und Archivar Helmut Tecklenburg.

 

 

 

Die Menschen und die Schafe hatten die Markengründe – und damit den größten Flächenanteil Nordwestdeutschlands – durch Überweidung und übermäßigen Plaggenstich ihrer „Haut“, den Bewuchs durch Heidekraut, beraubt. So entstanden gefährliche Wehsandgebiete, die wichtige Ackerflächen und auch die Dörfer bedrohten.

Erst als durch staatliche Verordnungen im 19. Jahrhundert diese Flächen vornehmlich mit Kiefern bepflanzt wurden, konnte diese Gefahr gebannt werden.

Hier nun eine abgeholzte Fläche, die das ganze Ausmaß für einige Tage deutlich macht.

 

Einige Fotos dazu:

Ein Blick vom Baugelände auf das benachbarte Kraftwerksgelände des KKE

Bis zu 15 Meter hoch sind diese in vergangenen Jahrhunderten entstandenen Dünen.

 

Ist die dünne Oberschicht erst einmal angekratzt, wühlen sich die Bagger gleich in die feinen Wehsande ein.

In wenigen Tagen wird von hier aus der Blick auf das Kraftwerk anders sein…

Landwirtschaft vor den Städten des Ruhrgebietes

 

 

Nach der Karte vom Verbreitungsgebiet des Heuerlingswesens aus den Studien von Jürgen Seraphim von 1946 gehörte diese Gegengd noch dazu…

Beispiel Josef U. – 1 Kilometer vor dem Stadtgebiet von Recklinghausen

In früheren Jahren hatte dieser Hof 100 Morgen (entspricht 25 Hektar) unter dem Pflug, davon waren 40 Morgen gepachtet – von der Kirche und von einem  Rechtsanwalt.

Zehn Kühe, vier Pferde und eine Anzahl von Schweinen standen im Stall wurden versorgt.

Auf dem Hof lebte ein Öhm, ein unverheirateter Onkel,  der  auf dem Betrieb mithalf. Da es hier keine Heuerleute gab, boten in Erntezeiten  Männer und Frauen aus Recklinghausen sich an, die ansonsten im Kohlebergbau beschäftigt waren.

Nach Aufgabe der Landwirtschaft wurde der Hof umfunktioniert in einen Reiterhof.

De wiete Welt in Ossenbrugge

 

Auf dem Solarlux Campus in Melle  trafen sich 44 Aussteller und geschätzt 1200 Ahnenforscher aus dem ganzen Bundesgebiet und aus dem Ausland zum 70. Deutschen Genealogentag unter dem Motto „Van Ossenbrugge in de wiete Welt“ in Melle vom 5. bis zum 7. Oktober 2018.

Auch die „Heuerleute“ waren als Thema vertreten:

 

Weitere Berichte folgen…

Fotos: Archiv Robben

Unehelich geborene Säuglinge wurden vernachlässigt….

Ein „Ausnahmebuch“ mit erstaunlichen Forschungsergebnissen….

Der rückwärtige Klappentext informiert:

Die vorliegende Schrift erfaßt anhand des nördlich des Harzes ge­legenen Ortes Ditfurt exemplarisch die Bevölkerungsentwicklung einer Landgemeinde ab 1600.

Mit Hilfe von kirchlichen Tauf-, Trau- und Sterberegistern wurden — in Zeitabschnitte und nach Berufen der Männer aufgeteilt — u.a. folgende Daten ausgewertet: Heiraten, Mütter mit unehelichen Kin­dern, Ein- und Auswanderungen, Heiratsalter; Geborenenziffer, Kin­der pro Familie, Geburtenabstände, Alter der Frauen beim ersten und beim letzten Kind; Sterbeziffer, Sterbealter, Todesursachen; Ein­wohnerzahlen.

Die überregionale geschichtliche Entwicklung, außergewöhnliche Ereignisse oder das Leben hochstehender Persönlichkeiten sind viel­fach beschrieben worden. Selten dagegen hat man die gesamte Bevölkerung eines Ortes, die Lebensweise der arbeitenden Bevöl­kerung, die soziale Lage einfacher Menschen untersucht. Diese Forschungslücke wird hier am Beispiel eines Dorfes in Mitteldeutsch­land geschlossen.

Eine wichtige und richtige Schlussfolgerung. Sie muss aber insofern spezifiziert werden, dass die Lage der besitzlosen Landbevölkerung bisher von den beteiligten Wissenschaften vernachlässigt worden ist. 

Die arbeitende Bevölkerung ansonsten ist ab etwa 1850 durch Karl Marx und Friedrich Engels mit  einer enormen Fülle an Sekundärliteratur beschrieben worden.

Allein diese (wegen der Überschaubarkeit von mir reduzierte) Schautafel zeigt einen Einblick, der so bisher nirgendwo gefunden wurde.

Ledige Mütter haben offensichtlich z. T. ihre eigenen Säuglinge so vernachlässigt, dass diese starben, wenn der neue Ehepartner nicht der Vater war.

Diese Erkenntnisse sind sicherlich übertragbar auf andere Kommunen in Deutschland, denn die Lage der ledigen Frauen auf dem Lande war weitgehend identisch.

Etliche Taufregister in Ostdeutschland und Bayern weisen bis zu 25 Prozent uneheliche Geburten aus.

Ditfurt liegt außerhalb des Verbreitungsgebietes des Heuerlingswesens.

Fast in jeder Kommune gibt es Berichte über von Bauern geschwängerte Mägde. Gerade aus dem Raum Bersenbrück liegen mir mündliche Berichte darüber vor, dass diese junge Frauen entschädigt wurden durch eine Kuh als Mitgift. So fand die Schwangere in der Regel schnell einen Knecht als Ehepartner, um dann gemeinsam eine Heuerstelle anzustreten.

Foto: Archiv Robben

Harzforschungen 17

Peter Stephan, Ditfurt - Demographie und Sozialgeschichte einer Landgemeinde nördlich de Harzes über 400 Jahre, Wernigerode 2002, Seite 116

Siedlungen im Moor – kaum zu glauben

Heuerleute aus Dalum im Emsland konnten ihre Lage nicht mehr ertragen und siedelten am Schwarten Pohl am Rande des Bourtanger Moores.

 

 

In dieser Veröffentlichung ist die mutige – aber auch sehr schwierige – Kolonisation vergleichsweise umfangreich beschrieben. Das Buch ist vergriffen.

Übersicht über weitere Besiedlungen im Emsland:

K. Greshake: Schwartenpohl Geschichte eine Moorbrandsiedlung, Lingen 1963