In diesem Buch wird die Thematik kurz beschrieben:
Heuerleute aus Dalum im Emsland konnten ihre Lage nicht mehr ertragen und siedelten am Schwarten Pohl am Rande des Bourtanger Moores.
In dieser Veröffentlichung ist die mutige – aber auch sehr schwierige – Kolonisation vergleichsweise umfangreich beschrieben. Das Buch ist vergriffen.
Übersicht über weitere Besiedlungen im Emsland:
K. Greshake: Schwartenpohl Geschichte eine Moorbrandsiedlung, Lingen 1963
Amberger Nachrichten v. 21.04.2001
Arme brauchten Erlaubnis zum Heiraten
http://www.asamnet.de/~maschmid/Bilder/Hirten.html
Im Heuerlingsgebiet Nordwestdeutschlands bestand nach dem Armenrecht ebenfalls die Möglichkeit der Heiratsverweigerung.
Im Grunde genommen hatten die Bauern die Vorauswahl: Gaben sie einem jungen Paar eine Heuerstelle, bekamen diese durchweg eine Heiratserlaubnis, weil sie sich eigenständig versorgen und auch nachkommende Kinder aufziehen konnten.
Auch von hierher kann sicherlich die These untermauert werden, dass im Vergleich zu anderen Teilen Deutschlands (z. B. Bayern und Ostdeutschland) das Heuerlingssystem nicht die schlechteste Sozialisationsform darstellte.
Amberger Nachrichten v. 21.04.2001
Interessante Literatur dazu:
Die Niederländer unterschieden die damaligen Hollandgänger sehr deutlich:
Aus:
http://home.hccnet.nl/hvisser.2/poepen/poepen-alg.html
Diese informative niederländischeWebsite wird auch übersetzt angeboten.
In Ergänzung zu diesen Ausführungen ein Beispiel, das ich im Rahmen der Eröffnung des Doppelheuerhauses (Kotten) Olderdissen im Bauernhofmuseum in Bielefeld als „Stellwandinformation“ fand:
Die Armenkasse Werther versorgte sie 6 Wochen
.Der Westfälische Anzeiger berichtet im Jahr 1815 (Sp. 201 f.) über das Schicksal von Frauen, die sich in Ravensberg auf Bauernhöfen in Dörfern als Grobspinnerinnen verdingten.
„Solche Personen erlangen ein hohes Alter, ohne einen anderen Wohnort zu haben als die Gemeinde,in der sie 20, 30, 40 Jahre von Haus zu Haus gesponnen haben.“
Eine solche Person war die 80jährige Anne Marie Clemens aus Oelde im Münsterschen gebürtig, welche in hiesiger Gegend seit langen Jahren von Haus zu Haus gearbeitet hatte. Im März 1814 brach sie sich ein Bein. Die Armenkasse Werther versorgte sie 6 Wochen lang. Nach notdürftiger Heilung fand sie eine zeitlang beim ehemaligen Brotherren Unterkunft. Im Januar 1815 aber meldete der Meier zum Gottesberg in Isingdorf dem Cantonsbeamten, er wolle die ..Person“ endlich los sein. Bevor die alte Spinnerin wie geplant über ,,Grenze“ nach Ravensberg abgeschoben werden konnte, verstarb sie.
Karte aus: https://de.wikipedia.org/wiki/Hinte
Wie war die Situation der Landarbeiter um 1900?
(Jedenfalls recht anders als die der Heuerleute weiter südlich)
In der Marsch
Die Bauern in den Marschgebieten hatten mindestens 50 Hektar, in Einzelfällen bis 180 Hektar unter Bewirtschaftung. Auf den großen Plaatzen arbeiteten zumeist drei Knechte und drei Mägde.
Letztlich konnten ein oder mehrere Tagelöhner eine ständige Beschäftigung finden
auf der Geest und im Moor
Im Vergleich dazu waren die Höfe auf der Geest und in Moorgegenden viel kleiner. Moorkolonisten bewirtschafteten beispielsweise Höfe mit lediglich 3 bis 10 ha. Alle Familienangehörigen mussten auf dem Hof mitarbeiten. Trotzdem war es oft nicht möglich, den Lebensunterhalt zu erwirtschaften
Kleinbauern von den Geest- und Moordörfern, die in der Erntezeit (die Zeit der hohen Löhne) auf den Höfen der Marsch Geld hinzuverdienen wollten und Landarbeiter, die kein eigenes Land besaßen, hatten die Möglichkeit auf Arbeitermärkten ihre Arbeitskraft anzubieten. In Hinte und Pewsum gab es in der Saison jeden Samstag Arbeitermärkte.
Es kamen auch Landarbeiter von weiter her, z. B. aus dem Südoldenburgischen. Sogar aus Holstein und Hannover sollen Arbeiter gekommen sein. Vor allem junge, kräftige Männer (meist zwischen 15 und 30 Jahren) wanderten der Arbeit hinterher. Die langen Wege wurden häufig zu Fuß zurückgelegt, nur wenige hatten ein Fahrrad. Manche fuhren per Bahn mit einer Arbeiterkarte. So gab es einen speziellen Sonntagsarbeiterzug von Georgsheil nach Emden, damit die Arbeiter am Montag früh mit der Arbeit beginnen konnten.
Warum gab es in Hinte einen Arbeitermarkt?
Hinte lag sehr verkehrsgünstig (durch die Bucht von Sielmönken war Hinte mit dem Meer verbunden). Die Aa oder Ehe ein Nebenfluss der Ems, ermöglichte eine schiffbare Verbindung nach Emden. Später wurde daraus das „Hinter Deep“ (Hinter Tief)
1733 erhielt Hinte das Marktrecht. Auf dem „Großen Brüggenort“ wurde der Markt abgehalten. Der Platz eignete sich auch deshalb sehr gut, weil es dort einen Schiffsanlegeplatz gab. Noch heute gibt es diesen Platz bei der Muhte und dem neuen Rathaus.
Seit ca. 1850 wurden in Hinte Arbeitermärkte, auch „Menschenmärkte oder Arbeiterbank“ genannt, abgehalten. Diese Arbeitermärkte wurden gelegentlich mit Viehmärkten und Sklavenmärkten im Süden der USA verglichen. Dies trifft jedoch den Charakter der Arbeitermärkte nicht, weil die Arbeiter selbst ihre Arbeitskraft anboten, sie wurden nicht verkauft.
Die Erntearbeiten konnten nicht allein von den Stammarbeitern bewältigt werden. Hauptsächlich ging es um das Schneiden von Gras und Getreide. Später wurden Arbeiter bei der Ernte von Hülsenfrüchten benötigt.
Vielfach kamen auch die Frauen der Arbeiter mit, die bei der Getreideernte für das Binden der Garben zuständig waren. Dies war eine sehr anstrengende Arbeit, weil sie mit vornübergebeugtem Oberkörper verrichtet werden musste. ·
Wie funktionierte ein Arbeitermarkt?
In der Saison versammelten sich Arbeiter und Bauern auf dem Marktplatz. Es sollen sich zeitweise mehr als 500 Arbeitssuchende auf dem Hinter Arbeitermarkt aufgehalten haben
Zunächst fanden diese Märkte am Sonntag vor dem Kirchgang statt. Später wurden sie auf den Samstagnachmittag verlegt, der deswegen arbeitsfrei war. Arbeiter konnten direkt mit den Bauern die Bedingungen für eine Beschäftigung aushandeln. Es kam aber auch vor, dass von Arbeitern gewählte Wortführer die Verhandlungen mit den Bauern führten. Die Bauern nahmen das Arbeitsgerät der Landarbeiter (Sicht und Bick oder Sense, Hammer und Haarstapel – eine Art keiner Amtes zum Dengeln der Sense naaren = dengeln) als Pfand mit zum Hof, wo es den Arbeitern am Sonntag ausgehändigt wurde.
Der auf dem Arbeitermarkt zwischen Bauer und Landarbeiter mündlich geschlossene Kontrakt bezog sich zumeist auf eine Woche. Die Arbeit begann am Montag früh und endete Samstagmittag. Suchte ein Arbeiter eine längere Beschäftigung, musste er häufiger den Arbeitgeber wechseln, indem er am Samstagnachmittag wieder zum Arbeitermarkt ging.
Die Arbeit begann am frühen Morgen, wenn kein Tau mehr auf dem Gras lag, manchmal ging es schon um 3 Uhr los. Für die Mittagspause, die meist nur eine halbe Stunde dauerte, bei großer Hitze auch länger, wurde das Essen aufs Feld gebracht. Häufig wurde so lange gearbeitet, bis die Dunkelheit einbrach. Die in der Nähe wohnenden Arbeiter (Nähe konnte auch einige Kilometer bedeuten) gingen nach der Arbeit nach Hause. Weiter entfernt Wohnende übernachteten in der Scheune im Heu oder Stroh, manche in Zelten, die von den Frauen der Arbeiter für diesen Zweck selbst genäht worden waren.
Dieser Text findet sich an einer Wand im Landarbeitermuseum in Suurhusen
Foto: Archiv Skibicki
Der Architekt Hermann Hüsken aus Lingen/Laxten verstarb im Alter von 93 Jahren.
Dieser Nachruf soll erinnern an seine Verdienste um die regionale Geschichte.
aus: 07. 09.2018 LINGENER TAGESPOST
Immer wieder war er Mitinitiator von spezieller Geschichtsforschung in Fallstudien vor Ort. So haben wir gemeinsam in einer Gruppe um Dr. Bernd Schulte untersucht, warum der Landwirt Menger um 1850 seinen Heimatort Laxten und seine Familie bei Nacht und Nebel in Richtung USA verlassen hat.
Auch seine besonderen Kenntnisse zum Heuerlingswesen waren mir wichtig, hat er doch in seiner beruflichen Funktion vielen Heuerlingen zu einem Eigenheim verholfen.
Der Ausschnitt aus einem Videobeitrag von 2016 zeigt Hermann Hüsken im Alter von 91 Jahren bei der Präsentation der Forschungsergebnisse zum Auswanderer Menger:
BOB KERNKAMP WORMERVEER NL
Dieser Beitrag stammt aus dem Archiv des Heimatvereins Menslage
Der Reisepaß, dessen Kopie unten abgebildet ist, wurde im Juli 1813 in Edam. Holland. ausgegeben an den Menslager Kaufmann Tobias Kernkamp. Was tat dieser Tobias Kernkamp in Edam und wozu benötigte er diesen Paß? Am Beispiel der Familie Kernkamp soll im folgenden ein wenig über den deutschen Manufakturwarenhandel in den Niederlanden im vorigen Jahrhundert berichtet werden. So wie die Kernkamps haben viele Deutsche im vorigen Jahrhundert einen profitablen Handel zwischen den beiden Ländern betrieben.
Tobias Kernkamp wurde 1758 in Menslage geboren als Sohn des Johann Diederich Kernkamp (1723-1779), der nachweisbar schon 1744 in Edam war und in der Volkszählung von 17721) genannt wird mit der Bemerkung: »handelt mit Wollaken«. Die Kernkamps waren demnach schon einige Zeit im Handel mit Textilien tätig. Zu der Zeit gingen viele Deutsche als Saisonarbeiter nach Holland, um dort das Geld zu verdienen, daß sie zu Hause wegen fehlender Möglichkeiten nicht bekommen konnten. So gingen z. B. 1656 3% der Menslager Einwohner im Sommer nach dem »reichen Westen«. Die meisten dieser sogenannten Hollandgänger arbeiteten auf dem Lande beim Grasmähen oder Torfstechen. Die Geschichte der Textilkaufleute verläuft parallel zu der Entwicklung der Saisonarbeit. hat aber auch seine eigene Herkunft
Schon seit dem späten Mittelalter wurde im Osnabrücker Land Flachs angebaut; hauptsächlich im Süden, aber auch in beträchtlichen Mengen in den Kirchspielen Badbergen und Menslage. Aus dem Flachs wurden Garn und Leinwand hergestellt und das sogenannte »Artländer Leinen« hatte einen ausgezeichneten Ruf. Zu Beginn des 17. Jahrhunderts kam die Produktion von Wollaken hinzu. Dies war ein Gewebe aus Leinen und Wolle und wurde neben dem reinen Leinen hauptsächlich nach Holland exportiert. Die Anfertigung des Wollakens geschah im Nebenerwerb bei den Heuerleuten und kleineren Landwirten zu Hause und zwar hauptsächlich im Kirchspiel Berge. Im Kirchspiel Menslage wurde das dazu benötigte Flachsgarn hergestellt. Erst nahmen die Hollandgänger einige Stücke Leinen oder Wollaken zum Verkauf mit. wenn sie zur Arbeit nach Holland gingen. Als die Mengen immer größer wurden, verlegten sich einige ganz auf diesen Handel und wurden Textilkaufleute. die sogenannten »Manufakturiers«. 1773 schrieb der Menslager Pastor Gerding. daß viele Leute jährlich nach Holland gingen. » … nicht nur. um grobe Handarbeit zu verrichten oder zu Schiffe zu fahren. sondern auch sich auf die Handlung legen, welche jährlich 16 bis 20.000 holländische Gulden ins Land bringen …«.2 Zur Unterstützung der kaufmännischen Ausbildung wurde z.B. um 1800 in der Schule zu Berge zum Rechnen ein holländisches Lehrbuch benutzt und in der Oberstufe bekamen die Kinder sogar Unterricht im Aufstellen von Frachtbriefen und Quittungen.
Anfang des 19. Jahrhunderts verschlechterte sich dann aber die Situation. Die Niederlande belegten nach 1815 das deutsche Wollaken mit einem Einfuhrzoll und es kam eine bedeutende Konkurrenz aus dem früh industrialisierten England. das mit der billigeren Baumwolle große Teile des Marktes für sich eroberte. Dazu kam die rasche Zunahme der Bevölkerung und einige Mißernten in dieser Zeit. 1830 fielen die holländischen Zölle wieder fort und die deutschen Behörden versuchten dazu die Lage durch die Eröffnung von »Leggen« zu verbessern. Dies waren Einrichtungen, in denen das Leinen behördlicherseits auf die Einhaltung von Qualitätsmerkmalen geprüft und gekennzeichnet wurde. Hierdurch sollte der Absatz verbessert werden. So wurden 1825 in Quakenbrück und Berge solche Leggen eingerichtet. In Menslage wurde weiterhin 1830 der »Garnverein« gegründet 3′. » Zur Beförderung der Industrie und zum Wohle der geringen Familien«.
1Tabelle der im Kirchspiel Menslage lebenden Menschen nach ihrem Stande und Handthierungen
(StAO Rep. 100 / Abschn. 188 / Nr. 46
2Zitiert von Dr. K.H. Ziessow in »Ländliche Lesekultur«. Seite 107
3 siehe: »Kirchspiel Menslage Beiträge zur Geschichte«. Seite 623
http://www.watt-up-platt.de/plattdeutsch-in-der-landwirtschaft-1/
Dieser Beitrag zeigt zumindest indirekt, dass Heuerleute angesichts der Mechanisierung in der Landwirtschaft dort keine Arbeit mehr fanden, sie auf der anderen Seite von den Bauern nicht mehr passend bezahlt werden konnten…
Der 70. Deutsche Genealogentag findet 2018 auf dem Solarlux-Campus, Industriepark1 in 49324 Melle statt.
https://dgt2018.osfa.de/?Programm
Auch das Heuerlingswesen wird dort thematisiert-