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Moorsiedlung Schwartenpohl
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Heuermann Eilers
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Lübbert zur Borg
Beiträge von Lübbert zur Borg
Borg, Lübbert zur: 1845 – Es bleibt uns nur Amerika, in: Gemeinde und Heimatverein Menslage (Hrsg.): Kirchspiel Menslage. Beiträge zur Geschichte, Menslage 1990, S. 119-125.
Borg, Lübbert zur: 1847 – Pastor Funkes Buch über die Probleme des Heuerleutesystems, in: Menslager Hefte. Mitteilungen des Heimatvereins, Heft 9. Hrsg. vom Heimatverein Menslage, Menslage 1995, S. 18-29.
Borg, Lübbert zur: Nachrichten aus Amerika, in: Menslager Hefte. Mitteilungen des Heimatvereins, Heft 26. Hrsg. vom Heimatverein Menslage, Menslage 2012, S. 27-34.
Borg, Lübbert zur: Aus dem Notizbuch eines Schulmeisters, in: Menslager Hefte. Mitteilungen des Heimatvereins Menslage, Heft 1. Hrsg. vom Heimatverein Menslage, Menslage 1987, S. 35-37.
Borg, Lübbert zur: Post aus Amerika, in: Menslager Hefte. Mitteilungen des Heimatvereins, Heft 2, Menslage 1988, S. 45-51.
Borg, Lübbert zur: Post aus Deutschland nach Illinois, in: Menslager Hefte. Mitteilungen des Heimatvereins, Heft 25, Menslage 2011, Menslage 2011, S. 20-29.
Josef Tegeder
Josef Tegeder war über Jahre ein wichtiger Gesprächspartner insbesondere als genauer Kenner von dörflichen Strukturen, historischen Hintergründen und weiteren Wirkfaktoren der regionalen Geschichte insgesamt. In seiner ruhigen und sachlich kompetenten Art übernahm er etliche Jahre Verantwortung als Schriftführer beim Heimatverein Langen und im Dachverband der Heimatvereine im Lingener Land. Er war einer der ganz wenigen etablierten Heimatkundler, der von Anfang an einer möglichst objektiven Aufarbeitung des Heuerlingswesens nicht nur interessiert war, sondern auch etwas Konkretes auf den Weg gebracht hat. Die Ausstellung zu diesem Thema im Heimatshaus Langen zeugt davon. Seine private Sammlung zu einer Fülle an historischen Fakten aus dem Großraum Freren – Lengerich und teilweise auch darüber hinaus war auch für mich bei meinen Recherchen von enormem Vorteil. Gerade zu den Problembereichen des Heuerlingswesens hatte er eine klare Meinung, die sich an seinen persönlichen Erfahrungen sowohl im familiären Umfeld als auch an Informationen aus dem dörflichen Umfeld orientierten. Er kannte menschliche Verfehlungen, die vornehmlich ihre Ursache in dieser Sozialisationsform hatten, und er hat sie mir auch in mehreren Interviews mitgeteilt. So stammte sein Vater von einem eher „adeligen“ Bauernhof, der Name Tegeder bezeugt, dass seine Vorfahren für den Landesherrn die „Tenter“ waren, die in ihrem dörflichen Umfeld den zehnten Teil der bäuerlichen Erzeugnisse an den Bischof von Münster abzuliefern hatten und somit vor Ort eine Sonderstellung einnahmen. Gerade dazu hat er mir aus der Familiengeschichte interessante Erkenntnisse seinerseits berichtet, die er dann entsprechend abstrahieren konnte. Wir beide hatten gemeinsam noch einiges vor, nun ist er nach längerem Leiden gestorben. Er ist mir zu einem Freund geworden.
Dr. Herbert F. Bäumer
Jg. 1939, Westhoyeler Straße 13, 49328 Melle – Döhren.
Studium der Geographie, Arbeitslehre und Sozialkunde/Politik an der Universität Osnabrück, Promotion 1998 an der Universität Osnabrück mit dem Thema: „Neubauern als raumprägender Faktor – dargestellt an der Vogtei/Samtgemeinde Riemsloh-Hoyel – Untersuchungen zu Veränderungen einer Siedlungslandschaft im 19. Jh.“
Realschullehrer bis 1992, anschließend Realschulrektor der Realschule Buer
Rezension EL
Die nachfolgende Rezension – erschienen im Emsland – Jahrbuch 2016 – stammt aus der Feder von Dr. Ludwig Remling.
Dr. Remling war bis zu seiner Pensionierung als Stadtarchivar in Lingen tätig. Er ist auch weiterhin in der Region als Historiker ein gefragter Mann.
Bernd Robben u. Helmut Lensing: „Wenn der Bauer pfeift, dann müssen die Heuerleute kommen!“ Betrachtungen und Forschungen zum Heuerlingswesen in Nordwestdeutschland. Haselünne 2014, 288 S., ISBN 978-3-9814041-9-7 24,90 € Rezension EL weiterlesen
Rezension Dr. Remling
Die nachfolgende Rezension – erschienen im Emsland Jahrbuch 2016 – stammt aus der Feder von Dr. Ludwig Remling.
Dr. Remling war bis zu seiner Pensionierung als Stadtarchivar in Lingen tätig. Er ist auch weiterhin in der Region als Historiker ein gefragter Mann.
Bernd Robben u. Helmut Lensing: ,,Wenn der Bauer pfeift, dann müssen die Heuerleute kommen!“
Betrachtungen und Forschungen zum Heuerlingswesen in Nordwestdeutschland. Haselünne 2014, 288 S., ISBN 978-3-9814041-9-7 24,90 €
Rezension Dr. Pelzer
Rheinisch – westfälische Zeitschrift für Volkskunde
Herausgegeben von Dagmar Hänel und Ruth – E. Mohrmann
Schriftleitung: Thomas Schürmann, Lars Winterberg
Band LX Bonn und Münster 2015
Dort findet sich findet sich die folgende Buchbesprechung von
Dr. Marten Pelzer aus Köln
Titel und Untertitel sind bei dem Werk treffend gewählt und vielsagend:
In dem Buch geht es um das soziale Phänomen der Heuerleute, jener in Nordwestdeutschland jahrhundertelang bis in die 1960er Jahre verbreiteten unterbäuerlichen Schicht von Kleinpächtern, die hier, neben dem Gesinde zugleich die Landarbeiterschaft stellten und dabei in einem einseitigen Abhängigkeitsverhältnis zu den landverpachtenden Bauern standen.
Die Themen, die behandelt werden, betreffen die Entstehung und Ausgestaltung des Heuerlingswesens nach dem Dreißigjährigen Krieg unter dem Einfluss von Anerbenrecht und Bevölkerungswachstum, die für die Heuerlingswirtschaft lange Zeit so wichtige geduldete Mitbenutzung der „gemeinsamen Marken“ und die Folgen der Markenteilung, die Strategien der Heuerleute zur Bewältigung ihrer zumeist prekären Lebenslage wie frühe Versuche der Moorbesiedlung und diverse Nebenverdienste aus Textilherstellung, Wanderhandel, Hollandgängerei oder auch Schmuggel und Lehrtätigkeiten an Winkelschulen, die Verschärfung der Arbeits– und Erwerbssituationen für die Heuerlingsbevölkerung während der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts und die Auswanderungswellen nach Amerika als Reaktion auf diese Krise wie auch das anschließende Aufkommen und Wirken der politisch ausgerichteten Heuerleutebewegung mit ihrem Pachtschutzforderungen und Reagrarisierungsansätzen im Zusammenhang mit der staatlich geförderten Ödlanderschließung.
Dazwischen scheint immer wieder durch, wie schwer es die Heuerlingsfamilien hatten und wie abhängig sie von der Gunst des Bauern waren. Aufgrund ihrer schwachen Rechtsposition und des hohen Konkurrenzdrucks unter ihnen waren sie die meiste Zeit ihren Verpächtern regelrecht ausgeliefert.
Soweit bringt das Buch kaum neue Erkenntnisse. Es führt zusammen, was zu dem Thema an Lesefrüchten aus der einschlägigen regionalhistorischen Literatur zu gewinnen ist. Noch am ehesten eröffnet es neue Einsichten dort, wo die Rolle der Heuerlingsfrau in den Fokus genommen wird.
Neu und in jedem Fall verdienstvoll ist, dass das Buch nach langer Zeit wieder eine Zusammenschau zum Heuerlingswesen bietet und zudem gleichsam durch die Brille dieses Sozialphänomen auch eine allgemeinere Darstellung des Landlebens in Nordwestdeutschland entfaltet.
Dabei ist es gut lesbar und, von gelegentlichen Wiederholungen und einigen wenigen chronologischen Brüchen abgesehen, klar nach Themenblöcken gegliedert und durch Zwischenüberschriften, zahlreiche Abbildungen und eigens hervorgehobene Erlebnisberichte bzw. Fallbeispiele aufgelockert.
Der angestrebte breite Leserkreis wird auf diese Weise voll auf bedient.
Nach eigenem Bekunden der Autoren handelt es sich um das Gemeinschaftswerk eines ehemaligen Grundschulrektors, Bernd Robben, und eines Schulhistorikers, Helmut Lensing. Letzterer ist auf Bitte des Ersteren erst später in das Buchprojekt mit eingestiegen, um es mit fachwissenschaftlicher Kompetenz zum Abschluss zu bringen.
Einen wissenschaftlichen Anspruch verfolgt das Werk gleichwohl nicht, es soll keine Fachliteratur für Experten sein. Vielmehr wollten die beiden Autoren mit ihrem Buch eine ganz eigene, „persönlich gehaltene Annäherung“ an das Phänomen bieten – „persönlich gefärbte und ausgewählte Impressionen mit eigenen Forschungen“ (S. 11).
Anhand des Quellen – und Literaturverzeichnis sowie der in den Text direkt eingeflochtenen Belege lässt sich erkennen, dass Archivquellen und wissenschaftliche Studien ebenfalls verwendet wurden wie kundige Schriften, zum Teil von den Autoren selbst. Dabei fällt auf, dass die Belegdichte schwankend ist und tendenziell heimatkundliches Schrifttum als Quellenbasis zu überwiegen scheint. Zwar ist die wichtigste Literatur offenbar beachtet worden, doch gerade bei den Nebenthemen (z. B. Landwirtschaftsentwicklung) oft auch unzureichend oder selektiv, ohne die Auswahl zu begründen. Hinweise auf mündlich übermittelte Informationen im Rahmen von Heimatvereinsveranstaltungen und Zeitzeugeninterviews zeigen zudem, dass nicht ausschließlich aus schriftlichen Quellen geschöpft wurde. Eine kritische Auseinandersetzung mit diesen und allen anderen benutzen Quellen fehlt indes. Es drängt sich alles in allem der Eindruck einer gewissermaßen „collagierten“ Arbeitsweise auf.
Neben der Einleitung ist besonders der Abspann des Buches aufschlussreich, in dem Bernd Robben, der eigentliche Initiator des Werkes, einen Einblick darüber gibt, wie das Buchprojekt entstanden ist und wer ihm an welcher Stelle Hilfe geleistet hat.
Diese Transparenz ist lobenswert.
So erfahren wir, dass das Interesse an dem Thema bei Thekengesprächen, durch eine Literaturempfehlung (Seraphims „Heuerlingswesen in Nordwestdeutschland“ von 1948) und aufgrund von Tabuisierungserlebnissen („Ein Bauer wohnt nicht in einem Heuerhaus“, „darüber spricht man nicht“) geweckt wurde.
Ein weiteres Motiv war, dieses einst für viele lebensprägende Sozialphänomen angesichts der schwindenden Zahl von Zeitzeugen vor dem Vergessen zu bewahren und seine regionalhistorische Bedeutung, auch als Anregung für die Heimatforschung, zu bekräftigen.
Die Arbeit fußt daher nicht zuletzt auf Gesprächen mit Gewährpersonen und einem persönlichen Austausch unter Heimatkundlern, die Berichte über Erfahrungen und Erlebnisse von Heuerleuten beisteuern konnten. Selbst der frühere Bauernpräsident von Heereman ist als Experte mit adeliger Zukunft gehört und zitiert worden.
Dass die in dem Buch ausgebreiteten Ergebnisse dabei nicht durchgehend wissenschaftlichen Maßstäben genügen würden, scheint durchaus auch den Autoren bewusst gewesen zu sein. Dies macht allein der Untertitel „Betrachtungen und Forschungen zum Heuerlingswesen“ deutlich.
Für den interessierten Wissenschaftler mag in diesem Zusammenspiel von „Betrachtungen und Forschungen“ der eigentliche Wert des Werkes liegen.
Man erhält, wie sonst selten, Einblicke, wie Heimatsforschung heute funktioniert – jedenfalls in die Art von Heimatsforschung, die nach ihrem Selbstverständnis publikationswürdig ist. Unterm Strich ist mit dem Buch eine allemal anerkennenswerte Überblicksdarstellung vorgelegt worden.
Vor allem aber regt das Buch dazu an, sich künftig gerade auch mit der heimatkundlichen Rezeption des Heuerlingswesen weiter zu befassen.
In diesem Sinne sei es allen, die sich für die Geschichte des ländlichen Raumes in Nordwestdeutschland interessieren, zur Lektüre empfohlen.
Köln Marten Pelzer
Rezension Jahrbuch OM
Bernd Robben/Helmut Lensing: „Wenn der Bauer pfeift, dann müssen die Heuerleute kommen!“ Betrachtungen und Forschungen zum Heuerlingswesen in Nordwestdeutschland. Verlag der Studiengesellschaft für Emsländische Regionalgeschichte, Haselünne, 2. Auflage 2015. – Geb., 288 S., 24,80 €, ISBN 978-3-9817166-0-3
Ralf Weber: Das Heuerlingswesen im Oldenburger Münsterland im 19. Jahrhundert. Veröffentlichungen des Museums im Zeughaus, Stadt Vechta, Band 7. Schröderscher Buchverlag Diepholz 2014. – Geb., 178 S., 15,00 €, ISBN 978-3-89728- 080-9
300 Jahre lang, vom Dreißigjährigen Krieg bis in die 50er Jahre des 20. Jahrhunderts, bildeten die Heuerleute ein wichtiges Element der Agrargesellschaft in den Geestdörfern Nordwestdeutschlands. Zur Blütezeit des Heuerlingswesens um 1800 stellten sie in vielen Kirchspielen der Ämter Cloppenburg und Vechta mehr als die Hälfte, zeitweilig sogar fast zwei Drittel der Bevölkerung. Nach dem Zweiten Weltkrieg verschwanden nach und nach die Heuerhäuser aus unserer Kulturlandschaft: Sie wurden verkauft, umgebaut, verlassen, abgerissen – einige wenige finden sich noch heute als hübsch renovierte Schmuckstücke an den Rändern unserer Dörfer.
Da es seit nunmehr fünfzig Jahren praktisch keine Heuerleute mehr gibt, sei kurz erläutert, worum es geht: Ein Heuermann bewirtschaftete als Pächter selbständig eine kleine Landstelle mit einem Heuerhaus und selten mehr als 2 – 4 Hektar Land, musste aber die Miete und die Pacht – das unterschied ihn von einem Pächter – überwiegend in Form von körperlicher Arbeit auf dem Hof des Bauern entrichten. Daraus ergab sich eine starke Abhängigkeit vom Bauern, zumal es keine soziale Absicherung z. B. gegen eine Kündigung gab. Bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts konnte die Übernahme einer solchen Heuerstelle für ledige Mägde und Knechte, aber auch für abgehende Bauernkinder eine willkommene Gelegenheit sein, durch die Kombination von Erträgen aus der Landwirtschaft, aus Saisonarbeit („Hollandgänger“) und häuslichem Nebengewerbe (Leinenproduktion, Verarbeitung von Schafwolle, ländliches Handwerk) eine eigene Existenz aufzubauen und so in dieser Nische der Feudalgesellschaft eine Familie zu gründen.
Als jedoch in den 30er Jahren durch den steigenden Bevölkerungsdruck die verfügbare landwirtschaftliche Fläche nicht mehr ausreichte, der Hollandgang kaum noch lohnte und das häusliche Nebengewerbe der Konkurrenz der industriellen Textilproduktion immer mehr weichen musste, kam es zu einer Massenarmut unter den Heuerleuten, die dem Pauperismus in anderen Teilen Deutschlands (vgl. Hauptmanns „Die Weber“ in Schlesien) vergleichbar war. Unter dem wirtschaftlichen Druck verschärfte sich die bis dahin oft noch durch patriarchalische oder sogar verwandtschaftliche Beziehungen gemilderte Abhängigkeit der Heuerleute von den Bauern, und Tausende verließen angesichts der miserablen Lebensumstände ihre angestammte Heimat und wanderten aus in die Vereinigten Staaten.
Für die verbleibenden und nachkommenden Heuerleute brachte diese Auswanderung eine gewisse Entlastung; dennoch reduzierte sich in der Folgezeit die Zahl der Heuerstellen, und als sich nach dem Zweiten Weltkrieg andere Ausbildungs- und Erwerbsmöglichkeiten boten, ergriffen fast alle Heuerleute diese Chance, einem Arbeitsverhältnis zu entkommen, das zunehmend als drückend und unzeitgemäß empfunden wurde. So hatte sich am Ende der 60er Jahre eine Bevölkerungsschicht, die hundert Jahre zuvor in den Dörfern noch zahlenmäßig dominiert hatte, in kurzer Zeit völlig verflüchtigt, ohne dass dieser massive Strukturwandel nennenswerte Spannungen oder Eruptionen ausgelöst hätte!
Seit den ersten Beiträgen von Heinrich Nieberding in den „Oldenburgischen Blättern“ 1819/20 war das Heuerlingswesen immer wieder Gegenstand von publizistischen und regionalgeschichtlichen Untersuchungen. Umfassend hat sich zuletzt 1948 Hans-Jürgen Seraphim und in seiner Nachfolge für unsere Region noch 1958 Paul Brägelmann mit der Frage befasst, welche Perspektiven das Heuerlingswesen in der Agrarverfassung der jungen Bundesrepublik bieten könne. Mit dem endgültigen Verschwinden des Heuerlingswesens geriet das Thema dann jedoch zusehends in Vergessenheit und wurde nur vereinzelt in sozial- und regionalgeschichtlichen Untersuchungen zur Auswanderung, zur Arbeitsmigration oder zur Bevölkerungsentwicklung aufgegriffen.
Nun liegen gleich zwei Monographien vor, die sich dem Thema auf ganz unterschiedliche Weise nähern. Die emsländischen Autoren Bernd Robben und Helmut Lensing nehmen das gesamte Verbreitungsgebiet der Heuerleute (Nordwestdeutschland ohne die Marschgebiete, wo es keine Heuerleute gab) in den Blick und richten einen besonderen Fokus auf das Emsland, das Münsterland, das Osnabrücker Nordland und das Oldenburger Münsterland. Zeitlich spannen sie einen Bogen von der Entstehung im 16. Jahrhundert bis heute. Ralf Weber konzentriert seine aus einer Magisterarbeit an der Universität Vechta erwachsene Untersuchung räumlich auf das Oldenburger Münsterland und zeitlich auf die erste Hälfte des 19. Jahrhunderts. B. Robben und H. Lensing werten souverän und kenntnisreich die umfangreiche Sekundärliteratur und viele Quellen aus den verschiedenen Teilregionen aus, Ralf Weber erarbeitet seine Darstellung aus dem intensiven Studium der Archivalien, die das Oldenburger Staatsarchiv vor allem in den Berichten der südoldenburgischen Ämter aus den 40er Jahren aufbewahrt, und setzt sie in Beziehung zur einschlägigen Literatur.
Herausgekommen ist bei B. Robben und H. Lensing eine großformatige, abwechslungsreiche und hervorragend illustrierte Darstellung, die alle Aspekte des Heuerlingswesens – die historische Entwicklung, die wirtschaftliche Situation, die Lebensverhältnisse im Alltag, die Auswanderung – abdeckt. Das Buch fesselt durch eine schlüssige inhaltliche Strukturierung, durch eine klare Sprache und motivierende Kapitelüberschriften und durch eine Vielfalt von aussagekräftigen Quellenauszügen, alten Fotos, informativen Aufstellungen und anschaulichen Zeitzeugenberichten. Interessierte Heimatforscher kommen ebenso zu ihrem Recht wie Leser, die nur punktuell Einblick nehmen wollen.
Eine richtige thematische Entscheidung der Autoren war es sicherlich auch, die latenten Gewaltstrukturen im Verhältnis der Bauern zu Ihren Heuerleuten und dem Gesinde nicht auszusparen. Einige Zwischenüberschriften („Heuerlingswaisen wurden versteigert“, S. 153; „Lieber ein Kind stirbt als eine Kuh“, S. 163) oder die Überlegungen zum „Schweigemilieu“ um das Thema „Die Bauern und ihre Mägde“ (S.170ff.) erscheinen dem Rezensenten allerdings zu reißerisch aufgemacht, bei aller Relativierung, die die Autoren selbst vornehmen. Unter wissenschaftlichen Aspekten mag man bemängeln, dass die Darstellung räumlich und zeitlich nicht genügend differenziert sei und einzelne Erscheinungen eher eklektisch belegt würden, aber die exakten Anmerkungen und das ausführliche Literaturverzeichnis ermöglichen jederzeit auch eine wissenschaftliche Auseinandersetzung mit dem Buch. Insgesamt bietet es ein umfassendes, anschauliches und realistisches Bild von den Lebensverhältnissen der Heuerleute in Nordwestdeutschland; es ist eine Bereicherung für die heimatgeschichtliche Literatur unserer Region.
Ralf Weber hält sich mit Wertungen zum Verhältnis zwischen Bauern und Heuerleuten zurück und entwickelt seine nüchterne Darstellung stringent und detailliert (1687 Anmerkungen auf 121 Textseiten!) aus den eingesehenen Archivmaterialien. Verlässlich analysiert und diskutiert er die Gründe für die massive Verschlechterung der Situation der Heuerleute in den 40er Jahren des 19. Jahrhunderts und reflektiert umsichtig die Kontroversen der Fachliteratur. Aus den Berichten der einzelnen Ämter schöpft er viele aufschlussreiche Informationen zu den Lebensverhältnissen der Heuerleute bis auf die Ebene der Kirchspiele hinunter. Da stellen sich dann die Zustände im Amt Friesoythe, wo es kaum Heuerleute gab, als völlig anders dar als etwa im Raum Damme/Neuenkirchen. Hier wäre es hilfreich gewesen, wenn der Autor nicht nur die Verwaltungseinheiten, sondern auch die größeren Natur- und Wirtschaftsräume in den Blick genommen hätte: Die enge historische Verbindung von Damme/Neuenkirchen zum Osnabrücker Raum, die räumliche Nähe von Dinklage, Essen und Löningen zum Artland und die ganz andere naturräumliche Ausstattung des Amtes Friesoythe mit seinen vielfältigen Beziehungen zum friesischen Wirtschaftsraum könnten auch für die unterschiedliche Entwicklung des Heuerlingswesens in diesen Teilregionen weiteren Aufschluss geben.
Die verdienstvolle Arbeit, der eine gründliche Endkorrektur gut getan hätte („die Brink“, „der Hufe“, S. 20; „Heuerlingstöge“= plattdeutsch: „Hürmannstäöge“, S. 13; falsche Berechnungen S. 45 und S. 128 unten), schließt mit der richtigen Feststellung, dass erst die Auswanderung die Notlage der Heuerleute gelindert habe. Ein Ausblick auf die weitere demographische Entwicklung des Oldenburger Münsterlandes zeigt jedoch nach den auswanderungsbedingten Bevölkerungsverlusten um die Mitte des Jahrhunderts wieder einen starken Anstieg der Bevölkerungszahl zum Ende des Jahrhunderts: Offensichtlich hat erst die Intensivierung der Landwirtschaft in der Kaiserzeit (Kultivierung der Ödflächen, Kunstdünger, Fruchtwechsel mit Futterbau, Schweinehaltung auf der Basis von Importgerste u.a.) es geschafft, die Massenarmut im Oldenburger Münsterland zu überwinden und nun einer reduzierten Zahl von besser ausgestatteten Heuerstellen und darüber hinaus einer Vielzahl von Pächtern und Neusiedlern eine knappe, aber auskömmliche Lebensgrundlage ermöglichen.
Engelbert Beckermann


