Heuerleute und die Kartoffeln

Es ist belegt, dass die Kartoffel schon vor dem Jahre 1600 von den Spaniern aus Südamerika nach Europa gebracht wurde.

Bevor die Kartoffeln allerdings zum wichtigsten Grundnahrungsmittel vor allem für die besitzlose Landbevölkerung wurden, vergingen in manchen Gegenden Norddeutschlands noch etliche Jahrzehnte.

Dabei ist die List des Preußenkönigs legendär.

Friedrich II. bemühte sich, für den Anbau von Kartoffeln zu werben. Im Jahre 1756 verfügte er einen Kartoffelanbaubefehl.

Zu Beginn des 19. Jahrhunderts trat sie ihren endgültigen Siegeszug an und wurde bald auch Hauptanbaufrucht für die Erzeugung von Branntwein, der vornehmlich von der Unterschicht getrunken wurde. Nun kamen aber erstmals – und dann wiederholt – Kartoffelkrankheiten auf breiter Front auf und lösten Hungersnöte aus.

Die Kartoffel wurde zunehmend zur Handelsware im Nahbereich der Städte. Hierbei waren die Bauern gegenüber den Heuerleuten deutlich im Vorteil, weil sie die schwere Kartoffelfracht auf ihren Ackerwagen, die in der Regel von zwei Pferden gezogen wurden, zum Verbraucher transportieren konnten.

Viele Heuerleute hatten lediglich einen Handwagen, damit lohnte sich der Transport über diese Entfernung nicht.

Kartoffelverkauf auf dem dem Lingener Marktplatz nach dem 2. Weltkrieg.

Foto: Stadtarchiv Lingen

Interview mit Bernd Robben vom 08.03.2017

in:

Facharbeit über das Heuerlingswesen

  1. Warum ist die Rolle der Heuerlingsfrau sowohl in der heimatgeschichtlichen als auch  wissenschaftlichen Literatur so wenig beschrieben?

 Das Leben und der Alltag von Heuerlingsfrauen sind tatsächlich kaum dokumentiert, weil Frauen insgesamt eher selten in sozial- oder wirtschaftshistorischen Beschreibungen vorkommen. So liegen hier nur wenige Quellen vor. Vielmehr waren es die Männer oder allenfalls die Familien, über deren Lage in der damaligen Agrarwelt berichtetet wurde.

Das trifft aber auf die besitzlose Landbevölkerung in ganz Deutschland zu.

2. Welche soziale Stellung hatte die Heuerlingsfrau in ihrem direkten sozialen Umfeld, aber auch in der Dorfgesellschaft?

Sie erlebte schon in ihrer Jugend die deutlich untergeordnete Rolle in der sozialen Schichtung.

So heirateten die allermeisten Heuerlingstöchter einen ebenfalls besitzlosen Bauernknecht, mit dem sie dann eine Heuerstelle antraten, um eine Familie gründen zu können.

Damit standen sie in der dörflichen Gesellschaftsstruktur ganz unten.

Die ständige Abrufbereitschaft, auf dem Hof des Bauern Dienst zu tun müssen, unterstrich ihre niedere soziale Stellung in besonderer Weise.

Nur aus dieser häufig tief verzweifelten Situation ist es auch zu verstehen, dass sich Heuerleute entschlossen, die Heuerstelle zu verlassen und ins „teuflische“ Moor zu ziehen, um dort ein „freies“ Leben führen zu können.

3. Das Leben der Heuerlingsfrau gestaltete sich den Quellen zur Folge als sehr entbehrungsreich, besonders hart müssen dann die Wochen/ Monate gewesen sein in denen der Mann z.B. als Hollandgänger weg war. Welchen Herausforderungen standen der Frau gegenüber?
Das Leben der Heuerlingsfrau war entbehrungs- und äußerst arbeitsreich.

So hatte sie ihren Haushalt zu führen mit einer in aller Regel größeren Kinderschar, sie hatte das Vieh zumindest in Anteilen zu versorgen, der Gemüsegarten zur Eigenversorgung musste in den Sommermonaten in Ordnung gehalten werden und die anfallenden Arbeiten auf dem Bauernhof sowohl in der Ernte als dann auch beim Wäsche waschen waren zu erledigen.

Dabei war sie in ihrer besten Lebenszeit über Jahre mit Ausnahme der Stillzeit schwanger.

Dazu kamen die Gefahr des Kindbettfiebers und andere Komplikationen rund um die Geburt.

Während der Zeit des Hollandganges ihres Mannes musste sie den gesamten Heuerbetrieb versorgen.

Dazu gehörten in dieser Zeit insbesondere die Arbeiten auf dem Kartoffelacker, der möglichst unkrautfrei gehalten werden musste, damit die Ernte dadurch nicht gefährdet wurde.

4. War die Kompetenz und Stellung der Frau nach der Abwesenheit des Mannes gleich?

Dazu geben uns die vorhandenen Quellen kaum direkte Aussagen. Es hat sicherlich zu allen Zeiten auch starke Frauen gegeben, die sich in der Ehegemeinschaft Anerkennung und Respekt erworben haben.

Als zunehmend der billigere Schnaps aus den Kartoffeln gewonnen werden konnte, sind auch Heuerleute alkoholabhängig geworden.

Durch diesen Umstand hat es dann arg zerrüttete Familien gegeben. Aus dieser Misere heraus wurden etliche Mäßigungvereine gegründet.

5. Wie stand es um die rechtliche Absicherung der Heuerlingsfrau im Todesfalle des Mannes? Behielt sie die Heuerlingstelle?

In aller Regel wurde ihr dann die Heuerstelle gekündigt. Der besitzende Bauer war ja dringend auf männliche Arbeitskräfte insbesondere während der Erntezeit angewiesen.

Aber in der Nachkriegszeit (ab 1945) ist es auch vorgekommen  –  zwei Beispiele sind dazu im Bereich Mettingen belegt – dass die Frauen die Heuerstelle behalten durften.

 Zusammenfassend muss ich allerdings sagen – und das ist bisher so von dem Fachwissenschaftlern nicht formuliert worden:

Die angehenden Heuerlingsfrauen hatten fast durchweg die Chance, nach dem damals herrschenden Armenrecht eine Heiratserlaubnis zu bekommen und damit eine Familie gründen zu können.

Die Heuerstelle bot dazu die notwendige wirtschaftliche Grundlage.

In anderen Teilen Deutschlands war das aus unterschiedlichen Gründen nicht unbedingt gegeben.

So sind aus Ostdeutschland und insbesondere auch aus Bayern Zahlen belegt, dass bis zu einem Viertel der jüngeren Bevölkerung aus Armutsgründen diese Heiratserlaubnis nicht erhielt, aber dennoch kamen aus den Liebesverhältnissen Kinder zur Welt.

Darüber geben insbesondere Taufregister deutliche Auskunft.

Hier haben Historiker und Volkskundler noch einiges aufzuarbeiten. Das Thema ist allerdings – und das habe ich persönlich immer wieder erfahren müssen –  mit einer deutlichen Schweigementalität in der ländlichen Bevölkerung insgesamt auch heute noch belegt.

 

Bernd Robben    8. März 2018

Warum wird das Thema des Heuerlingswesens erst heute aufgearbeitet?

in:

Facharbeit über das Heuerlingswesen

Lange Zeit bestand schlichtweg kein Interesse in der Gesellschaft, sich mit der Geschichte der mittelosen Landbevölkerung auseinander zu setzten. Hinzu kommt, dass die Geschichte der Heuerlinge bis heute ein höchst sensibles und emotionales Thema für viele Zeitzeugen ist. Während meiner Recherche musste ich feststellen, dass die Menschen, welche über das Thema berichten könnten, nach dem Untergang des Heuerlingswesens ihre Vergangenheit voller Ungerechtigkeit und Armut hinter sich lassen wollen. In vielen Fällen besteht sogar ein regelrechtes Schamgefühl  gegenüber ihrer Vergangenheit. Dies zeigt, wie tief verwurzelt das Gedankengut bis in die heutige Zeit noch ist.

Jedoch besteht nicht nur von seitens der Heuerleute eine gewisse Schweigementalität, sondern auch die Bauern sprechen heute nicht mehr über die Umstände, unter denen sie die Heuerleute haben wohnen und arbeiten lassen.. Nicht selten ließen die Bauern in Absprache mit der örtlichen Feuerwehr die alten Kotten (Heuerhäuser) kontrolliert anzünden und ganz niederbrennen .

Durch die ausgeprägte Schweigekultur, sowie die wenigen Überreste aus der Zeit der Heuerlinge, nist es heute nicht einfach, an sichere und wissenschaftlich brauchbare Quellen zu gelangen.

Über 400 Jahre prägte das Heuerlingswesen das Münsterland und zeitweise stellte die soziale Schicht der Heuerleute sogar die Mehrzahl der Landbewohner dar. Trotzdem ging das Wissen über sie innerhalb von nur wenigen Genrationen beinahe vollkommen verloren. Heute ist es meiner Meinung nach wichtig, sich mit der Geschichte derer zu befassen, die nicht viel hinterlassen konnten (Literaturquellen, Gegenstände, Häuser, usw.). „Geschichte“ besteht nicht nur aus den Überlieferungen derer, die große Kriege geführt haben. Sie besteht auch aus denen, die keinen oder nur geringen Einfluss hatten und diejenigen waren, die von den Entscheidungen der „Großen“ betroffen waren.

Hinzu kommt, dass besonders in meiner Generation das Interesse an Lokalgeschichte schwindet, obwohl es unser heutiges Leben in unserer modernen Gesellschaft beeinflusst. Um die Gegenwart zu verstehen, sollte man sich mit der komplexen Vergangenheit auseinandersetzten.

4 Ausweg aus der Armut?

in:

Facharbeit über das Heuerlingswesen

Viele Heuerleute versuchten aus dem Abhängigkeitsverhältnis und somit aus der Armut zu entfliehen, indem sie beispielsweise im Emsland ins Moor zogen. Dort erhofften sie sich die Chance auf eigenen Landbesitz. Unter sehr schlechten und primitiven Bedingungen siedelten sie sich dort an. Die Moorgebiete, so nahmen die sogenannten „Moorkolonisten“ an, sollten ihre Chance auf ein freieres und besseres Leben sein. Für  die Siedler der ersten Generation zahlten dich die Mühen des Trockenlegens und Torfstechens im Moor nicht aus . Krankheit und Versorgungsengstände begleiteten die ersten Generationen von Moorsiedlern. Erst in dritter Generation konnten die „Moorkolonaialisten“ ein halbwegs erträgliches „freies“ Leben erwarten. Jedoch war auch in dritter Generation der Lebensstandard im Moor noch wesentlich schlechter als zuvor, als die „Moorkoloinalisten“ noch abhängige, landwirtschaftliche Heuerleute waren.

Andere Heuerleute zog es nach Amerika. Besonders nach der „Kartoffelkriese“ 1845 verschlechterte sich die Situation der Heuerleute noch einmal um ein Vielfaches. Vielerorts herrschte eine regelrechte Hungersnot

Für viele Heuerleute versprach die Auswanderung nach Amerika einen Möglichkeit, vor der voranschreitenden Industriealisierung zu fliehen, welche z.B. welche den Produktverkauf von Heimarbeiten enorm beeinträchtigte. Außerdem schien der Wunsch der Heuerlinge endlich frei zu sein und eigenes Land zu besitzen in Amerika möglich. Das Verlassen der schlechten Lebensumstände und die Erfüllung der Sehnsucht nach einer sicheren Zukunft waren Antrieb für eien Auswanderungsbewegung. Für viele Heuerlinge schien dies die ideale Lösung zu sein.

  37 Vgl. Robben/Lensing, S. 56 ff.

  38 Vgl. Robben/Lensing, S. 113 ff.

  39 Vgl. http://www.zeit.de/zeit-geschichte/2011/03/Massenauswanderung, 20.03.2018

 

3 Die Rolle der Heuerlingsfrau zur Mitte des 19. Jahrhunderts

aus:

Facharbeit über das Heuerlingswesen

Die Rolle der Frau ist in historischen Quellen wenig beschrieben. Es gibt kaum Literatur oder Berichte, in denen ihre Rolle erläutert wird. Das Wissen über ihre Funktion in der Familie und Gesellschaft stützt sich hauptsächlich auf die Aussage von Zeitzeugen. Die karge Quellensituation trifft jedoch „auf die besitzlose Landbevölkerung in ganz Deutschland zu“  29

„Dabei waren die Frauen arbeitsteilig und mitverantwortlich in den Arbeitsprozess integriert.“(Weber-Kellermann, S.75) Besonders wenn die Männer aufgrund des Hollandgangs zeitweise nicht auf dem Hof waren, mussten die Frauen sich alleine, selbstständig und selbstverantwortlich um die anfallenden Arbeiten kümmern.

3.1          Die soziale Stellung der Heuerlingsfrau in der Familie

Neben der Erziehung und Versorgung der Kinder musste die Frau bei der Feldabreithelfen, den Gemüsegarten bestellen, Essen kochen und sich um die Pflege der älteren Familienmitglieder kümmern. Zu den wichtigsten Aufgaben der Heuerlingsfrau gehörten das Brotbacken und das Wäschewaschen.30 Gleichenfalls stellte sie Vorräte, wie Wurst, Käse und Schinken her. Sie machte Obst und Gemüse ein, um es haltbarer zu machen. Sie brannte Schnaps und satellte Leinen am Webstuhl her. Aus dem Leinen nähte sie z.B. Hemden, die sie ihrem Mann auf dem Hollandgang mitgab, um sie dort zu verkaufen. Wenn der Mann nicht auf dem Hof war, musste sie neben den oben genannten Aufgaben sowie der eingeforderten Arbeit beim Bauern auch die Arbeiten des Mannes in der Landwirtschaft übernehmen.31 Das bedeutete eine zusätzliche hohe körperliche Belastung durch stundenlanges Unkrautjäten auf dem Kartoffelacker oder durch  die zeitintensive Viehversorgung. Oftmals mussten Mehrarbeiten trotz Schwangerschaft erledigt werden.

Während der Abwesenheit des Mannes übernahm die Frau die Rolle des Familienoberhauptes, welches die Verantwortung für die im Haus lebenden Familienmitglieder beinhaltete. Es ist sehr wahrscheinlich, dass sie diese Position in der Familie wieder aufgeben musste, nachdem der Mann von der mehrwöchigen Wanderarbeit zurückkehrte. Inwieweit ihr Tun von ihrem Mann respektiert und gewürdigt wurde oder ob es zu Kompetenzstreitigkeiten unter den Eheleuten kam, ist nicht überliefert.32  Es kann jedoch angenommen werden, dass die lange Abwesenheit des Mannes zu interfamiliären Spannungen führte, die nicht nur die Eheleute betrafen, sondern auch Auswirkungen auf das gemeinsame Leben mit den übrigen Mitgliedern der Hausgemeinschaft hatte.

Insgesamt kann gesagt werden, dass die körperliche und psychische Belastung der Heuerlingsfrau nach heutigem Ermessen unvorstellbar war. Allein durch die Vielzahl an Schwangerschaften war sie einem enormen gesundheitlichen Risiko ausgesetzt. Jede 18. Frau starb am Kindbettfieber oder musste mehrere Fehlgeburten erleben.

Verhütung oder Abtreibung kam für die streng katholische Landbevölkerung nicht in Frage. Das Sprichwort: „Mehr Kinder, je mehr Vaterunser“, hatte reale Bedeutung für die Heuerlingsfamilien, in denen die religiösen Paradigmen in keiner Weise auch nur teilweise angezweifelt wurden.33  Aufgrund der hohen Kindersterblichkeitsrate war eine Totgeburt oder der Tod eines Kleinkindes traurige Alltagsrealität und eine gewaltige psychische Belastung für die Frau.

Der Tod der Frau wiederum stellte für die Familie ein enormes Problem dar. Durch ihr Ableben fehlte eine wichtige Arbeitskraft. Oftmals blieb dem Witwer keine andere Wahl als schnell erneut zu heiraten. Vorzugsweise eine unverheiratete Schwester oder Cousine der verstorbenen Frau, da man hoffte, dass eine Verwandte besser für die Kinder ihrer Vorgängerin sorgen könnte.34   Viele Heuermänner führten bis zu vier Ehen im Laufe ihres Lebens, auch weil das Sterblichkeitsrisiko für Frauen durch eine Geburt enorm hoch war. Starb der Mann stand es um die soziale Absicherung der Frau schlecht. Die Heuerstelle war an den Mann gebunden. Eine vertragliche Absicherung  für die Frau oder eine Vereinbarung zur Weiterbeschäftigung mit dem Bauer gab es nicht. Man geht davon aus, dass die Heuerstelle gekündigt wurde. Die alleinige Arbeitskraft der Frau reichte nicht aus, um die anfallenden Arbeiten in einem Heuerlingshaushalt insbesondere während der Erntezeit abzudecken. Es gibt jedoch Beispiele für Frauen, welche die Heuerstelle nach dem Ableben ihres Mannes behalten durften, jedoch war dies erst nach dem Zweiten Weltkrieg der Fall.35

3.2          Die soziale Stellung der Heuerlingsfrau in der Gesellschaft

In der Dorfgemeinschaft stand die Heuerlingsfrau ganz unten in der sozialen Rangfolge. Abrufbereitschaft als Zeichen der Armut und Abhängigkeit gegenüber dem Verpächter sowie dem Ehemann unterstrich ihre Position. Dies bekam sie schon im jungen Alter zu spüren. Als Frau ohne Mitgift war ihre Chance. einen Bauerssohn mit Landbesitz zu heiraten, um eventuell einen sozialen Aufstieg zu vollziehen, sehr gering. Zusammen mit einem ebenfalls „besitzlosen Bauernknecht“(Robben) suchte sie eine Heuerstelle. Als besitzlose Heuerleute galten sie nicht als „vollwertige“ Mitglieder der Gemeinde und hatten keine Chance auf soziale Anerkennung von Seiten der anderen Gemeindemitglieder.36

  29 Vgl. Anhang, Interview mit Bernd Robben

  30 Vgl. Robben, S. 165 ff.

  31 Vgl. Robben, S. 179 f.

  32 Vgl. Anhang, Interview mit Bernd Robben

  33 Vgl. Robben, S. 173

  34 Vgl. Robben, S. 167 ff.

  35 Vgl. Anhang, Interview mit Bernd Robben

  36 Vgl. Anhang, Interview mit Bernd Robben

 

2 Was ist „Heuerlingswesen“?

in:

Facharbeit über das Heuerlingswesen

Der Begriff „Heuerling“ leitet sich ab aus dem Niederdeutschen „Heuer“, zu Plattdeutsch „huer“, was so viel bedeutete wie „Pacht“ oder „Miete .2

Heuerlinge sind also landlose Bauernkinder, welche für das Stück Land, das sie zur Pacht bewirtschaften dürfen, in Form von Geld, Naturalien und ihrer Arbeitskraft  bezahlen müssen. So sind die Heuerlinge verpflichtet, den Anweisungen des Bauern strikt Folge zu leisten. Wenn der Bauer ihre Arbeitskraft3 einforderte, mussten sie ihre eigene Arbeit vernachlässigen. Das Verhältnis zwischen dem Bauern und „seinen“ Heuerlingen konnte sehr unterschiedlich ausfallen. Da die Heuerlinge in einem einseitigen Abhängigkeitsverhältnis zu dem Bauern standen, hatten sie keine andere Wahl als den Bauern zu gehorchen, zumal ihre Rechtslage auch nicht durch einen Vertrag oder ein ähnliches Rechtsverhältnis abgesichert war.

Bedingt durch das Bevölkerungswachstum in Deutschland und das dadurch entstehende „Überangebot an Heuerleuten“ (Robben, S.105) litten besonders gegen Mitte des 19. Jahrhunderts die Heuerlinge unter den schlechten und ausbeuterischen Bedingungen.4  Jedoch gab es auch viele Heuerleute, die in einem sehr engen Verhältnis zu den Bauersleuten standen und davon auch sehr profitierten.5

Doch wo kommt das Heuerlingswesen her und wie ist es entstanden? Nach dem Dreißigjährigen-Krieg galt in den meisten Regionen im Nord-Westen Deutschlands das sogenannte „Ältestenrecht“, welches aber nur den erstgeborenen Sohn als „Anerben“ 6 vorsah. Die weiteren Nachkommen des Bauern bildeten somit eine neue gesellschaftliche Schicht, welche im Unterschichten zu den anderen ländlichen Schichten über kein eigenes Land verfügte. In erster Generation wichen die Nachkommen häufig erst auf die Nebengebäude des Hofes aus, z.B. das Backhaus oder eine Scheune. In den darauffolgenden Generationen suchten die Heuerleute jedoch häufig eine Heuerstelle auf einem anderen nichtelterlichen Hof. Oftmals hatte ein Bauer mehrere Heuerstellen auf seinem Grund zu vergeben. Größere Bauern hatten sogar „bis zu sieben [Heuerstellen], während Güter bis zu 20 oder gar 30 Heuerleute aufwiesen.“(Robben, S.22).

„Das wesentliche Verbreitungsgebiet […] lässt sich grob […] vom nördlichen Ruhrgebiet im Süden bis Papenburg im Norden und von der niederländischen Grenze im Westen bis an Hannover heran einschließlich Ostwestfalen-Lippe [räumlich eingrenzen].“ 7

Laut Quellen, stellten die Heuerleute am Anfang des 19. Jahrhunderts 50 % der ansässigen Landbevölkerung dar, wobei im Laufe des Jahrhunderts durch die vermehrte Auswanderung nach Amerika oder die Binnenkolonialisierung gen Osten der Prozentanteil insgesamt zurück ging.8  Im Regierungsbezirk Münster sind nach dem Zweiten Weltkrieg 3271 Heuerfamilien registriert, wobei die meisten davon im Kreis Teckelenburg (1563 Heuerfamilien) lebten. Als lokalen Vergleich gab es in der Region Steinfurt nur 216 vermerkte Familien.

Als Hochburg des Heuerlingswesens im Münsterland kann man den Regierungsbezirk Osnabrück mit 6059 überlieferten Familien nennen.9  Die Anzahl der Heuerlingsfamilien kann allerdings für das 19. Jahrhundert deutlich höher geschätzt werden. Aus dieser Zeit gibt es jedoch kaum genaue Quellenangaben.

2.1          Verschiedene Heuerlingstypen

Infolge der politische Veränderungen, des Bevölkerungswachstums und der Industrialisierung zum Ende des 19. Jahrhunderts veränderten sich die Rahmenbedingungen und Lebensumstände der Landbevölkerung. Es differenzierten sich jetzt unterschiedliche Typen des Heuerlingswesens aus. Grundlage ihrer Existenz blieb jedoch bei allen Typen die Landwirtschaft. In anderen Wirtschaftssektoren, in welche sie zusätzlich zur Landwirtschaft arbeiteten, erwiesen sich die Heuerleute als durchaus anpassungsfähig.

Im Münsterland waren überwiegend „Landarbeiterkleinheuerlinge“(S.20) beschäftigt, welche höchstens nur über einen Hektar Land verfügten. Sie mussten ein enorm hohes Arbeitspensum beim Bauern erfüllen. Im Gegensatz zu den Landarbeiterkleinheuerlingen besaßen die Ladarbeiterheuerlinge eine größere Fläche Land. Sie mussten ebenfalls mehrere Tage in der Woche ihren Arbeitsdienst beim Bauern leisten, taten dies jedoch im Vergleich zu den Landarbeiterkleinheuerlingen in geringerem Umfang. Geografisch vertreten war diese Gruppe der Heuerleute hauptsächlich im Oldenburger Münsterland oder in Westfalen10.  Die „Pächterheuerlinge“(S.21) profitierten im Gegensatz zu den zuvor genannten Gruppen von einer größeren Fläche Land (bis zu über 10 Hektar), welches sie bewirtschaften dürften. Sie besaßen neben dem Vieh meist sogar Pferde als landwirtschaftliches Hilfsmittel. Doch auch sie arbeiteten, wenn auch weniger häufig, an bis zu drei Wochentagen auf dem Hof ihres Verpächters. Die Pächterheuerlinge waren schwerpunktmäßig in den Kreisen Bersenbrück, Meppen, Lingen und Vechta verbreitet.

Als vierte Untergruppe sind die „Industrieheuerlinge“(Robben, S.21) zu nennen, welche sich erst nach Anbruch der Industrialisierung formte. Angehörige dieser Gruppe leisteten ein weitaus niedrigeres Arbeitspensum beim Bauern und besaßen meist nur ein sehr kleines Pachtland. Ihre Haupteinnahmequelle war die Arbeit in der aufkommenden Schwer- und Textindustrie. Industrieheuerlinge siedelten sich dort an, wo es durch die Vielzahl der aufkommenden Industriestandorte neue Arbeitsplätze enstanden.11  Der Typus des Heuerlingswesens hat sich von Region zu Region unterschieden und kann somit nicht immer genau definiert werden. 12

2.2          Lebensumstände der Heuerleute ab Mitte des 19. Jahrhunderts

Politisch gesehen waren die Heuerleute nie von großer Relevanz, da sie aufgrund ihrer Besitzlosigkeit nicht in der Lage waren den Staat durch Steuern zu unterstützen.

Das preußische „Dreiklassenwahlrecht“, welches ab 1866 auch im Nordwesten Deutschlands gültig wurde (durch die Einverleibung des Königreich Hannover in Preußen), bezog die Heuerleute nicht mit ein. 13 Obwohl sie auf dem Land zeitweise die Mehrheit der Bevölkerung darstellten, besaßen sie nicht die Möglichkeit zu wählen.

Doch nicht nur aus politischer Sicht wurden die Heuerlinge nicht als „richtige“ vollumfängliche Bürger angesehen. Auch in der Dorfgemeinschaft standen sie in der sozialen Rangfolge ganz unten. Sogar Knechte und Mägde genossen ein höheres Ansehen als sie.14  In der von Tradition bestimmten ländlichen Gesellschaft war ein sozialer Aufstieg der Heuerleute folglich beinahe unmöglich. Die Bauern nahmen in der Dorfgemeinschaft die Vormachtstellung ein und um diese zu sichern, wurde unter Bauern „von Hektar zu Hektar“ geheiratet. Ziel, einer Bauernheirat war es, den Flächenbesitz an Land zu vergrößern. Demnach blieb man in den verscheiden sozialen Schichten „unter sich“.

 

2.3          Wohnverhältnisse und Arbeitsalltag

Schon früh errichteten die Bauern im Umfeld ihres eigenen Hofes kleinere und primitivere Heuerhäuser, auch „Kotten“ genannt, nach dem Vorbild ihres Bauernhauses .15  Als Baumaterialien wurden Naturmaterialien, wie zum Beispiel Lehm, Stroh und Holz genutzt. Besonders im Winter war die Kälte wohl kaum auszuhalten, da aufgrund sehr dünner Wände, einem Fußboden aus festgetretenem Lehm und einem einfachen Strohdach die Kotten Keinesfalls isoliert, sondern zugig und feucht waren.

Durch das große Eingangstor konnte die Ernte eingefahren werden, um sie danach direkt auf dem Dachboden einzulagern. Vom Tor sah man direkt auf die „Diele“. Zu beiden Seiten erstreckten sich meist die Viehställe. Vieh und Mensch lebten im Heuerlingshaus in einem Raum.16  Mittelpunkt des Hauses war eine kleine offene Feuerstelle, welche zum Zubereiten von Nahrung, sowie als Wärmequelle im Haus und somit Ort des Beisammenseins der Familie diente. Der durch die offene Feuerstelle entstehende Rauch besaß keine Möglichkeit abzuziehen, sodass es in den Kotten oft tagelang verraucht war. Besonders die Frauen litten unter Atemwegserkrankungen, da sie täglich viele Stunde gebeugt über der Feuerstelle arbeiten mussten.

In den Schrankbetten, den sogenannten „Butzen“ oder „Alkoven“,17  mussten mehrere Personen gleichzeitig Platz finden, da es in den meisten Heuerlingshäusern nur zwei Schlafplätze gab. Die Oberbetten und Matratzen waren mit Stroh gefüllt und wurden nur selten gewechselt, sodass Krankheitserreger und Schädlinge sich leicht ansiedeln konnten. Hinzu kam die Feuchtigkeit, die in das Stroh einzog und somit Nährboden für Viren und Bakterien bot. Durch die schlechten hygienischen Bedingungen im Kotten erkrankten viele Heuerleute an Krankheiten wie Schwindsucht oder Tuberkulose.

Häufig lebten in einem Heuerhaus gleich zwei Heuerfamilien gleichzeitig. Diese Häuser nannte man „Dubbelpatthüser“ .18 Sie hatten zwei Eingangstore, besaßen jedoch nicht unbedingt zwei Feuerstellen, sodass an nur einer offenen Feuerstelle für zwei Großfamilien gekocht werden musste. Auch die Erwärmung des Doppelhauses in den kalten Jahreszeiten erwies sich bei nur einer einzigen Feuerstelle als außerordentlich problematisch.19

Der Alltag der Heuerlinge war meist bestimmt durch die ständige Sorge um die finanzielle und wirtschaftliche Situation der Familie deren Überleben gewährleistet werden musste. Die selbst erwirtschafteten Produkte reichten in den meisten Fällen nicht um die Familie ausreichend zu ernähren oder die Heuer an den Bauern zahlen zu können. Deshalb machten sich viele Heuermänner in den weniger arbeitsintensiven Zeiten zwischen den Erntephasen in Gruppen auf den Weg nach Holland, um als saisonale Arbeitskräfte zusätzlich Geld zu verdienen. Durch ihre Position als See- und Wirtschaftsmacht, stellten die Niederlande ein lukratives Ziel dar. Die sogenannten „Hollandgänger“ arbeiteten im Deichbau, als Grasmäher oder legten Moorgebiete für den Weidelandgewinn trocken.20  Diejenigen Hollandgänger, den es zeitlich nicht möglich war, ihren Heimathof für einen längeren Zeitraum zu verlassen, wählten einen weitaus gefährlicheren Weg um schnell Geld zu verdienen. Sie heuerten auf einem Walfangschiff an und beteiligten sich an der Jagd auf Wale und Heringe. Die meisten Heuerleute besaßen keine entsprechende Kenntnis auf dem Gebiet des Walfangs oder der Fischerei. Schwimmen konnten sie ebenso wenig, doch sie begaben sich wohlwissend in Gefahr, um das Überleben der zurückgelassenen Familie zu sichern. Die Niederlande besaßen bis zum Ende des 19. Jahrhunderts die Vormachtstellung im Walfang und konnten die saisonalen Arbeitskräfte aus wirtschaftlichen Gründen gut gebrauchen. Die Walfanggebiete reichten weit bis in die Gewässer um Grönland. Viele Heuerleute die als Walfänger arbeiteten kehrten nicht wieder aus den stürmischen und eiskalten Gewässern zurück, oder erlitten teils schwere Verletzungen. Einige erlagen nach ihrer Rückkehr erschöpfungsbedingt einer Krankheit.21

Neben dem „Hollandgang“ wurde auch durch den Anbau und die Weiterverarbeitung von Flachs ein Nebeneinkommen gesichert. Jedoch wurde die Leinenherstellung  in Heimarbeit durch die fortschreitende Industrialisierung und das damit aufkommende Leinenverlagssystem deutlich erschwert. 22

Sowohl auf physischer als auch auf mentaler Ebene war der Alltag der Heuerleute enorm belastend und entbehrungsreich. Mit der Annahme der Heuerstelle verpflichteten die Heuerleute sich gegenüber dem Bauern immer abrufbereit zu sein. Dieser Zustand erwies sich bei den Heuerleuten als starke anhaltende Stresssituation.

Im Gegensatz zu den Bauern heirateten die männlichen Heuerleute mit ca. 20 Lebensjahren deutlich früher. Ihre Frauen waren bei der Herat oftmals noch im einiges jünger. Sobald ein Heuerling eine Heuerstelle annahm, durfte er auch heiraten. Bei der Partnerwahl ging es dem Mann sowie der Frau primär um die Arbeitskraft des anderen, da bei beiden mit einer Mitgift oder einem Erbanteil nicht zu rechnen war. 23

Die Familie lebte zusammen in einem Mehrgenerationenhaushalt24 , d.h. in den meisten Fällen lebten die Eltern des Mannes zusammen mit der Familie. Sie waren ebenfalls an den anfallenden Arbeiten, wie Kochen, Stricken oder Backen, beteiligt.

Die Anzahl der Kinder in den Familien war deutlich höher als heute. Zehn oder sogar mehr Kinder waren kein waren keine Seltenheit., Allerdings gab es eine sehr hohe Kindersterblichkeitsrate. Viele Kinder verstarben noch im Säuglingsalter an Krankheiten, welche auf schlechte hygienische Bedingungen im Lebensumfeld der Heuerlingsfamilien zurückzuführen sind.25

Die Kinder mussten schon sehr früh in der Landwirtschaft mitarbeiten und lernten so schnell den harten Alltag als Heuerling kennen. So berichten Zeitzeugen von harter, körperlicher Arbeit im Kindesalter. Die Spätfolgen für den sich noch in der Entwicklung befindenden Kinderkörper zeigten sich z.B. in einem verfrühten Alterungsprozess, der Fehlstellung der Wirbelsäule oder in Hüft-und Rückenschmerzen . 26

Das Beziehungskonzept der Familie unterscheidet sich stark von dem, wie wir es heute kennen. Zum Beispiel war das Siezen der Eltern oder das Schweigen bei Tisch Ausdruck eines deutlich distanzierteren Verhältnisses innerhalb der Familie. Kinder sprachen nur dann, wenn sie gefragt wurden. Sollten sie sich nicht an die Regelung halten, mussten sie mit Sanktionen rechnen.

Über persönliche Probleme oder Ungerechtigkeiten, welche im Alltag erlebt wurden, fand keine Kommunikation statt. Es wurde schlichtweg geschwiegen. Die Heuerleute mussten sich mit ihrer Stellung abfinden und dieses Gedankengut des „Hinnehmens“ gaben sie auch an ihre Kinder weiter. Häufig spricht man auch von einem „Milieu des Schweigens“ .27 Dies bedeutet, dass die Heuerleute ihre Position in der Gesellschaft sowie ihre damit verbundene Armutsrolle stillschweigend akzeptierten und als unabänderlich betrachteten. Nicht selten waren die Familien der Heuerleute zerrüttet und zerstritten, da die entbehrungsreiche Arbeit und die ständigen Sorgen um Versorgung und Geld oftmals zum Alkoholmissbrauch führten. Die Sorgen in der Not wurden häufig im Alkohol zu ertränkt.28

  2 Vgl. Weber, S.17

  3 Vgl. Weber, S.17

  4 Vgl. Weber, S.74

  5Vgl. Robben/Lensing, S 103ff.

 6 Vgl. Robben/Lensing, S. 17 

7 Vgl. Anhang VI Karte

 8 Vgl. Robben/Lensing, S.18 ff.

  9Vgl. Untersuchungen von Hans-Jürgen Seraphim, 1948  Vgl. Robben, S.21

 10 Vgl. Robben/Lensing S.21

  11 Vgl. Robben/Lensing S.21 ff

  12 Vgl. Robben/Lensing, S. 22

  13 Vgl. Robben/Lensing, S.101

  14 Vgl. Robben/Lensing, S.154 ff 

   15 Vgl. Robben, S.24 f.

  16  Vgl. Weber, S. 77 ff.

  17 Vgl. 4 Anhang, Material 2 

    18 Vgl. Anhang Material 1

  19 Vgl. Weber, S. 79

  20 Vgl. Robben/Lensing, S. 76ff.

  21 Vgl. Robben/Lensing, S. 85 ff.

  22 Vgl. Robben/Lensing, S. 65ff.

  23 Vgl. Robben/Lensing, S. 169 f.

   24 Vgl. Robben/Lensing, S. 167

  25 Vgl. Robben/Lensing, S. 173 f.

 26 Vgl. Robben/Lensing, S.80 

  27 Vgl. Robben/Lensing, S. 182

  28 Vgl. Anhang, Interview mit Bernd Robben


 

1 Einleitung

Der Begriff „Heuerlingswesen“ ist vielen heute kaum noch geläufig, obwohl es über 400 Jahre das landwirtschaftliche und soziale Leben im Nord-Westen Deutschlands prägte. Doch warum ist dem so? Wieso ist das Thema heute kaum noch präsent? Diese Fragen werde ich in folgenden Ausführungen eingehen. Der Schwerpunkt meiner Facharbeit liegt auf der Beschreibung der Frauenrolle im Heuerlingswesen Mitte des 19. Jahrhunderts sowie der Darstellung der Lebensumstände der Menschen im Münsterland zu dieser Zeit.

1.1          Quellensituation

„Die Geschichte wird von den Siegern geschrieben.“ Diesen berühmten Satz hört man immer wieder, wenn es um Geschichtsüberlieferungen geht und den Wahrheitsanteil in diesem Satz braucht man wahrlich kaum anzuzweifeln. Überall begegnet uns die Geschichte der sogenannten „Sieger“, egal ob im Geschichtsunterricht,  in der Schule oder in der Fachliteratur oder im normalen Alltag. Nahezu unser gesamtes geschichtliches Wissen basierte lange Zeit grundsätzlich auf den Überlieferungen der „Großen“ der Geschichte.

Epochenübergreifend bestand demnach also kaum Interesse an der Geschichte der ärmeren Bevölkerungsschichten, die als „stumme Zeitzeugen“ 1 agierten und kaum schriftliche Quellen hinterließen.

Erst seit Anbruch der Moderne scheint das Interesse der Wissenschaft sowie der Allgemeinheit auch auf der Geschichte der armen Bevölkerungsgruppen zu liegen. Folglich stehen nur sehr wenige wissenschaftliche Quellen zur Verfügung, da viele Informationen nur mündlich über Generationen hinweg überliefert wurden und dies die Auswertung der wissenschaftlich brauchbaren Information zusätzlich erschwert.

Zum Thema „Heuerlingswesen“ wird erst seit wenigen Jahren geforscht und demnach standen mir während meiner Arbeit nur wenige wissenschaftliche Literaturquellen zur Verfügung. Hinzu kommt, dass über das Thema „Heuerlinge“ lange Zeit aus Scham geschwiegen wurde und auch die noch lebenden Zeitzeugen kaum über das Thema berichten möchten.

1.2          Zielsetzung

Ziel dieser Facharbeit soll es sein, das Leben dieser unterbäuerlichen Schicht zu beschreiben und das Wissen über diese Volksgruppe wieder ein wenig ins Bewusstsein der Gesellschaft zu rufen. Da das Heuerlingswesen lange Zeit die Lokalgeschichte des Münsterlandes prägte und sollte es nicht in Vergessenheit geraten.

Der besondere Fokus meiner Arbeit liegt hierbei auf der Rolle der Frau, welche in beinahe allen geschichtlichen Forschungen durch die Epochen hindurch oft vernachlässigt wurde. Ihre Rolle ist durchaus wichtig und erwähnungswert.

1 Vgl. (Z.9) http://www.sb-verlag.de/programm/080/einleitung.shtml (Stand 04.03.2018, 12:26 Uhr)