Funde im Staatsarchiv Osnabrück 1

Ein Bericht des Amtes Vörden, »die Verhältnisse der Heuerleute betreffend«, verwies 1806 auf gesicherte Wohnungen für Heuerleute, auf vereinbarte Beanspruchung und Bezahlung, auf gewährte Nutzung der Mark und Entschädigung nach der Markenteilung.

Aber das seien »Ausnahmen … von einigen Colonen, während andere sie »bis aufs Blut aussaugen«. Nahezu alles müßten die Heuerleute »anheuern«: sie »kommen in die fürchterlichste Dependenz von ihren Wirthen, so daß sie befürchten müssen, -bei der Fülle der Menschen ¬verhältnismäßig gegen die Wohnungen – alle Augenblick oder wenigstens bey der ersten Gelegenheit verstoßen oder mit Frau und Kinder auf die offene Straße gesetzt zu werden. Der »Heuermann lebe vom Acker, vom Tagelohn und vom »Hollandgehen, während welcher Zeit die Frau mit den Kindern ein Stück Löwend-Linnen bearbeitet und verfertigt«. Er müsse »manche Seite Speck, manches Schwarzbrod und Buttertopf mit dahin nehmen, um so viel Geld zurückbringen zu können, indem es in Holland so theuer ist für baares Geld zu zehren. Die Familien seien verarmt, nicht kreditwürdig, fugae suspectus« (lat. = fluchtverdächtig). Und doch habe der Staat Vorteile von dieser arbeitsamen Classe«. Sie könne »Heideland cultivieren« und durch ihre temporäre Emigration ein artiges Capital baaren Geldes ins Land holen, wodurch »das Fürstenthum erst zahlungsfähig werde. Zudem mache »eine beträchtliche Menge Heuerleute und Kinder bei anzulegenden Manufacturen den Taglohn wohlfeil«. (StOs: Rep 321, 533, 91-96)

entdeckt in: 

erschienen in Bremen 1995, Seite 8

„Moffen, Pupen, Speckfreeter“

Ausstellung „Tödden & Hollandgänger“ in Lingen eröffnet

Artikel der Lingener Tagespost vom 24. Oktober 2018

Die Ausstellung besitzt augenscheinlich große Anziehungskraft. Willi Brundiers, Vorsitzender des Museumsvereins im Emslandmuseum in Lingen, konnte bei der Eröffnung ein volles Haus begrüßen. Eng verknüpft mit der hiesigen Regionalgeschichte, ranken sich viele Überlieferungen und Mythen um diese frühen Saisonarbeiter und ihr kümmerliches Dasein. Trotzdem brachte es auch einigen wenigen außergewöhnlichen Reichtum. Ein aktuelles Thema, denn es handelte sich schon im vorletzten und letzten Jahrhundert um etwas, was wir heute als „Arbeitsmigration“ bezeichnen. Menschen überschreiten Grenzen, um ihr Dasein und das Überleben ihrer Familien zu sichern.

Brundiers wies darauf hin, dass bereits zur Eröffnung des Emslandmuseums 1993 dieses Thema im Mittelpunkt stand. Das Thema „Hollandgänger“ betreffe nicht nur das Emsland, sondern auch angrenzende Gebiete im Norden und Süden sowie die niederländischen Provinzen Drenthe, Groningen und Friesland. „Hochschulen, Archive und Museen bilden einen starken deutsch-niederländischen Forschungsverbund, ein „Geschichtsnetzwerk“, um das Thema zu beforschen.“

Zurzeit stehe das Thema „Migration“ zwischen Deutschland und den Niederlanden im Mittelpunkt, ein Forschungsband sei herausgegeben und Tagungen wurden durchgeführt. Die Ergebnisse stehen nun im Emslandmuseum auf Tafeln in schriftlicher Form zur Verfügung, ergänzt durch eine Vielzahl von Bildern, Fotografien, Dokumenten und einem Film.

Dr. Andreas Eiynck vom Emslandmuseum erklärte das Vorgehen zur Erstellung des Ausstellungskonzeptes gemeinsam mit Museumsleiter Henk Dijkstra vom Fries Landbaumuseum in Leeuwarden: „Wir haben uns an Originaldokumente und wissenschaftlich abgesicherte Forschungsstände zur Geschichte der ,Hollandgängerei‘ gehalten.“ So seien die Prozessakten zum Mordfall des bei der Rückreise aus Holland heimtückisch getöteten Hermann Langeborg aus Andervenne durch den sogenannten „Knapp Gerd“, eigentlich Gerhard Kruis, eine sehr verlässliche Darstellung der sozialen Situation der Hollandgänger.

„Habenichtse“

„Es waren die „Habenichtse“ einer großen Familie, denn der älteste Sohn erbte den ungeteilten Hof, und seine Geschwister wurden in der Regel arme Heuerleute, die zum Geldverdienen als Saisonarbeiter zum Gras- und Roggenmähen ins benachbarte reiche Holland gingen“.

Auf Wanderschaft seien auch die Kaufleute der Region gegangen, die „Tödden“. „Wir haben uns als Beispiel an die Familie Brenninckmeijer aus Mettingen gehalten, heute weltweit bekannt als Textilkonzern C&A. Ihr Nachlass bietet einen wahren Schatz zur Geschichte des grenzüberschreitenden Bauchwarenhandels mit Billigware, die in Holland teurer verkauft wurden.“

Kein Zweifel ließ Eiynck am Schicksal der Wirtschaftsflüchtlinge von damals und der Situation von heute. „Die Ursachen waren damals und heute der Überlebenskampf durch Arbeit in reichen Ländern.“ Ein Blick in die Vergangenheit könne sehr nützlich sein, merkte er an, die Zusammenhänge von Armut und Reichtum in der Welt sowie von Heimat und Fremde machen deutlich, dass einst die Verachtung in den Niederlanden in Ausdrücken wie „Moffen, Pupen und Speckfreeter“ lag und heute bei uns in dem Terminus „Wirtschaftsflüchtlinge“. Die Erfahrung solle uns Besseres lehren.

Bis zum 3. Februar 2019

Die zum Nachdenken anregende Ausstellung ist noch bis zum 3. Februar 2019 im Emslandmuseum zu sehen, anschließend im Fries Landbau Museum in Leeuwarden, der Kulturhauptstadt Europas in diesem Jahr.

Emsländiche Auswanderer nach Ungarn

 

 

 

Der nachfolgende Beitrag stammt aus diesem Heimatkalender

(Seite 11 – 13)

 

 

 

 

Mitte des 18. Jahrhunderts bot sich in Ungarn eine Siedlungsmöglichkeit. Infolge innenpolitischer Schwierigkeiten waren zahlreiche Magnaten bereit, Ländereien abzustoßen. Güterverkaufsbüros schalteten sich ein und brachten die Künde bis in unsere nordwestdeutsche Ecke. Die Vermittlerstellen rieten bei größeren Projekten zum Zusammenschluss der Siedler zu Siedlergemeinschaften und luden zur Besichtigung der Verkaufsobjekte ein. Es bildete sich im Haselünner Raum eine Siedlergesellschaft und nach Erledigung der vordringlichen Erntearbeiten reisten einige Interessierte als Kundschafter nach Ungarn.

Der erste Pass — an den Beerbten Niemann aus Herssum/ Holte ausgestellt (sh. Verzeichnis emsländische Ungarnfahrer) – hat das Datum vom 23.08.1857. Die Abordnung besichtigte das Gut Ober- Orlik im Saroser Bezirk an der Oberen Theiß. Es fand nicht ihr Gefallen. Die Gruppe reiste mit dem Ingenieur Hugo Weiß nach Török- Szent-Niklas zum Gute des Grafen Adam vn Ilies. Nach erfolgter Besichtigung schloss man den Kaufvertrag über das 131 Hektar große Gut zu einem Preis von 85.000 Mark bei einer Anzahlung von 10.000 Mark ab. Der Restbetrag sollte in zwei gleichen Raten im März und Juni des folgenden Jahres entrichtet werden. Die auf der Pußter stehenden Gebäude waren in die Kaufsumme eingeschlossen.

Die Kundschafter kehrten heim und die Siedlergemeinschaft bildete sich unter dem Beistand des Haselünner Notars Dr. Russel. Zu ihr gehörten 13 Familien aus Haselünne, Andrup, Eltern, Flechum, Lotten, Westerloh und aus Herzlake, Dohren und auch aus Gersten und Langen. Bereits im März 1858 war die gesamte Kaufsumme zu¬sammen und nun kümmerte man such auf den zuständigen Ämtern um die erforder-liChen Auswanderungspässe. Jetzt führte der Reiseweg über Budapest und dann über die Kreisstadt Szolnok an der Theiß nach Torök- Szent- Niklas auf die angekaufte Fläche, Pußto Kengyel genannt.

In den vorhandenen beiden Wirtschaftsgebäuden quartierten sie sich (70 Personen) ein und begannen mit der Arbeit in der neuen Heimat. Bereits im Mai desselben Jahres kehrten drei junge Leute — unter ihnen der Zimmermann Brümmer aus Schleper — heim und wussten viel zu erzählen, jedoch wenig Erfreuliches. Das machte die zuständigen Amtsstellen hellhörig und schließlich erfolgte eine eingehende Besichtigungsreise durch den Gutsbesitzer L. von Exterde aus Haselünne. Sein ausführlicher Bericht vom 18.08.1858 führte dazu, dass die untergeordneten Ämter von einer weiteren Abwanderung abrieten.

Von Exterde fand auf der Bußta Kengyel bei seinem Besuche 14 Familien vor mit insgesamt 85 Köpfen. Das Gut war parzelliert und auf die einzelnen Familien aufgeteilt. Man hatte mit der Arbeit begonnen und sich vorläufig eingerichtet. Von Exterde fiel auf, dass der Bodenpreis überteuert war. Das lag wiederuin an dem Agenten, dem sich die Auswanderer anvertraut hatten. Der Boden auf der Pußta ist sehr fruchtbar, er bedarf zum größten Teil der Düngung nicht, doch er muss sehr sorgsam bearbei­tet werden. Dieses wird von den Kolonisten so lange nicht in erforderlichem Ma­ße geschehen können, bis der nötige Bestand Zugvieh angeschafft sein wird.

Die Siedler besaßen 27 Kühe, 1 Stier, 12 Ochsen und 3 Pferde. Die Gebäude auf der Pußta bestanden aus drei kleinen Wirtschaftsgebäuden. Nur in einem befanden sich zwei Wohnzimmer. Die übrigen Kolonisten hatten daher ihre Lager in den Ställen auf­geschlagen; dort ruhten sie bei Nacht, dort war ihr Aufenthalt bei Tage. In den Ställen befanden sich auch ihre Küchen. Sie beabsichtigten den Bau von vier neuen Wohnhäu­sern, die bis zum Einbruch des Winters fertig sein sollten. Diese Kolonie wird mit der Zeit ihr gutes Auskommen haben.

Die Emsländer- Kolonie auf der Pußta Kengyel hat ein gutes Jahrzehnt bestanden. Langsam bröckelte sie ab, verlor an Kopfzahl, hatte keinen kraftvollen Nachschub und konnte sich wirtschaftlich nicht durchsetzen. Die Kolonisten hatten sich angeb­lich wegen geldlicher Betriebsmittel mit jüdischen Verleihgeschäften eingelassen, die schließlich das Wechselnetz zuzogen und die Kolonie abdrosselten. Vielen — nicht al­len – war die Rückkehr in die Stammheimat ermöglicht und die kehrten heim und wur­den aufgenommen. Mit dem Ehepaar Heinrich Schulte und dessen Ehefrau, geb. Feldicke, sind dessen Kinder Catharina, Bernard, Hermann, Heinrich, Anton und Lisette und deren Ehemann Bäcker Wilhelm Rapin ausgewandert. Die beiden Eltern und der Schwiegersohn sind in Ungarn bzw. auf der Rückreise gestorben. Die Kinder sind in den Jahren 1871 oder 1872 und Anton 1873 oder 1874 zurückgekommen. Aus obiger Familie sind in Haselünne, Hamburg und Recklinghausen Nachkommen vorhanden. Die von Andrup und Eltern ausgewanderten Personen sind sämtlich vor 1870 zurück­gewandert. Die Familien Albers, Rosen und Deters- Albers aus Eltern, auch die Fami­lie Cordes aus Lotten, sind zurückgekehrt. Deren Nachkommen haben jetzt eine Eig-nerstelle in Huden.

Zwischen den beiden Dörfern Balkany (3000 Einwohner) und Gesztered (1000 Ein­wohner) lag Gut oder Pußta Balkany des Grafen von Lonyay, rund 198 Hektar groß, mit ausgedeckten Acker- und Wiesengründen.

Eine weitere Gruppe wanderte nach Ungarn aus…

Es war das Siedlungsziel einer weite­ren Gruppe. Am 07. März 1858 traf Wirtschaftsrat von Klanner als Beauftragter eines Wiener Güterverkaufsbüros mit mehreren Verkaufsvollmachten in Haselünne ein. Er schloss noch am selben Tag den Verkaufskontrakt um das Gut Balkany ab. Der Kauf­preis betrug 30.750 Gulden bei 10.000 Gulden Anzahlung und der Verpflichtung sei­tens der Käufer, weitere 15 Prozent der Kaufsumme am 01. Juli und sodann je ein Viertel der Restsumme am 01. März der folgenden Jahre zu entrichten. Als Käufer tra­ten drei Familien aus dem Haselünner Gebiet auf und weitere aus dem Hümmling, aus Fürstenau und aus dem Kreise Cloppenburg, alles wohlhabende Heuerleute und Grundbesitzer, die ihr bisheriges Besitztum veräußerten. Noch im Kaufmonat lösten sich Hermann Korte aus Felsen, Johann Bernard Wesselmann aus Dohren und Frau Willi-bald Kappen, geb. Witte, aus Haseltinne als Vorausfahrer Pässe in die Pußta Balkany, um die Unterbringung der alsbald nachrückenden 23 Familien, mit einzelnen Personen zusammen über 100 Köpfe, vorzubereiten. Durch einen Ingenieur wurde die Parzellierung des Gutes vorgenommen und teilte sie den einzelnen Bewerbern nach Maßgabe der bereitgestellten Geldmittel zu.

Der Bau der erforderlichen Wohnungen waren nach Aufnahme der Feldarbeiten fernere Ziele. Als L. von Exterde Balkany besuchte, fand er 28 Familien mit insgesamt 120 Personen und als Viehbestand 14 Milchkühe und 9 Pferde vor, nicht genug, um die große Siedlungsfläche genügend bewirtschaften zu können.

In kurzer Zeitspanne platzten viele Träume der emsländischen Ungarnfürer. Viele kehrten in die Altheimat zurück. Von den 29 Familien, die auf dem Lonyayschen Gut verblieben sind, ist eine durch die Ruhr ausgestorben, die übrigen Familien haben 17 Mitglieder verloren, und da aus ihnen sieben Familien, und zwar die intelligentesten und wohlhabendsten, in die Altheimat zurückkehrten, so sind nur noch20 Familien mit 76 Seelen übriggeblieben. Die Schicksale der Emsländer und die Lage dieser 20 Familien ist eine sehr schlechte, ja traurige. Es ging wirtschaftlich bergab und Einwanderer waren zu Bettlern degradiert. Der heimgekehrte Schrandt aus Vrees wusste von der Gefährlichkeit der Pußta, wo einfache Botengänge nur zu Pferde und unter Mitnahme von Waffen (Wolfsplage!) gemacht werden konnten, zu berichten und schloss seine Erzählung mit dem überzeugt ausgesprochenen Wort:

„Lieber hier auf dem dürftigsten Heidplacken als auf fettem Boden in Ungarn, aber in Vrees!“

Friedrich Schey, hessischer Konsul in Wien, machte eingehende Erkundigungen über die Siedlungsmöglichkeiten in Ungarn und nannte die Siedlung Balkany „verloren“. Woher sollte und konnte Hil¬fe kommen? — Und so kam das Ende, es kam rasch und unerbitterlich. Wer es schaffen konnte, wanderte wieder zurück und wandte Ungarn den Rücken zu. Wechselgeschäfte beschleunigten das Ende der Siedlung.

Dr. Helmut Lensing zur 7. Auflage

Schuften unter der Knute der Bauer?

Buch über Heuerlingswesen jetzt in 7. Auflage erschienen

„Der Heuermann war ein Sklave bei den Bauern … Keine Rücksicht wurde genommen an Samstagen, da mußte der bäuerliche Hof draußen gesäubert werden, ohne Rücksicht, daß die Heuerleute-Frauen ihre Kinder auf den Sonntag vorbereiten konnten, ob ein Familientag war, wie Erstkommunionfeier, sie waren eben Heuermann, oder wenn dessen Frauen Kinder stillen mußten in der Erntezeit, die mußten nachgebracht werden und dann hinter Gattern. Hatte aber das Pferd des Bauern ein Füllen, dies mußte zu Frühstück oder Vesper nach dem Stall, die Heuerlingsfrau mußte sehen, wie sie fertig wurde … Heuerlingskinder wurden in allen Bereichen zurückgestellt … Kinder bloß acht Jahre zu Schule, damit diese nicht zu klug wurden, sonst blieben keine mehr zur Ausbeutung“.

Diese ungelenk-zornigen Zeilen fanden sich im Dezember 1971 in einem Leserbrief in Südoldenburg, als ein Heimatorgan einen Artikel über das gerade in den letzten Zügen liegende Heuerlingswesen veröffentlicht hatte. Sie zeigen auch, warum das Heuerlingswesen auf dem Lande so lange ein „heißes Eisen“ war. Heimatvereine und andere Institutionen mieden das Thema, um keinen Streit im Dorf auszulösen. Umso überraschter waren wir, dass unser Buch auf eine derart große und immer noch anhaltende Resonanz stößt. Im Februar war der Nachdruck unserer 5. Auflage, die wir neu in Belm haben drucken lassen und daher schon die 6. Auflage war, bereits wieder vergriffen.

Da wir weiterhin Nachfragen erhielten, haben wir uns entschlossen, eine kleine 7. durchgesehene und leicht veränderte Auflage drucken zu lassen. Der Neudruck wird Mitte November ausgeliefert.

Das Buch (ISBN 978-3-9818393-1-9) kann unter dem alten Preis von 24,90 (zzgl. Versandkosten) Euro (vor-)bestellt werden unter kontakt@emslandgeschichte.de.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Schuften unter der Knute der Bauer?

Buch über Heuerlingswesen jetzt in 7. Auflage erschienen

„Der Heuermann war ein Sklave bei den Bauern … Keine Rücksicht wurde genommen an Samstagen, da mußte der bäuerliche Hof draußen gesäubert werden, ohne Rücksicht, daß die Heuerleute-Frauen ihre Kinder auf den Sonntag vorbereiten konnten, ob ein Familientag war, wie Erstkommunionfeier, sie waren eben Heuermann, oder wenn dessen Frauen Kinder stillen mußten in der Erntezeit, die mußten nachgebracht werden und dann hinter Gattern. Hatte aber das Pferd des Bauern ein Füllen, dies mußte zu Frühstück oder Vesper nach dem Stall, die Heuerlingsfrau mußte sehen, wie sie fertig wurde … Heuerlingskinder wurden in allen Bereichen zurückgestellt … Kinder bloß acht Jahre zu Schule, damit diese nicht zu klug wurden, sonst blieben keine mehr zur Ausbeutung“.

Diese ungelenk-zornigen Zeilen fanden sich im Dezember 1971 in einem Leserbrief in Südoldenburg, als ein Heimatorgan einen Artikel über das gerade in den letzten Zügen liegende Heuerlingswesen veröffentlicht hatte. Sie zeigen auch, warum das Heuerlingswesen auf dem Lande so lange ein „heißes Eisen“ war. Heimatvereine und andere Institutionen mieden das Thema, um keinen Streit im Dorf auszulösen. Umso überraschter waren wir, dass unser Buch auf eine derart große und immer noch anhaltende Resonanz stößt. Im Februar war der Nachdruck unserer 5. Auflage, die wir neu in Belm haben drucken lassen und daher schon die 6. Auflage war, bereits wieder vergriffen.

Da wir weiterhin Nachfragen erhielten, haben wir uns entschlossen, eine kleine 7. durchgesehene und leicht veränderte Auflage drucken zu lassen. Der Neudruck wird Mitte November ausgeliefert.

Das Buch (ISBN 978-3-9818393-1-9) kann unter dem alten Preis von 24,90 (zzgl. Versandkosten) Euro (vor-)bestellt werden unter kontakt@emslandgeschichte.de.

Im Ammerland waren es schon „andere“ Heuerleute

Die Karte stammt aus Wikipedia

https://de.wikipedia.org/wiki/Ostfriesland#/media/File:Municipalities_in_East-Frisia.svg  bearbeitet von B. Robben (Pfeile)

Während der Cloppenburger Raum (auch so eingetragen in die entsprechende Verbreitungskarte nach Seraphim 1946) – der schwarze Pfeil zeigt ihn – noch mit allen Kriterien zum Heuerlingsgebiet gehört, fällt das Ammerland nach folgendem Bericht schon in eine Übergangsgebiet:

Die Gemeinde bestand früher aus den alten Ortschaften oder – wie man heute bei uns sagt
– Bauernschaften Edewecht, Oster- und WestersCheps und Jeddeloh (nur 2 Höfe). Das
Wort „Bauernschaft“ drückt es schon aus: Die Bewohner der Gemeinde waren Bauern.
Allerdings gab es unter ihnen so etwas wie Stände oder Klassen. Die „Hausleute“ oder in
der Einzahl „Hausmann“ waren die größten Bauern. Natürlich waren es auch die ältesten
und einflussreichsten Familien. Diese waren in der Regel auch nicht, wie die anderen
Schichten, auf einen Nebenerwerb angewiesen.
Nach etwa 1500 entstanden neue Höfe, die sogenannten Köter-Höfe. Diese hatten u. a.
keine Rechte an der Gemeinheit. Diese Köter wurden später – im Unterschied zu den nach
1700 entstandenen Köter-Höfen – „Alte Köter“ genannt. Wenn Sie also in Edewecht in
einem Sterbeeintrag lesen: Harm Reil, alter Köter in Edewecht‘, so ist nicht sein
Lebensalter, sondern sein bäuerlicher Stand gemeint.
Dann gab es noch die Heuerleute und die Grundheuerleute. Die Heuerleute wohnten bei den Hausleuten oder Kötern zur Miete. Ihre äußerst bescheidenen Schlafräume befanden sich zumeist in den Speichern, plattdeutsch: Spieker. Daher kommt übrigens der hierzulande recht häufige Familienname „Spiekermann“. Die Grundheuerleute besaßen ein eigenes Haus, das aber auf fremdem Grund und Boden stand.
Noch etwas Besonderes gab es in Edewecht. Dies waren sieben kleine Güter, auf denen
Angehörige des örtlichen Adels saßen. Allerdings waren diese „Freien“, wie man sie
nannte, mit ihren Höfen nach etwa 1600 schon soweit heruntergekommen, dass keine
wesentlichen Unterschiede zur übrigen bäuerlichen Bevölkerung mehr zu erkennen war.
Sie bewirtschafteten ihre Höfe selber. Auch gab es Heiratsverbindungen zu den anderen
Schichten des Ortes. Ich nenne in diesem Zusammenhang die Namen Bünting und
Gruben mit je zwei Höfen, dazu Jüchter, von Aschwege, Fierleys und die Wehlaus.
Wie bereits angedeutet, hatten außer den Hausleuten fast alle Bauern einen Nebenberuf.
Es dominierten die Schmiede, Schuster, Schneider und Gastwirte. Berufe wie Metzger
und Bäcker finden sich gar nicht.

http://www.osfa.de/verein/leitfaden/LF_Ki-Verkartung2.pdf

Ein unschönes Ende der Heuerlingszeit

Wolfgang Pieper (Jahrgang 1947) wohnt in Billerbeck im Münsterland. Er ist in einem Heuerhaus aufgewachsen:

Hier berichtet ein Heuerlingssohn über ein weitreichendes Problem zum Ende des Heuerlingswesens ab 1955:
Viele Bauern haben den abziehenden Heuerleuten keinem Bauplatz überlassen.

 

Ausstellung im Emslandmuseum

Diese Ausstellung unter dem Thema Tödden & Hollandgänger ist zu besichtigen vom 21. Oktober 2018 bis zum 03. Februar 2019 im Emslandmuseum in Lingen