Viele Heuerleute wanderten im 19. Jahrhundert aus – vornehmlich in die USA

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in dem Buch auf Seite 299

Die allermeisten Heuerleute waren ja in die Neue  Welt aufgebrochen mit dem dringenden Wunsch, dort eine eigenständige und unabhängige Landwirtschaft betreiben zu können. Das konnte jedoch nicht in jedem Fall auf Anhieb gelingen, weil das nötige Kapital dafür nicht vorhanden war. So nahmen sie durchaus   in Kauf, dass sie sich zunächst in den sich sehr stark entwickelnden Städten (allen voran Cincinnati) ansie￾delten und dort einfache Arbeiten übernehmen mussten, um sich Kapital zu besorgen. Dabei passierte es auch, dass sie sich im nichtlandwirtschaftlichen Bereich beruflich qualifizieren konnten und sich so ins städtische Leben integrierten.

Andere jedoch blieben dennoch ihrem Vorsatz treu und ließen sich landwirtschaftliche Flächen ausweisen, die sie teilweise zu einem sehr geringen Kaufpreis erhielten. Sie rodeten den Wald und machten die Gegend urbar unter größtenteils schwierigsten Bedingungen. Das vorhandene oder geborgte Geld wurde also in aller Regel zum Kauf von Land angelegt. Die ersten Behausungen fielen dagegen eher kläglich aus, durchaus vergleichbar mit den ursprünglichen Hütten der Siedler in Papenburg oder den Moorsiedlern in Deutschland.
Der US-amerikanische Historiker Walter D. Kamphoefner (am 5. März 1948 in Missouri geboren)
untertitelt ein Foto, das u. a. seinen Urgroßvater – einen ehemaligen Heuermann aus dem Raum Melle
‒ abbildet, dessen Name 1846 zum ersten Mal in amerikanischen Akten auftaucht: Dieses Foto von
1896 zeigt das Ehepaar Ernst Heinrich Kamphoefner und Klara Elisabeth, geb. Rökers, beide fast 80
Jahre alt, mit Tochter, Schwiegersohn Thellmann und ihren Enkelkindern vor dem Blockhaus, das
mit Anbauten und Verbesserungen ihr ganzes Leben lang ihr zu Hause in Amerika war. Auf Grund von
weiteren überlieferten Fotos darf man also annehmen, dass zumindest ein Teil der Siedler in Nordamerika zunächst schlechter gewohnt hat als in seinen Heuerhäusern in der ehemaligen Heimat.

Fotos: Archiv Dr. Timothy Sodmann