„Mittelalter und Moderne – Das Heuerlingswesen in der Weimarer Republik“ – Vortrag in Lohne

 

Vortrag im Industriemuseum Lohne:
„Mittelalter und Moderne – Das Heuerlingswesen in der Weimarer Republik“
Donnerstag, 5. Februar 2026, 19 Uhr

Lohne. – Das Industriemuseum Lohne lädt am Donnerstag, den 5. Februar 2026, um 19 Uhr zu einem spannenden historischen Vortrag ein. Unter dem Titel „Mittelalter und Moderne: Das Heuerlingswesen in der Weimarer Republik“ beleuchtet der Historiker Dr. Christian Westerhoff die Geschichte einer in der Forschung häufig übersehen unterbäuerlichen Schichten: die Heuerleute.

Westerhoff zeigt, wie konfliktreich die Situation im westlichen Niedersachsen nach dem Ersten Weltkrieg war. Die Inflation verleitete die Bauern zu Pachtsteigerungen, die viele Heuerleute nicht tragen konnten und wollten – Auseinandersetzungen und Kündigungen prägten den ländlichen Alltag.

Über drei Jahrhunderte war das Heuerlingswesen prägend für große Teile Nordwestdeutschlands: Landarbeiter pachteten Haus und Land von Bauern und waren im Gegenzug zur Arbeit auf deren Hof verpflichtet. Im 19. Jahrhundert stellten Heuerleute in einigen Teilen des Oldenburger Münsterlandes sogar mehr als die Hälfte der Bevölkerung. Trotz ihrer sozialen und politischen Bedeutung wurden sie in der Forschung lange kaum beachtet.

Dr. Westerhoff zeigt in seinem Vortrag, wie sich diese unterbäuerliche Schicht nach der Novemberrevolution politisch organisierte und bemerkenswerte Erfolge erzielte. So setzte sie bereits 1920 die Pachtschutzordnung durch, die kurzfristige und ungerechte Kündigungen untersagte. Die Interessenverbände der Heuerleute – teils dem Zentrum, teils der SPD verbunden – entwickelten sich zu verlässlichen Stützen der jungen Demokratie. Der Historiker Benjamin Ziemann bezeichnet sie daher als „standhafte Befürworter und Verteidiger des republikanischen Staates“, eine „Ausnahme und eine Erfolgsgeschichte, die nicht vergessen werden sollte“.

Trotz politischer Fortschritte blieb die soziale Lage vieler Heuerleute jedoch schwierig. Arbeits- und Lebensbedingungen veränderten sich nur langsam und blieben teilweise bis in die 1950er Jahre hinein bestehen.

Mit seinem Vortrag eröffnet Dr. Westerhoff einen neuen Blick auf die Weimarer Republik – jenseits der großen Städte und bekannten politischen Akteure. Der Abend verspricht spannende Einblicke in ein Stück regionaler Sozialgeschichte, das bis heute nachwirkt.

Der Eintritt ist frei.